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Sergejs Erben

Das kann einem fast schon peinlich sein

 

Der HSV spielt erneut schlecht – und gewinnt. Alles sehr schmeichelhaft. Immerhin entdeckt Aimen Abdulaziz-Said einen Lichtblick: Marcelo Diaz.

„Am Ende sind wir einfach nur froh, dass wir die drei Punkte geholt haben“, fasste Hamburgs Marcel Jansen den 2:1-Sieg gegen Hannover 96 zusammen. Wie schon unter der Woche gegen Paderborn, lieferte der HSV auch im Nordderby keine spielerische Glanzleistung ab, und gewann am Ende nur sehr glücklich.

Egal. Drei Punkte, in der Tabelle vorläufig auf Platz 11 geklettert, vier Punkte Vorsprung auf Platz 16: Das ist alles, was im Abstiegskampf zählt.

Hannover legte los wie die Feuerwehr. Bereits nach fünf Sekunden schoss Hiroshi Kiyotake zum ersten Mal auf das Tor von Jaroslav Drobny, der erneut eine starke Partie machte. Nach einer knappen Viertelstunde führten die Gäste die Torschussstatistik bereits mit 5:1 an. Vor allem Mittelfeldspieler Lars Stindl brachte die Hamburger Abwehrreihen immer wieder in Bedrängnis. Nach zwanzig Minuten begann ich bereits, mich mental auf eine Niederlage vorzubereiten.

Es gfolgte die 22. Spielminute, der vielleicht entscheidende Moment des Spiels: Beim Versuch im Strafraum zu klären, brachte HSV-Kapitän Rafael van der Vaart den Hannoveraner Salif Sané im eigenen Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Manuel Gräfe zeigte sofort auf den Punkt: Elfmeter. 96-Stürmer Joselu schnappte sich den Ball. Hätte der Spanier getroffen, wäre das Spiel wahrscheinlich schon nach gut zwanzig Minuten so gut wie entschieden gewesen, zumindest wäre ein Hamburger Sieg in weite Ferne gerückt.

Joselu traf nicht. Und der HSV, der sich bis zu jenem Zeitpunkt keine nennenswerte Torchance erspielen konnte, blieb weiterhin im Spiel.

Nur vier Minuten nach dem vergebenen Elfmeter war es dann tatsächlich passiert: Wie aus dem Nichts gingen die Hamburger 1:0 in Führung. Torschütze: Hannovers Abwehrspieler Marcelo. Der Brasilianer lenkte eine Stieber-Flanke unhaltbar ins eigene Tor. Eine in jeglicher Hinsicht glückliche Führung für den HSV.

Kurz nach der Pause legte der HSV sogar noch ein Tor nach. Erneut fiel der Treffer aus heiterem Himmel, und erneut fiel er nur, weil Hannovers Marcelo den Schuss, diesmal von Jansen, unhaltbar abfälschte. Die schmeichelhafte 2:0-Führung konnte einem als HSV-Fan fast schon peinlich sein.

In der Folgezeit erhöhte Hannover den Druck. In der 66. Spielminute gelang den Hannoveranern sogar noch der Anschlusstreffer. Für mehr reichte es aber zum Glück nicht.

Der HSV hat wieder kein gutes Spiel gemacht, trotzdem sind Entwicklungen im Hamburger Spiel erkennbar, die mich für die kommenden Aufgaben optimistisch stimmen. Da wäre zum Beispiel der Spielaufbau, seit Jahren eine der größten Schwachstellen beim HSV. Neuzugang Marcelo Diaz hat sowohl gegen Paderborn als auch gegen Hannover gezeigt, dass er in der Lage ist, einem Fußballspiel Struktur zu geben. Der 28-Jährige spielt kluge Pässe, und strahlt zudem eine enorme Sicherheit aus. Der Transfer hat sich in meinen Augen schon jetzt ausgezahlt.

Deutlich mehr kommen muss in den kommenden Spielen von Rückkehrer Ivica Olic. Der Kroate rennt und kämpft zwar wie eh und je, Torgefahr strahlt er bisher jedoch kaum aus, getroffen hat er noch gar nicht. Ich bin mir aber sicher, dass Olic schon bald sein erstes Tor schießen wird. Vielleicht sogar schon nächste Woche bei seinem Ex-Club, dem FC Bayern München.

3 Kommentare

  1. Avatar  Tim

    Ich muss hier mal Per Mertesacker zitieren nach dem WM Achtelfinale gegen Algerien: „Was wollen Sie? Wollen Sie dass der HSV schön spielt und verliert oder wollen Sie, dass der HSV gewinnt?“

    Wer es also immer noch nicht mitbekommen hat, beim HSV geht es nur ueber Kampf und nicht ueber das Spielerische! Zumindest den Kampf haben sie angenommen…

    Völlig ueberfluessig diese „Kolumne“.


  2. „Wollen Sie dass der HSV schön spielt und verliert oder wollen Sie, dass der HSV gewinnt?“ – Es gibt auch noch folgende Variante: nicht schön spielen und gewinnen, weil der Gegner einen am Verlieren hindert. Auf Dauer wäre das weder bei der WM gutgegangen noch wird dies dauerhaft dem HSV zum Klassenerhalt verhelfen.

  3. Avatar  selberunddeshalbbesserdenker

    Dass der HSV einen Grottenkick nach dem anderen abliefert, wissen wir schon seit Jahren. Für diese Erkenntnis brauchen wir DIE ZEIT nicht zu lesen. Sollte allerdings der Wunsch des Autors nach dem ersten Olic-Treffer im kommenden Spiel gegen Bayern mit der Hoffnung verbunden sein, der HSV könnte in dem Spiel einen Punkt holen oder gar gewinnen, müsste man DER ZEIT jede Fußballkompetenz absprechen.

 

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