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Iran-Experte: Präventivkrieg gegen Iran nicht möglich

 

Der exzellente James Fallows vom Atlantic Monthly über die (Un-) Möglichkeit eines präventiven Kriegs gegen Iran. Ich hoffe nur, dass die kein wishful thinking ist und empfehle noch einmal seinen tollen Artikel von 2004.

7 Kommentare

  1.   iceman

    Als Ergänzung:
    „The Nuclear Power Beside Iraq“ von Mai ´06
    http://www.theatlantic.com/doc/200605/fallows-iran

  2.   Tuotrams

    Sie wollen es nicht verstehen, wenn Israel und die USA denken Iran hat die rote Linie überschritten wird zwangsläufig militärisch gehandelt.

    Bei den Israelis geht es ums Überleben, bei den Amis darum einen grösseren Krieg zu verhindern.

    Wenn Sie glauben die USA seien nicht bereit einen „totalen Krieg“ mit allen negativen Konsequenzen zu führen ist das in der Tat wishful thinking.

    Der Westen und die USA werden u.U. massiv bluten aber der Iran wird sich nicht in hundert Jahren von diesem Krieg erholen.

  3.   docaffi

    @Tuotrams
    Mit Lügenmärchen wie vor dem Irakkrieg und ohne harte Fakten wird sich weder die Welt- noch die amerikanische Öffentlichkeit für einen Krieg und ein „massives Bluten“ überzeugen lassen. Ohne die Unterstützung der amerikanischen Öffentlichkeit wird es keinen Krieg auf drei Baustellen geben. Wer ein mal lügt, den glaubt man nicht mehr so einfach.


  4. […] Die USA werden keinen Präventivschlag gegen den Iran wagen, behauptet zumindest der Universaljournalist James Fallows. Jörg Lau nennt Fallows in seinem Blog “Iran-Experte”, es könnte also was dran sein an der kurzen Argumentation (ein längerer Artikel zum Thema ist bei Lau verlinkt). […]

  5.   AM

    „Der Westen und die USA werden u.U. massiv bluten aber der Iran wird sich nicht in hundert Jahren von diesem Krieg erholen.“
    Ja, wenn das so ist, dann blutet doch jeder gern mal massiv. Hauptsache der andere erholt sich in 100 Jahren nicht mehr davon. Solche Statements werfen doch die Frage auf, ob vielleicht nicht alle besser dran wären, wenn z.B. China den Iran kurzfristig mit ausreichend atomaren Interkontinentalraketen ausstatten würde, um die Logik der Abschreckung zum Wohle der Menschheit wirken zu lassen. Wie sagte doch Ludwig Wittgenstein: „Das Geschrei, das heutzutage um die Atombombe gemacht wird, zeigt, dass hier (endlich einmal!) eine heilsame Erfindung gemacht worden ist“.

  6.   iceman

    Fallows Artikel beeindruckt nur auf den ersten Blick.
    Interessant ist, dass hier in einem simulierten war room ein Kriegsszenario durchgespielt wird.

    Aber wo bleibt die Gefahrenanalyse gegenüber den Risiken eines Atomstaates Iran?
    Eine solche Auflistung erhalten wir nicht, weil diejenigen, die solche Überlegungen anstellen, sie geheimhalten (in echten think tanks), während diejenigen, die sie simulieren (Journalisten) sich nicht der Kriegstreiberei bezichtigen lassen wollen.

    Bei der Frage, wie sich der Westen gegenüber dem Iran verhalten soll, kommt es zunächst auf die Perspektive an, und da gibt es zwei grobe Linien:

    1. Mullahs mit Atomraketen sind intolerabel, und werden an ihrem Vorhaben gehindert. Flächenbombardements und der Einsatz grosser Kernwaffen sind moralisch verwerflich und strategisch überflüssig. Letzteres gilt vermutlich auch für den Einsatz von grossen Bodenverbänden.
    Unterhalb dieser Schwellen wird aber alles getan, um den Iran an der Anreicherung von Uran zu hindern und Inspektionen zu erzwingen.

    2. Ein militärischer Konflikt wird in jedem Fall vermieden.
    Wenn der Iran unbedingt Atomwaffen haben will, so kann man ihn langfristig kaum daran hindern, und deshalb empfiehlt sich ein dialogischer Umgang, sowie die Akzeptanz des Iran als alleinige Regionalmacht.
    Die Hoffnung dabei ist, dass sich ein selbstbewussterer Iran weniger bedrohlich und aggressiv verhält.

    Fallows plädiert eindeutig für die zweite Variante.
    Bei seinen strategischen Optionen geht er von einer Situation aus, in der nur noch sehr wenig Zeit zum Handeln bleibt.
    So heisst es in seinem Artikel:
    „Die klare Absicht des Iran für den Bau einer Bombe vorausgesetzt, und vorausgesetzt auch, dass der Iran in zwei oder drei Jahren eine Reihe „roter“ Linien überschreitet, wird es danach sehr schwer werden, dass Programm von aussen zu stoppen.“
    Und weiter:
    „Ab einem gewissen Punkt, relativ bald schon, wird der Iran ein Arsenal besitzen, dass kein Aussenstehender zerstören kann, und Amerika wird nicht wissen, wann dieser Punkt genau erreicht ist.“

    Durch diesen künstlich aufgebauten Zeitdruck verpasst Fallows die Möglichkeit, eine über mehrere Jahre hinweg ansteigende Eskalationsstrategie aufzubauen, mit der der Iran durchaus in die Knie gezwungen werden könnte.

    Weiterer Fehler:
    Fallows verknüpft die Frage nach Atomwaffen unzulässigerweise mit der Lage im Irak, und befürchtet, ein Konflikt mit dem Iran würde die Lage im Irak destabilisieren.
    Dieses Argument ist nicht angemessen, weil:
    – die Iraner den Irak bereits destabilisiert haben
    – militärische Einsätze gegen den Iran erst in einigen Jahren nötig werden könnten
    – der Irak ohnehin getrost aufgegeben werden kann, wenn er sich bis dahin nicht stabilisiert hat. Das Argument, der Iran sässe ja nun „mit am Tisch“, zieht nicht, denn, wie gesagt, die Dinge müssen voneinander getrennt werden. Täten die Amerikaner das nämlich nicht, so würde das bedeuten, dass sie die eigenen Interessen zugunsten der Iraker aufgeben würden.

    Bei Fallows ist viel von „military approach“ und „pre-emptive strikes“ die Rede, und dem Iran wird zugetraut, dass er im Falle eine israelischen Angriffs mit überharten Gegenangriffen antworten würde:
    „Perhaps with chemical weapons.“
    Auch das ist ziemlich unsinnig, denn solange die Mullahs nicht um ihre Macht fürchten müssen, werden sie eine Totaleskalation vermeiden.

    Weiter wird auf eine Überlastung der amerikanischen Truppen hingewiesen, die nicht an zu vielen hotspots gleichzeitig agieren könnten.
    Bezüglich Bodentruppen geht das ins Leere, weil eine solche Strategie kaum die richtige sein dürfte.
    Luftwaffenkapazitäten kann man bis dahin weiter ausbauen.

    Fallows fokussiert sich nicht nur einseitig auf eine heisse Kriegsphase, sondern reduziert einen Krieg zu Unrecht auf nur drei denkbare Optionen:
    a. eine Strafaktion gegen Einheiten der Revolutionsgarden
    b. ein Angriff auf Nuklearanlagen
    c. eine Operation zwecks regime-change, Vernichtung der Mullahs.

    Es gibt aber noch eine vierte Option, und die würde funktionieren:
    Eine lang anhaltende „low-war“-Strategie, wie man sie gegenüber Jugoslawien sehr erfolgreich angewendet hat.
    Zwar kann man den Iran und Serbien schlecht miteinander vergleichen, aber die Mittel blieben gleich gut wirksam.
    Nach einer langen Kette an Sanktionen, Handels-, Finanz-, Waren-und Informationsblockaden und elektronischen Störaktionen (dafür könnte man sich zwei Jahre Zeit nehmen) würde man sehr vorsichtig zu reduzierten militärischen Einsätzen übergehen, die dem Iran – verbunden mit ökonomische Anreizen – jederzeit die Möglichkeit des Nachgebens offen liesse.

    In diesem Sinne könnten Angriffe auf Einheiten der Revolutionsgarden ein Teil der letzten Eskalationsstufe sein, also des LETZTEN Schrittes, und nicht, wie Fallows es beschrieb, als „first step“.
    Genau dieser Unterschied markiert den Fehler in Fallows Konzept.
    Fallows hat kaum etwas anderes getan, als die Kriegspläne gegen den Irak (Tommy Franks´ „step in/ step out“) vor dem Hintergrund des Iran wiederaufzubereiten.

    Fallows Befürchtungen im Falle eines Krieges:
    – Iran stiftet noch mehr Unruhe im Irak (hat er schon)
    – Iran treibt den Ölpreis in die Höhe (mit A-Waffe erst recht)
    – Inneriranische Unruhen
    – Terroranschläge im Westen

    Der Erfolg von pre-emptive strikes auf Nuklearanlagen wird angezweifelt, und Fallows äussert die Befürchtung, dass es dadurch nur zu einer zeitlichen Verzögerung der Atomprogramms käme, aber nicht zu einem endgültigen Aus.
    Und die Iraner?
    Die würden dadurch nur noch feindseliger gestimmt!
    Das ist Appeasement in Reinkultur.
    Unabhängig davon sprechen seine Befürchtungen sogar dafür, dass man sich eben nicht nur auf einen einzelnen „grossen Schlag“ verlässt.

    Als „Ausweg“ aus der Misere empfiehlt Fallow schliesslich ein wenig überzeugendes Rezept: Bluff!
    So schreibt er:
    „A realistic awareness of these constraints will put the next President in an awkward position.
    In the end, according to our panelists, he should understand that he cannot prudently order an attack on Iran.
    But his chances of negotiating his way out of the situation will be greater if the Iranians don´t know that.“

    Wen bloss hält Fallows für dümmer?
    Die Iraner? Oder seine Leser?
    Solange die amerikanische Führung nicht EINDEUTIG und ÖFFENTLICH erklärt, dass sie die iranische Bombe MIT ALLEN MITTELN verhindern wird (und solche Aussagen – oft genug wiederholt – haben bindende Wirkung!), solange werden die Iraner mit Sicherheit nicht auf ihr Atomprogramm verzichten.
    Und Fallows weiss das.

    Fazit:

    Fallows hat sich mit der iranischen Bombe bereits abgefunden – er gibt es nur nicht zu.
    Fallows macht Politikern den Vorwurf, sie hätten keine langfristigen Pläne, würden nie fragen:
    „And then? What comes next?“
    Bezogen auf den Irak kann man diese Vorwürfe stehen lassen, aber dieser Vorwurf trifft künftig eher diejenigen, die nie darüber nachdenken (wollen), welche Folgen ein atomares Mullah-Regime mit sich bringt.
    Und dieses Risiko ist irrsinnig hoch, vor allem vor der Überlegung, dass das Mullah-Regime eines Tages weggeputscht wird, und zu einem „letzten grossen Schlag“ ausholt.
    Da darf man die Appeaser fragen:
    Soll man dann auch noch das Mullah-Regime vor einer inner-iranischen Revolution schützen?
    Ein letzter grosser Schlag beträfe nicht „nur“ Israel.
    Denn hat der Iran erst eine Atombombe, dann hat er bald fünfzig oder mehr.
    Che Guevara war weniger verblendet als die Mullahs, und sinnierte trotzdem über ein Opferlamm Kuba nach, um die USA zu vernichten.

    New York: 9 Millionen

    Los Angeles: 4 Millionen

    Chicago: 3 Millionen

    Houston: 2 Millionen

    Philadelphia: 1,5 Millionen

    Phoenix: 1,5 Millionen

    San Diego: 1,3 Millionen

    San Antonio: 1,2 Millionen

    Dallas: 1,2 Millionen

    Die 40 nächstgrösseren Städte haben alle zwischen 900.000 und 400.000 Einwohnern.
    Ganz abgesehen von den unerhörten ökonomischen Schäden, die entstünden, wenn allein eine Stadt wie New York verschwände.
    Ein Angriff auf die zehn grössten Städte der USA würde das Land auf den Stand eines Agraarstaates zurückwerfen.
    Die ganze Weltwirtschaft würde zusammenbrechen, mit absolut chaotischen Folgen, und unzählige Muslime würden physisch exterminiert.

    DIESE Gefahren wiegen schwerer als die von Fallows, und deshalb gibt es nur zwei Lösungsmöglichkeiten:

    I. Der Iran wird gezwungen, seine Bemühungen einzustellen.

    II. Die USA werden einen nuclear shield aufbauen mit der Folge, dass ein neuer ruinöser Rüstungswettlauf beginnt, und Russland von Europa politisch abgespalten wird (aufgrund der Installation auch in Polen).
    Wobei ein solcher nuclear shield auch nichts nutzen würde gegen mobile Kernwaffen, die die Mullahs vor ihrem Abtreten an Terrorgruppen weiterreichen würden.
    Kann das einer ausschliessen???
    Nach dem 11.September kann man gar nix mehr ausschliessen!

    Und soll man das alles – und vieles mehr – hinnehmen, nur wegen einem (bei allem Respekt) zweitklassigen Schwellenland, das man für unbesiegbar hält?

    So wie es im Moment aussieht, werden sich die Appeaser durchsetzen, und die Mullahs die Bombe kriegen.
    Nun, für die Folgen werden dann diejenigen verantwortlich sein, die das nicht verhindern wollten.

  7.   docaffi

    Liebe Leute,
    wer ein einigermaßen realistisches Bild über das Leben in Teheran haben möchte, sollte diesen Film anschauen:

    http://video.google.com/videoplay?docid=4679426685869498072

 

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