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Funktioniert Abschreckung gegen Iran?

 

Zwei profilierte aussenpolitische Denker führen stellvertretend die amerikanische Debatte über Krieg gegen Iran: der Ur-Neocon Norman Podhoretz sieht ein „neues München“ heraufziehen, Fareed Zakaria von „Newsweek“ glaubt, Abschreckung ist auch gegen Irans Theokratie möglich.

0 Kommentare

  1.   Wachtmeister

    Um Abschreckungspolitik zu betreiben muß man glaubwürdig mit Gewalt drohen können. Leider hat der Westen durch die Jahrzehnte der Beschwichtigungspolitik gegenüber dem Iran jede Fähigkeit dazu verloren. Bestes Beispiel war die Geiselnahme britischer Soldaten durch den Iran Anfang des Jahres und die erbärmliche europäische Reaktion darauf. Der Westen wirkt nicht mehr abschreckend, und Europa wurde von Ahmadinejad passend mit Hunden verglichen, die den Schwanz einziehen würden, wenn man ihnen einen Tritt versetze.
    Um wieder Abschreckungspolitik betreiben zu können, muß der Westen mehrere erfolgreiche Präzedenzfälle der Anwendung von Gewalt schaffen.
    Abschreckung wäre also keine Alternative zu einem militärischen Vorgehen, sondern würde dieses zunächst voraussetzen.
    Also kann man eigentlich auch direkt gegen das iranische Atomprogramm vorgehen, als es über den Umweg anderer Militäreinsätze abzuschrecken.

  2.   Erol Bulut

    Auf der einen Seite, einer der rational argumentiert. Auf der anderen Seite, einer der dümmliche Hitlervergleiche aneinanderreiht, weil er keine rationalen Argumente hat, mit denen er „sein“ Anrecht auf Prügelstrafe in einer Justizwillküren begründen könnte. Dümmliche Vergleiche, weil nicht im Iran eine Volksgruppe systematisch aus dem Land gedrängt wird, sondern bei den vermeintlich bedrohten. Der, der die offenen rassistisch motivierten Völkerechtsbrüche in Israel anprangert, soll der Hitler sein. Die, die die Völkerechtsbrüche begehen, ein Volk aus dem Land vertreiben und in „Lagern“ einsperren, sollen die vom angeblichen Hitlerplagiat Achmadineschad bedrohten „Antifaschisten“ sein.

    Schon komisch diese Welt, dass solche Vergleiche auch bei vermeintlich intelligenten Menschen keine Widersprüche zu erzeugen vermögen.

    @Wachtmeister

    Sie sind mir schon ein Witzbold. „Glaubwürdig mit Gewalt drohen können“, „Präzedensfälle“, als ob es keine Gewalt geben würde, die nach der „Drohung“ vollzogen wurde. Keine Panik, Sie bekommen das von Ihnen Gewünschte. Die Bush-Regierung wird nicht ohne Angriff auf den Iran aus der Regierung scheiden. Das ist mit Sicherheit schon längst entschieden. Ob das was nützt, ist eher zweifelhaft. Manche, die der militärischer Potenzschwäche beschuldigt werden, werden zwar neidvoll die starke Potenz anderer beneiden, aber letztendlich wird ein weiteres mal die US-Waffenlobby der große Profiteur neben den Islamisten sein, die durch solche Aktionen willkürlicher Gewalt genau den Zulauf bekommen, den sie so sehr benötigen.

  3.   Rafael

    @Erol Bulut

    „Dümmliche Vergleiche, weil nicht im Iran eine Volksgruppe systematisch aus dem Land gedrängt wird, sondern bei den vermeintlich bedrohten.“

    Verstehe ich das richtig: In Israel werden israelische Muslime systematisch aus dem Land gedrängt und in Iran genießen die Bahai umfassenden Minderheitenschutz?

  4.   Erol Bulut

    @Rafael
    Wie so vieles verstehen Sie hier auch recht wenig, und setzen den dümmlichen Vergleich nahtlos und sogar absichtlich fort. Befällt Sie keine Scham, wenn Sie absichtlich dummes tun, nur um Unrecht an den Palästinensern zu verniedlichen?

    Das der Iran die Bahai systematisch benachteiligt und entrechtet, lässt sich durchaus mit der Situation der sich unter israelischer Herrschaft befindenden Palästinenser vergleichen. Doch die Bilanz der Opfer ergibt einen eindeutigen „Sieger“ bei der Diskriminierung.

    Das Israel mit den Palästinensern, die sich 48 und 67 nicht vertreiben lassen haben, in etlichen Bereichen Diskriminierend umgeht, und sich kaum zu empören vermag, wenn Politiker offen von Vertreibung der israelischen Moslems reden, ist zwar nach westlichen Standards nicht tragbar, wohl aber immer noch etwas besser als die Situation der Bahai im Iran.

  5.   Wachtmeister

    @Erol Bulut:
    „Die Bush-Regierung wird nicht ohne Angriff auf den Iran aus der Regierung scheiden. Das ist mit Sicherheit schon längst entschieden. Ob das was nützt, ist eher zweifelhaft.“

    Wenn es nichts nützt, warum regen Sie sich dann so auf? Sie können dem Geschehen dann doch gelassen entgegensehen.

  6.   Erol Bulut

    @Wachtmeister

    Sie sollten das nicht verwechseln. Bomben auf Iran kann ich recht gelassen entgegen sehen, wie damals auch bei den Bomben auf den Irak. Als Bekannter bzw. Verwandter eines der Madrider Terroropfer könnte ich das nicht. Ob ein Angriff auf den Irak Terror im Westen nach sich zieht, bleibt abzuwarten.

    Wenn ich mich über was aufrege, ist es, dass der Verstand der Menschen solche dumme Propaganda, wie die von Podhoretz, so hemmungslos aufzunehmen bereit ist. So dumm braucht echt keiner zu sein. Da bin ich viel zu sehr Humanist, als dass ich nicht Mitleid für solche geistige Hilflosigkeit empfinden könnte. Das war vor dem Irak-Krieg so, und jetzt ist es nicht anders.

  7.   Wachtmeister

    @Erol Bulut
    Aber was ist daran „dumm“? Ihr Problem scheint doch eher weltanschaulicher Art zu sein, da Sie den Iran anscheinend unterstützen.

    Haben Sie nicht selbst gesagt, dass der Iran sich Ihrer Ansicht nach Atomwaffen zulege sollte? Warum ist es „dumm“ zu vermuten, dass der Iran genau das tut, was Sie für vernünftig halten?

    Oder halten Sie es für „dumm“ anzunehmen, dass das iranische Atomprogramm aus der Luft verzögert werden kann? Es gibt zwei erfolgreiche Präzedenzfälle! Warum sind diese nicht anwendbar?

    „Dumm“ bzw. naiv war von den Amerikaner nur ihre Annahme, die Iraker würden die Chance nutzen, die ihnen der Sturz Saddam Husseins bietet. Immerhin, die Kurden waren klug genug dazu.

    Gegenüber dem Iran geht es nicht um Ziele dieser Art. Ein militärisches Vorgehen soll hier nicht Demokratie schaffen, sondern nur Gegenstände zerstören. Es ist unbestritten, dass die stärkste Luftwaffe der Welt hierzu sehr gut in der Lage ist.

  8.   Erol Bulut

    @Wachtmeister

    Ich habe doch konkret benannt, was daran dumm ist. Nämlich, dass der Vergleich zwischen Hitler und England bezogen auf Achmadineschad auf Israel nicht mal ansatzweise sondern eher umgekehrt den gegebenen Fakten entspricht.

    Ob es dumm ist, den Iran zur Verzögerung seines berechtigten Atomwaffenprogramms zu bebomben, ist eine Sache der Perspektive. Wenn man vor hat, den Iran wehrlos gegen die Aggressoren USA&Israel zu belassen, wäre eine mögliche Verzögerung des Atomprogramms aus der Sicht möglicher Invasoren klug. Wenn man aber gegen „Kriegseskalation aus unlauteren Motiven“ ist, wäre ein Angriff auf den Iran recht dumm.

    Ob die Iraker dumm sind, wer weiß. Jedenfalls gibt es dumme Iraker, die mit Waffen ausgestattet an einer Neuordnung teilhaben. Wenn Sie meinen, dass in den USA im Falle einer totalen Zerstörung der Rechtsordnung Dumme mit Waffen nicht ebenfalls an einer „Neuordnung“ chaotisch teilhaben, sind Sie naiv. Immerhin, die Kurden scheinen aus der Neuordnung das beste gemacht zu haben, aber endgültig kann man das erst sagen, nachdem die USA abgezogen sind.

  9.   Wachtmeister

    „Wenn man vor hat, den Iran wehrlos gegen die Aggressoren USA&Israel zu belassen, wäre eine mögliche Verzögerung des Atomprogramms aus der Sicht möglicher Invasoren klug.“

    Na also.

  10.   Rafael

    „Wenn Sie meinen, dass in den USA im Falle einer totalen Zerstörung der Rechtsordnung Dumme mit Waffen nicht ebenfalls an einer “Neuordnung” chaotisch teilhaben, sind Sie naiv.“

    Ja, schon naiv. Ich könnte mir vorstellen, dass Bush das historische Beispiel Texas im Sinn hatte, als er so naiv war, aus einer völligen Zerstörung der Rechtsordnung, aufkommendem Chaos, bis an die Zähne bewaffneten verfeideten Bevölkerungsgruppen und ein paar Cowboys aus dem Yankeeland einen prosperierenden Staat zaubern zu können.

    Remember Alamo. Das lernen kleine Texaner schon im Kindergarten. Nur – Iraker sind keine Texaner.

    Amerikaner sind aber auch keine Iraker. Die würden immer wieder zur Demokratie zurückfinden.

 

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