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Die Abo-Jeans

 

Wenn an diesem Donnerstag die Billigbillig-Modekette Primark den zweiten Flagship-Store in Berlin eröffnet, lohnt ein Blick nach Amsterdam. Dort verfolgt Bert van Son mit seinem Start-up Mud Jeans das Gegenmodell: die Abo-Jeans. Die Idee ist schnell erzählt: Für 20 Euro Startgebühr und monatlich sechs Euro können Kunden eine Jeans für ein Jahr mieten. Und zwar nicht irgendeine, sondern aus Biobaumwolle und ethisch produziert. Preislich unterscheidet sich Mud Jeans also kaum von anderen höherpreisigen, fair hergestellten Jeans.

© Richard Terborg/Mud Jeans
© Richard Terborg/Mud Jeans

Vor einem Jahr hat Mud Jeans im größeren Stil angefangen. Auf der Homepage schreibt van Son, dass er inzwischen 1.500 Kunden habe. Doch am Telefon erzählt er, dass diese Zahlen nicht mehr aktuell sind: Insgesamt seien es 3.000 Kunden, die seine Mietjeans in der ein oder anderen Form nutzten.

Spannend ist, dass van Sons Geschäftsidee aufzugehen scheint: Nur zehn Prozent der Kunden hat nach einem Jahr die Jeans zurückgeschickt und ist abgesprungen. 60 Prozent der Kunden bleiben dabei und wechseln auf ein neues Modell. 30 Prozent verlängern ihr Jeans-Abo um noch einmal vier Monate. „Wir machen keine Fast Fashion“, sagt van Son, der mit seinem Unternehmen noch keinen Gewinn macht, sondern von seinem Ersparten lebt. Wenn er etwa 2.000 bis 3.000 alte Jeans zurückbekommen hat, wird er diese nutzen, um damit aus recycelten Jeansfasern neue Jeans zu produzieren. Das ist – Achtung, sperriges Wort – Kreislaufwirtschaft in Perfektion. Die Alt-Jeans komplett zu Recyclingfasern aufzubereiten, ist zwar technisch noch nicht möglich, aber 30 Prozent sind schon jetzt machbar.

Zwei Studentinnen haben die Geschäftsidee wissenschaftlich ausgewertet. Interessant sind natürlich die Käufer oder genauer: Abonnenten. Zwei Gruppen hat Mud Jeans im Visier: Die Social Ecologists und die Liberal Intellectuals. (Lieber Leser, Sie können jetzt selbst entscheiden, ob Sie zu einer dieser Gruppe gehören könnten). Van Son schätzt, dass ihr Anteil an der deutschen Bevölkerung bei rund 14 Prozent liegt. „Diese Zielgruppe ist doch enorm“, sagt van Son. Noch allerdings überwiegt, das wird die Primark-Eröffnung zeigen, die Fast-Fashion-Gruppe, die Mode im Schnelldurchlauf konsumiert.

Gegen diese Entwicklung will übrigens auch die EU-Kommission etwas tun. Wie passend, dass sie gerade am Mittwoch ihre neue Abfall- und Recyclingstrategie vorgestellt hat. Das Ziel: Bis zum Jahr 2030 sollen in der EU etwa 70 Prozent der Siedlungsabfälle und 80 Prozent der Verpackungsabfälle recycelt werden. Und welches Unternehmen präsentiert Brüssel unter anderem als Vorbild? Überraschung: Mud Jeans – in diesem Video ab Minute 4:20.

37 Kommentare


  1. […] oder Fahrzeugverleih, Reparaturwerkstatt, Tauschbörsen, Verschenkläden, Gemeinschaftsgärten)? In Holland existiert mittlerweile ein Jeansverleih, bei dem die irgendwann abgetragenen Hosen nach ihrer Lebenszeit sogar noch recycelt […]


  2. […] Jeans mieten geht auch, in Holland. […]

  3.   i.riedl

    Wow, tolle Idee! brauche derzeit keine neue Hose, aber das gefällt mir. Fast-Fashion ist ja tatsächlich ein Wahn http://blog.wernerlampert.com/2013/09/fashion-blog/ dem ich leider manchmal selbst verfalle. Danke für diese Initiative, die mir wieder die Wichtigkeit der Ressourcen ins Bewusstsein ruft!


  4. 20 € Pfand, 12 Monate zu 5,95 € macht definitiv nur 71,40 €, weil ich ja das Pfand zurückbekomme, wenn ich sie wieder einschicke.

    Nach dem Jahr kann man sich entscheiden, sie zu behalten und zahlt dann alle 4 Monate 5,95 € – was dann 17,85 € Jahresnutzungsgebühr ab dem ersten Jahr entspricht.

    Das bedeutet für mich, dass die Jeans bei 2-3 Jahren Haltbarkeit preislich mit anderen hochwertigen Jeans vergleichbar ist.

    Und danach zahlt man quasi für die gute Haltbarkeit weiter.
    17,85 € im Jahr dafür, dass ich eine Jeans immer noch gut finde, finde ich absolut fair. Und wenn sie lange hält, lohnt sich das demnach für den Hersteller.

    Leider kommt das Ganze für mich nicht in Frage, weil sie meine Größe nicht haben. Aber korpulent und sinnvolle Mode ist ein anderes Thema.

  5.   krokk

    „Damenkollektion“? Geht man der spärlichen Info auf der Website nach, dürfte das eine Kollektion für junge Mädchen bis maximal zwanzig sein. Offenbar handelt es sich durchgehend um denselben Schnitt in verschiedenen Farben, alles an Anorexikerinnen mit Streichholzbeinchen und „Thigh Gap“.

    Offenbar ein Gimmick, mit dem maximale Preise bei minimalen Produktionskosten (da Einheitsmodell) gerechtfertigt werden. Fragt sich nur, ob diejenigen, für die das geschneidert wird, es sich auch leisten können.

  6.   dubie

    @ No. 5
    Danke Michael Collins für die Info, die in diesem Blog gefehlt hat.
    So macht das Konzept (leasen) viel mehr Sinn.

    Wenn ich da also berühmte Worte missbrauchen darf: I will!


  7. […] die entstehen. Neben Manomama etablieren sich weitere Firmen. Zum Beispiel eine, bei der man seine Jeans mieten […]

  8.   Bert van Son

    Einige Reaktionen von unsere Seite , behalten Sie de Jeans so lange Sie wollen !

    Beim Ankauf einer Jeans bekommt Sie bei Lease a Jeans anstelle eines Beleges einen simplen Vertrag zum Unterschreiben vorgelegt. Bei Zustimmung zahlt der Kunde einmalig eine Anzahlung von 20 Euro. Anschließend bezahlt man ein Jahr lang 5,95 Euro pro Monat, also einen Totalbetrag von 92,= Euro. Nach dieser Lease Periode hat der Kunde drei Optionen. Er retourniert die Jeans zu Mud Jeans oder wählt ein neues Modell aus und bezahlt 10 Euro Wechsel für den Umtausch sowie wieder 12 Monatsraten je 5,95 Euro. Als dritte Möglichkeit kann der Kunde nochmal 4 extra „Pfand“-Monatsraten je 5,95 Euro bezahlen, anschließend kann er die Jeans solange er möchte tragen (MAX TOTAAL PREIS 116 ). Beschließt der Kunde die Jeans nach einigen Jahren glücklichen Tragens zurück zu geben bekommt man seine 20 Euro „Pfand“ zurück. Dies geschieht in Form eines Rabatts auf den nächsten Einkauf.

    Sich sorglos nachhaltig kleiden
    Die Lease A Jeans bietet den Nutzern einige Vorteile: monatliche Bezahlung und ein kostenloser Reparaturservice während der Lease Periode wenn zum Beispiel ein Riss oder Loch in der Hose entsteht. Eine „gesunde“, nachhaltige Jeans ist nun also für jeden möglich. Auch kann man selbst bestimmen wann man ein neues Modell möchte. Das „Lease a Jeans“ Konzept passt nahtlos zu dem heutigen Trend bei dem der Gebrauch von Produkten wichtiger wird als deren tatsächlicher Besitz.

    Nachhaltig
    Schon beim Entwurf wird darauf geachtet, dass die Jeans vollkommen recycelfähig ist. Die Jeans aus biologischer Baumwolle bleibt Eigentum von Mud Jeans, die aus der alten Jeans wieder eine Neue machen. Dadurch wird viel weniger Baumwolle benötigt. Mit dem „Lease a Jeans“ Konzept reagiert Mud Jeans auf die zunehmende Knappheit der Rohstoffe und beschleunigt somit die Zirkuläre Ökonomie, die auf einem Wiedergebrauch der Rohstoffe basiert.

    Über Mud Jeans
    Mud Jeans ist noch ein junges niederländisches Modelabel, welches eine Casual Damen- und Herren Kollektion vertreibt. Der Betrieb setzt sich täglich dafür ein, bezahlbare, nachhaltige Kleidung zu produzieren, die zugleich schonend für Mensch und Umwelt ist. Die Kollektionen sind aus nachhaltigen und recycelbaren Materialien gefertigt, die den hohen Qualitätsstandards der Ökogütezeichen und ihrer Partner (worunter Max Havelaar, und GOTS) entsprechen. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.mudjeans.de


  9. […] ist nicht neu, schon letztes Jahr war Mud Jeans, ein Start-up aus Amsterdam damit in den Medien. Ein Artikel auf Zeit Online hat das Ganze jetzt wieder in meinen Newsfeed gebracht. Die Idee dahinter: Man “mietet” […]

  10.   ignorat

    nachdem ich nun noch ein bisschen länger auf der MUD Seite gestöbert habe, konnte ich deren vintage Linie entdecken. Sprich die geleasten Jeans, die nach ihrer Zeit wieder zurückgekommen sind. Also 2nd hand Jeans gibt es bei denen auch. Ich mag das Konzept immer mehr.

 

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