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Richard Rorty ist tot

 

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Richard Rorty, 1931-2007

Der grosse Philosoph Richard Rorty ist tot. (Hier ein Zitat, das zu den Diskussionen auf diesem Blog passt.)

Aus: Achieving our Country
„Nationalstolz ist für ein Land dasselbe wie Selbstachtung für den einzelnen: eine notwendige Bedingung der Selbstvervollkommnung. Zuviel Nationalstolz kann Aggressivität und Imperialismus erzeugen, genau wie übermäßiges Selbstgefühl zu Überheblichkeit führen kann. Doch zuwenig Selbstachtung kann den einzelnen daran hindern, moralischen Mut zu zeigen, und ebenso kann mangelnder Nationalstolz eine energische und wirkungsvolle Diskussion über die nationale Politik vereiteln.

Eine Gefühlsbindung an das eigene Land – daß Abschnitte seiner Geschichte und die heutige Politik intensive Gefühle der Scham oder glühenden Stolz hervorrufen – ist notwendig, wenn das politische Denken phantasievoll und fruchtbar sein soll. Und dazu kommt es wohl nur, wenn der Stolz die Scham überwiegt […] Wer eine Nation dazu bringen möchte, sich anzustrengen, muß ihr vorhalten, worauf sie stolz sein kann und wessen sie sich schämen sollte. Er muß etwas Anfeuerndes über Episoden und Figuren aus ihrer Vergangenheit sagen, denen sie treu bleiben sollte. Einer Nation müssen Künstler und Intellektuelle Bilder und Geschichten über ihre Vergangenheit erschaffen. Der Wettbewerb um politische Führungspositionen ist zum Teil ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Vorstellungen von der Identität der Nation und verschiedenen Symbolen ihrer Größe.“

Ich habe hier versucht, das mit unseren Leitkultur-Debatten zu verbinden.

16 Kommentare


  1. […] Hier die Nachrufe von Jörg Lau, der Frankfurter Rundschau, der Washington Post und des San Francisco Chronicle. Auszüge aus dem Buch und eine kurze Einführung in Rortys Denken gibt es bei der Humboldt-Gesellschaft. […]

  2.   Christoph Leusch

    Lieber Herr Lau,

    Traurige Nachricht und gute Gelegenheit, Ihre Überschrift häufiger ernst zu nehmen. Herrn Rorty konnten ZEIT-Leser noch 2004 über einen fulminanten Essay -Vortrag „Feind im Visier“ kennen lernen, den er vor dem Einstein-Forum hielt und dann anschließend in der ZEIT veröffentlichen durfte. – Damals sprach er klare Worte dazu, wie es Demokratien gelingen könnte sich selbst den Garaus zu machen, indem man einen „permanenten
    Kriegszustand“ im Kampf gegen den Terror ausruft.

    Einige Zitate:

    „Möglicherweise bin ich von Ashcroft so eingeschüchtert – und mit mir viele Amerikaner -, dass wir überall Gespenster sehen. Ich hoffe sehr, dass dies der Fall ist. Dennoch stelle ich fest, dass die demokratischen Institutionen, zumindest in meinem Land, recht fragil geworden sind. Zwar bin ich nicht ganz von Chalmer Johnsons These überzeugt, die Vereinigten Staaten seien „wahrscheinlich dem Militarismus preisgegeben“. Aber immerhin, in seinem Buch Der Selbstmord der amerikanischen Demokratie (Blessing Verlag) sammelt er eine Menge Beweise dafür, dass das „eiserne Dreieck“ – der Verteidigungssektor, das Pentagon sowie Vertreter der Streitkräfte im Kongress – bereits so viel Macht an sich gezogen hat, dass der Präsident mit dem Pentagon bestenfalls verhandeln kann, statt ihm Befehle zu erteilen.“

    „Nach und nach würden diese Entwicklungen die Kanäle verstopfen, über die die öffentliche Meinung die Politik beeinflussen kann. Am Ende dieses Abschleifungsprozesses würde die Demokratie durch etwas ganz anderes ersetzt werden, nicht durch eine Militärdiktatur, auch nicht durch einen Orwellschen Totalitarismus, sondern durch einen aufgeklärten Absolutismus, der von einer Nomenklatura erzwungen würde.“

    „Ich fürchte, all die Präzedenzfälle, die die US-Regierung in Reaktion auf den 11. September geschaffen hat, werden die Regierungen anderer Demokratien beeinflussen.“

    “ Im Übrigen ist es höchste Zeit, endlich jene Abkommen offen zu legen, die es möglich gemacht haben, die Erde mit über 700 US-Militärstützpunkten zu überziehen. “

    Rückentwicklung der demokratischen Gesellschaften, eine „Art aufgeklärter Absolutismus“: Ich assoziiere dazu die derzeit von Jean Ziegler gern benutzten Methapher vom „Neofeudalismus“.
    Rorty ging ja von der Macht und Herrschaft über sprachliche Mittel aus, wenn er darüber nachdachte, wer die Macht letztlich in Händen hält oder auch nur den zwischenmenschlichen Diskurs
    bestimmt.

    Liebe Grüße

    Christoph Leusch

    Zu Ihrem Zitat: Nationalstolz ja, Selbstachtung ja. Aber nicht als
    Zeichen auf jeglicher Stirn, nicht als Dekorum und schon garnicht als Schreckmaske zur Abgrenzung und Ausgrenzung. Zwischen übereifrigem Nationalstolz und allfälliger Scham verläuft nur ein schmaler Grat. Hoffen wir einmal mit Herrn Rorty, dass es wenigstens Künstlern und Intellektuellen gelingt auf diesem Weg zu wandern. – Allgemeines Ansehen genießen beide Gruppen allerdings meist erst nach dem Ableben ihrer Mitglieder.

  3.   Lebeding

    „Eine Gefühlsbindung an das eigene Land – daß Abschnitte seiner Geschichte und die heutige Politik intensive Gefühle der Scham oder glühenden Stolz hervorrufen – ist notwendig, ..“ s.o.

    Soll das „daß“ wirklich einen Finalsatz einleiten oder muss es nicht ein Relativsatz sein und „das“ – auf „Land“ bezogen – heißen? Der Verbform nach müsste es letzteres sein. Aber besser wäre es, den Relativsatz auf „Gefühlsbindung“ zu beziehen. Das macht Sinn: Eine Gefühlsbindung ruft intensive Gefühle hervor.

  4.   Lebeding

    Das Notionalstolz-Problem wird dann kompliziert, wenn man sich als Mensch geistig und seelsich als frei fühlen möchte. Dann wäre man nurmehr an die Erde gebunden und also an das Gesetz der Natur und an einen Erdenstolz, also stolz darauf zu sein, ein Erdenbewohner zu sein. Ein so definierter Erdenbewohner aber ließe sich in diese o.g. Kategorien nicht einordnen.

    Man ist zwar von Geburt an irgendwas. Aber im Laufe seines Lebens gewinnt man dank der Globalisierung und Dank seiner Offenheit für diese Welt immer mehr Einblicke in andere Völker, Nationen und Denkformen, sodass man schließlich sein Denken und auch Fühlen weit weg entwickelt von dem, was allgemein irgendwo als national gelebt wird. Man wird autonom. Und da fängt man erst wirklich an, das leben zu achten und zu ehren.

  5.   Riccardo

    @ Christoph Leusch

    „Daß es Intellektuellen und Künstlern gelingt, auf diesem Weg zu wandern,“ diese Hoffnung , lieber Christoph Leusch, hegen sie leider vergebens. Nie wurde mehr Unsinn geredet, nie wurde mehr politische Hybris zur Schau gestellt als von diesen Herrschaften. Die Anzahl der Irrtümer ist Legende, und täglich kommen neue hinzu. Und es scheint, als ob Ableben und Ansehen deswegen in direktem Zusammenhang stehen, weil das Feuilleton froh ist, daß nun die Klappe gehalten werden muß.


  6. […] Rorty, Richard (1994): Hoffnung statt Erkenntnis. Eine Einführung in die pragmatische Philosophie. S. 79. [↩]Rorty, Richard (1992): Kontingenz, Ironie und Solidarität. Frankfurt, S. 147. [↩]Rorty, Richard (1992): Kontingenz, Ironie und Solidarität. S. 14 [↩]Das selbsternannte Online-Leitmedium Spiegel-Online hat bis jetzt nicht einmal einen kurzen Verweis auf den Tod Rortys eingestellt; immerhin einen der wichtigsten Philosophen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Auch die Blogsphäre nimmt diese Nachricht nur zurückhaltend zu Kenntnis; Jörg Lau schreibt etwas im Zeit-Blog, hier findet man die Notiz auch und diesem Schweizer Blog verdanke ich den Hinweis auf den NYT-Artikel. [↩] […]

  7.   Lebeding

    Riccardo: „Die Anzahl der Irrtümer ist Legende, und täglich kommen neue hinzu.“ Belegen Sie das doch mal. Und von „Klappe halten“ in Richtung Feuilletons halte ich gar nichts.

    Laus Text, link oben, ist lesenswert. Vor allem seine conclusio, dass parteiübergreifend neue Positionen bzgl. Leitbild gefunden werden müssen, stimmt. Denn Oktoberfest oder Fronleichnamprozession muss ein Kenianer nicht mögen müssen, um integriert zu sein. Aber Sprache können und Kentnnisse der kulturellen Vielfalt Ds zu haben ist intergationsnotwendig.

  8.   Christoph Leusch

    Verschüttete Maßstäbe linker „Leitkultur“, oder warum
    erst einmal wieder Kultur und Bildung für Alle angesagt wäre. (zu Jörg Laus merkurischen Gedanken)

    Wettstreit um Patriotismus? Wie geht das, wenn der „neue Patriot“ nicht der des „Patriot Act“ oder seine mehr in Bricolage-Technik entstandene Analogiefigur im Sinne Schäubles und Becksteins sein soll? „Neue Patrioten“, das hieße zunächst einmal, die Türen auf und alle mitgenommen. Das bedeutete, weniger ausgrenzen und mehr Unterschiede akzeptieren. Mehr Menschen als bisher, Patriotismus ihrer Art überhaupt zutrauen und letztlich, die arg unter die Räder gekommene direkte Demokratie stärken. – Sie setzen ja etwas furchtsam an, bei Linken, die immer schon, seit 1848 Patrioten waren, nachdem Sie, Herr Lau, noch einige Seitenhiebe auf die unsicheren linken Kantonisten verteilten, die zu spät auf den rollenden Zug der „Deutschlandbegeisterung“ aufsprangen, und andererseits bei Migranten, die Deutschland schön finden. – Wer findet eigentlich Deutschland, als Land hässlich?

    Kunst, Kultur und Bildung, die ernsthafteren Farben des „neuen Patriotismus“, gar „Eichendorff auf Kokain“, ein schönes, aber unzutreffendes Bild, denn der romantische Schlesier, akademisch verbildet in Heidelberg, beschreibt vom Taugenichts, über Schloss Dürande, bis zu den Gedichten, z.B. jenes von den „Zwei Gesellen“, die große Unsicherheit auf der Wanderschaft des Lebens, ob als Nesthocker oder als einer, der sich ohne Plan, aber mit einem Lied auf den Lippen auf Wanderschaft macht. Mit Frau Luna oder marmornen Frauen die verführerisch vom Sockel steigen, lässt sich wahrlich kaum eine kältere Beziehung denken. So bleibt den Helden Eichendorffs meist nicht mehr, als sich, auf der Wanderschaft endlich der Stadt Rom ansichtig, ein „himmlisches Jerusalem“ zu träumen und sich Gott anzuvertrauen, der schon den rechten Weg und Gunst erweist und, wie wir an Wandertagen sangen, „uns in die Knackwurst beißen“ lies. Selbst wenn Eichendorff sich selbst, anlässlich der 1848er Revolution zum staatsgläubigen Patrioten erklärte, dieser Patriotismus würde wohl niemandem mehr einen Ruck vermitteln.

    Gerade bei den Grundvoraussetzungen der Kultur, der allgemeinen Bildung, bleiben zunehmend mehr Menschen auf der Strecke, auch wenn wir das, angesichts des wirtschaftlichen und machtpolitischen „Aufschwungs“, gerne verdrängen. Die Hauptschule als Restschule, eine zu geringe Quote höherer Abschlüsse, fehlende musische und künstlerische Anregung, die Stundentafeln wurden fast flächendeckend gekürzt oder aber durch Epochalunterricht in der Kontinuität der pädagogischen Mühen beeinträchtigt, deuten eher in Richtung Mangel und Bildungsnotstand, fast schon wieder im Sinne Georg Pichts. Noch nie, seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, blieben so viele intelligente und kluge Kinder, egal welcher Herkunft, unzureichend und eben nicht entsprechend ihrem geistigen Potenzial und ihren Neigungen gefördert, auf der Strecke. Der Boom der Privatschulen, der konfessionellen Schulen, des ganzen Nachhilfewesens, entlarvt nur, wie sehr „wir“ uns nach „Eliten“ sehnen, die sich vor allem durch Uniformität in Sprache, Auftreten und ähnlicher finanzieller Basis definieren.

    Während Gewalt in umd um die einseitig und gewollt zugelassenen „Brennpunktschulen“ eine gewichtige Frage in der Öffentlichkeit ist, wird die „stille Gewalt“ an den konfessionellen und nicht
    konfessionellen Bildungsinstituten des Landes, obwohl sie ein Vielfaches an Opfern fordert, bagatellisiert. – Der Schülersuizid ist mitnichten Ausweis der Existenz einer allgemeinen Freiheit, Hand an sich zu legen und wahrlich kein Ruhmesblatt für Erzieher und Eltern.

    Tatsächlich darf man mit Schärfe fragen, was die sozialdemokratisierte Linke und jene reformwillige Generation, die sich, egal wie, und sei es durch besondere Schleimerei, auf dem langen Marsch durch die Institutionen machte, alles vergessen hat. Die Ansprüche an Bildungsgerechtigkeit und erweiterte Kulturvermittlung wurden weitestgehend aufgegeben, zugunsten marktkonformer Vorstellungen. Denn für die Leitung und Steuerung eines modernen Industrie- und Dienstleistungsstaates bedarf es letztlich nicht allzu vieler Menschen, die beständig ein „dubitare necesse est“, jenes dialektisches Momentum, einbringen und wie Günter Eich es nach dem Kriege einmal formulierte „Sand im Getriebe“ sind.

    Der Verlust des Anspruchs „Kultur für Alle, Bildung für Alle“, einst Markenzeichen linker Politik, geht über den skandalösen Rückschnitt deutscher Auslandsinstitute weit hinaus. Künstler und Kulturschaffende helfen sich schon selbst, durch Affirmation „patriotischer“ Erfolgsgeschichte oder durch deren konsequente und schonungslose Widerlegung. Aber die Kultur des Kommenden, des Werdenden, die fordert viel mehr Anstrengungen aller Art von uns. – Allein, die Anteile des Sozialproduktes für Bildung sprechen eine deutlich negative Sprache. Dazu kommt die Tendenz, die privaten Hände über die zukünftigen Eliten entscheiden zu lassen. Diese Hände sorgen speziell für ihren Nachwuchs.

    Am Ende: „Es ist unerträglich, dass feierliche Gelöbnisse hierzulande nur unter Polizeischutz möglich sind und selbst dann noch durch Pfeifkonzerte gestört werden. In dem Maße, wie die Berliner Republik eine normale westliche Nation unter anderen wird, braucht sie auch eine Zivilreligion wie andere westliche Demokratien.“ – Welche Mittel sollten Ihrer Meinung nach, Herr Lau, eingesetzt werden, die „Unerträglichkeit“ aufzuheben, zu verhindern? Welche Regeln und Inhalte soll ihre „Zivilreligion“ aufstellen? Auch in anderen demokratischen und zivilen Gesellschaften wird gegen Staatszeremonien lautstark protestiert, nicht die Hand aufs Herz gedrückt und weder am Morgen noch am Abend eine Flagge gegrüßt und ein Gebet gesprochen.

    Einbürgerungsfeiern, Fahnenmeere- und Ehrenmale, Gelöbnisse und andere symbolische Formen ersetzen nicht, was an Menschen und Geld mobilisiert werden muss, um die Versprechen der 60er -70er Jahre des letzten Jahrhunderts einzulösen. Die Zivilreligion der allgemeinen Bildung und des Respektes gegen Jedermann, hat doch erheblich nachgelassen. Derzeit sind viele bereit, eine zunehmend sich erneut in Schichten aufbauende Gesellschaft hinzunehmen, die vorgeblich die „Leistung“ des einzelnen Individuums belohnt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Christoph Leusch

  9.   tati

    @Christoph Leusch

    Die meisten ehemaligen Linken der 1960/70er Jahre haben sich angepasst, ihre Ideen wenn überhaupt, dann höchstens in Ihrem unmittelbaren Umfeld verwirklicht.
    Bildung für Alle gab es auch schon vor hundert Jahren; selbst ein Bauernjunge vom Lande wurde nicht übersehen wenn er herausragende Fähigkeiten besaß. Zudem war es zu jener Zeit auch durchaus möglich, Dinge zu bewegen ohne Abitur oder Diplom.
    Das Maß an Bildung mündet nicht linear ansteigend in ein besseres Gesellschaftssystem. Bereits jenseits der Elementarbereiches Rechnen, Schreiben, Lesen als Kommunikationsträger kann man Art und Weise der Bildung hinterfragen. Was soll der Mensch lernen? Ab wann sollen spezielle Fähigkeiten individuell gefördert werde? Ab wann entscheidet man für sich selbst, ob man mehr sein Gehirn oder seine Extremitäten nutzt, um sich zu verwirklichen? Alle diese Fragen werden immer nur im Einklang mit der jeweiligen gesellschaftlichen Situation beantwortet werden können – und die ändert sich ständig. Daher sind Bildungsideale der 1960/70er Jahre veraltet, und die heutigen werden vielleicht schon in 10 Jahren veraltet sein.
    Heute kann jeder, der etwas zu einem Thema wissen will, in windeseile Information aus dem web erhalten. Es wäre daher vernünftig, (Schul)Bildung zu vermitteln, die den Umgang mit einer riesenhaften Flut von Information lehrt. Daran hat vor 5 Jahren noch keiner gedacht, geschweige denn vor 40 Jahren.

  10.   Lebeding

    >>Der Verlust des Anspruchs „Kultur für Alle, Bildung für Alle“, einst Markenzeichen linker Politik, geht über den skandalösen Rückschnitt deutscher Auslandsinstitute weit hinaus.<< Leusch.
    Zustimmung in diesem Punkt! Die Sozis tun zu wenig, obwohl sie immer Gelder für Bildung fordern.

    Aber Lau sieht das m.E. etwas gelassener und ironischer als Sie, meine ich jedenfalls. Gerade über den wagnerischen Liebesbrief aus der Seele eines koksenden Eichendorffs entsprungen musste ich lachen. Und so sagt er am Schluss mit dem Wink nach coolness: „Unser Selbstvervollkommnungspatriotismus muß Leit- mit Streitkultur verbinden und Selbstbewußtsein mit Ironie.“

    Sic! Denn Ihre, Herr Leusch, hochintellektualisierte Analyse versteht keiner, der mit diesen Intellektualismen nicht vertraut ist. Aber Laus Ansatz, erst mal aufräumen, alles über Bord werfen und mit Witz und Charme, gewürzt mit einer guten Brise Ernst, dem Streit, an das Thema „Leitkultur neu rangehen, könnte die nationale Identität zu einer europäischen ausweiten und vielleicht auch noch weiter … bis zur Authentizität des einzelnen einerseits und zur selbstbewussten und autonomen Regierung andererseits. Autorisiert und sanktioniert vom Meister jenseits des Teichs.

    Diesen Emanzipationsprozess hat Schröder, die Sozialdemokratie,

    Prozess auch unter Merkel weiterführen kann.
    Jedenfalls bekämen wir so – hoffentlich – keine neuen -ismen …

    Wie wäre es denn, Herr Leusch, mal ohne neue Forderungen nach neuen Regeln und Grenzen schließlich doch zu neuen Denkansätzen und weniger zu neuer Identität mit Volk und Vaterland als vielmehr zum authentischen Menschen als Teil der Menschheit zu kommen?

    Rorty bekam u.a. den Meister Eckehard-Preis. Und für Meister Eckehard war immer das Ganze im Vordergrund gestanden. Seine Erkenntnis „ohne mich wäre Gott nicht“, welche dem Energieerhaltungssatz Heisenbergs (oder Schröders?) entspricht – also wenn auch nur ein einziges Atomteilchen fehlte, bräche die gesamte Welt zusammen – verärgerte die Kirche und er wurde exkommuniziert.

    Die Fähigkeit, global und rund und ganzheitlich zu denken, geht den meisten Intellektuellen leider ab. Etwas Mystik täte ihnen gut!
    Jakob Böhmes Forderung, die Sprache müsse sinnlich sein, also sinnlich nachvollziebar sein für den anderen, versteht kaum einer heute. Die geistige Logik ist der intellektuellen Begrifflichkeitslogik gewichen. Die Sinnlichkeit möge zurückkehren ins Denken! Dann würde Identität auch wieder Spaß machen.

 

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