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Solarinseln – Sonnenstrom goes offshore

 

Offshore-Windräder und Wellenkraftwerke – schon heute findet die Energiewende auf hoher See statt. Dort draußen gibt es genug Platz, die Windverhältnisse sind stabil. Weil dort auch die Sonne scheint, hat jetzt die Solarbranche das maritime Umfeld entdeckt. Die neue Idee: schwimmende Solarinseln.

Solarinsel Sundy;  Copyright: DNV Kema
Solarinsel Sundy; Copyright: DNV Kema

SUNdy hat der niederländische Zertifizierer DNV Kema sein Konzept genannt. Dafür will er Dünnschichtmodule zu sechseckigen Flächen zusammenfügen und auf dem Meer schwimmen lassen. Die Anordnung haben sich die Macher bei der Natur abgeschaut, schließlich ist auch ein Spinnennetz beeindruckend stabil. Die Module werden dann von den Ecken aus auf dem Meeresboden vertäut. 4.200 Module könnten zusammen eine Kapazität von etwa zwei Megawatt erreichen. Ein solches Solarfeld wäre etwa so groß wie ein Fußballstadion.

DNV glaubt, dass mehrere Trends für SUNdy sprechen. Zum einen natürlich der Preisverfall: Module werden immer kostengünstiger, das könnte die Solarinseln wettbewerbsfähig machen mit Solarparks auf dem Land. Zudem wird der Platz an Land knapp – jeder kennt die Diskussion um Landgrabbing. Bjørn Tore Markussen von DNV KEMA Energy & Sustainability:

Wir sind fest davon überzeugt, dass das schwimmende Solarfeldkonzept SUNdy fundierte und nachhaltige Entwicklungsaussichten bietet. Das gilt insbesondere in Asien und den überfüllten Megacitys an der Küste, in denen das Potenzial für Solarenergie auf Dächern begrenzt ist, und in städtischen Regionen, die Premiumpreise für die großmaßstäblich errichtete Solarproduktion verlangen.

Na, gemach, würde ich mal sagen. Die deutschen Erfahrungen bei der Errichtung der Offshore-Parks erzählen ja gerade eine ganz andere Geschichte. Jede Technologie, die raus auf´s Meer geht, ist teuer und wartungsintensiv. Also muss der Output stimmen. Zum Vergleich: Die Solarinsel soll zwei Megawatt Kapazität haben; ein Offshore-Windrad kommt schon heute auf fünf. Der Charme dieser schwimmenden Solarparks ist sicherlich, dass sie leichter auf- und abzubauen sind.

21 Kommentare


  1. Die Frage ist, wie viel 5-Megawatt-Spargel passen auf die Fläche eines Fußballstadions mit 2 MW. Bei einer Nutzung im großen Stil werden hier Luft und Wasser an ihrem natürlichen Austausch gehindert.Außerdem ist die Albedo des Planeten schon heute reduziert. Durch die mangelnde Reflektion des Sonnenlichts ins All könnte sich die Atmosphäre weiter aufheizen. Der einzige Reiz der Geschichte sind extrem billige Solarpaneele, die das Ganze wirtschaftlich machen könnten. Dafür müssen aber wieder ein paar arme magere Kulis für eine Hand voll Reis arbeiten.


  2. > Der Charme dieser schwimmenden Solarparks ist sicherlich, dass sie leichter auf- und abzubauen sind.

    Im Vergleich zu einem Offshore-Windrad wohl schon. Im Vergleich zu einem Windrad an Land wohl eher nicht.


  3. „Und was machen Sie beruflich?“ – „Ich bin Hochsee-Solarpanel-Putzer.“

    Technisch bestimmt machbar. Nur wird man relativ schnell feststellen, wie auf den warmen Solar-Oberflächen dicke Salzkrusten ablagern. Dann hat es sich mit der Ausbeute.

    Dann lieber in die Wüste mit den Modulen. Und falls es dann mit dem Stromtranport nicht klappt, Elektolyse und Pipelinetransport von Gas.

  4.   JoPo

    Noch nie an der Küste gewesen?
    Noch nie salzige Sprühnebel gesehen, die sich flächendeckend auf jede Oberfläche legen und den Wirkungsgrad dieser Solarflächen schnell drastisch senken?
    Viel Spaß beim Putzen.
    Gibt es für diese Schnapsidee wieder irgendwo Fördergelder bei unbedarften Großstadtbeamten abzugraben?


  5. Lustig,

    wer macht die Dinger sauber und wie korrosionsbeständig sollen die sein? Schon die Windräder haben da erhebliche Probleme.

    MfG KM


  6. Na logisch. Mit Sicherheit ist Altmaier sofort dafür dies zu fördern weil der auch sonst immer sofort dabei ist wenn seine Klientel in Dinge investiert die drei Mal so teuer sind wie an Land (offshore).

    Übrigens gibts für PV, wie auch bei Windkraft, mehr als genug Platz an Land.
    200 GW PV (an Land/Dach)
    http://www.volker-quaschning.de/downloads/Staffelstein-2012-Quaschning.pdf
    200 GW Windkraft (bei: 2% der Landfläche, 3 MW WKA)
    http://www.wind-energie.de/sites/default/files/download/publication/studie-zum-potenzial-der-windenergienutzung-land/bwe_potenzialstudie_kurzfassung_2012-03.pdf


  7. Schnapsidee..
    war auch mein erster Gedanke beim Lesen….

  8.   Dr. Björn Brezger

    Die Herausforderung bei Offshore-Windkraft hängt ja erstens mit den erforderlichen Fundamenten und zweitens mit der Verkabelung zusammen. Das erste Problem ist bei schwimmenden Solarinseln wesentlich reduziert, und für die Verkabelung wäre es sicher am sinnvollsten, die Kabel von Offshore-Windparks mitzunutzen – Wind und Solar gemeinsam haben einen gleichmäßigeren Zeitverlauf als jeder für sich. Bleiben die Herausforderungen der Korrosions-, Sturm- und Wellenbeständigkeit. Salzverkrustungen lassen sich auch mit Regen- und Meerwasser abwaschen (aktiv oder passiv), sollten also kein prinzipielles Hindernis sein.

    Für den Start wären Flächen auf Seen (z. B. Stauseen mit bereits vorhandenem „Starkstromanschluss“) wohl unproblematischer als gleich auf dem Meer… Der Luft-Wasser-Kontakt wird ja nur auf einem Teil der Fläche (Schwimmkörper) verhindert, und wie sich die zusätzliche Verschattung auf die Ökosysteme auswirkt, hängt sicher stark vom Klima usw. ab, muss aber nicht unbedingt sehr negativ sein.

  9.   agnost

    Die Idee mit der Elektrolyse ist eher doof.
    Der Wirkungsgrad ist gering (40%) und die Pipelines wären ein super Anschlagsziel… Nordafrika ist ja seit seiner Demokratisierung nicht stabiler geworden.


  10. Der Landverbrauch bei Windrädern ist auch an Land minimal, Fundament und Trafohäuschen ist wirklich nicht viel.

    Und Solarparks gehören auf Nutzflächen (Dächer, Industriegebiete, Überdachung von Parkplätzen) oder in die Wüste. Da ist genug Platz, die Sonne scheint oft und man muß nicht einem Bauern das Land wegnehmen.

    Auf See ist das nur teurer Unfug, lieber irgendwo in der Wüste aufbauen, und mit dem eingesparten Geld die lokale Wirtschaft / Bildung fördern. Dann klappt es auch mit den internationalen Beziehungen.

 

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