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„Neidisch auf das Christentum“

 

Navid Kermani kürzlich in der NZZ über eine Marien-Ikone, die er in Rom sah:

„In Rom wurde ich ohnehin neidisch auf das Christentum, neidisch selbst auf einen Papst, der auch solche Sätze sagt, und wenn ich den Gedanken der Inkarnation in nur einem einzigen Menschen nicht für grundverkehrt hielte und speziell die katholische Vorstellungswelt mir nicht so heidnisch vorkäme, mich die Ordnung nicht abstiesse, die alle und eben auch die menschlichen Verhältnisse hierarchisiert, die Demonstration von Macht in jeder katholischen Kirche, dazu die Leidensvergötterung, womöglich hätte ich mich spätestens in Rom seinen Praktiken nach und nach angeschlossen, hätte die lateinische Messe besucht und wäre mit Pausen in den Singsang eingefallen, wenngleich anfangs mehr aus ästhetischen Gründen, vielleicht auch aus Faszination für die beispiellose Kontinuität einer Institution, die aus Gottes Angehörigen eine Gemeinschaft bildet.“

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94 Kommentare

  1.   Miriam

    @Gelincek

    flegelhaft? arrogant? Rotze? Heftig.

    Leseempfehlung
    Spiegel-Essay von Rafael Seligmann
    Das Fremde bei uns – Religionen müssen intolerant sein
    22/2009 S. 148f.

  2.   Yasmin

    „@ Gelincek
    Sie schmeißen mit ziemlich beleidigenden Worten um sich, ohne diese Behauptungen jemals zu belegen. An welcher Stelle sind Kermanis Äußerungen „Rotze“? Wo hat er sich „flegelhaft“ und „arrogant“ benommen?

    Irgendwie liest man selbst aus christlichen Kreisen völlig andere Einschätzungen über ihn:
    Elmar Salmann, Prof. für Philosophie und Theologie http://www.ksta.de/html/artikel/1238966946088.shtml
    – über Kermani: einer jener, die „mit wacher und verwundbarer Empfindsamkeit der Schönheit wie dem Schrecken der Religion“ nachspürt, „einfühlsam“, „plastisch“, „lebensnah“, „ehrfürchtig“, „weder brüsk scheidend noch leichthin vermischend“, „wundersame Empathie sowie ein Sinn für die Trennschärfe und Fremdheit zwischen der Lebenswelt und dem Religiösen“
    – über Kermanis Text zur Kreuzesdarstellung von Reni: „Sicher, er kommt von weither zu diesem Kreuz, das für ihn ärgerlich und unerträglich ist – wie es der Apostel Paulus von den Juden und Heiden vermerkt oder etwa Goethe für sich selbst. Und welcher liberale Christ von heute empfindet das denn nicht so? … Ein großes Stück Literatur! Mehr noch: ein Zeugnis der Begegnung religiöser Sensibilitäten und menschlichen Taktgefühls. … eine Überwindung der Ferne zwischen den Religionen“

    Karl-Josef Kuschel, Prof. für Theologie in Tübingen:
    http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/1756633_Gastbeitrag-zum-Hessischen-Kulturpreis-Warum-knickt-man-ein.html
    – über Kermani: „Kleine Texte, persönlich getönt, literarisch geschliffen, intellektuell wach. So kennt man ihn.“
    – über seinen Text: „Kann man von einem Schriftsteller mehr an Dramaturgie erwarten als diesen Text: erst die Empörung, dann die Empathie? Wer auch nur einig wenig von literarischen Strategien versteht, weiß beides zu würdigen.“ „Nichts gegen Protest zur Verteidigung seines eigenen Glaubens, wenn er herabgesetzt wird. Nur: Navid Kermani ist dafür der denkbar ungeeignetste Mann.“

    Friedrich Wilhelm Graf, lehrt Systematische Theologie in München
    http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E7C8B3F3127924082943CFBF3B8600A1A~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    – über Kermani: „einfühlsam“, „verständnisbereit“, „behutsam Tastender“, „Mit ihm zu reden und zu streiten macht großen Spaß. Als Stipendiat der Villa Massimo hat dieser ebenso gebildete wie fromme Autor nun neugierig die barocke Glaubenskunst des päpstlichen Rom erkundet, bisweilen begleitet von katholischen Freunden.“, „Kermani macht in seinen Erfahrungsberichten aus dem katholischen Rom all jene innerchristlichen Konfliktlinien neu sichtbar, die man in ökumenischer Konsensschummelei verdrängt.“
    – über seine(n) Text(e): „Wer Kermanis Glaubensessays kennt, kann die von Lehmann und Steinacker erhobenen Vorwürfe nur für gegenstandslos erklären.“ „Er schreibt nichts, was nicht auch viele christliche Denker seit Hunderten von Jahren gesagt haben…In den Bilderstürmen der Reformation zerstörten protestantische Gotteswortgläubige Tausende von Christusbildern und Kruzifixen, weil sie in ihnen gotteslästerliche Idolatrie sahen. Kierkegaard, Dostojewski und Tolstoi haben über die amtskirchlich autoritäre Verfälschung des Christusglaubens ungleich härter geurteilt als Kermani, der Benedikt XVI. viel freundlicher würdigt als die große Mehrheit der deutschen Katholiken.“ „Ich hatte Kermanis Artikel an Theologiestudierende verteilt. Weil ich sie antichristliche Intoleranz lehren will? Nein, weil seine Texte wunderschöne Beispiele für jene Fortschreibung des Glaubens sind, die Religionsforscher Hybridisierung nennen, Übernahme von Symbolen der einen Religion in die Sinnbilder einer anderen, bezeichnen.“ „Vom genuin christologischen Sinn der Rede vom Tode Gottes hat Kermani mehr erfasst als ein Mainzer Bischof, der, ich kann es nicht für wahr halten, am Karfreitag „das Kreuz verehrt“. Ich dachte bisher, dass für Christen nicht „das Kreuz“, sondern der gekreuzigte Jesus lebenswichtig ist. Die Erinnerung an seine Passion diente Christen immer auch dazu, ihre eigene Sterblichkeit zu reflektieren.“

    Gelincek, würden Sie bitte Ihre niedermachenden Kommentare Kermani betreffend näher erläutern ? Anderenfalls wirken Ihre Beiträge, als würden Sie reflexartig und krampfhaft das Christentum gegen einen Feind verteidigen, der gar keiner ist.

  3.   dacapo

    Navid Kermani ist schon auf dem richtigen Weg: Allerdings wurde dies schon oft genug von Atheisten dargestellt und, das ist nicht unwichtig für ihn, von sehr vielen kritischen Christen. Dies schon seit ca. 400 Jahren. Aber das so nebenbei, sein Weg ist gut, müsste aber logischerweise auch den Islam versuchen aus einer „neutralen“ Position zu beschreiben. Dabei sollte er die Zeitverschiebung berücksichtigen, denn unberücksichtigt des Unterschieds zwischen Mondjahren und des heutigen Jahreskalenders, sind das 580 Jahre. Er sollte sich bei seinen Beurteilungen in die Zeitmaschine „setzen“ und bei Erreichen des Jahres 2010 islamischer Zeitrechnung sich ein paar Fragen stellen:
    Wie kann das angehen, dass der Allmächtige den Koran in arabischer Sprache offenbart hatte, wo er doch so viele Sprachen seinen vielen Völkern gegeben hatte?
    Wie konnte der Allmächtige die Fastenzeiten zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang legen? Wenn Herr Kermani nämlich in Schweden sommertags den Ramadan zubringen dürfte, ein Urlaub im skandinavischen Sommer ist etwas herrliches, dann müsste er feststellen, dass es einen Tag gäbe, wo er nicht die Möglichkeit hätte, das Fasten zu brechen. An vielen anderen Tagen bliebe ihm kaum Zeit, denn er muss ja auch noch fast hintereinander das letzte Abendgebet und das Morgengebet verrichten.
    Er müsste sich auch fragen, wie es zu den Gebetszeiten gekommen ist, die so garnicht in die nordischen Tagesabläufe nordischer Landstriche passen. Beim Nachdenken käöme er schnell dahinter, dass diese Gebetszeiten zu den damaligen Tagesabläufen einer Wüstengesellschaft passten.
    Es gibt noch viele Beispiele, die so eigentlich garnicht in „unseren“ Alltag passen.
    Er müsste zu dem Schluss kommen, dass das mit allen Religionen so eine Sache ist. Als Atheist kann ich seine Beobachtungen in Rom akzeptiern, Herrn Kermanis Beobachtungen als frommen Muslim könnte ich nicht so ohne weiteres akzeptieren. Das würde ich ihm aus heutiger Sicht auch garnicht zumuten. Aber offensichtlich liege ich falsch.

 

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