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Warum Al-Kaida Angst vor Obama hat

 

Auf der Website von Newsweek schreibt der marokkanische Kollege Achmed Benchemsi, Herausgeber von TelQuel und Nichane, warum Ayman Al-Zawahiri so nervös ist angesichts des kommenden amerikanischen Präsidenten:

Al Qaeda and all its followers badly need to perpetuate Samuel Huntington’s „clash of civilizations“ paradigm. The West and Islam are deadly enemies, in the radicals‘ view. The more irreconcilable the former, the happier the latter. In this regard, the agenda of Bush and the neocons was a true blessing for the terrorists. Consider this: after 9/11 and the U.S. strike on Afghanistan, Al Qaeda was badly hit and its leaders were piteously hiding in caves. Later, by attacking Iraq for no valid reason–which caused, as a direct or indirect consequence, hundreds of thousands of deaths among innocent civilians–Bush’s administration provided Al Qaeda leaders with a new rationale. They reinvigorated, prospered and recruited hundreds, if not thousands, of brand-new adeptsfollowers, infused with a strong willingness for jihad. „War on terror“? If they could, they would just keep it on forever.

Al Qaeda’s true problem with Obama has indeed nothing to do with the color of his skin. By proposing to meet Iran’s Ahmadinejad without preconditions instead of just bombing him out, the American president-elect thinks outside of the confrontation box. The radicals just hate that. And above all, they hate the idea of the United States resuming the chase of Al Qaeda operatives in the mountains of the Pakistan-Afghanistan borders. He’s coming to them, how could they not react fiercely?

There is something else, which I witness everyday in the streets of Casablanca, where I live: Muslims tend to claim Obama as their own—because he’s black, because he comes from an oppressed minority, because his middle name is Hussein. I presume this holds true for all the nonradical Muslims (the vast majority of them) throughout the world. Not that they think Obama is a Muslim himself—he made clear that he was not. Yet he could have been. His father was. Anyway, this man looks like a „brother“ to many Muslims, which is indeed a good thing for the prospect of global peace.

Not surprisingly, Zawahiri’s video message targeted this specific point: „Obama is not a Muslim, he’s a renegade who abandoned his ancestor’s religion to embrace the ‚crusaders faith‘ and the ‚Zionists‘ ideology‘,“ Zawahiri suggests. The genuine message being: please don’t like him!

Well, too bad for them: we do. We will like him more, of course, if he keeps his promise of backing out of Iraq within 16 months and putting the Israeli-Palestinian peace process back on track. Meanwhile, let’s all of us, Muslims and Westerners, take advantage of the honeymoon period. And let’s enjoy the terrorists‘ embarrassment: it’s a rare occasion.

Hier ein Interview mit dem klugen und mutigen Benchemsi (frz), dessen Zeitschriften schon verboten wurden, weil er das Königshaus kritisiert hatte.

Hier sieht man Benchemsi (rechts) beim Betreten des Gerichts in Casablanca. Er mußte sich im letzten Jahr dort verantworten wegen „mangelnden Respekts vor dem Königshaus“.

Achmed Benchemsi  Foto: AFP – Abdelhek Senna

38 Kommentare

  1.   Andreas

    @ tati Selbstverständlich sind letztendlich die USA für die Lage im Irak verantwortlich. Diese Entwicklungen sind vorausgesagt worden. Die US-Regierung konnte wissen, was sie lostreten würde und welche Folgen die Aktion für die Bevölkerung des Irak haben würde. Entweder wollte man es nicht wissen, oder man wollte es nicht wahrhaben. Ihre kulturalistischen Einwürfe in allen Ehren, aber darum geht es hier nicht.

  2.   N. Neumann

    @ Neumann, ich bezieh mich bezüglich der Sanktionsfolgen auf die Autoren Sponeck und Zumach (Irak – Chronik eines gewollten Krieges, Kiepenheuer & Witsch, Februar 2003).

    Ja, beide sind für ihren antiamerikanischen Bias bekannt. Und Sponeck zudem noch dafür, dass das Regime ihm so dankbar war, dass es ihm nach seinem Rücktritt als UN-Koordinator im Jahr 2000 Geld angeboten hat.

    Dass in aller erster Linie Saddam für die Lage im Irak während seiner Regierungszeit verantwortlich war, stelle ich gar nicht in Abrede.

    Doch, wenn Sie sagen, dass

    Bloss die Folgen der Sanktionen für die Bevölkerung… hinlänglich dokumentiert worden [sind]

    dann tun sie das für den Zeitraum von 1991 bis 2003.

    und u.a. von der damaligen US-Aussenministerin auch zugegeben worden.

    Ja, der tausendfach zitierte Interview-Ausschnitt mit den 2 Millionen Toten Babys und Allbrights „worth it“.

    Eine Verantwortung für diese Folgen seitens der betreffenden Veto-Mächte im Sicherheitsrat ist also klar ersichtlich.

    Nein.

    Übrigens: Eine Hypothese lautet sogar, dass das Regime ohne die Sanktionen viel früher gekippt wäre.

    Das kann als sehr unwahrscheinlich gelten.

  3.   Andreas

    @ Neuman haben Sie eigentlich auch mal so etwas wie Quellen Literaturhinweise oder ähnliches, oder tun Sie einfach Ihre Überzeugung kund?

  4.   N. Neumann

    @ Andreas

    Zunächst, damit bei Ihnen keine Missverständnisse aufkommen: Ich war gegen diesen Krieg. Doch dazu habe ich jedoch weder Sponeck noch Zumach gebraucht.

    Die beiden sind mir aus mehreren Artikeln und Interviews bekannt. Sie müssen mir (ohne meine Einwände zu teilen) schon vertrauen, dass dem so ist, und ich selber denke. Mir fehlt die Zeit das alles zu verlinken.

    Daneben habe ich das von Ihnen erwähnte Buch seinerzeit in Augenschein genommen. Etwas später habe ich mich im Rahmen meines Studiums mit dem Irak beschäftigt.

    Zwei Interviews habe ich herausgesucht:

    taz: Im Bericht heißt es unter Bezugnahme auf einen Ex-Regierungsmitarbeiter Iraks, die Regierung habe Ihnen Ölbons zum Geschenk angeboten; Sie hätten wütend abgelehnt. Sie selbst werden mit der Aussage zitiert, es habe so ein Angebot nie gegeben. Woher der Widerspruch?

    Sponeck: Nach meinem Ausscheiden kam ein Mitarbeiter des irakischen Außenministeriums zu mir und fragte: „Können wir Ihnen helfen?“ Ich fragte, was er meine, er sagte: „Finanziell.“ Da bin ich tatsächlich böse geworden. Bloß das Wort „Öl“ ist halt nicht gefallen.

    http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2005/10/29/a0128

    Es scheint ihn offenbar gewundert zu haben, dass ihm das Regime dankbar war.

    Einer der sachgerechtesten Einwände gegen die Neocons lautete, dass sie den Irak retten wollten, aber mit militärischen Mitteln eben nicht retten könnten. Das in mehrerlei Hinsicht desaströse Zwischenergebnis ist bekannt.

    Sponeck für seinen Teil war und ist ein egomanischer Moralathlet, der den Irak auf seine Weise retten wollte. Dabei hat er Saddam Husseins Regime verharmlost und die Potenziale der Diplomatie überschätzt. Als ob alles gut geworden wäre, wenn von Sponeck der personifizierte Sicherheitsrat gewesen wäre und er Saddam noch besser hätte in den Arsch kriechen können.

    Müller: Dann wäre es doch inszeniertes Theater gewesen.

    Von Sponeck: So kann man es nennen. Ich glaube, das ist eine Reaktion, eine typisch westliche Reaktion. Ich glaube, im Irak, selbst wenn diese Nationalversammlung keine in unserem Sinne gewählte Versammlung ist, ist es eine Gruppierung von 350 Abgeordneten, die eben in ihrer Tradition tief verwurzelt sind, und da geht es um Würde, da geht es um Standhaftigkeit, man will zeigen, dass man Stolz hat. Das ist vielleicht im Augenblick nicht angebracht, wenn es um Krieg oder Frieden geht, aber das ist die soziologische Realität.

    http://www.zeit.de/2002/47/interviewammorgen

    Mit dieser scheinbar deskriptiven Masche kann man jede miese Diktatur mitsamt ihres Pseudoparlaments verklären. Wenn Sie wollen, bastel ich Ihnen z.B. eine Soziologie des Parlaments von Myanmar, erkläre Ihnen die burmesische Würde (auf die bei Resolutionen des Sicherheitsrates geachtet werden muss!) sowie die typisch westliche Reaktion darauf.

    Dieser Sponecksche Schrott wird durch die unzähligen Opfer in Folge des Kriegs um keinen Deut besser.

    Noch augenfälliger und unästehtischer wird das Ganze, wenn der Mann seinen Sermon im Sammelbandes eines Verlags für DDR- und Verschwörungsliteratur* oder auf irgendwelchen entsprechenden Irak-Tribunalen zum Besten gibt. Dort treten dann auch so antiimperialistische Sauergurken wie Arrundhati Roy auf, die so sehr gegen den Irak-Krieg war, dass sie sich in einem Spiegel-Interview kurz vor Kriegsbeginn „einen möglichst langen und brutalen Krieg“ wünschte, damit die USA bloß eine blutige Nase bekommen.

    * http://www.kai-homilius-verlag.de/vp/8.7/index.php

  5.   J.S.

    @Andreas
    „D.h. ohne amerikanischen Überfall/Invasion hätte es den latenten Bürgerkrieg und die Gewalt nicht gegeben.“
    Wie kommen Sie denn auf so eine wirre Idee?
    Der Bürgerkrieg lief schon lange vorher!
    Lesen Sie doch mal etwas über die Anfal-Operation. Sunniten (damals unter Saddam Hussein) kämpfen gegen Kurden und Schiiten. Damals zum Teil sogar mit Giftgas!
    http://de.wikipedia.org/wiki/Anfal-Operation
    Sie müssen einfach mal ein bisschen mehr seriöse Quellen über die jüngere Geschichte des Irak lesen.

  6.   J.S.

    Den meisten fehlt einfach das Hintergrundwissen zum Irak. Zwei Dinge sollte man wissen.
    1.) Der Bürgerkrieg lief schon lange. Der Hass zwischen den Bevölkerungsgruppen existiert ebenfalls seit langem. Der Hass wurde vom Saddam Hussein Regime verstärkt.
    2.) Der Bürgerkrieg wäre sowieso eskaliert. Spätestens Saddams natürlicher Tod hätte ein Machtvakuum geschaffen das zu so einer Eskalation geführt hätte.( Siehe Bürgerkrieg in Ex-Jugoslawien nach Titos Tod)

    Höchstens das Opfer der westlichen Soldaten im Irak wäre vielleicht vermeidbar gewesen. Aber selbst das ist schon eine gewagte These. Hätte man einer Eskalation nach Saddam Husseins Tod tatenlos zusehen können? Oder hätte man einer iranischen Expansion in den Irak zusehen können?


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