‹ Alle Einträge

Englands wachsende Probleme mit Hasspredigern

 

Zwei Nachrichten aus England vom Wochenende:

Der Guardian berichtet, ein Anführer der Demonstration gegen die Mohammed-Karikaturen sei wegen Aufrufs zu Mord und Rassenhass verurteilt worden. Der 27jährige Umran Javed aus Birmingham war an der Demonstration vor der dänischen Botschaft im letzten Februar beteiligt gewesen. Er hatte dort mit einem Megaphon gerufen:

„Bomb, bomb Denmark. Bomb, bomb USA.“

javed.jpgtoon1.jpg

cartoon-protest3.jpg0204angry.jpg

Links: Umran Javed. Daneben und darunter die Proteste vor der dänischen Botschaft in London am 3.2.2006, bei denen mit Mord und Massaker gedroht worden war.

Zeugen sagten, Javed habe die Menge zum Töten aufgerufen und gesagt, Dänemark werde mit Blut bezahlen müssen…

Der Angeklagte sagte, er bereue seine Worte, doch sie seien bloss „Soundbites“ und Slogans gewesen. Er habe „nicht wirklich gemeint“, Dänemark und die USA sollten bombardiert werden.

Muslimische Aktivisten attackierten die Verurteilung: Es gebe keine fairen Verfahren für Muslime im derzeitigen Klima Grossbritaniens. Die Demonstranten hätten „nur ihre Wut ausgedrückt und nicht wörtlich zum Mord aufgerufen“.

Sehr interessant, wie diese feinen Unterscheidungen den Muslimvertretern mit einem Mal einleuchten, wenn es um einen der Ihren geht. Den Karikaturisten hatte man die Differenzierung verweigert. Eine Mohammed-Karikatur durfte nicht etwa als eine satirische Kritik des Islamismus gelten, sondern war „eine Beleidigung für Milliarden Muslime“.

Zum Zweiten hat ein Team des Senders Channel 4 ein Jahr lang heimlich in britischen Moscheen gefilmt und dabei beunruhigende Hasspredigten eingefangen.

Ein Prediger lobt die Taliban und kommentiert den Tod eines britischen Soldaten mit den Worten: „Der Held des Islams ist derjenige, der seinen Kopf von seinen Schultern trennte.“

Ein anderer Prediger sagt der Gemeinde, Muslime dürften niemals akzeptieren, von Nicht-Muslimen regiert zu werden.

Das Fernsehteam konnte auch die Popularität extremistischer Videos in den Buchläden selbst vermeintlich moderater Moscheen nachweisen.

Eine Moschee in Birmingham liess den saudi-arabischen Grossmufti via Satellitenübertragung die Meinung vertreten, muslimische Kinder sollten geschlagen werden, wenn sie ihre Gebete nicht verrichten.

Ein weiterer Prediger forderte Eltern auf, Mädchen zu schlagen, wenn diese den Hidschab nicht tragen wollen, ein anderer prophezeit die Machtübernahme durch Muslime in England für die nahe Zukunft.

Sprecher der Moscheen, von der Sonntagszeitung Observer zur Rede gestellt, beschuldigten die Reporter, mit ihren Dokumenten die „Hexenjagd“ auf Muslime in England zu befördern.

Immer sind die anderen schuld: Das ist der Geist, in dem das Ressentiment gegen die britische Gesellschaft gedeiht. Das ist das Klima, in dem Rucksackbomber wachsen.

11 Kommentare


  1. […] darüber, was in britischen Moscheen geprdigt wird, berichtet Jörg Lau in seinem Blog. | RSS | Inlinks | Posted under GrossbritannienÖsterreich/Schweiz […]

  2.   AM

    Statt einen unsinnigen, verlogenen und größenwahnsinnigen Krieg Tausende Kilometer von zuhause zu führen, hätte der Poodle Blair besser seine Hausaufgaben machen und die Hinterhöfe daheim (mit einem eisernen Besen) ausfegen sollen. Jacques Chirac hätte sich sicher gerne mit ihm beraten. Der angebliche Ritter ohne Fehl und Tadel war eben nur ein Huhn, das vor dem Fuchs in seinem Stall in die weite Welt flüchten wollte.

  3.   Tuotrams

    Das Blair und seine Regierung nix dazugelernt haben zeigt das sie immer noch für einen Türkeibeitritt plädieren.

    Man fragt sich auch wie lange die Saudis ihr Spiel in Europa noch treiben dürfen


  4. Sehr geehrter Herr Lau!

    Sie machen uns einmal mehr betroffen. Ich meine aber, dass das sensible Thema, welches Sie mit Ihrer Kritik berühren, eines der drängendsten Probleme ausmacht, die zurzeit in Fragen des sozialen und kulturellen Miteinanders von Menschen verschiedener Kulturzugehörigkeit virulent sind.

    Ich befürchte, dass es keine kurzfristigen Lösungen für dieses Problem geben wird. Der antimoslemische Affekt westlicher Bürger, den sich die Muslime übrigens zum größeren Teil selbst zuzuschreiben haben, dürfte eilfertig nach scharfen Maßnahmen, Ausweisungen, Rückführungen rufen. Das kann im Einzelfall auch durchaus angezeigt sein, wobei wir uns jedoch schon jetzt denken können, dass die meisten Hassprediger wahrscheinlich einen britischen bzw. westlichen Pass besitzen und nicht so einfach ausgewiesen werden können. Womöglich aber geht es gar nicht so sehr um juristische Fragen: Sondern eher darum, dass wir im Westen, mit Henryk Broder, ständig aus falsch interpretierter demokratischer Gutwilligkeit dem offenkundig Verwerflichen nachgeben (Broder schreibt: Hurra, wir kapitulieren!). Es ist diese fatale Neigung zum Appeasement, von dem Winston Churchill einmal gesagt hat, sie bestehe darin, ein Krokodil zu füttern, in der Hoffnung, dann zuletzt gefressen zu werden. Das meinte damals die Politik gegenüber Nazideutschland. Auf der geistigen Ebene ist dieser Schwächezustand jedoch längst zurückgekehrt.

    Was wir benötigen, ist ein erneuertes demokratisches Selbstbewusstsein, welches sich der Instrumentalisierung der Freiheit durch diejenigen erwehrt, die Freiheit zu ganz anderen Zwecken in Dienst nehmen. Das bedeutet nicht die Abwesenheit von Grundrechten. Wohl aber, dass jeder Freiheitsgebrauch – zumal der zu illiberalen Zwecken – Konsequenzen nach sich zieht. Damit tritt uns wieder einmal das bekannte Paradox vor Augen: dass nämlich die Toleranz gegenüber der Intoleranz – intolerant zu sein hat.

    Ihr
    Wolfgang Krebs

  5.   Pit

    Ich protestiere gegen diese tendenziösen Darstellungen von Herr Lau. Offensichtlich geht es darum, Muslime pauschal zu diffamieren und in die Nähe von Gewalt und Terror zu rücken. Daß aber Muslime und der Islam damit nichts zu tun haben, vielmehr der Islam nur Vorwand für Gewalt und Terror ist und dafür mißbraucht wird, das weiß ich, denn ich habe es gelernt von: westlichen Politikern und Repräsentanten, der UNO, den Medien, unter anderen der ZEIT, und einer Unzahl von weiteren Gruppen. Ich bin also sehr gut informiert und weiß Bescheid. Darum habe ich es auch nicht nötig, auf irgendein Faktum, einen Beleg, ein Argument einzugehen, denn ich habe alles, was ich wissen muß, aus diesen Quellen gelernt, und was dem widerspricht, ist rassistisch, rechtsextrem, menschenfeindlich, US-Imperialismus.
    In diesem Sinne prostestiere ich gegen diese empörend diffamierenden Darstellungen!


  6. @ W. Krebs: Ich denke, dass es für bestimmte Probleme sehr wohl auch schnell greifende Lösungen gibt. Die Verurteilung des Demonstranten, der zu Massakern aufruft, ist richtig (wie bei Neonazis, die zum Töten von Türken aufrufen). Und auch das Verbot für manche Organisationen ist wirksam. Aber sie haben recht, dass damit die Wut nicht aufhören wird und wir einen langen Weg gehen müssen. Nulltoleranz gegenüber solchen Exzessen ist aber ein guter Anfang. JL

  7.   Wachtmeister

    Wieder einmal hat sich der „moderate“ islamische Mainstream mit den Extremisten solidarisiert.

    Ich behaupte: Nicht die einzelnen Haßprediger sind das Problem, sondern der ganz alltägliche Islamismus, der die Dinge nur nicht so offen anspricht. Es bringt m.E. nichts, gegen die Gestalten am Rande der Bewegung vorgeht, wenn man nicht bereit ist, die Konfrontation mit deren Zentrum zu wagen.

    Warum sind die „moderaten“ Verbände immer noch offizielle Dialogpartner der Regierung (Das gleiche gilt für Deutschland)?

    Warum führt man eine „Islamkonferenz“ in Deutschland nicht mit den Muslimen durch, die unzweifelhaft ihre Ablehnung extremistischer Positionen kundtun? Warum belohnt man Extremisten mit öffentlicher Anerkennung und bestraft liberal-demokratische Muslime mit Mißachtung?


  8. @Wachtmeister: Was Sie fordern, ist genau das Konzept der Islamkonferenz. Da sitzen säkulare Muslime (Ezhar Cezairli), Islamkritikerinnen (Necla Kelek, Seyran Ates) und Aleviten mit den Herren von Islamrat, Zentralrat und VIKZ zusammen, alles unter dem wachen Auge des Innenministers. Das ist eine gute Sache, die wir nicht kaputtreden sollten. Deutschland hat einen strategischen Vorteil vor den Engländern, den Holländern, den Dänen und erst recht den Franzosen, die alle ein solches Forum nicht haben. Die Italiener haben übrigens das deutsche Modell schon nachgeahmt und eine „Consulta“ nach Schäubles Muster einberufen. JL

  9.   Wachtmeister

    @Jörg Lau:
    Organisationen wie den ZMD überhaupt an solchen Veranstaltungen zu beteiligen halte ich persönlich so sinnvoll wie mit der NPD gemeinsam eine Lösung für das Skinhead-Problem zu suchen oder sich deren Vorstellungen zur Gestaltung des Holokaust-Gedenkens anzuhören. Was islamischen Extremismus angeht, sind diese Organisationen Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.

    Ein ganz aktuelles Beispiel dafür, wie sich „moderate“ Islamverbände auch vor extremste Kräfte stellen und quasi als deren politischer Arm auftreten:

    http://www.mcb.org.uk/article_detail.php?article=announcement-613

    Die BBC hatte in Mainstream-Moscheen Prediger mit versteckter Kamera gefilmt, die sich unzweideutig extremistisch äußerten. Der MCB als wichtigster Islamverband in UK verurteilte daraufhin die Journalisten wegen ihrer angeblichen Versuche, den Islam zu „dämonisieren“. Kritik an den Extremisten kann man hingegen mit der Lupe suchen.


  10. @ Wachtmeister: Stimme nicht zu: ZMD ist problematisch (wg. Muslimbruderschaftskontakten mancher Beteiligter und weil er keine direkten Mitglieder hat, was es schwer macht zu entscheiden, wofür er überhaupt steht). Aber der Vergleich mit der NPD ist absolut unzulässig. Die Islamische Charta mag ungenügend sein, aber sie beinhaltet ein Bekenntnis zu diesem Staat und seinem Recht. Keine Hassbotschaft wie sie die Nazis verbreiten. Die ZMD-Leute distanzieren sich von den Dschihadisten, die NPD arbeitet mit den Neonazis. Wenn wir unsere Kritik so masslos formulieren wie Sie es in diesem Beitrag tun, kommen wir nicht weiter.
    England: Da liegt allerdings vieles im Argen. In England wird sich entscheiden, was aus dem islam in Europa wird.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren