‹ Alle Einträge

„Neidisch auf das Christentum“

 

Navid Kermani kürzlich in der NZZ über eine Marien-Ikone, die er in Rom sah:

„In Rom wurde ich ohnehin neidisch auf das Christentum, neidisch selbst auf einen Papst, der auch solche Sätze sagt, und wenn ich den Gedanken der Inkarnation in nur einem einzigen Menschen nicht für grundverkehrt hielte und speziell die katholische Vorstellungswelt mir nicht so heidnisch vorkäme, mich die Ordnung nicht abstiesse, die alle und eben auch die menschlichen Verhältnisse hierarchisiert, die Demonstration von Macht in jeder katholischen Kirche, dazu die Leidensvergötterung, womöglich hätte ich mich spätestens in Rom seinen Praktiken nach und nach angeschlossen, hätte die lateinische Messe besucht und wäre mit Pausen in den Singsang eingefallen, wenngleich anfangs mehr aus ästhetischen Gründen, vielleicht auch aus Faszination für die beispiellose Kontinuität einer Institution, die aus Gottes Angehörigen eine Gemeinschaft bildet.“

Mehr lesen.

94 Kommentare

  1.   Joachim_S

    @ Rafael

    „An Kermanis Denkweise stößt mich so sehr ab, dass er ganz explizit an den griechisch-heidnischen, chrislichen und atheistischen Errungenschaften der Zivilisation parasitiert, ohne (sich?) auch nur im Geringsten einzugestehen, was diese Zivilisationen für ihn geleistet haben“

    Offensichtlich haben sie ihn nicht gelesen.

    „Es fehlt der Respekt“

    Schon wieder: quod licet Jovi non licet bovi. Merken Sie nicht, dass sie die selben „Argumente“ benutzen wie die orientalischen Haudraufs?

  2.   Rafael

    Jetzt noch mal für Joachim S in Prosa.

    Ich fordere nicht Respekt, ich vermisse ihn. Meine ganz persönlche weinerliche Lamentierung.

    Orientalische Haudraufs haben sich meines Wissens nicht gegen Preisverleihungen für religiösen Dialog ausgesprochen, indem sie Fahnen verbrannt und Schulmädchen geehrentötet haben.

    Mehr sag ich dazu nicht. Nicht zu Ihnen. Wer wie ein Ochse kommentiert bekommt keine Antworten, die eines Jupiters würdig wären.

    Noch was: Es stimmt. Ich habe mir den üblen Schwulst von Kermani nicht bis zum Ende angetan. Machen Sie es kurz und schmerzlos für mich: Wo ist die Stelle, an der er sich respektvoll über der Gesellschaft äußert, in der er kulturell parasitiert?

  3.   PBUH

    @Joachim_S

    Man muss Kermani nichtmal kennen, allein seine Fürsprecher und Förderer sagen schon alles über den Mann aus.

    Lehmann ist aber kein Pseudointellektueller, der kennt noch den Unterschied zwischen einer Umarmung und Schlägen ins Gesicht.

    http://www.zeit.de/online/2009/22/deutschlands-neue-eliten

  4.   Rafael

    Die orientalischen Haudraufs benutzen in böser Absicht geschickt unsere Argumentationsweise, nicht umgekehrt.

  5.   Joachim_S

    @ Rafael

    „…in der er kulturell parasitiert?“

    sic!

  6.   Joachim_S

    @ PBUH

    „Man muss Kermani nichtmal kennen, allein seine Fürsprecher und Förderer sagen schon alles über den Mann aus.“

    Au weia. Damit haben Sie sich tief ins eigene Fleisch geschitten.

  7.   PBUH

    @Joachim_S

    Mein unschlagbarer Vorteil, lieber Joachim, ich habe hier nie vorgegeben ein Intellektueller zu sein.

  8.   Joachim_S

    Übrigens, PBUH, danke für den Link!

    Auszüge:

    Viel öfter als unter ethnisch Deutschen sind es unter den Türken nicht die Kinder von Eltern mit Abitur und Studium, die in die Hörsäle drängen, sondern die von Putzfrauen und Arbeitern: In Nordrhein-Westfalen hatte schon in den 90er Jahren die Hälfte der türkischen Studierenden Eltern, die lediglich die Grundschule besucht haben. Und während 14 Prozent der deutschen Unterschichtskinder erklären, sie wollten das Abitur machen, sind es bei den Migrantenkindern derselben Schicht fast doppelt so viele, 27 Prozent.

    Diese Zahlen sind ebenso real wie die zu Schulversagen, Zwangsehen, Armut und den Sprachproblemen von Migranten, um die der herrschende Integrationsdiskurs seit Jahren kreist. Nicht zu Unrecht, aber allzu ausschließlich.

    Navid Kermani hat in eigener Sache soeben die Gretchenfrage gestellt, wie es dieses Land mit der Religion hält: Dass Ministerpräsident Koch ihn, Kermani, von der Preisträgerliste gestrichen habe, kaum dass der Brief des Kardinals eingegangen war, offenbare ein „problematisches Verhältnis von Staat und Kirche“, das zu einem säkularen Gesellschaftsmodell nicht passe.

    „Die Eingesessenen dürfen von den Neuankömmlingen nur das verlangen, was zu leisten sie selbst bereit sind.“ Recht hat er [der Niederländer Paul Scheffer], und die Rolle von Religion und Staat in Europa ist da nicht einmal das wichtigste Thema. Es ist nur das Gebiet, auf dem Europas doppelte Standards besonders augenfällig werden. Nach einer ehrlichen Debatte über diese doppelten Standards könnten die Bewohner des Glashauses nicht mehr so gedankenlos Steine werfen, mal Richtung Islam, mal gegen arabische Frauenunterdrücker oder türkische Schwulenhasser. Damit wäre für eine künftige politische Kultur des alten Kontinents viel gewonnen. Denn die ist schon und wird mehr und mehr eine multikulturelle sein.

  9.   Joachim_S

    übrigens: in der Print-Ausgabe des neuesten „Spiegel“ hat Rafael Seligmann unter der Übschrift „Das Fremde bei uns – Religionen müssen intolerant sein“ einen klugen Aufsatz zur Affäre um Kermani verfasst.

  10.   Joachim_S

    @ PBUH

    „Mein unschlagbarer Vorteil, lieber Joachim, ich habe hier nie vorgegeben ein Intellektueller zu sein.“

    Wer Dummheit als ehrenhaft ansieht, hat es nicht anders verdient, denn als Rindvieh bezeichnet zu werden.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren