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Ökofonds können der Finanzkrise kaum trotzen

 

Zurzeit Besitzer einer Solarworld-Aktie zu sein, macht gerade keinen Spaß: Der Kurswert dümpelt aktuell bei 1,15 Euro. Dabei kratzte sie zu Hochzeiten vor einigen Jahren schon einmal an der 50-Euro-Marke. Auch Solarworld hat mit den Überkapazitäten der Branche und dem Preisverfall zu kämpfen.

Erst vorgestern gaben die Bonner einen Verlust von 143 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern für das erste Halbjahr 2012 bekannt. Auch der Ausblick ist alles andere als sonnig, man werde „im Geschäftsjahr 2012 aus heutiger Sicht kein positives EBIT erzielen“. (EBIT ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern)

Oh je, kann man da nur sagen. Kein Trost ist es da, dass es anderen „Solaris“ nicht besser geht. Im Vergleich zum Vorjahr hat Deutschlands wichtigster Solaraktien-Index PPVX, der die 30 weltweit größten Solarfirmen abbildet, rund zwei Drittel an Wert eingebüßt.

Nun könnte man argumentieren: Ist doch kein Problem. Wer eine Solaraktie kauft, der tut doch sowieso nichts für die Energiewende. Schließlich sind die Aktien bereits im Handel, eine Solarworld bekommt durch den Aktienkauf nicht einen Cent mehr, um damit in die Energiewende zu investieren. Ähnlich bei Vestas, dem weltgrößten Windradhersteller. Wer eine Vestas-Aktie ersteht, der verschafft dem Unternehmen nicht höhere Mittel für den Ausbau der Windanlagenproduktion.

Das Problem ist, dass die mauen Kurse der Erneuerbare-Energien-Branche sich auch auf die Performance der nachhaltigen Anlagefonds insgesamt auswirken. Rund 115 Milliarden Euro haben Anleger im deutschsprachigen Raum hier im vergangenen Jahr investiert. Nach Angaben des Forums Nachhaltige Geldanlage machen Firmen aus dem Bereich erneuerbare Energien rund ein Viertel aus.

Früher galten nachhaltige Geldanlagen (und darunter verstehen viele Anleger ja vor allem auch Firmen aus dem Alternative-Energien-Bereich) als attraktiv, das Segment verzeichnete zweistellige Wachstumsraten. Nun eiert vor allem die deutsche Politik bei der Förderung und verunsichert Anleger. Entsprechend hat sich das Wachstum abgeschwächt, es lag 2011 bei rund fünf Prozent. In anderen Jahren waren es noch mehr als 15 Prozent. „Grüne Investmentfonds sind keine Selbstläufer“, so das Fachmagazin Ecoreporter und schreibt in der jüngsten Ausgabe:

„72 der nachhaltigen Aktienfonds, die länger als fünf Jahre am Markt sind, haben zweistellig an
Wert verloren. Sie bewegen sich damit übrigens auf einem ähnlich schwachen Niveau wie herkömmliche Aktienfonds.“

Fragt sich nur, wie sich die Ökofonds in Zukunft entwickeln werden. Manche Fondsmanager sind da ganz optimistisch und sagen: Wenn es schnell abwärts geht, kann es auch schnell wieder aufwärts gehen.

Na, mal sehen.

 

 

 

 

16 Kommentare

  1.   Frank Schiller

    Gruß Gott Wolfi-Bärli,
    Eine Anmerkung zu Ihrer Anmerkung: Diese Regierung hat wie jede andere rechtmäßig gewählte Regierung das Mandat und damit die Entscheidungsmacht, ihre Politik neu auszurichten. Wenn sie dabei ihre Wählerschaft nicht mitgenommen hat, ist das möglicherweise ihr Versäumnis, denn der Wähler könnte sie dafür ev. bei der nächsten Wahl abstrafen. Unwahrscheinlich nur, dass das passieren wird, da die anderen Parteien den gleichen Kurs vertreten. Dies würde dann auch die Umfragen bestätigen, die eine mehrheitliche Zustimmung zur Energiewende verzeichnen. Das sind die ganz normalen Zumutungen einer Demokratie – bekanntlich die schlechteste aller Regierungsformen mit Ausnahme aller anderen, die schon probiert wurden. Wir sind allerdings auch als gut funktionierender demokratischer Staat nicht allein auf dieser Welt, sondern in internationale Märkte eingebunden und die erwarten, gerade auch in der Entwicklung von neuen Energietechnologie, so einiges von Deutschland.

  2.   Freeway

    >Nun eiert vor allem die deutsche Politik bei der Förderung und verunsichert Anleger.

    LOL, wohl noch nix vom PV Rekordzubau in 1H/2012 gehört.

  3.   Freeway

    >Eine Primitivtechnik ist wohl eher das AKW:

    Klar, deswegen gibt es auch nur 5 Unternehmen auf der Welt, die sowas bauen können.

    Die Chinesen haben übrigens die gleichen Probleme, Industrie-Riesen wie LDK und Suntech Power sind praktisch pleite, der chinesische Staat weiss nur noch nicht wie er die Unternehmen abwickeln soll.

    Wenn das nicht bald passiert geht die ganze chinesische PV Industrie unter.

  4.   Heinz Göd

    @Freeway

    <>

    Also ich komme locker auf mehr AKW-Hersteller:
    Kraftwerk Union AG (KWU) = Siemens + AEG
    Areva
    Westinghouse
    General Electric
    Atomic Energy of Canada Limited (AECL)
    SNC-Lavalin
    Toshiba
    Hitachi
    Mitsubishi
    Atomstroyexport
    Rosatom
    Chinesische??

    Dass nur große Firmen drin sind,
    liegt wohl eher am PanungsAufwand und der Finanzierung.

    PS: habe in einer Firma gearbeitet, die Bauteile für AKW hergestellt hat.

  5.   Freeway

    @Heinz Göd

    Setzen sie die Zahl mal ins Verhältnis zu den PV Modulbauern, allein in China gibt/gab es davon >500

    PV ist „Primitivtechnik“, aber deswegen auch unglaublich im Preis gefallen, ein echter Gamechanger im Energiemarkt, wo fast alles Kleinserie ist und praktisch alles immer teurer wird.

  6.   Heinz Göd

    @Freeway

    Wir reden da aneinander vorbei, glaube ich.
    AKW sind KleinstSerien, z.B. 4 baugleiche Blöcke. Die Bauteile von AKW sind gegossen, geschmiedet, geschweißt, gedreht, gefräst, gebohrt; auf der Baustelle wird betoniert, geschweißt und geschraubt: das sind alte und bei den TeileGrößen grobschlächtige Verfahren – ich nenne sie daher ‚primitiv‘.
    Die AKW-Hersteller fertigen üblicherweise nicht alles selbst, sondern vergeben Unteraufträge an andere Firmen,
    für sehr große Teile an Spezialfirmen, von denen es nur wenige gibt, weil es auch nur wenige Aufträge gibt – sehr große Teile werden eben nur wenige benötigt, z.B. 435 Kernreaktoren in etwa 210 Kernkraftwerken in 40 Jahren.
    Die Firma, in der ich vor ca. 40 Jahren gearbeitet habe,hatte sehr große Schmiedemaschinen – angeblich die gößte Europas. Sie bekam darum ab und zu auch Auftäge für AKW-Bauteile und da haben dann ‚rohe Kräfte gewaltet‘.
    Die Photovoltaik-Herstellung spielt da in einer anderen Klasse.
    Da mussten neue Technologien erfunden werden, z.B.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wafer#In_der_Photovoltaik
    http://de.wikipedia.org/wiki/Solarzelle#Waferherstellung
    http://de.wikipedia.org/wiki/Drahts%C3%A4gen
    und neue HandlingsMethoden, z.B.
    http://www.zs-handling.de/Kristalline-Photovoltaik/?etAdvEn=google_DACH&etAdvKw=herstellung_von_photovoltaik
    Das EndErgebnis, das Solarpaneel, sieht einfach aus, ist es auch rein mechanisch gesehen, ohne bewegte Teile, dadurch auch sehr wartungsarm, kann aufs Dach geschraubt werden – nimmt also keinen LebensRaum weg -, ist also verbrauchernah, kann gut recycelt werden:
    also eine elegante Lösung.
    Der optimale Solar-Modul( Photovoltaik + Wärme) ist meiner Meinung nach noch gar nicht entwickelt, auch die Verbindung durch KupferKabel ist unbefriedigend, siehe z.B.
    http://members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zukunft/2069FaqD/2069FaqD_Energ.html#Photovoltaik-Erwartungen

    Der schnelle Preisverfall deutet auf hohe EntwicklungsKosten – auch bei den Herstellverfahren – also eher high-tech, war z.B. bei Computer auch so – oder ein neues kostengünstiges Verfahren hin, bei PV war es auch ein -künstlicher?- Mangel an SolarSilizium.
    Schön wäre, wenn da noch was drin wäre :-)

 

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