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Färben ohne Wasser

 

Jedes Jahr sinkt in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, der Grundwasserspiegel um mehrere Meter. Dafür gibt es viele Gründe, aber einer liegt auf der Hand: Die Textilindustrie benötigt enorme Mengen Wasser. Mode ist durstig. Allein das Färben eines simplen T-Shirts verbraucht 25 Liter. Und das ist nur ein Teil der Produktionskette. Gerade der Anbau von Baumwolle ist extrem wasserintensiv. Jedes Jahr wird Wasser also knapper in Bangladesch.

Und es wird dreckiger. Gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern landen Abwässer aus der Färberei noch immer ungefiltert in Flüssen und Seen. Schwermetalle und Chemikalien belasten Grundwasser und Natur, machen Menschen krank. Ein Viertel aller weltweit produzierten Chemikalien wird laut einem Nachhaltigkeitsreport von Sustainalytics in der Textilherstellung eingesetzt. Verschiedene Umweltorganisationen und Institute prangerten in einem Report über die Lage in China die Textilbranche als einen der größten Wasserverschmutzer dort an: Beeindruckende 2,5 Milliarden Tonnen Abwasser fielen im Jahr 2009 an. Mehr als die Hälfte der Landbevölkerung hat in China keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser mehr. Sicher, daran ist nicht nur die Textilindustrie Schuld – aber sie trägt auch einen Teil der Verantwortung.

Modekonzernen ist klar, dass sich etwas ändern muss. Adidas und andere Hersteller bewegen sich langsam, auch unter dem Druck von Umweltschützern. Es gibt auch schon Ideen, wie man es schafft, weniger Wasser und Chemikalien zur verbrauchen. Drei größere Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren darauf spezialisiert. Eines von ihnen ist DyeCoo aus den Niederlanden. Statt Fasern mithilfe von Wasser zu färben, setzt man unter Druck gesetztes Kohlendioxid ein, um Farbe in die Faser zu injizieren. Das sonst so ungeliebte Klimagas hat also hier einmal einen Nutzen und kann am Ende recycelt werden. Weil das Färben schneller geht, lassen sich Energie- und Chemikalieneinsatz sogar halbieren.

Es gibt nur eine entscheidende Hürde, wie jetzt ein Report des Umweltportals Yale360 zeigt – die Produktionskosten (Okay, es gibt noch eine zweite: Das CO2-Verfahren funktioniert nicht bei Baumwolle, sondern nur bei Synthetikfasern). Bislang sind die wasser- und energieeffizienten Technologien extrem teuer. Laut Yale-Report kostet eine dieser CO2-Färbemaschinen zwischen 2,5 und vier Millionen US-Dollar. Auch wenn die Technik teilweise schon bei Zulieferern von Nike und adidas zum Einsatz kommt: In der Menge ist die auf diese umweltfreundliche Art produzierte Mode noch immer verschwindend klein. Gerade einmal 50 Millionen Liter Wasser hat adidas durch den Einsatz der CO2-Technik inzwischen gespart – das entspricht laut Nachhaltigkeitsbericht etwa dem Inhalt von 20 Olympiaschwimmbecken.

7 Kommentare

  1.   bonifat

    „Das sonst so ungeliebte Klimagas ….. hat also hier einmal einen Nutzen “

    Sehr geehrte Frau Uken,
    was ist dies für ein Journalismusformat – ist die Information etwa von vornherein Nebensache, und es geht vorrangig um die Verbreitung von Gefühlen?

    Sie vergleichen Äpfel und Birnen.
    Selbstverständlich ist Kohlendioxid ALS REINSUBSTANZ ein werthaltiges technisches Gas, verwendet in einer unüberschaubaren Fülle von technischen Prozessen.
    Das geht beim Bierzapfen los, übers Schweißen, die Wachstumsförderung in holländischen Tomatenzelten, bis hin zur Funktion als Reaktionspartner in der chemischen Synthese.
    Den beschriebenen Prozeß würde ich als eine Anwendung von überkritischem Kohlendioxid ansehen – auch das ist eine seit langem etablierte Technik.
    Eine in überkritischem CO2 angesetzte Färbeflotte? – warum nicht, wenn man es physikochemisch und technisch hinbekommt, und dann auch noch ökonomische Vorteile resultieren sollten.
    Das CO2 dafür kauft man sich, oder trennt es ab, wo es innerbetrieblich irgendwo anfällt. Reines CO2 kann man selbstverständlich auch im Kreis führen.
    Was ist da dran bemerkenswert und neu – und was soll an dem unter diesen Umständen wertvollen Betriebsmittel „ungeliebt“ sein?….

    Ihr Denkfehler ist ein ganz simpler:
    Das Kohlendioxid als Bestandteil eines mehr oder minder verdünnten und schmutzigen Stoffgemsches, wie es Feuerungsabgase nun mal sind, ist in der Tat wertlos, dafür steht der 2. Hauptsatz der Wärmelehre. Von mir aus soll auch „klimaschädlich“ oder auch ungeliebt gesagt werden.

    Die von Ihnen geschlagene Brücke zu dem beschriebenen Prozeß erschließt sich mir überhauptnicht – zumal es sich auch in keinster Weise das erste Mal wäre, daß die Lösemitteleigenschaften von verdichtetem CO2 zur Anwendung kommen.

    Was ist da dran „grün“? Ingenieure streben seit Menschengedenkan danach, Vorteile zu erzielen. Wenn sie es nicht täten, würden sie ihr Geld umsonst bekommen.
    Mit freundlichen Grüßen

  2.   ignorat

    Schön, dass nach Alternativen gesucht wird. Doch der Nachteil, dass nur Synthetikfasern (welche eigentlich? Auch da gibt es Unterschiede) gefärbt werden können ist für mich ein entscheidendes Kriterium.

    Es ist klar, dass wir unseren bisherigen Konsum an Textilien jeder Art nicht allein mit Naturfasern aufrecht erhalten können. Das ist schlicht nicht machbar. Ansererseits vergeuden wir wertvolle fossile Rohstoffe in Form von saisonalen, billigen Klamotten, die dann im Zweifel noch irgendwo in der sogenannten 3. Welt auf einer Müllhalde landen und ihre nicht ganz unbedenklichen Stoffe beim Verrotten dann dort in die Umgebung ablassen. Hauptsache wir haben sie nicht mehr im Schrank, haben den „Armen“ „da unten“ noch „was Gutes“ getan und sind unseren Müll los.

    Und es ist auch klar, dass wir den Wasserdurst der Textilindustrie so nicht mehr lange weiter unterstützen können. (Diese Firmen unterstützen solche Forschungen ja nicht wegen des Umweltbewusstseins, sondern weil ihnen langsam das Wasser ausgeht.) Das bezieht sich nicht nur auf die Färberei, auch die Produktion konventioneller Baumwolle benötigt mehr Wasser als in den produzierenden Ländern auf Dauer vorhanden ist. Siehe Aral See.

    Doch was sich wirklich ändern muss ist unser Konsumverhalten. Wir müssen (und das wird immer mehr zu einem Imperativ) unseren Konsum einschränken. In jedweder Hinsicht aber vor allen Dingen bei Textilien. Weg von billiger Wegwerfware, die vielleicht noch 4 Wäschen aushält und wieder zurück zu hochwertiger Bekleidung, die Jahre hält und Jahre getragen wird. Und weg von den Massen an Textilien und wieder hin zu einer kleinen Menge an wenigen Textilien. Selber machen, selbst reparieren, bestehende Textilien in Neues umwandeln, Tauschen und Weiterverwenden. Nur in dem wir Rohstoff sparender mit unseren Textilien umgehen können wir etwas verändern. Alles andere ist wie ein buntes Heftpflaster auf einer gerissenen Vene. So oder so bluten wir aus.


  3. […] Modeindustrie: Statt Fasern mithilfe von Wasser zu färben, setzen Unternehmen unter Druck gesetztes Kohlendioxid ein, um Farbe in die Faser zu injizieren. Das Verfahren könnte vor allem in Bangladesch helfen, wo Wasser knapp ist. (Die Zeit) […]

  4.   chinamibi

    richtig, CO2 Faerben ist relativ teuer und funktioniert auch nicht bei Baumwolle.. Einfacher ist bei Synthetikgarnen die Farbpigmente direkt in die Spinnmasse einzuruehren. Man erhaelt ein farbiges garn mit sehr guten Farbechtheiten. Wegen grosser Mindetsmengen ist die Farbauswahl begrenzt, aber braucht mann wirklich 3600 Farbtoene einer Pantonefarbkarte? Ist es nicht wichtiger die wertvolle resource Wasser zu sparen? Ein outfit aus spinnduesengefaerbten Textilien spart ca 250l wasser ein – da sollte man mal drueber nachdenken!

  5.   wolf_niese

    Hanf braucht weniger Wasser als die durstige Baumwolle. Hanf braucht keine Pestizide. Davon braucht die Baumwolle viel. Viel Dünger aus Erdöl gemacht braucht die Baumwolle auch. Hanf kann man mit Gülle düngen.
    Aus Baumwolle kann man Kleidung machen. Aus Hanf kann man Kleidung, Nahrung, Treibstoff, Brennstoff, Baustoff, Dämmstoff, Seil, Farbe, Medizin und Rauschmittel machen.
    Hanftextilien halten länger. Und wenn man darauf verzichtet, dass die Jeans aus Hanf rabenschwarz sein muss, dann ist auch weit reduziert der Einsatz von Chemikalien bei der Färbung der Textilien.


  6. Und was habe ich vergessen? Papier, das länger hält als Papier aus Holz, kann man auch aus Hanf herstellen.

 

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