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Der Sechstagekrieg als Ursprung des islamistischen Fundamentalismus

 

In diesen Tagen wird viel an den Sechstagekrieg von 1967 erinnert – und welche Katastrophe er bis heute für die Palästinenser bedeutet.

Dabei fällt oft unter den Tisch, dass nicht nur die Bewohner der besetzten Gebiete bis heute unter den Folgen des Krieges leiden, sondern alle arabischen Gesellschaften: Denn ihre Herrscher nahmen die selbstverschuldete Niederlage zum Vorwand, die arabischen Gesellschaften brutal zu unterdrücken und sich jeglichen zivilen Widerstands zu entledigen. Auch der islamistische Fundamentalismus hat in dieser Welle der Unfreiheit und Unterdrückung seinen Ursprung.

1967_Six_Day_War_-_conquest_of_Sinai_7-8_June.jpg

Abdullah Iskandar will dies in seinem hellsichtigen und todtraurigen Stück in Al-Hayat nicht unter den Tisch fallen lassen:

In some countries, the Emergency Law turned from an exception into a permanent law, while martial courts were ready to prosecute anyone showing signs of uneasiness in this society. Intelligence services, whether they were military, public, affiliated to the air force or the President, took the place of parties, syndicates and cooperative and civil authorities. Every product, be it industrial, agricultural or intellectual, became subject to one of these services whose loyalty kept changing, while all developmental, social and educational progress inside these countries was blocked. In conclusion, the civil society’s function turned into a service for the ruler.

Rulers became totalitarian and despotic; they ruled out all possible peaceful rotation of power, and eliminated all those calling for them to be held accountable. Industrialists, farmers, scientists and intellectuals were expelled or, alternatively, neutralized to make them submit to the „wise“ leadership. This vacuum led to a political and intellectual one and deeply weakened the society’s capacity to resist. In this vacuum, the defeated regimes, which were the ones that had created it, used isolated social categories, as well, to face the residual signs of civil society.

Despotism is turning into a monster dealing with all developmental, civil and political progress as if it were a dangerous enemy completing, through new means, the objectives of the June aggression. In the meantime, while poverty is increasing, education is falling apart and unemployment is on the rise, those benefiting from the regime are no longer ashamed of considering public funds part of their personal budget.

In this context, fundamentalism grew and a series of civil wars broke out: Syria, Egypt, Algeria and, later on, the remaining countries witnessed violence and terrorism.

Not only was the 1967 war an occupation of Arab territories and an expansion of the State of Israel, but also a justification for despotism and totalitarianism and a pretext to suppress Arab society. It was not only a setback, but also a catastrophe for all Arab peoples. Forty years ago, the choice was between a military regime resulting from a coup and a plural democratic system, while today it is between a despotic ruler on the one hand, and fundamentalism and civil wars on the other.


0 Kommentare

  1.   Wachtmeister

    Islamismus gibt es schon länger, mindestens seit Gründung der Muslimbruderschaft in den 20er Jahren. Die MB war schon in den 30er Jahren eine etablierte politische Bewegung. Der Krieg von ’67 hat ihr zwar Auftrieb gegeben, aber er ist definitiv nicht die Ursache dieses Phänomens.

    Islamisten erhielten übrigens nicht Auftrieb, weil arabische Regierungen plötzlich stärker als Diktaturen empfunden wurden, sondern weil arabisch-nationalistische Regierungen ihre Unfähigkeit zur Vernichtung Israels unter Beweis gestellt hatten. Fouad Ajami beschreibt diese Entwicklungen in „The Arab Predicament“.

    Der Historiker Ephraim Karsh hat jüngst übrigens ein interessantes Werk verfasst, daß die islamistische Bewegung der Gegenwart als Fortsetzung einer imperialistischen Strömung inneralb des Islams betrachtet, die ihren Ausgang mit der Errichtung eines politischen Systems und dessen gewaltsamer Expansion durch Mohammed nahm.

  2.   lebowski

    @1 Zustimmung!
    Der Sechs-Tage-Krieg mag Anlass zu dieser Entwicklung gewesen sein. Ihre Ursache war er mit Sicherheit nicht.
    Was mich an den Berichten über den Sechs-Tage-Krieg ärgert, ist, dass da fortwährend suggeriert wird, die Israelis hätten eine Wahl zwischen Krieg und Frieden gehabt.

    Man könnte doch ein ganz anderes Kalkül aufmachen, nämlich dass es für die arabischen Diktatoren immer gefährlicher wurde, dass sich in ihrer unmittelbaren Nähe ein blühender demokratischer Staat quasi aus dem Nichts entwickelt. Also haben sie Israel angegriffen, um es zu vernichten. Nachdem sie verloren haben, griffen sie zur einzigen Möglichkeit, ihre Macht zu retten: zur brutalen Unterdrückung der eigenen Bevölkerung.

  3.   J.S.

    @lebowski
    Da haben Sie voll ins Schwarze getroffen! Es geht aber um mehr als nur die Diktatoren, es geht um die kompletten traditionellen Machteliten der islamischen Welt. Vom Scheich, Warlord über den Mullah bis zum Diktator.
    Das ist übrigens auch der Grund weshalb mit allen Mitteln verhindert werden soll das im Irak eine Demokratie entsteht.

  4.   iceman

    @ J.S.

    Ich schätze dich sehr, das weisst du.
    Aber ich glaube nicht, dass man „die kompletten traditionellen Machteliten der islamischen Welt… Scheich … Warlord … Mullah“ … MILITÄRISCH entsorgen kann, und zumindest tendenziell scheint das ja deine vorherrschende Strategie zu sein.
    Das sind einfach zu viele!
    Die „militärische Entsorgung“ teile ich durchaus, aber eben nur
    p a r t i e l l, verstehst du?
    Es ist sicher sinnvoll, härter gegenüber Islamisten aufzutreten, und damit meine ich nur Terrorzellen, sondern auch Hass predigende Hinterhofmoscheeimame (was für ein unleserliches Wort!).

    Es wird häufig über „containment“ geredet, aber das bezieht sich immer nur und ausschliesslich auf die Eindämmung von Nukleartechnologie.
    Mein Eindruck ist: wir drucksen herum.
    Was wäre denn, wenn wir den Begriff „containment“ erweitern würden?
    Mir fehlt in unseren Diskussionen ein wenig die grundsätzliche Linie, so eine Art „roter Faden“, aus dem sich dann eine angemessene strategische Planung wie von selbst ergibt.

    Ich denke, du weisst, was ich meine: wir verlieren uns zu häufig im Klein-klein, oder?
    Und ich denke, der Grund dafür ist, dass „wir“ (ich, du, die Medien, unsere Politiker, der Westen, wir alle) uns einfach noch kein klares Urteil gebildet haben über „den Islam“ – kein abschliessendes Urteil.
    Wir haben uns kein klares Urteil gebildet, weil wir das nicht wollen, weil wir uns das selbst verboten haben.

    Aber im Grunde ist es doch so: Wir finden ihn scheisse, oder?

    Ich finde, wir müssen ehrlicher formulieren, was wir meinen, ohne zu vergessen, dass wir es auf der anderen Seite mit Menschen zu tun haben.
    Die Muslime liegen mir, wie alle Menschen, sehr am Herzen, aber ich finde diese Religion schlicht eine Katastrophe, und ich kenne kein Glaubenssystem, das dermassen problematisch „rüber kommt“.

    Lange Rede, kurzer Sinn:
    Ich finde, der Begriff „containment“ sollte erweitert werden in dem Sinne, dass wir uns vor der Infiltration des Islam (und das meint bspw. auch die ganz normale anatolische Zuwanderung) besser schützen müssen.
    Abdichten, containen, die vorhandenen Migrationsströme erst einmal verdauen, bevor wir an die Erweiterung Europas bis in die Tiefen Kleinasiens denken.
    Und von Muslimen kompromisslos die Werte einfordern (in Sachen Bildung, Frauen usw.), an die wir glauben, und die weiss Gott nicht vom Himmel gefallen sind, sondern über einen sehr langen und schmerzhaften Entwicklungsprozess erstritten wurden.
    Wir sind nicht nur „zu weich“, wir sind auch zu wenig EHRLICH.
    Und das gefällt mir nicht!

  5.   iceman

    Und dann noch was, auch wieder so was „Grundsätzliches“:
    Ich habe mir oft Gedanken darüber gemacht, woher der (latente oder offene) Antisemitismus der europäischen Linken kommt.

    Woher kommt die Sympathie für die Araber, und die Ablehnung der Juden?
    Was ist da der tiefere Grund?

    Ich habe nie eine Antwort gefunden, weil ich immer dachte, man müsse nach GEMEINSAMKEITEN zwischen (Alt-) Linken und Islamisten suchen.
    Aber diese Gemeinsamkeiten gibt es ja gar nicht!
    Was haben denn Ex-Kommunarden mit Typen am Hut, die ihre Frauen verschleiert und im Staubmantel drei Schritte hinter sich her laufen und die Einkaufstüten vom Supermarkt tragen lassen???
    Nichts, gar nichts!!!

    Schaut man zurück, so erkennt man mehrere unterschiedliche Motivationen für die Arabophilie, und zwar diesseits und jenseits des Rheins:
    Die zentralistisch organisierten Franzosen (also die frz. Politik)träumten nach dem Krieg von einer vergrösserten Einflusssphäre namens „Eurabien“, und mit Lebowski habe ich das vor einigen Monaten mal ganz gut durchdekliniert.
    Die Wirkungen der französischen Politik im Nahen Osten waren erschreckend, das sind 80% der heutigen Probleme, egal ob „Palästinenser“ oder iranisches Mullah-Regime!

    Und auf deutscher Seite wiederum gab es zwei divergierende Antriebskräfte:
    1. Auf der politischen Linken regierte der schiere Selbsthass, und die Gründe dafür sind bekannt.
    Und dieser Selbsthasses wurde nun auf den Staat Israel projeziert, der mit uns (im Westen) am meisten Ähnlichkeit hat.
    Israel ist der einzige Staat im Nahen Osten, der demokratisch ist, und der bürokratisch und ökonomisch funktioniert.
    Das war wohl Grund genug.
    2. In den Siebzigern kamen dann – ebenfalls auf deutscher Seite – noch die Interessen der deutschen Wirtschaft hinzu, die sich einen riesigen und konstant wachsenden Exportraum der Ölnationen versprachen.

    Das waren die unterschiedlichen und unseligen Kräfte, die in Kombination miteinander gewirkt haben.
    Die Hoffnungen wurden alle enttäuscht.
    Es gibt weder eine global alles dominierende ökonomische Grossmacht, noch gibt es dass erträumte multikulturelle Nirvana als Sozialmodell.
    Der arabische Raum wird sich in absehbarer Zeit weder sozial noch demokratisch noch ökonomisch nennenswert entwickeln, und das Ende des Ölzeitalters ist absehbar.

    Wir sind alle miteinander gescheitert!

  6.   J.S.

    @iceman
    Stimmt, das sind verdammt viele, und es wird ziemlich lange dauern, aber das Militär ist der einzige Weg den ich erkennen kann. containment im Zeitalter der Intercontinentalrakete und es internationalen Terrors? Wie stellst Du Dir das vor?

  7.   iceman

    @ J.S.

    Militärische Eingriffe können immer mal notwendig sein (eventuell Iran).
    Aber mir ging es eher darum, den Begriff „containment“ etwas weiter zu fassen.
    „Heimatschutz“ fängt schon bei vernünftigen Regeln für Einwanderung an, und die haben wir nicht.
    Wir haben kein Punktesystem wie in den USA oder Neuseeland, und die Verpflichtung von Migranten zu Deutschkursen sind unzureichend (und kosten den Staat etwas).
    Und es gibt keinen echten Druck auf hier lebende Migranten, sich besser zu integrieren, was bei der Vermittlung der deutschen Sprache gegenüber den Kindern anfängt, und bei der Beteiligung an Bildungsvereinen aufhört.
    Die grösste Gefahr für unser Land sind keine möglichen Terroranschläge, sondern eine zunehmende Belastung der Sozialsysteme, steigende Schulden bei einer schrumpfenden Bevölkerung, der künftige Mangel an Facharbeitern, und eine sich ausweitende Parallelgesellschaft, die nicht auf ewig friedlich bleiben wird, wenn sich die sozialen Gegensätze verschärfen.
    In den USA ist das Problem sicher weniger bedeutend, aber für uns Deutschen entscheidet sich an der Stelle die Zukunft.

  8.   mathilde

    stimme dir mal wieder 100% zu, lieber ice!

  9.   J.S.

    @iceman
    Man braucht sicher mehr als eine Strategie. Man muss bei der Einwanderung was tun und man muss die Hintermänner ausschalten. Aber das was wir machen, nämlich unsere Freiheit zu opfern um die Islamisten in Schach zu halten ist der garantiert falsche Weg.

  10.   iceman

    Ja sicher, die Politik handelt ja auch nicht, es passiert nichts.
    Habe gerade eben auf Ulfkottes „Akte Islam“ gelesen, dass der zweithäufigste Vorname in GB Mohammed ist, Thomas ist auf Platz drei gerutscht (na danke!).
    In Brüssel sind 57% der Einwohner Muslime, und bei uns in Deutschland wird schon darüber diskutiert – siehe Artikel von Spiewak in der ZEIT -, ob man Mädchen und Jungen beim Schulunterricht trennen soll, weil die Jungs leistungsmässig immer weiter zurückfallen.
    Wenn das so läuft fallen wir alle zurück – ins 19. Jahrhundert!
    Irgendwas ist mächtig schief gelaufen, und ich frage mich, wann und wie endlich gegengesteuert wird.

 

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