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Puh, doch kein Weltkrieg!

 

Ich habe für die morgige Ausgabe mit einigen Kollegen in Brüssel, Iran, Moskau, Tel Aviv und Washington eine Titelgeschichte geschrieben. Daher die Zurückhaltung hier. Verzeihung.
Der Artikel handelt von dem ungeheuerlichen Vorgang eines amerikanischen Geheimdienstberichts, der den US-Präsidenten de facto  als Lügner und Kriegshetzer dastehen läßt, während er seinen weltpolitischen Konkurrenten – Achmadinedschad und Putin – Recht gibt in deren Darstellung des „iranischen Problems“. Eine Ungeheuerlichkeit, wie gesagt, die einen Amerika wieder lieben läßt.

– Ein Geheimdienst betreibt Selbstkritik vor der Weltöffentlichkeit.

– Die kriegsmüden Militärs und die ihrer Instrumentalisierung überdrüssigen Spione fallen dem eigenen Präsidenten in den Arm.

– Der gesamten Iran-Politik der Bush-Regierung wird der Teppich unter den Füßen weggezogen.

– Mehr noch: Wer braucht ein Raketenabwehrsystem, wenn es kein Bombenprogramm gibt.

– Der Dritte und der Vierte Weltkrieg werden einfach abgesagt.

– Bush ist am Ende, finito, kaputt.

– Der Erzfeind, angeblich ein apokayptisches Irrenregime, wird zurückgestuft zu einer regionalen Mittelmacht, die auch nur im Rahmen ihrer Rationalität ihre Interessen verfolgt und auf Anreize anspricht.

– Militärs und Geheimdienste setzen auf Diplomatie.

Sagenhaft. Mehr morgen im Print an einem Kiosk Ihres Vertrauens.

0 Kommentare

  1.   docaffi

    Das ist endgültig die Note 6 für die Außenpolitik der Bush-Regierung: Lüge, Hetze, Krieg, Lüge, Hetze, Krieg…..

  2.   AM

    „Bush ist am Ende, finito, kaputt“
    So ist es. Bush hat seine Karten immer hoffnungslos überreizt und damit das mäßige Blatt der Gegner mächtig aufgewertet. Schon mit seinem Irak-Einmarsch hat er die Radikalen im Iran und sonstwo nach oben gebracht (Er war ja auch congenial zu ihnen) Jetzt hat er es mit seiner unglaubwürdigen und unverhältnißmäßigen Eskalationspolitik und ihrem Zusammenbruch wieder geschafft. Diese Politik endet so katastrophal, wie sie es verdient hat und wie zu erwarten war.
    „Militärs und Geheimdienste setzen auf Diplomatie.“
    So einfach ist das nicht, wenn man die Karten erst einmal (unfreiwillig und einseitig) hat aufdecken müssen.
    „Eine Ungeheuerlichkeit, wie gesagt, die einen Amerika wieder lieben läßt.“
    Schon. Aber sehen es die Radikalen auch so? So einfach sind die Folgen solcher Grenzdebilität leider kaum glattzubügeln. Bush hat genug Zeit gehabt, ganze Arbeit zu leisten. Es wird hart werden für das Amerika, das Sie lieben. Sehr hart. Nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in der Wirtschaft und daheim. Auch da hat sein Regime nämlich ganze Arbeit bei der Zerstörung geleistet. Schöpferisch ist sie jedenfalls nicht gewesen.

  3.   Kulifumdenteich

    Puh, da hat die deutsche Wirtschaft noch mal Glück gehabt, die doch etwas irritiert auf die Zukunft blickte wegen ihrer Investitionen im Iran und der nassforschen chinesischen Konkurrenz vor Ort. Naja, und die gesamten Artikel der letzten Jahre aus ZEIT und Co. darf man ja jetzt mit einem gefühlten Scheißdrauf in den Müll pfeffern. Hätte man ja nie für möglich gehalten, dass so ein fanatisches Ländle „im Rahmen ihrer Rationalität ihre Interessen verfolgt“ anstatt mit Augen zu und Ekstase in’s Eschaton vorzupreschen.

  4.   Tuotrams

    Nach dem Kopftuchartikel musste ja zwangsläufig so ein Unsinn kommen.

    —-

    JL und seine Kollegen vertrauen also amerikanischen Geheimdiensten – gut zu wissen.

    Aber sie sind offenbar unfähig zu verstehen was der National Intelligence Estimate darstellt.

    Hier ein paar Fakten:

    The final unclassified portion of the NIE warns that the intelligence community believes „with high confidence that Iran has the scientific, technical and industrial capacity eventually to produce nuclear weapons if it decides to do so.“

    Secretary Gates, in Afghanistan this week, told reporters that the U.S. intelligence community has „more confidence than ever before“ that Iran had a nuclear-weapons development program, one that Iran continues to deny it ever possessed. He urged the international community „to join the United States in bringing pressure to bear on the Iranian government“ to keep its nuclear-weapons efforts dead. This, he said, will help „ensure that what apparently was a suspension in 2003 becomes a policy of the Iranian government and that they agree to the requirements of the international community in terms of their enrichment program.“ Iran, he said, had merely suspended — not terminated — its nuclear-weapons efforts. Tehran continues to „keep its options open,“ he pointed out. „As long as they continue with their enrichment activities, then the opportunity to resume that nuclear weapons program is always present.“

    Und wenn Iran irgendwann mit der Bombe droht, dann zuckt Herr Lau mit den Schultern und gibt die Schuld den Geheimdiensten, wetten dass.

  5.   J.S.

    Die Schlussfolgerungen sind nicht glaubwürdig.
    z.B. „auf Anreize anspricht.“
    Und das ausgerechnet kurz nach dem Sturz Saddam Husseins?
    Wieso baut der Iran weiter an Raketen die ohne Atomsprengköpfe sinnlos sind?


  6. […] Diese Vorschau auf Jörg Laus kommenden Artikel in der Zeit verspricht keinen neutralen Standpunkt. Sein Blogeintrag strotzt vor Ressentiment. Die Neigung, den amerikanischen Geheimdiensten ausgerechnet in dieser Sache Glauben zu schenken, rührt augenscheinlich von der ideologischen Kompatibilität des NIE mit einem extrem weiten Spektrum an Perspektiven. […]

  7.   Tuotrams

    So sieht übrigens die Diplomatie (der EU) aus:

    Deputy foreign minister Saeed Jalili, the dour official who took over negotiations from the urbane Ali Larijani, did not mince his words with the Solana. According to the New York Times , Ahmadinejad’s close ally said: ‘Everything in the past is past, and with me, you start over,’” He added: ‘None of your proposals has any standing.’”

    When Solana said that he was under the assumption that there would be continuity in the talks, Mr. Jalili told him he was wrong

    The French official described the meeting as “a disaster,” adding “Jalili essentially said: ‘Everything that Larijani has proposed is a dead letter and we have to start from zero.’”

    The Iranian official is also quoted as saying: “There is no longer an Iranian nuclear problem,” and the only interlocutor recognized by Iran from now on would be the International Atomic Energy Agency, with whom he claimed Tehran had solved all its problems.

  8.   Kulifumdenteich

    Ja, jeder Mensch sollte seinen eigenen Geheimdienst haben, dann brauch er den anderen nicht mehr glauben.

  9.   Tuotrams

    ist doch ein super Ergebnis, nach 2 langen Jahren des Verhandelns.


  10. @Jörg Lau
    Bin begeistert. Das können Sie alles aus einem Bericht lesen, der sich selber folgendermaßen relativiert:

    „We use phrases such as we judge, we assess, and we estimate—and probabilistic terms such as probably and likely—to convey analytical assessments and judgments. Such statements are not facts, proof, or knowledge. These assessments and judgments generally are based on collected information, which often is incomplete or fragmentary.“

    Wäre es nicht ein Tick konsequenter gewesen, direkt Elizabeth Tessier zu fragen. Die hätte wenigstens ein sauberes Horoskop erstellt.

    Der Bericht ist ja wohl mehr ne kleine Racheaktion gegen Bush als alles andere.

 

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