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Wo sind die Atomkraftgegner – wenn es um iranische Atomkraft geht?

 

Timothy Garton Ash schreibt heute einen kämpferischen Artikel im Guardian zur Irankrise: Die Europäer – und das sind in diesem Fall die Deutschen – müssen endlich glaubhaft Druck auf Iran ausüben, damit ein Krieg verhindert werden kann. Guter Punkt:

„A quarter of a century ago millions of people flooded through the streets of Bonn, London and Rome to protest against the deployment of American nuclear missiles – and even against civilian nuclear power. („Atomkraft? Nein, Danke.“) Now a fissiparous, unstable and increasingly militarised Islamic regime, whose president has called for Israel to be removed from the map, is deliberately proceeding towards the threshold where it could, if it chose, swiftly take the last step to having a nuclear weapon. Among the probable consequences would be a nuclear arms race in the Middle East, with Sunni Muslim powers such as Saudi Arabia deciding they need their own.Where are the German, British or Italian intellectuals and peace activists raising the alarm about this? Where have all the demos gone?“

„It will also require more effective pressure. If the pressure is not to be military, it can only be economic. The US has now done almost all it can economically, including frightening European banks off financing trade with and investment in Iran, but it does not itself have a major commercial relationship to withhold. Europe does. According to the European commission, 27.8% of Iran’s trade last year was with the EU, making it the country’s biggest trading partner. One third of Iran’s imports came from the EU. Italy was its biggest single European trading partner, while Germany remains by far the largest European exporter to the Islamic republic.

Many of these exports are supported by export credit guarantees, which become all the more important as private banks pull out. Germany has cut back on new export credit guarantees to Iran in recent years, after a guarantee-backed export boom between 2000 and 2005, but the total amount of current guarantees remains relatively stable and very significant. Britain has a current exposure of some £350m. The responsible senior official in the German economics ministry told me yesterday that Germany’s total commitment is around €5bn (about £3.5bn) – 10 times as much. Italy also has a large sum guaranteed. Here is our big European stick, which we should brandish as we continue to talk softly.“

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16 Kommentare


  1. Gut bemerkt.

    Wer hierzulande gegen Kernkraftwerke ist, fördert den Verkauf von Erdöl und kann darum Sponsoren finden, wenn eine Demo organisiert werden soll. Umgekehrt ist’s natürlich schwieriger, Sponsoren zu finden.

  2.   lebeding

    Ich finde es echt albern, von Europäern zu verlangen, gegen Atomkraftwerke in Nah-/Fernost, Asien und Hintertupfingen bei China zu demonstrieren. Die Atomkraftgegner werden ja nicht einmal hierzulande ernst genommen, wie denn dann anderswo?

  3.   Erol Bulut

    Guter Punkt? Wann haben denn Deutsche gegen ausländische Kernkraftwerke demonstriert, sodass dies im Falle von Iran vermisst wird?

    Das gegen die US-Aufrüstung protestiert wurde, hatte damals Zusammenhänge, die mit dem Kalten Krieg und mit der Positionierung solcher Waffen in Deutschland zu tun. Außerdem haben zu dieser Zeit, wenn ich mich richtig erinnere immer noch Generäle vom begrenzten Atomkrieg öffentlich gesprochen und die Kuba Krise war auch gerade mal ca 15 Jahre her.

    Es ist unheimlich aber auch faszinierend, wie sich Menschen für ihre Kriegsgelüste Argumente herbeizaubern wollen. Mit dem Völkerrechtswidrigen Angriff auf den Irak (apropos Söder, Angriffskriege von EU-Mitgliedern würden nicht geduldet, auch England „gerügt“?) hat man dem Iran sogar jedes Recht auf Atomwaffen zugestanden. Wer sowas zu befürchten hat, was der Irak durchmacht, besitzt moralisch jedes Recht auf Waffen, die kapitalistisch orientierte Invasoren abschrecken.


  4. Wo sind denn eigentlich die ganzen Ströbeles, Roths, Polenzens und wie sie alle heißen.
    Dick Cheney möchte ein Wirtschaftembargo gegen den Iran, um Ahmadineschad mit friedlichen Mitteln in die Knie zu zwingen. Da könnten wir prima mithelfen, da wir einer der größten Handelsaprtner des Irans sind.
    Softpower vom Feinsten, so wie es die Linken immer fordern. Jetzt alle Linken aber raus auf die Straße, gegen Ahmadineschad demonstrieren und Bilder von Dick Cheney schwenken . Und nächstes Jahr gibt es ja wohl den Friedensnobelpreis für Cheney, wegen seiner Anstrengung zur friedlichen Beilegung des Iran-Konfliktes.

  5.   Tuotrams

    Richtig, diese Leute hat doch noch nie interessiert was hinter ihrem Gartenzaun passiert. Man ist ja nichtmal gegen französische AKWs.

    Der Vorwurf, Herr Lau, trifft sie nur selbst und die Alt-Medien.

    Keiner hat in D-Land die Substanzlosigkeit dieser Bewegung jemals zum Thema gemacht.

    Das gleiche gilt übrigens für den wahren Charakter des Regimes im Iran, was die Leute in D-Land nicht kennen können sie nicht verurteilen.

    Keines der Alt-Medien hat sich zur Aufgabe gemacht den Iran mal publizistisch (mit der Wahrheit und nix als der Wahrheit) in die Zange zu nehmen und so Druck aufzubauen.

    Würden die Medien ihrem Auftrag nachkommen hätten wir schon längst Mehrheiten, auch in Europa, für einen Angriff.

  6.   Joerg Lau

    @ tuotrams: Mein Lieber, Sie leben in einer Phantasiewelt. Mehrheiten für einen Angriff! Ich habe heute mit (konservativen) amerikanischen Politikberatern gesprochen. Die sehen das Porblem, aber auch die wollen keinen Angriff.

  7.   lebeding

    ==Man ist ja nichtmal gegen französische AKWs.== Aber Tuotrams, Hallo! Logo sanmerr allewei gesche die Dinger, aber hört ja keiner auf die man …

    ==Würden die Medien ihrem Auftrag nachkommen hätten wir schon längst Mehrheiten, auch in Europa, für einen Angriff.
    Kommentar von Tuotrams | 01.11.2007 | 7:09 ==

    Dafür sorgen schon Neu-Medien wie PI (Perfect Idiots).

    Außerdem hat noch nie irgendeine Domo irgendwo die Amerikaner weder vom Krieg noch vom Atomwaffenbau abgehalten! Und einen Iran wird eine Demo allenfalls nützen: „seht, die Domonstranten sind auf unserer Seite, sie demonstrieren gegen Bush.“ – Um Gottes Willen, bloß das nicht! J.S. propagiert das ja eh schon wie Sie, Tuotrams: wer nicht mit Euch ist gegen Euch und Bush, und damit gegen die Demokratieimplantation im Iran, und damit auf Seiten der Mullahs und der Terroristen!

    Schwarz-Weißmalerei wie auch Gut-Bösemalerei ist von fundamentalistischer Natur!

  8.   Tuotrams

    @Joerg Lau

    Diese Politikberater sind wahrscheinlich genauso „konservativ“ wie die CDU Politiker die auch vor einem Angriff warnen.

    Der Iran fühlt sich eben auch aufgrund nichtvorhandenen Mehrheiten sicher und wettet auf die so verachtete Schwäche der westlichen Führer.

    Der Ölpreis spricht aber seine eigene Sprache, er wird nun 100%ig die $100 Marke knacken.

    In den nächsten 6 Monaten wird was passieren!

  9.   Tuotrams

    @lebeding

    Die 68er Gutis müssen gerade erkennen, ihre Politik ist nicht nur nach innen gescheitert. Die europäische Weichei-Aussenpolitik hat dazu geführt das man von keinem mehr ernst genommen wird, weder von Freund noch von Feind. Europa ist irrelevant.

    Hier ein weiteres Beispiel:

    >Der Lufthansa-Konflikt mit Russland eskaliert: Jetzt verlangt Moskau ultimativ, dass der Konzern sein Cargo-Drehkreuz von Kasachstan nach Sibirien verlegt – so lange dürfen seine Frachtmaschinen kein russisches Gebiet mehr überfliegen.

  10.   Chamaedorea

    Der Artikel verkauft nur billige Klischees. Nichts weltbewegendes. Erinnert eher an die ödipale Phase eines dependet konservativen Journalisten.

 

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