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Die neue iranische Konfrontations-Ideologie

 

Wer sich fragt, warum derzeit im Iran durch Verhaftungen von Oppositionellen und durch Repression gegen junge Frauen der Druck erhöht wird, findet eine Antwort bei dem Cheftheoretiker der Revolutionsgarden, Hasan Abbasi.

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„Die US-amerikanische Hauptstrategie ist die sanfte Methode des Umsturzes des Iran. Sie sagen, dass der iranische Boden nicht ihr Ziel ist, aber der iranische Bürger. Die sanfte Bedrohung will die Herzen und Köpfe erobern. Diese Strategie umfasst verschiedene Themen, wie den Hass gegen den Islam, den Hass gegen das Iranertum, sarkastische Erniedrigung der Verantwortlichen der Islamischen Republik, Hass gegen die politischen Führer des Islam gehören zu ihrer Strategie.“

Rooz online berichtet über einen Vortrag, in dem Abbasi die Konfrontation zwischen Iran und Amerika in Analogie zu den Wettrennen amerikanischer Jugendlicher beschreibt, die mit ihren Autos aufeinander zurasen, bis der ausweicht, der am meisten Angst hat. Das „Chicken-Spiel“ nennt Abbasi dies. Sein Vortrag offenbart, wie sicher das Regime sich heute fühlt:

Heute ist die Bush-Regierung schwächer denn je zuvor und kann den Iran nicht angreifen. Überhaupt ist die Wahrscheinlichkeit eines Angriffes auf den Iran immens gesunken, denn es ist eine strategische Frage. Wir brauchen eine Außenpolitik, die unsere innenpolitischen Interessen berücksichtigt. Aber man hat begonnen nebensächliche Spielereien zu betreiben. Beispielsweise die Holocaustgeschichte hat Raum für andere Themen geschaffen. Sie waren dann mit dem Holocaust beschäftigt, der Druck ging dann in die Richtung und der Iran bekam neue Handlungsspielräume. Manchmal diskutiert man auch über den Dialog der Zivilisationen. Alles nebensächliche Probleme.“

Man wirft uns also „den Holocaust“ oder den „Dialog“ hin wie einem Hund ein paar alte Knochen, damit er was zu spielen hat, während hintenrum die strategischen Hauptinteressen weiterverfolgt werden?
Auch interessant dieser Satz:

„[…] Der iranische Bürger muss gegen die New Yorker Influenza geimpft werden. Der iranische Bürger muss lernen, die Modernität zu hassen.

Kompletter Text hier.

Und was, wenn Abbasi Recht hat? Gestern berichtete der Sunday Telegraph, Bush habe ein Dokument unterzeichnet, das geheime CIA-Operationen gegen Iran genehmigt:

President George W Bush has given the CIA approval to launch covert „black“ operations to achieve regime change in Iran, intelligence sources have revealed.

Details have also emerged of a covert scheme to sabotage the Iranian nuclear programme. Iran was sold defective parts on the black market.

Mr Bush has signed an official document endorsing CIA plans for a propaganda and disinformation campaign intended to destabilise, and eventually topple, the theocratic rule of the mullahs.

Der Telegraph schliesst daraus:

Authorisation of the new CIA mission, which will not be allowed to use lethal force, appears to suggest that President Bush has, for the time being, ruled out military action against Iran.

Bruce Riedel, until six months ago the senior CIA official who dealt with Iran, said: „Vice-President [Dick] Cheney helped to lead the side favouring a military strike, but I think they have concluded that a military strike has more downsides than upsides.“

0 Kommentare

  1.   AM

    „Details have also emerged of a covert scheme to sabotage the Iranian nuclear programme. Iran was sold defective parts on the black market.“
    Das kann man nicht unbedingt als „schwarze Operation“ bezeichnen. Es wäre ein völlig akzeptables Vorgehen gegen das iranische Atomprogramm, wenn nicht fehlerhafte Bauteile in zivile Nuklearanlagen gelangen und dort Unfälle auslösen.


  2. @ AM: Was Sie da zitieren, kann natürlich Teil der Desinformationskampagne der CIA sein. Denn zu behaupten, die Iraner hätten fehlerhafte Bauteile bekommen, wird für reichlich Beschäftigung sorgen…

  3.   AM

    @ Jörg Lau
    Das bereitet mir keine schlaflosen Nächte. Wer auf Teile aus dem Ausland dringend angewiesen ist, sollte eben nicht so markig auftreten.

  4.   docaffi

    Abbasi ist der Hardliner in der iranischen Führung schlechthin. Wenn es nach ihm ginge, würde man alle Reformer und Exiliraner mit Vedacht auf Spionage erschiessen.
    Das Schlimmste ist, dass der Idiot an Teheraner Universität u.a. Politikwissenschaften lehrt.
    Was aber man aus seinen Aussagen deutlich entnehmen kann ist, dass er zu den engsten aussenpolitischen Beratern von Ahmadinejad gehört.

  5.   sassanischer kavallerie

    der abbasi ist der theoretische mastermind des mullahregimes.
    einer, der palästinensische und libanesische selbstmordattentäter ausbildete (laut eingenen aussagen).
    das, was ihn gefährlich macht, ist eine mischung aus fakt und fiktion, die er als realität zur gehirnwäsche verwendet. ein moderner goebbels nur gewalttätiger. es gibt auf youtube einige clips seiner reden. ich finde, jeder freiheitsliebender mensch sollte sich mal mit diesem brandstifter beschäftigen. hoffe, er kommt eines tages vor einem internationalen gerichthofs, sofern er nicht vorher gewaltsam aus dem leben gerissen wird.

  6.   J.S.

    Der Zusammenhang ist doch viel einfacher. Eine militärisches Eingreifen der Amerikaner droht nicht mehr, also braucht sich die Führung im Iran auch nicht mehr zusammen zu nehmen. Der Mechanismus ist doch ziemlich offensichtlich. Am schlimmsten wird es die Iraker treffen, denn es gibt nun nichts mehr was die Iraner daran hindert, den Irak noch weiter in den Bürgerkrieg zu treiben.

  7.   Christoph Leusch

    Liebe Freunde des Islam, Irans und aller Friedfertigen,

    “Vice-President [Dick] Cheney helped to lead the side favouring a military strike, but I think they have concluded that a military strike has more downsides than upsides.” -Tja, Leuten die mit Schusswaffen schon privat nicht zivilisiert und vernünftig umgehen können, sollte man den big stick bald wieder aus der Hand nehmen.

    Erfreulich und tröstlich, dass vielleicht deutsche Technik muslimische Pilger befördert. Ob der derzeitige iranische Präsident diese Reise noch in Amt und Würden erleben wird, bezweifle ich allerdings. Gewisse paranoide Anteile lassen sich bei Politikern im Westen und denen im Iran nicht mehr verbergen.

    Grüße und Frieden mit Euch

    C. Leusch

  8.   J.S.

    Jenseits der Ablenkungsversuche mit Cheney, sollte man sich z.B. mal folgendes verdeutlichen. Der Iran ist ein enorm reiches Land aus dem die Menschen in Massen fliehen! ( Der Iran gehört zu den Hauptherkunftsländern von Flüchtlingen! Von 1992-2001 sogar unter den „Top-Ten“ der Herkunftsländer, noch vor den Bürgerkriegsländern Somalia und Kongo!)
    http://www.unhcr.de/uploads/media/58.pdf
    Selbst aus dem Irak kamen im Jahr nach dem Irak-Krieg weniger Flüchtlinge als aus dem Iran! Das was im Iran vorgeht, ist also durchaus so manchem Bürgerkrieg vergleichbar. Aber vielleicht hören die „Freunde des Islam, Irans und aller Friedfertigen“ doch lieber Cowboystorys über Cheney?

  9.   docaffi

    @JS
    1. Ihre Tabelle ist veraltet. Wir haben das Jahr 2007, seit 2001 hat sich in europäischer Asylpolitik einiges geändert.

    2. Lernen Sie erstmal, Tabellen und Statistiken zu lesen. In Ihrer Tabelle liegt der Irak deutlich vor dem Iran.

    3. Und falls nach dem Irak-Krieg weniger Flüchtige aus dem Irak in die EU eingereist sind als aus dem Iran, liegt es daran, dass die Iraker massenweise in die Nachbarländer insbes. in Jordanien Iran und Syrien geflüchtet sind.
    Seit 2003 sind ca. 1,5 Iraker ins benachbarte Jordanien geflüchtet:

    http://www.focus.de/politik/ausland/tid-5434/irakische-fluechtlinge_aid_52345.html

    4. 105000 Flüchtlinge in zehn Jahren in die gesamte EU ist keine hohe Zahl

  10.   J.S.

    @docaffi
    Da Sie selber offensichtlich selber aus dem friedlichen und freundlichen Iran geflohen sind, wirken ihre Einwände nicht sonderlich glaubwürdig!
    Die Statistik ist nicht veraltet sondern gibt den relevanten Zeitraum an. Denn sie werden wohl nicht behaupten wollen, das die IraNer die vor 2003 aus dem IraN geflohen sind, dies wegen einer US-Intervention im IraK im Jahre 2003 taten. Des weiteren beziehe ich meine Zahlen vom UNHCR und nicht aus Damaskus. Darüber hinaus bestreitet niemand mehr, das der Irak nun dank des religiösen Terrors, hinter dem vor allem auch der IraN steckt, ins Chaos gesunken ist. Immerhin scheint die von ihnen zitierte Focus Journalistin einigermaßen ehrlich zu sein, denn sie schreibt dazu das sie einen „ehemalige Oberst in der Armee Saddam Husseins“ zitiert. Das der Ärger mit seinen Schiitischen Nachbarn bekommen hat, wird wohl eher an seiner früheren Tätigkeit liegen.

 

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