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Wir dürfen die iranischen Demokraten nicht vergessen

 

Ein Alarmruf des amerikanischen Kritikers Danny Postel: In der Debatte um den Iran fällt die demokratische Opposition im Iran zwischen die Ritzen. Die Linke (nicht nur sie) ist in Gefahr, sich im Widerstand gegen Kriegspläne zu verschleissen und die reiche Szene von iranischen Liberalen zu ignorieren, die keinen Krieg wollen, aber auch das Regime im Iran bekämpfen. Ganzer Artikel hier:

What the neocons want in Tehran is a pro-U.S. and pro-Israeli regime; whether it’s a democratic one or not is an entirely secondary matter to them. And Iranian dissidents know this, which is why they want nothing to do with the neocons. Note that the funds the State Department earmarked last year for democracy promotion in Iran met with a resounding thud among dissidents, who see right through the neocons and their agenda.

This is not only a critique of the neocons, though; it’s also a challenge to those on the Left who have bought into the neocons’ Big Lie about being the bosom buddies of Iran’s dissidents. Due to intellectual laziness, a preference for moral simplicity, existential bad faith, or some combination thereof, lots of leftists have opted out of even expressing moral support, let alone standing in active solidarity with, Iranian dissidents, often on the specious grounds that the latter are on the CIA’s payroll or are cozy with the neocons. Utter and complete tripe. Perhaps, as I say, understandable in the past, when it wasn’t as transparent what empty hogwash the neocons’ posturing was. But now that the neocons’ real cards are on the table and their pretense of solidarity with Iranian dissidents has been shattered, the Left can no longer use the neocons as an avoidance mechanism.

Danny Postel hat ein Buch über die demokratische Linke in Iran geschrieben, mit dem schönen Titel: „Reading Legitimitaion Crisis in Teheran„.

4 Kommentare

  1.   J.S.

    Die Linke hat doch von Anfang an die Mullahs unterstützt. Denen war jeder recht, wenn er nur den Schah stürzt.
    Ob es überhaupt noch eine signifikante demokratische Opposition im Iran gibt, wage ich zu bezweifeln. Das die iranische Führung wenige Jahre nach Tschernobyl russische Atomtechnik kauft und in Teheran niemand dagegen protestiert ist doch geradezu unvorstellbar.

  2.   docaffi

    @JS
    „Die Linke hat doch von Anfang an die Mullahs unterstützt“
    Das stimmt so nicht. Die Linke, wie damals viele andere politische Gruppierungen hat Khomeine nur während der Revolution 79 unterstützt, weil sie sich alle eine Beteiligng an eine spätere Regierung gehofft hatten. Kurz nach der Machtübernahme durch Mullahs wurden sie Reihenweise verhaftet und hingerichtet. Viele sitzen immernoch in iranischen Gefängnissen. Die gezielte Hinrichtung der linken Opposition zum Teil im Ausland hält bis heute an.
    Bitte verbreiten sie keine Unwahrheiten!!

  3.   J.S.

    @docaffi
    Ich sprach von der Linken im Allgemeinen. Das die iranischen Linken nach dem sie verhaftet und hingerichtet wurden die Mullahs nicht mehr unterstützt konnten, versteht sich doch von selber.
    Die iranische Linke war so irrational, ihre eigenen Scharfrichter an die Macht zu bringen.

  4.   iceman

    An der Einleitung von Scott McLemee´s Artikel erkennt man sofort die Tendenz.
    Der Frage, wie man sich künftig dem Islamismus stellen muss, weicht er gleich zu Beginn aus, indem er auf die US-amerikanische „Realpolitik“ der Vergangenheit hinweist (Bewaffnung der Taliban).
    Hat er vergessen, dass sich Anfang der 80er noch zwei Drittel der Menschheit im Kalten Krieg befanden, und dass die Russen gegen Gott, Papst und die Welt einen Krieg in Afghanistan vom Zaun gebrochen haben?
    Oder liegt der Vorwurf darin, dass keiner der damals Verantwortlichen eine taugliche Glaskugel hatte?

    Dann kommt der breit angelegte Vorwurf, der Westen würde die an Zahl und intellektueller Qualität beachtlichen Oppositionellen nicht genügend würdigen.
    McLemee zitiert Danny Postel:
    „In Hunderten von Gesprächen mit iranischen Intellektuellen, Journalisten und Menschenrechtsaktivisten der letzten Jahre bin ich ausnahmslos auf Verzweiflung gestossen.
    Warum, so fragen sie, ist die amerikanische Linke so gleichgültig gegenüber dem im Iran stattfindenden Befreiungskampf?
    Warum bekommt die iranische Opposition nicht die Aufmerksamkeit der sogenannten Friedensbewegten?
    Warum sind es ausschliesslich die Neokonservativen, die Interesse am iranischen Befreiungskampf zeigen?“

    Nun, die Antwort ist ganz einfach:
    Die Linksliberalen setzen auf Appeasement, und sind damit beschäftigt, Israels Forderung auf Anerkennung und Gewaltverzicht als „zu hart“ zu diffamieren, empören sich zum dreimillionsten Mal über verfehlte Feldzüge, bevor sie überhaupt stattgefunden haben (geschweige denn beendet sind), halten Exitstrategien für das wichtigste Merkmal einer existenziellen Auseinandersetzung, und haben ausserdem Angst vor dem Zahnarzt, der ohne Narkose den letzten faulen Zahn ziehen könnte.
    Eine Unterstützung Oppositioneller ist immer auch eine Kritik an den sie Beherrschenden, und solche scharfen Kontraste, solche manichäischen Weltzerrbilder, sind ein Zeichen von kultureller Unreife und reaktionären Gedankenguts inmitten heimeliger liberaler Gesellschaften voller menschlicher Wärme, in denen die Quote der Singlehaushalte bei über 60% liegt.

    Und man will den fruchtbaren Dialog – es wurde ja schon so viel erreicht – mit Hasspredigern in Staatsämtern nicht verderben, und hofft darauf, dass die 1.400 Jahre alte orthodoxe Interpretation des Koran – besser bekannt als Islamismus – irgendwann von alleine verschwindet, und kollektiv verblendete und vorsätzlich verblödete Muslimvölker eines Tages von alleine aus ihrer pubertären Phase herauswachsen.

    Die liberalen Taktgeber in Politik und Medien halten sich für emanzipiert vom naiven Multikulturalismus vergangener Tage, grenzen sich verbal ab von ihren Vorgängern, und sind doch nur deren Schatten, und deshalb werden die gescheiterten Feldversuche antiautoritärer Erziehung unwissentlich auf eine grössere, eine globale Projektionsfläche verlagert, und diesen letzten Endkampf ums alte Weltbild darf man nicht vorschnell aufgeben, um sich von Gleichgesinnten keine Dolchstosslegende einzuhandeln, die zu sozialer Isolation und einem Auseinanderbrechen der Community führen würde.

    Ausserdem gibt es Konfliktherde, die wesentlich schwerer wiegen, zum Beispiel zionistische Buddelspielchen im Sand, deren Dimension doch glatt die Aushubarbeiten einer Bushaltestelle in Neuss am Rhein erreicht.

    Nee, Freunde, so wird das nix mehr, wir brauchen keine Exitstrategien mehr, sondern eher eine Extinguish-Strategie.
    Die Mullahs müssen weg!

 

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