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Die Linke und ihre Zweckgemeinschaft mit den Mullahs

 

Ein Teil der iranischen Exil-Linken beginnt, sich gegen die Feministinnen zu wenden, deren Bücher über die Lage der Frau im Iran im Westen viel gelesen werden. Zuerst ging es nur gegen Azar Nafisi, deren „Lolita lesen in Teheran“ auch hierzulande ein Erfolg war.

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Azar Nafisi

Jetzt versuchen vier jüngere Wissenschaftler,die ganze Richtung der Emanzipationsprosa zu diffamieren. Titel ihres Essays: „Ein Genre im Dienst des Empires. Eine iranisch-feministische Kritik der Diaspora-Erinnerungen“.
Das Argument: Diese Berichte von Frauenschicksalen im Iran stünden letztlich im Dienst der amerikanischen Imperialismus, wie überhaupt der ganze Diskurs der Menschen- und Frauenrechte. Die unterdrückte iranische Frau sei bloss ein „Konstrukt“ des westlichen Blicks und ein Vorwand für den nächsten Krieg.
Das alles wird in postmoderner Terminologie durchargumentiert. Am Ende hat man den Eindruck, dass es im Iran keine Gefängnisse voller Frauen gebe. Dass dies vielmehr alles nur Propaganda-Erfindungen böser Imperialisten seien.

Schöner hätte der Revolutionsführer das Geschlechter- Apartheidssystem auch nicht verteidigen können.

Kann man nicht gegen einen Angriff auf Iran sein und zugleich die schändliche Unterdrückung der Frauen im Iran anprangern?

Warum entscheidet sich die so genannte antiimperialistische Linke im Zweifelsfall immer für die Tyrannen? Und was bitte ist daran überhaupt links?

Erst letzte Woche sind drei Feministinnen in Iran verhaftet worden, die eine Unterschriftenkapagne für Frauenrechte gestartet hatten. Dazu kein Ton von seiten der tapferen Anti-Imperialisten.

41 Kommentare

  1.   AM

    Warum lesen wir bei Ihnen so wenig tränenreiche Berichte über die Lage der Frauen in Saudi-Arabien? Und wenn es sie gibt, haben diese Berichte niemals die Stoßrichtung „Regime-Change“. Warum? Warum haben wir vor der Invasion Afghanistans so viele Berichte über die Lage der Frauen dort gelesen und warum sind diese Berichte so wenige geworden, obwohl sich die Situation für eine sehr große Mehrheit von Frauen überhaupt nicht geändert hat? Wohin sind alle diese Burka-Bilder verschwunden? Es geht aber nicht nur um die Lage der Frau, sondern zum Beispiel auch um den Mohnanbau. Vor der Invasion Afghanistans hieß es, die Taliban würden Rauschmittelkonsum brutal unterdrücken, aber den Export von Schlafmohn fördern, um Geld zu verdienen und den Westen zu schwächen. Oh Gipfel der Doppelmoral! Seither hat sich die Produktion nach allen Berichten (mindestens!) verzehnfacht, aber das Geblöke der Medien hat eher abgenommen. Der Verdacht, dass solche Vorwürfe nichts weiter sind als ein Werkzeug im Dienst anderer Ziele, ist sehr naheliegend, wenn nicht zwingend.

  2.   Markus

    @AM

    Es steht Ihnen wir jedem frei ein Buch über die Problematik zu schreiben. Als Titel schlage ich vor „Unsere Burkhas, eure Burkhas: Die islamische Frau im Spiegel westlich-imperialistischer Doppelmoral unter besonderer Berücksichtigung von Herrn Lau.“ Nein, nehmen Sie den ruhig.

    Sie dürfen aber NICHT die Unterdrückung der Frau im Iran leugnen, nur weil’s dem Klassenfeind nützen könnte.

    Die meisten Deutschen waren übrigens klug genug, die Diktatur Saddam Husseins als solche zu erkennen und gleichzeitig trotzdem den Irakkrieg als rechtswidrig und seine Begründung als vorgeschoben abzulehnen. Trauen Sie ihnen die gleiche Weisheit zu, sollte GWB tatsächlich zum Krieg gegen Iran zwecks Befreiung der Frau blasen.

  3.   AM

    @ Markus
    „Sie dürfen aber NICHT die Unterdrückung der Frau im Iran leugnen“
    Wo tue ich das? Ebensowenig leugne ich den Mohnanbau unter den Taliban.

    „Die meisten Deutschen waren übrigens klug genug, die Diktatur Saddam Husseins als solche zu erkennen und gleichzeitig trotzdem den Irakkrieg als rechtswidrig und seine Begründung als vorgeschoben abzulehnen.“
    In der Tat, so war es. Das hat sie aber nicht vor einer Kampagne bewahrt, die sie als ideologische Unterstützer Saddam Husseins hingestellt hat. Ausserdem hat die Propaganda ausgereicht, um andere in einen verheerenden Krieg zu treiben, dessen Ende nicht absehbar ist. Jetzt halten es die meisten für einen Fehler, aber einen Rückweg gibt es nicht mehr. Wozu braucht man eine Diktatur, wenn man seine Bürger so viel besser knebeln kann?

  4.   J.S.

    Warum agitiert AM wohl gegen das Saudische Königshaus? Es ist schlisslich nur dieses Königshaus, das zwischen den Islamisten und der Macht in Mekka steht.
    Das Argument mit dem Drogenanbau ist ebenso suspekt! Die Zahl der Drogentoten nimmt seit dem Sturz der Taliban stetig ab. Im Jahr 2000 hatten wir noch 2030 Drogentote und im Jahr 2005 waren es nur noch 1326. Als die Taliban noch an der Macht waren, hat unsere Polizei noch ca. 800kg Heroin pro Jahr beschlagnahmt. Im Jahr nach dem Sturz der Taliban waren es nur noch 520kg. Also auf was will AM hinaus? Die NATO hat auf dem Drogensektor ganz offensichtlich hervorragende Arbeit geleistet und zwar ohne brutales Vorgehen gegen arme Bauern. Und was die Lage der Frauen angeht, so ist die Burka wohl das kleinste Problem. Jetzt endlich können Mädchen wieder in die Schule gehen, sehr zum Ärger der Taliban, die immer noch Anschläge auf solche Schulen verüben. Also auch da geht AMs Argumentation am eigentlichen Problem vorbei! Warum? J.S.

  5.   J.S.

    „Die meisten Deutschen waren übrigens klug genug, die Diktatur Saddam Husseins als solche zu erkennen“

    Und wollten andere trotzdem daran hindernden, den Diktator zu stürzen! Ich habe es nicht für möglich gehalten, das sich hierzulande nach 1945 noch so viele finden die es für „rechtswidrig“ halten einen Diktator zu stürzen! J.S.

  6.   AM

    @ J.S.
    „Warum agitiert AM wohl gegen das Saudische Königshaus?“
    Weil es in Deutschland und Europa seit langem islamistische Ideologen finanziert. Weil es massiv islamistische Kämpfer nach Bosnien eingeschleust hat und das Land heute noch mit Moscheevereinen und Geld unterwandert. Weil es eine durch und durch korrupte und doppelbödige Diktatur ist, ein Krebsgeschwür, das seine Metastasen überall in der Welt verbreitet.
    „Die NATO hat auf dem Drogensektor ganz offensichtlich hervorragende Arbeit geleistet“
    Mit dieser Meinung stehen Sie ganz allein. 90% des Opiums kommen inzwischen aus Afghanistan. Wahrscheinlich geht der Export deshalb glatter als früher, weil die Besatzer beteiligt sind..

  7.   Wachtmeister

    Lesenswert ist auch der Artikel von Hamid Dabashi (Columbia-Universität), den die Autoren zitieren:

    http://weekly.ahram.org.eg/2006/797/special.htm

    Dabashi ist im Gegensatz zu den Autoren eine recht zentrale Figur der akademischen Diskussion in den USA. Die Kritik an Nafisi ist Mainstream und nicht nur, worauf eine Veröffentlichung auf ZNet hindeuten würde, Polemik von Linksaußen.

    Die Kritiker folgen der Orientalismus-These des Literaturwissenschaftlers Edward Said. Diese sagt kurzgefasst, daß jede kritische Äußerungen über den Nahen Osten durch westliche Wissenschaftler Rassismus ist und jede kritische Äußerung von Wissenschaftlern aus der Region Kollaboration mit dem Rassismus. Said selbst bekannte, er habe sich nie kritisch über Arafat geäußert, um der palästinensischen Sache nicht zu schaden. Erst als Arafat 1993 sich an Israel annäherte, sei die Zeit für Kritik gekommen gewesen da er zum Verräter geworden sei.

    Saids Thesen sind heute fester Teil des akademischen Mainstreams, er gilt als einer der zentralen Theoretiker des Multikulturalismus.

  8.   J.S.

    @AM
    Sie argumentieren nach wie vor unsinnig. Die Zahl der Drogentoten ist seit dem Sturz der Taliban nachweislich gesunken! Deswegen ist ihr Argument „Wahrscheinlich geht der Export deshalb glatter als früher,“ völliger Unsinn.
    Ebenso unsinnig ist ihre Argumentation gegen die Saudis. Denn die Alternative dort heisst Al-Qaida an der Macht und das wäre in jedem Fall viel schlimmer.
    Was wollen Sie? Mehr Drogentote und Bin Laden an der Macht in einem der reichsten Länder der Erde?J.S.

  9.   J.S.

    @Marty Hick
    Ob der Drogenanbau in Afghanistan zugenommen hat oder nicht, ist angesichts des Rückgangs der Drogentoten um etwa ein Drittel ziemlich irrelevant.
    Der angebliche Anstieg kann übrigens gut gerne daran liegen das die Taliban ihre Zahlen zum Drogenanbau geschönt haben und man jetzt erst langsam das wahre Ausmaß erkennen kann. Was immer dahinter steckt, so ist eines doch völlig klar! Als Argument gegen das NATO Engagement in Afganistan taugt der Drogenanbau nicht. Offensichtlich ist die NATO absolut in der Lage das Problem ohne brutales Vorgehen gegen Opiumbauern im Griff zu behalten. Auch das ist ein echter Fortschritt zu den Taliban. Was AM hier nämlich anpreist als effektive Methode der Drogenbekämpfung anpreist, ist in Wirklichkeit das brutale Abschlachten von armen Bauern durch die Taliban! J.S.

 

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