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Japans Atom-Revival

 

Am Mittwoch hat Japan schwuppsdiwupps die Rückkehr zur Atomkraft hingelegt: Die Atomaufsicht erklärte die zwei abgeschalteten Atomreaktoren Sendai 1 und Sendai 2  in einem 400 Seiten starken Prüfbericht für sicher. Damit ist zumindest schon mal theoretisch die Grundlage gelegt, dass die Meiler wieder ans Netz können. Die Praxis sieht anders aus: Auf der einen Seite soll die Bevölkerung stärker involviert werden. Auf der anderen Seite will auf Seiten der Verwaltung wohl niemand den Kopf hinhalten, wenn Atommeiler wieder ans Netz gehen – also wird es wohl eine Entscheidung von höchster politischer Ebene sein.

Ganz aktuell sind alle 50 Atomkraftwerke in Japan zurzeit nicht am Netz (was ja nicht dazu geführt hat, dass dieses hochindustrialisierte Land komplett lahmgelegt ist). Zwei Meiler waren zwischenzeitlich im vergangenen Jahr am Netz.

Regierungschef Shinzo Abe befürwortet das Revival der Atomkraft – ausgerechnet in einem Land, das regelmäßig Erdbeben erlebt und die Katastrophe von Fukushima überstehen musste. Vielleicht hilft also heute der Hinweis auf eine Erklärung des Max-Planck-Instituts für Chemie. Die stammt aus dem Jahr 2012. Aber ist wohl aktueller denn je:

Katastrophale nukleare Unfälle wie die Kernschmelzen in Tschernobyl und Fukushima sind häufiger zu erwarten als bislang angenommen. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz haben anhand der bisherigen Laufzeiten aller zivilen Kernreaktoren weltweit und der aufgetretenen Kernschmelzen errechnet, dass solche Ereignisse im momentanen Kraftwerksbestand etwa einmal in 10 bis 20 Jahren auftreten können und damit 200 mal häufiger sind als in der Vergangenheit geschätzt. Zudem ermittelten die Forscher, dass die Hälfte des radioaktiven Cäsium-137 bei einem solchen größten anzunehmenden Unfall mehr als 1.000 Kilometer weit transportiert würde. Die Ergebnisse zeigen, dass Westeuropa – inklusive Deutschland – wahrscheinlich einmal in etwa 50 Jahren mit mehr als 40 Kilobecquerel radioaktivem Cäsium-137 pro Quadratmeter belastet wird. Ab dieser Menge gilt ein Gebiet laut der Internationalen Atomenergie Behörde IAEA als radioaktiv kontaminiert. Die Forscher fordern aufgrund ihrer Erkenntnisse eine tiefgehende Analyse und Neubetrachtung der Risiken, die von Kernkraftwerken ausgehen.“

3 Kommentare

  1.   wolf_niese

    Wie haben es die Japaner geschafft, innerhalb kürzester Zeit auf 50 Atomkraftwerke zu verzichten?

  2.   also123

    Wie haben die das geschafft ?

    indem sie für 90 Milliarden Dollar Brennstoffe eingeführt haben und alte KW reaktivierten, mittels Stromzuteilung und aktiver Stromabschaltung etc.
    Was macht ein Land, dass als Insel ohne eigene fossile Reserven und ohne die Möglichkeit, sich an den Tropf von ausländischen Versorgern anzuhängen anders als z.B. DE , die bei Bedarf jederzeit Strom von AKWs aus Frankreich,Belgien,Niederlande, Tschechien bald auch Polen etc.anzapfen können, wenn die Sonne nicht scheint ( 6000 Stunden im Jahr) oder der Wind nicht weht ( ca.4000 Stunden im Jahr) .
    Also werden die Notstromaggregate etwas höher gehängt ( damit sie im Notfall nicht als erstes absaufen ) und gut ist.
    Die Tsunamigefahr in Europa ist äußerst gering.
    Ein möglliches Erdbebengebiet (Oberrheingraben ) bleibt als Gefahrenquelle aber relevant.Aber dort steht das älteste AKW Frankreichs ( Fessenheim , 40 Jahre) und das muß weiterlaufen, damit unser AKW Grafenrheinfeld ( 30 Jahre) VORZEITIG abgeschaltet werden darf, um die Versorgungssicherheit des Süddeutschen Raums nicht zu gefährden (der deutschen Seele wird entsprochen )
    Wie blöd ist denn das? „Die Ausländer halten uns sowieso für Bekloppte “
    Recht haben sie !

  3.   i.riedl

    sagenhaft wie schnell der Mensch vergisst. Fukushima ist erst 3 Jahre her: http://blog.wernerlampert.com/2014/03/fukushima-atomkraft/

 

Kommentare sind geschlossen.