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Die Mullahs schwächen? Vom Frieden sprechen!

 

Roger Stern gibt heute in der Herald Tribune zu bedenken, dass das Teheraner Regime durch den Ölpreis gestärkt wird – der wiederum von Kriegsrhetorik in die Höhe getrieben wird.

Wer die Mullahs schwächen will, sollte also alles tun, um den Ölpreis zu drücken und ihre Eskalationsstrategie durch Verhandlungsangebote unterlaufen.

Zitat:

„Tehran seems unimpressed by administration war talk, perhaps because it has confidence in its navy. Lots of other people are scared, though. Take oil traders. Oil prices used to have a tight relationship with Saudi spare capacity. When capacity went up, prices went down. After two years of escalating threats between Tehran and Washington, however, new capacity no longer calms the market.

Under the old market rules, prices would be $50, not $100. So war talk sends an extra $20 billion a year to Tehran. The Bush administration’s bellicose rhetoric thus makes a mockery of the president’s pledge to „do everything in our power to defeat the terrorists.“

If it wanted to honor this commitment, the administration would stop saying things that drive up oil prices. As it is, the long parade of threats just makes the mullahs richer.

Yet they spend their $90 a barrel windfall faster than ever, trying to buy legitimacy with pork. Deeply unpopular, the Iranian regime now relies on constantly rising oil prices for survival.

Its spending has quadrupled in the last six years, a remarkable rise that’s evolved in lockstep with oil prices. Here, at last, is our adversary’s weakness: An oil price decline would be a mortal threat.

If Bush wants to hit the regime where it hurts, conciliation should become his byword. In the price collapse that would follow, he’d find a brand new Iranian appetite for negotiation.

This is because, unlike sanctions that might take years bite, a peace initiative would threaten the mullahs tomorrow. Talking peace, which Mahmoud Ahmadinejad will certainly scorn, would also help reformers in the approaching Iranian elections.“

42 Kommentare

  1.   Rafael

    Politische Spannungen und Kriegserwartungen, die nicht eintreffen haben nur sehr kurzfristige Auswirkungen auf den Ölpreis. Längerfristig bestimmen Angebot und Nachfrage den Ölpreis. Für das Angebot spielt die politische Lage kaum eine Rolle. Verkaufen müssen die Mullahs sowieso.

    Was wirklich den Ölpreis hochtreibt, sind erstens Sabotageakte gegen die Öl-Infrastruktur, wie sie in Nigeria und Irak vorkommen und zweitens der erhöhte Bedarf durch Schwellenstaaten wie Indien und China.

    Wenn Sie schon dermaßen zynisch sind, wegen eines zu hohen Ölpreises zu empfehlen, sich an die Mullahs heranzuschleimen, dann können Sie auch gleich so konsequent sein, Indien zu bombardieren, um die Nachfrage etwas zu senken.

    Für Gutmenschen bleibt noch die Alternative, Sprit zu sparen oder auf erneuerbare Energieen umzusteigen.


  2. @ Rafael: Ungewohnt doofer Ton von Ihnen. „Gutmenschen“, die Energie sparen, als Feindbild? Na, guten Morgen! Bin nicht zynisch, sondern glaube an die Logik, dass Deeskalation das Regime schwächt und umgekehrt Eskalation sein Leben verlängert, weil dies innere Schwächen zu überspielen erlaubt. Die glaubwürdige Drohung für den Ernstfall – der big stick – ist ja sowieso präsent, und zu Recht. Sehen Sie den Fakten ins Auge: die amerikanische Strategie des Nichtverhandelns hat in fast 3 Jahrzehnten nichts erreicht. Und Bush hat Iran zur Vormacht der Region hochgebombt. Was jetzt?

  3.   Rafael

    Deeskalation mag das Regime schwächen, aber sie wird nicht dazu führen, den Ölpreis längerfristig zu senken. Das geht nur, wenn mehr Öl gefördert wird (kaum möglich, da begrenzte Reserven, ausser Irak und Nigeria können wieder ungehindert pumpen), oder wenn die Nachfrage sinkt. Nachfrage sinkt dann, wenn diejenigen, die sich so eben gerade Öl leisten können, kein Geld mehr haben – also eine neue Asienkriese heraufbeschworen wird, oder sie sinkt, wenn Alternativen angeboten werden.

    Zynisch ist die Argumentation: Auch wenn uns die Mullahs nicht gefallen und sie ihr Volk quälen – ein niedriger Benzinpreis sollte es wert sein, sich mit ihnen zu arrangieren. So habe ich jedenfalls den Herald-Artikel verstanden. Und so habe ich Sie verstanden, da Sie den Artikel so positiv kommentierten.

    Also: Säbelrasseln der Iraner und Dialogbereitschaft des Westens (und umgekehrt!) führt nur zu kurzfristigen Schwankungen des Öl-Preises. Die einzige nicht-zynische Variante, den Ölpreis zu senken, sind alternative Energieen oder Energiesparen.

    Da ich ein guter Mensch zu sein versuche, ist es mir lieber, Bahn zu fahren, statt mit den Mullahs (oder den Saudis) zu kuscheln. Ein Programm zur Förderung regenerativer Energien tut den Mullahs sicher mehr weh, als eine Petition aus dem Westen, die sich gegen Steinigung richtet.

    Die europäische Strategie des kritischen (und lukrativen) Dialogs hat in fast 3 Jahrzehnten auch nichts erreicht.

    Ich bin für: In Ruhe lassen, solange sie nicht für uns zur Bedrohung werden. Und alles zersören, was sie für uns zur Bedrohung werden lassen könnte.
    Daneben Konferenzen, Schüleraustausche, Beziehungen auf kultureller Ebene. Mal bei der Böll-Stiftung gucken. Da wird gehandelt.

  4.   Rafael

    Es gibt viele gute Gründe für den Dialog mit den Mullahs und viele gute Gründe dagegen. Der Ölpreis gehört weder zu den einen noch den anderen.

    Hier wird lediglich versucht, einen Zusammenhang zwischen Dialog und niedrigem Benzinpreis herzustellen, der erstens sachlich falsch ist (zumindest auf mittlerer und längerer Sicht) und zweitens lediglich dazu dient, mit fadenscheinigen Argumenten Unterstützer für die eingene Position zu gewinnen, denen es nicht um die Iraner oder den Frieden geht, sondern um den Benzienpreis.

  5.   Wachtmeister

    Frieden haengt von zwei Seiten ab. Nachdem die USA das NIE veroeffentlichten, ging der Oelpreis runter. Koennte es sein, dass die juengste iranische Provokation im Persischen Golf der wiederherstellung der vom Iran gewuenschten Konfrontationshaltung dienen sollte?

  6.   Joachim S.

    Die derzeitige Höhe des Ölpreises hat mehr Gründe als hier bisher erwähnt wurden:

    http://www.n-tv.de/899217.html

    Spekulation

    Seit Jahren boomen Spekulationsgeschäfte am Energiemarkt. Zwar hatten so genannte Hedgefonds zu Jahresbeginn eher zurückhaltend investiert, in den vergangenen Monaten haben die Spekulationen mit Rohstoffen allerdings wieder stark zugenommen und die Preise nach oben getrieben.

    Krise in der Golfregion und Nigeria

    Der Iran liegt wegen seines umstrittenen Atomprogramms seit langem im Streit mit westlichen Regierungen. Es wird befürchtet, dass diese Konflikte zu Störungen bei Öllieferungen aus dem Land führen. Der Iran ist der viertgrößte Erdölexporteur der Welt. Problematisch sind die Ölexporte auch aus dem Irak: Seit dem Einmarsch von US-Truppen 2003 ist das Liefer-Volumen deutlich gesunken. Grund dafür sind zahlreiche technische Probleme und Sabotage an den Pipelines. Auch die Öl-Förderung in Nigeria – der achtgrößte Ölexporteur – wird immer wieder durch Angriffe von Rebellen gestört.

    Hohe Nachfrage aus Asien und den USA

    Neben einem knappen Angebot sorgt auch die starke Nachfrage nach Erdöl für steigende Preise. Vor allem China und die USA verbrauchen trotz der hohen Preise Jahr für Jahr mehr Öl.

    Mangelnde Raffinerie-Kapazitäten

    US-Raffinerien hatten 2007 besonders mit unerwarteten Produktionsausfällen zu kämpfen. Die Kapazitäten sind zudem gering, da über Jahre hinweg zu wenig investiert wurde. Die US-Ölbranche hatte außerdem lange mit den Folgen der Hurrikans 2005 zu kämpfen. Auch 2007 haben vom Atlantik kommende Wirbelstürme die US-Ölanlagen im Golf von Mexiko bedroht und zu Produktionsausfällen geführt.

  7.   Christoph Leusch

    Schönen Mittag,

    Der Link zur „Tribune“ wird doch von Herrn Lau schlüssig erweitert. Denn abgesehen von der entscheidenden Bedeutung eines oder zweier Millionen Barrel Öls in den Zeiten des Peak-oil, stimmt seine Einschätzung. Der hohe Preis stützt im Inland das wirre Regime. Die finanzieren damit die Inlandssubventionen für ihren Energiemarkt und brauchen dafür nicht einmal eine Verbraucherschutzorganisation, wie den ADAC. Benzin kostet fast nichts und doch noch für die meisten Bürger des Landes zu viel.- Die derzeitige iranische Regierung hat abgewirtschaftet. Immer klarer wird selbst für die sittenstreng wachenden Mullahs, dass ihr starker politischer Arm nicht mehr die permanente islamische Revolution oder die Wohlfahrt des Volkes im Sinn hat, sondern versucht sich zu verselbstständigen und den eigene Getreuen bei Militär, Polizei und Wächtern kleine Inseln der Wohlfahrt aufzubauen. Die Versprechungen Achmadinedschads glaubt in Persien kaum noch jemand, obwohl der Mann persönlich, bei den einfachen Leuten, sowohl charismatisch als auch rhetorisch, gut ankommt.
    -Er war ja einmal so etwas wie der Obama des Irans und gewann gegen ein kluges, aber eher langweiliges politisches Sitzkissen.

    Grüße

    C. Leusch

    PS: Man sieht, wozu „Gutmenschen“ in der Lage sind. Rationale und langfristige Überlegungen anstellen, z.B. „raus aus dem Öl“, ohne in neue einseitige Abhängigkeiten zu verfallen und die Innenpolitik von, sagen wir einmal, nicht ganz und gar auf der eigenen Linie liegenden Ländern, einigermaßen zutreffend einschätzen (Außenpolitik, Diplomatie). Da braucht sich Bush wohl nicht mehr allzu sehr mühen, wenn er und seine Regierung das je wollten. Aber die neue Regierung in den USA wird es wohl versuchen.


  8. @jörg Lau
    „….die amerikanische Strategie des Nichtverhandelns hat in fast 3 Jahrzehnten nichts erreicht.“

    Die europäische Strategie des Verhandelns hat auch nichts gebracht. Das Problem der Europäer ist, dass sie nichts haben, worüber sich zu verhandeln lohnen würde.
    Keine Verhandlungsmasse, keine Verhandlungen!


  9. @ lebowski: Ist ja genau mein Punkt. Darum müssen DIE AMERIKANER verhandeln, auf die es allein ankommt. Sie können das aus einer entspannten Situation der Stärke tun. Iran ist im Vergleich zur UdSSR ein lachhaft schwacher Gegner. Containment gegenüber den Russen hat funktioniert, und die Entspannungspolitik in Kombination mit Aufrüstung (ist gegenüber Iran nicht nötig, die USA haben schon die dutzendfache Kapazität dieses Gegners) hat das Imperium zur Implosion gebracht.
    Kann mir jemand erklären, warum das gegenüber Iran nicht gehen soll? Kann mir jemand erklären, warum wir mit diesem fiesen Regime (das noch keinen Angriffskrieg geführt hat) nicht reden können, wenn wir mit den Erben der Gulag-Massenmörder geredet haben (und heute mit Nordkorea verhandeln)?
    Das ist doch alles Bullshit.

  10.   J.S.

    @Jörg Lau
    Über die Kriegsrhetorik bestimmen die Terroristen. Niemand sonst.
    Und weil der Öl-Preis mit jedem Terroranschlag steigt unterstützt der Iran den Terror. Ist doch logisch!

 

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