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Zum Haare raufen

 

Laut Duden handelt eine Person fahrlässig, wenn sie die gebotene Vorsicht, Aufmerksamkeit und/oder Besonnenheit vermissen lässt. In den Rechtswissenschaften wird Fahrlässigkeit in §276 Absatz 2 BGB folgendermaßen definiert: "Fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt."

Wem das alles noch zu abstrakt ist, dem empfehle ich, sich das Spiel HSV gegen Eintracht Frankfurt noch einmal anzuschauen. Vor allem Hamburgs Kapitän Johan Djourou lieferte bei der 1:2-Niederlage der Hamburger eine Menge Anschauungsmaterial.

Den Anfang machte allerdings Artjoms Rudnevs. Bereits in der zweiten Spielminute hatte der lettische Stürmer die Chance zum Führungstreffer. Aber der 27-Jährige konnte sich im Eins-gegen-eins-Duell gegen Frankfurts Torhüter Kevin Trapp nicht durchsetzen.

Das wäre alles halb so schlimm, wenn die Mannschaft sich Torchancen am laufenden Band erspielen würde. Das ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil. Und von den wenigen Chancen, die der HSV sich erspielt, vergibt er die meisten kläglich. Zwar nicht vorsätzlich, aber doch fahrlässig. Es ist zum Haare raufen.

Die desolate Chancenverwertung würde mir aber nicht so viele Sorgen bereiten, wenn wenigstens die Abwehr konzentriert ihrer Arbeit nachgehen würde. In den meisten Fällen tut sie das zwar, aber in regelmäßigen Abständen liefert die Hamburger Defensivabteilung Vorstellungen ab, die der ersten Bundesliga schlicht nicht würdig sind. So auch gegen Frankfurt.

Das fängt beim Torhüter an. Jaroslav Drobny ist auf der Torlinie ohne Zweifel ein Guter, aber sobald er versucht, Fußball zu spielen – was in letzter Zeit leider immer häufiger vorkommt – liegt ein Gegentor in der Luft. So auch gestern, als der 35-Jährige einen harmlosen Rückpass von Djourou direkt in die Füße von Frankfurts Torjäger Alex Meier weiterleitete. Diese Szene ging zwar noch mal glimpflich aus, trotzdem war Drobnys Aktion grob fahrlässig, weil extrem unnötig. Der Höhepunkt an Hamburger Unachtsamkeiten sollte aber noch folgen.

Hamburgs Abwehrchef Johan Djourou ist 52-maliger Schweizer Nationalspieler mit WM-Erfahrung. An guten Tagen zeigt er, warum. An schlechten Tagen frage ich mich, wie dieser Mann es geschafft hat, Profi-Fußballer zu werden. Gestern war ganz offensichtlich einer seiner schlechteren Tag: Gleich zwei Elfmeter hatte Djourou zu verantworten. Über die erste Entscheidung kann man zwar verschiedener Meinung sein, aber wer im eigenen Strafraum so ungeschickt in die Zweikämpfe geht, darf sich nicht wundern, wenn der Schiedsrichter auf Elfmeter entscheidet.

Alles in allem war es wieder einmal eine sehr harmlose Vorstellung der Hamburger. Die nächsten Gegner heißen Borussia Dortmund, TSG Hoffenheim, Hertha BSC Berlin, Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und Werder Bremen. Es können ganz, ganz bittere Wochen werden, wenn der HSV weiter so spielt wie gegen Frankfurt.

4 Kommentare

  1.   ovicula

    Und das nicht zu ersten Mal!

    Entgegen Ihrer Wahrnehmung habe ich ein Spiel gesehen, was mir eher Zuversicht gibt, als wirklich bittere Woche zu erwarten.

    Sicher hatte Djourou nicht seinen besten Tag und ja, über den ersten Elfmeter kann man trefflich streiten (für mich war es eher keiner, genauso wie die Gelb-Rote Karte eine sehr harte Entscheidung war).

    Aber ansonsten? Seit Westermann, Jansen und van der Vaart (endlich) nicht mehr auf dem Platz stehen, geht es sichtlich bergauf mit dem Spielfluss. Stieber scheint regelrecht aufzublühen im Zentrum. Das noch nicht alles eitel Sonnenschein ist nach dem Verlauf der letzten zwei Jahre … ist das wirklich noch eine Überraschung?

    Was mich eher ein wenig erschreckt hat gestern, war ein Schiedsrichter, der mal wieder katastrophal gepfiffen hat und eine massiv unsportliches Frankfurt. Bei beiden Elfmeter-Entscheidungen und der Gelb-Roten Karte gejubelt … Hallo?? Benehmen ist Glückssache?

  2.   MM

    …. damit man nicht sieht, dass der Autor gar keine Haare zum raufen hat. ;o)
    Aber.. ja, genau so ist es, gestern war mehr drin. nd mit dem Gladbach Spiel dazu müssten jetzt eigentlich 5 Punkte mehr au dem Konto sein.
    Schade. Aber in der aktuelle Form habe ich weniger Sorgen, dass wir absteigen werden.
    MM


  3. Ansonsten vertraue ich auf die Fähigkeit des HSV, unabsteigbar zu sein. Da musste schon einiges zusammen kommen, das die die letzte Saison überlebten.
    Insofern gilt für diese Saison : dabei sein ist alles. War eh ein Geschenk.

  4.   Realist

    ….wenn der Punktelieferant HSV in der nächsten Saison eine Liga tiefer spielt.

 

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