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Gekauft und weggeschmissen

 
Wie viel Salat landet im Müll? © Tesco
Wie viel Salat landet im Müll? © Tesco

 

 

 

 

 

 

 

Als ich diesen Report der britischen Supermarktkette Tesco las, musste ich daran denken, wie ich selbst Salat wasche. Auch bei mir landen die labbrigen Salatblätter im Müll. Offenbar bin ich mit solchen Wasch-Putz-Wegschmeiß-Gewohnheiten nicht allein. Für den Report Tesco and Society hat der britische Konzern en detail aufgelistet, wie viele Lebensmittel an welcher Stelle weggeschmissen werden. Es ist das erste Mal, dass ein Lebensmittelhändler so tiefe Einblicke in die Mülltonnen gewährt. Unterstützt wurde die Aktion von dem Regierungsinstitut Wrap (Waste and Resources Action Programm).

Tesco hat die 25 am häufigsten verkauften Produkte aus seiner Lebensmittelabteilung über die komplette Lebenszeit analysierst, vom Anbau über die Verarbeitung bis zum Verbraucher. Bei Salat ist das Ergebnis besonders beeindruckend: 68 Prozent gehen insgesamt verloren. Mehr als zwei Drittel aller Salate werden also weggeschmissen: 17 Prozent sind es im Anbau, 15 Prozent in der Verarbeitung, ein Prozent im Verkauf – und eben 35 Prozent in der Küche des Verbrauchers.

Auffällig ist, wie sich die Abfallmengen in den unterschiedlichen Produktionsstufen unterscheiden.

 

Wie viel Brot landet im Müll? © Tesco
Wie viel Brot landet im Müll? © Tesco

 

 

 

 

 

 

 

Brot etwa schmeißt der Handel viel mehr weg als Obst und Gemüse. Vier Prozent sind es allein bei Tesco. Äpfel werden bereits zu einem großen Teil bei der Ernte aussortiert, gleich elf Prozent landen auf dem Müll. In der Regel ist der größte Lebensmittelverschwender der Verbraucher, zwischen zehn und 35 Prozent der Lebensmittel schmeißt er am Ende weg.

Solche Zahlen summieren sich auf. Erst am Montag warnte die Welternährungsorganisation FAO, dass jedes Jahr rund ein Drittel der Lebensmittel weggeschmissen wird. Das macht jährlich 1,3 Milliarden Tonnen aus – zum Vergleich: Ein klassischer VW Golf wiegt etwa eine Tonne. Zwei Milliarden Menschen könnten eigentlich jedes Jahr davon ernährt werden. Es sind außerdem enorme Werte, die im besten Fall in der Biotonne landen. Im Schnitt schmeißen wir jährlich Lebensmittel im Wert von 750 Milliarden US-Dollar weg.

Was tun? Auch wenn Tesco zu dem Schluss kommt, als Händler eigentlich das kleinste Problem in der Kette zu sein, hat sich der Konzern einiges vorgenommen. Salate will er etwa nicht mehr in Megapacks verkaufen, damit der Konsument nicht gleich den kompletten Packungsinhalt wegwirft, wenn gerade mal ein Salatkopf schwächelt. Die Einkaufswege der Bananen will er verbessern, damit nicht zu viele Früchte im Lager vor sich hin reifen. Die Zulieferer, also die Apfelbauern, sollen weniger Pestizide einsetzen und stattdessen auf ökologische Unkraut- und Insektenbekämpfung setzen.

Am effektivsten wäre es wohl, beim Verbraucher anzusetzen. Das ist zumindest die Haltung des deutschen Landwirtschaftsministerium. In der Kampagne „Zu gut für die Tonne“ ruft es seit einigen Monaten Verbraucher dazu auf, weniger Essen wegzuschmeißen.

Die Zahlen aus Großbritannien erzählen aber auch eine andere Geschichte. Das betont der Filmemacher Valentin Thurn, der vor zwei Jahren erstmals die große Lebensmittelverschwendung in dem Kinofilm Taste the waste dokumentierte und inzwischen ein Essensmüll-Fachmann ist. Addiert man die Lebensmittelverschwendung im Bereich Anbau, Verarbeitung und Handel, dann sind diese Anteile fast ebenso groß wie die des Verbrauchers. „Ein Großteil des Essens wird weggeschmissen, bevor es den Verbraucher überhaupt erreicht“, sagt Thurn. Die Studie sei eine Ohrfeige für Ilse Aigner, die dem Verbraucher in ihrer Informationskampagne den schwarzen Peter zuschiebe. „Bei der Lebensmittelverschwendung kommen wir nur voran, wenn wir begreifen, dass es nicht einen Bösewicht gibt, sondern dass es sich um eine geteilte Verantwortung handelt.“

35 Kommentare


  1. Bei Obst, Gemüse und Feldfrüchten wie Kartoffeln liegt ein Gutteil der Verantwortung bei den sinnfreien EU-Vorschirften, wie was auszusehen und welche Größe es zu haben hat. Da bleiben bei Kartoffeln schon mal frevelhaft viele auf den Feldern liegen und werden untergepflügt, wenn nicht der Erzeuger die Äcker für Sammler freigibt. Und wenn man jetzt durch die Landschaft fährt, möchte man heulen über die vielen hnderttausned Äpfel, die rund um die „freien“ Bäume auf dem Boden vergammeln. Wir sameln sie wannenweise und bringen sie zum Mosten.

  2.   ha

    Bleibt nur noch zu erwähnen, dass ein beträchtlicher Teil der Früchte schon bei der Ernte aussortiert wird, da er in keine Handelsklasse passt, und deshalb auf dem Feld verrottet.

  3.   kassandra

    Unser gesamtes Gesellschafts- und Wirtschaftssystem basiert z.Z. auf Konsum und Wegschmeißen. Wenn ich heute durch einen Supermarkt gehe, so wird mir angesichts der angebotenen Massen der Produkte schwindelig. 5-10 m lange Regale nur mit z.B. Joghurt, immer prall gefüllt, egal wann ich in den Laden komme. Das darf und muss nicht sein. Wir satten bequemen Wohlstandsbürger müssen schnellstens umdenken und zu einer nachhaltigeren, bescheideneren Lebensweise finden. Solange dieser bewußte Verzicht nicht umgesetzt wird, sindt z.B. auch die vielen Anstrengungen zum Umweltschutz („Klimaschutz“) nur Makulatur.

  4.   Bernd Rittmeyer

    Eigentlich immer wieder das gleiche Lied – Verallgemeinerung. WIR ergibt sich aus einem statistischen Durchschnitt. Wir und das sind meine Lebenspartnerin und ich werfen pro Jahr maximal 1.000 Gramm verarbeitete Lebensmittel weg weil Wurst oder Brot Schimmel hat. Kartoffeln essen wir ohne Schale, auch Möhren und Kohlrabi, beim Salat werden die äußeren Blätter entsorgt. Damit können die Hungernden nicht ernährt werden. Seriöser wären solche Untersuchungen wenn nur Restaurants und Geschäfte untersucht würden, aber keine Rückschlüsse auf Verbraucher gezogen würden.


  5. Und zeitgleich wird uns propagiert, dass wir zu viele Menschen auf dem Planeten sind.
    Wie wärs, wenn man einfach sinnvoll mit Lebensmittel umgeht, bevor man versucht, sich Menschen wegzuwünschen von unserem Planeten?

  6.   Ellen Ernst-Zeij

    Nicht mal 1 Prozent der gekauften Lebensmittel wird bei uns weggeworfen. Deswegen essen wir noch lange nichts Schlechtes. Tipp: Jede Woche einen Essensplan für die kommende Woche aufstellen und strikt danach einkaufen. Das spart Zeit, Geld und Lebensmittel.


  7. Wahnsinn, was für eine Welt!!!


  8. 500.000 Tonnen Brot im Jahr in Schland. Auch weil Supermaktketten als Vermieter von den Bäckereien (Mietern) fordern, dass bis 19.00 Uhr die Regale voll sein müssen.


  9. Was ist mit Fisch?

    Die Fischtheke ist immer üppig bestückt.
    Aber wann sieht man schon einmal jemanden Fisch kaufen?!


  10. Woher weiß Tesco bitte, wieviel seine Kunden wegwerfen?

 

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