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Was will Teheran?

 

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Daniel L. Byman von der Georgetown Universität ergründet in einem ziemlich klugen Artikel in der Washington Post die iranische Lage und Strategie:

„Reports that Iran is arming various factions in Iraq are about as surprising as claims that Mafia members have been seen in Las Vegas casinos…
So why would Iran arm Iraqis and perhaps direct attacks on U.S. forces? For most Iranians, Iraq is an emotional issue. They see the daily suffering of Iraqis, both from the chaos in Iraq in general and at the hands of Sunni suicide bombers. They empathize with their fellow Shiites in Iraq, with whom they have historic ties and shared religious traditions. Though they rejoice over the downfall of Saddam Hussein (Iran suffered hundreds of thousands of casualties in the bitter war of 1980-88, which Hussein launched against it) they blame the United States for the violence that has swept Iraq since Hussein fell.

Iran worries about the United States. When Ayatollah Khomeini took power in the 1979 Islamic revolution, he made anti-Americanism a core of the new regime’s foreign policy. The United States has been hostile ever since, even tilting toward Iraq during its war with Iran. The United States and Iran have not had diplomatic relations since 1979, and have periodically confronted each other.

In the decade before 9/11, Iran structured its military forces to fight America, even when the U.S. military presence in the Persian Gulf region was confined to the conservative oil states of the Arabian peninsula. Since 9/11, the United States has occupied Iraq with more than 100,000 troops, put significant forces in Afghanistan and Central Asia, and strengthened its security relationship with Pakistan. Iran perceives itself as surrounded. The United States has repeatedly made threats against the Iranian regime, has refused to surrender anti-regime Iranian terrorists found in Iraq, organized international economic pressure on the country, led a diplomatic effort to deny Iran the right to develop nuclear energy and nuclear weapons, and pointedly included military force against Iran as an option after dispatching two aircraft carriers to the Persian Gulf region– hostile steps, in Iranian eyes, that reinforce paranoia.

Tehran does not want the secular and pro-Western Iraq that America dreams of, and it wants to ensure that the U.S. doctrine of preventive regime change is dead.
So far, developments in Iraq have worked out in Iran’s favor — indeed, Iran appears to be the one state that is winning this war. Iraq is too weak to pose a military threat to Iran for years and perhaps decades to come. The democratic procedures that the United States imposed on Iraq put in power Shiite leaders who are far friendlier to Tehran than to Washington.“

Hab‘ ich’s nicht gesagt? Ganzer Artikel hier.

67 Kommentare

  1.   docaffi

    Eine sehr gute Analyse. Sollte JS gut durchlesen und endlich seine Haltung zum „Irak-Syndrom“ überdenken.

  2.   iceman

    Bymans Analyse ist nur teilweise richtig.
    Der Irakkrieg ist sicher eine „emotionale Angelegenheit“ für viele Muslime auf der Welt – aber doch nicht für die Mullahs in Teheran, die hier ihr eiskaltes Spiel treiben, um die USA scheitern zu lassen.
    Es sind keine iranischen Bürger, die im Irak kämpfen, es sind nur – unter anderem – iranische Waffen, und das, in der Tat, konnte man sich schon lange denken (wo kommt denn das ganze Zeugs her?).
    Jeder ZWEITE US-Soldat, der im Irakkrieg umgekommen ist, ist durch eine der sog. „roadside bombs“ umgekommen (siehe „Faces of the Death“ in der W.P.).
    Wer´s nicht glaubt, der kann ja mal hundert Bilder anklicken und eine Strichliste machen.

    Wobei die irakischen Zivilisten, die jeden Tag in die Luft gesprengt werden, zahlenmässig noch viel gravierender sind.
    Sind diese Menschen auch Opfer eines Rachefeldzugs gegen Amerikaner?
    Erst heute kam eine Meldung, wonach 72 Leute in Kirkuk Opfer eines Bombenanschlags waren.
    Und diese Sprengstoffe werden mit Sicherheit auch nicht mit Düngemitteln hergestellt, sondern kommen irgendwo her, und von wem und über welche Kanäle, das wird immer deutlicher.

    Wenn irakische Schiiten irakische Sunniten in die Luft jagen, dann doch nicht deshalb, weil weil iranische Schiiten darüber empört sind, dass die Amerikaner ein Land angegriffen haben, mit dem sie vor nicht allzu langer Zeit einen Krieg mit einer Million Toten geführt haben.
    Was ist das denn für eine Logik???
    Zumal Iraner Perser sind, Iraker aber vorwiegend Araber, und es also nicht nur um die Religion i.e.S. geht, sondern um historische Differenzen und – viel wichtiger – um die künftigen politischen Machtverhältnisse im Nahen Osten.
    Und genau darüber machen sich iranische Politiker Gedanken, nicht aber das einfache iranische Volk, das Besseres zu tun hat.

    Würde die Welt besser aussehen, wenn die Amerikaner in den letzten 150 Jahren die schwedische Politik strikter Neutralität betrieben hätten?
    Ja, wahrscheinlich schon, aber ganz sicher kann man sich auch nicht sein (Hitler-Deutschland; kalter Krieg und Kommunismus).

    War der Irakkrieg falsch?
    Na klar, von vornherein, aber in erster Linie aus strategischen Gründen.

    Kann man sich jetzt einfach zurückziehen, alles liegen und stehen lassen?
    Ja sicher, wenn einem die Menschen dort völlig egal sind.
    Es wurde auch sehr viel Positives erreicht, gerade in Afghanistan, und ein Rückzug der Truppen hätte das Chaos zur Folge, das zarte Pflänzchen der Demokratie, der Bildung und besseren medizinischen Versorgung würde von den Taliban sofort wieder ausgerissen.

    Und kann man es akzeptieren, wenn die iranische Regierung global immer mehr Unruhe stiftet, verbal ebenso wie mit Waffen, wenn sie die Menschenrechte seit Jahrzehnten mit Füssen treten (wer berichtet über die Menschen, die an Laternenpfählen vor Flughäfen aufgehängt werden – zwecks Abschreckung?), oder sogar versucht, sich mittelfristig mittels Atombombe unangreifbar zu machen?
    Nein, dann doch lieber einen letzten Krieg, um das letzte Zentrum des Schreckens aufzulösen – und danach für demokratische Verhältnisse zu sorgen, die das iranische Volk wie jedes andere verdient hat.


  3. @ Lieber Iceman, die „letzten Kriege“ sind die schlimmsten („a war to end all wars“) und der Anfang neuen Übels, weil sie völlig enthemmt geführt werden, denn es geht ja um das Gute schlechthin. Nicht mir mir. Positives wird dann erreicht, wenn die Kriegsziele eng gefasst sind und eine Exit-Option oder wenigstens eine Nachsorge-Option besteht. Afghanistan ist teilweise ein Beispiel dafür. Aber wissen werden wir es da auch erst in ein paar Jahren…

  4.   iceman

    Lieber Jörg Lau, auch ich bin prinzipiell Pazifist, vielleicht sogar mehr, als Sie glauben.
    Was ich geschrieben habe würde ich auch schreiben, wenn ich selber Iraner wäre, oder sogar sicher wüsste, dass ich und alle meine Angehörigen in einem künftigen Krieg umkämen!
    Das grösste Problem der Menschheit ist ja gerade, dass die Menschen zu sehr dem egoistischen Gruppendenken anhaften.
    Und deshalb würde ich mir wünschen, dass dieser „letzte Krieg“ im Nahen Osten (der Iran ist tatsächlich der last bad guy standing) so geführt wird, das er allzuviele unnötige Opfer vermeidet – was schwierig ist, sicher.
    Aber die Ist-Situation ist, wie sie ist, es gibt ein klares Bild in diesem Fall, auch inmitten all der Grauzonen, und solange die Mullahs nicht beseitigt werden (von Innen auf absehbare Zeit kaum möglich) gibt es diese „never ending story“.
    Und ich bezweifele sehr stark, dass das dann – rechnet man alles zusammen – weniger Opfer kosten würde.
    Meine Meinung: Augen zu und durch, den Schmerz muss man aushalten.
    Es gibt keine Alternative, nicht bei diesem Regime.

  5.   AM

    @ iceman
    „auch ich bin prinzipiell Pazifist“
    und ich bin der Kaiser von China, sogar mehr als Sie glauben

  6.   iceman

    @ AM
    Vielen Dank, für Ihren sehr inhaltsreichen und gut begründeten Kommentar.

  7.   docaffi

    Lieber oder liebe iceman, eine Lösung des Irakkrieges wird es nur mit Iran, Syrien, Türkei, EU und natürlich USA an einem Verhandlungstisch geben. Einen Krieg gegen Iran loszu legen, um Ruhe im Irak zu haben, würde das Problem nur verlagern. In der Medizin nennt man es, Streuung von Tumorzellen durch unnötigen chirurgischen Eingriff.

  8.   AM

    @ iceman
    Gegen semantischen Trash hilft keine Begründung, nur verdienter Hohn. Dschingis Kahn war übrigens auch Pazifist, aber zuerst musste er noch mit seinen Feinden aufräumen, um dem Frieden eine Chance zu geben. Tstststs.

  9.   iceman

    @ AM
    Der Trash komm nur von Ihrer Seite, und das schon seit längerer Zeit.
    Das ist mir in Zukunft auch keine Zeile mehr wert.

    @ Docaffi
    Ja, ja, die Tumorbildung.
    Die entsteht durch Fehlbildung von Gewebe, breitet sich im ganzen Körper aus, und führt häufig zum Tod.
    Aber was bedeutet das übertragen?
    Sind universelle Menschenrechte ein Krebsgeschwür?
    Oder das Recht auf freie Meinungsäusserung und Selbstbestimmung?
    Oder ist das nicht eher der Djihadismus, der Fanatismus im Glauben, der sich auf eine inhaltliche Diskussion – siehe oben – gar nicht erst einlässt?
    Das stärkste Machtzentrum des Islamismus ist die iranische Führung, und den an den Verhandlungstisch zu holen wäre so, als machte man den Bock zum Gärtner, und darauf habe ich keinen Bock.
    Worüber soll man mit den Mullahs diskutieren?
    Darüber, wie sie sich am besten und schnellsten selbst entsorgen?

    Und woran erkennt man eine Krankheit?
    Doch wohl daran, wie schwer sie einen Organismus schädigt.
    Für 1,3 Milliarden Musime in 46 Ländern gibt es gerade mal 600 Universitäten, und jedes Jahr werden fünf Mal mehr Bücher ins Griechische übersetzt (es gibt 10 Millionen Griechen) als in die Weltsprache Arabisch.
    Die 22 Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens bringen trotz höher Öleinnahmen nicht mehr an Wirtschaftsleistung zusammen als Spanien, und trotzdem träumen da manche noch vom „Paradies Andalusien“.
    Wie ist so etwas möglich, was für ein Ausmass an Unbildung, Weltfremdheit und Verblendung herrscht da vor???
    Jeder fünfte Araber muss mit weniger als 2 $ am Tag auskommen,
    trotz des Öls, und trotz der vom bösen, bösen Westen (nicht von Russen oder Chinesen) geleisteten Wirtschaftshilfe, die sogar doppelt so hoch war (!) als für den Durchschnitt sämtlicher Entwicklungsländer, die sich ökonomisch gleichwohl schneller entwickelten, während das Wirtschaftswachstum der arabischen Länder in den letzten 20 Jahren bei gerade mal 0,2% pro Jahr lag!
    Religiöse Vielfalt?
    Indonesien: 200 Millionen (88% Muslime)
    Pakistan: 150 Millionen (97% Muslime; Islam Staatsreligion)
    Bangladesh:130 Millionen (87% Muslime; Islam Staatsreligion)
    Iran: 70 Millionen (99% Muslime; Islam Staatsreligion)
    Türkei: 70 Millionen (99% Muslime)
    Ägypten: 70 Millionen (90% Muslime; Islam Staatsreligion)
    Algerien: 35 Millionen (99% Muslime; Islam Staatsreligion)
    Marokko: 35 Millionen (99% Muslime; Islam Staatsreligion)

    Weitere Länder, in denen der Islam Staatsreligion ist:
    – Brunei, – Jemen, – Katar, – Kuweit, – Libyen, – Malysia, – Malediven, – Mauretanien, – Oman, – Somalia, – Tunesien.

    In Nigeria sind bloss 45% der Menschen Muslime, trotzdem wurde im Norden die Scharia eingeführt.

    Länder, in denen das Christentum Staatsreligion ist: 0
    Länder, in denen das Judentum Staatsreligion ist: 1
    Trotzdem wird Israel als „Stachel im Fleisch“ empfunden, den man herausziehen oder „ins Meer treiben“ muss.
    Ich frage mich, was passieren würde, wenn der Westen eine ähnliche Haltung einnehmen würde, zum Beispiel gegenüber vielen nicht ganz unproblematischen Migranten.
    Wieviele von denen pinkeln regelmässig verbal auf den Westen, den Kapitalismus, die Amerikaner, leihen sich aber jeden Abend aus der Videothek amerikanische Actionfilme aus, tragen Sweatshirts mit dicken NIKE-Logos drauf, oder hängen bei McDonalds herum.
    Und wie wenige gibt es andererseits, die die wirklich positiven Kulturwerte des bösen Westens übernehmen.
    Schon mal drüber nachgedacht?

    Der Islam ist schon seit einigen Jahren dabei, beim Westen so eine Art „psychologischen Ermüdungsbruch“ zu provozieren, oder schlichter: immer mehr Leute haben die Schnauze voll!
    Und wenn sich der Westen wirklich mal ganz raushalten würde aus der islamischen Misere, bei der sozialen Subventionierung Kulturresistenter ebenso wie bei der Stützung ganzer Volkswirtschaften, dann gehen da ganz schnell die Lichter aus.
    Davor kann ich nur warnen.

  10.   docaffi

    @iceman
    Ich kann deine Argumentation nicht nachvollziehen. Was bringt uns aktuell, das Elend der islamischen Welt auf zu zählen. Warum hast du bei deiner Aufzählung Indien aus gelassen??
    Übrigens der christliche Teil von Afrika ist auch nicht besser dran (Außer Südafrika).
    Was du auch nicht vergessen darfst: Mittlerweile leben in Europa über 50 Mio Muslime und in der USA machen sie ca. 2% der Bevölkerung aus. Diese Zahl verdoppelt sich schätzungsweise alle 10 Jahre. D.h. zwangweise wird man sich in Zukunft mit dieser Relegion friedlich auseinander setzen müssen.

    „Sind universelle Menschenrechte ein Krebsgeschwür?
    Oder das Recht auf freie Meinungsäusserung und Selbstbestimmung?“

    Sollen diese Argumente einen Krieg gegen den Iran legitimisieren?? Können sich die Amerikaner erlauben diese Argumente als Kriegsgrund zu nehmen? Wie kommt es, dass man mittlerweile mit den Tyranen aus Nordkorea am Verhandlungstisch sitzt??

 

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