‹ Alle Einträge

Where is my vote?

 

Die Frage aller Fragen im Iran. Mit diesem Logo liefen viele heute auf den Demos herum. Manche riefen auch: „Ahmadi, wo sind Deine 24 Millionen?“ Angesichts der Masse von Menschen auf den Strassen – nicht nur in Teheran, auch in den anderen Zentren der Islamischen Republik wie Kerman, Schiraz, Maschhad – eine schlagende Formel.

Die Islamische Republik ist zwar ein tyrannisches Regime. Aber weil sie aus einer breit getragenen Revolution hervorgegangen ist, die immer noch die Legtimationsgrundlage darstellt, darf sie das Volk nicht verlieren. Das unterscheidet Iran von unfreien Gesellschaften der Region wie Ägypten oder Syrien, in denen solche Szenen, wie wir sie dieser Tage sehen, undenkbar wären.

Auch heute Nacht wieder waren die Allahu akbar Rufe zu hören über den Dächern. Für die Regierenden muss das schauerlich klingen – denn mit diesen Rufen hatte auch Chomeinis Revolution gegen den Schah begonnen.

Für morgen ist zu einem Generalstreik aufgerufen.

p.s. Hilfreiche Websites: Andrew Sullivans Blog (in Weltmeisterform!) und Tehranbureau.

14 Kommentare

  1.   Black

    aus dem österr. STANDARD:

    Die Wahrheit hinter der islamischen Fassade
    Noch nie hat man sich in der Islamischen Republik Iran so über den Anteil von gebildeten Frauen in einer Branche geschämt: Laut den Ergebnissen einer Studie haben mehr als 90 Prozent der Prostituierten Teherans die Matura, mehr als 30 Prozent besitzen einen Hochschulabschluss oder studieren. Die Untersuchung wurde von der Teheraner Polizei und dem Gesundheitsministerium in Auftrag gegeben – und als Anfang Jänner die Ergebnisse vorlagen, traute sich keine Zeitung, sie auch nur ansatzweise zu veröffentlichen.

    Die Teheraner Sexarbeiterinnen behaupten laut der Studie zu 80 Prozent, dass sie freiwillig und vorübergehend diesem Beruf nachgehen: Die Gebildeten warten auf bessere Stellen, jene mit Matura wollen später studieren, die bereits Immatrikulierten nennen die hohen Universitätsgebühren als Grund. Mehr als 30 Prozent betonten, dass sie ihre Freier sorgfältig auswählen und nur reiche oder gebildete Männer für sie infrage kämen. Sie sind mit ihrer Tätigkeit zufrieden – und die meisten betrachten sie nicht als eine Sünde nach den Gesetzen des Islam. Akademiker und Verheiratete stellen 60 Prozent ihrer Kunden.

    Diese Studie ist nicht das einzige unangenehme Geschenk zum 30. Jahrestag der Islamischen Revolution, dessen Feierlichkeiten bereits begonnen haben. Eine zweite Untersuchung, die sich den Jugendlichen widmet, stellt die Behörden vor noch mehr Probleme. Sie wurde vom Erziehungsministerium in Auftrag gegeben – ein Teil der Ergebnisse wurde veröffentlicht, ein anderer Teil unterdrückt.

    Bekanntgemacht wurde, dass weniger als ein Drittel der Jugendlichen zwischen 15 und 29 Jahren in Teheran mit ihrer Lage zufrieden sind. 62,5 Prozent klagen über Arbeitslosigkeit, die gesellschaftliche Ordnung und Geldmangel. Sie leiden an Mangel an Zukunftsperspektiven. Nur 31,6 Prozent finden die alten Gesellschaftsnormen akzeptabel, 35,8 Prozent wollen lieber ins Ausland.

    Der Anteil der Unzufriedenen ist bei Männern und Frauen etwa gleich. Die Bildungsunterschiede zwischen Frauen und Männern ändern sich Jahr für Jahr zugunsten der Frauen. Nach neuesten Berichten des Wissenschaftsministeriums steigt inzwischen der Anteil der Frauen an allen Universitäten enorm und beträgt zurzeit 65 Prozent. Und er wird weiter wachsen – denn wer aufgenommen wird, entscheidet eine Prüfung -, falls nicht, wie beabsichtigt, eine beschränkende 40-Prozent-Quote für Frauen eingeführt wird.

    Am unangenehmsten für den Staat sind die Zahlen über drogensüchtige Jugendliche im Iran – sie werden geheimgehalten. Demnach haben 30 Prozent der Schüler und Schülerinnen mindestens einmal Drogen probiert, mehr als zehn Prozent sind abhängig. Als eine liberale Zeitung diese Zahlen andeutete, kam zwar ein entschiedenes Dementi vom Erziehungsministerium. Aber sicher ist, dass die Regierung das Problem nicht in den Griff kriegt.

    Bei Jugendlichen sind synthetische Drogen stark im Kommen. Wenn die Sonne in Teheran untergeht, wird gefeiert – und nicht etwa der 30. Jahrestag der Revolution, für den die jungen Leute oft nur Spott und Hohn übrig haben. Besonders im Norden Teherans treiben Jugendliche bei abendlichen Partys ihr Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei, die nur bis kurz vor Mitternacht auf den Straßen präsent ist. Ab Mitternacht gehören den wilden Jungen die breiten Straßen. Vergangene Woche hat die Polizei vergeblich versucht, einen Jugendlichen, der mit 230 Stundenkilometern auf der Stadtautobahn unterwegs war, anzuhalten. Der letzte Rekord lag bei 213, aufgestellt von einer 18-Jährigen. Um keine neuen Rekorde zu provozieren, wurde der Polizei nun untersagt, Fotos der Autoraser in Zeitungen zu veröffentlichen. Auf Handys werden sie aber verschickt. (guha, DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2009)

  2.   J.S.

    Die Mullahs manipulieren die Wahl in aller Öffentlichkeit durch Vorauswahl der Kandidaten und Unterdrückung der Informationsfreiheit. Aber beschweren tun sich die Leute wegen einer möglicherweise unkorrekten Auszählung.

    Der Iran ist eben doch erheblich anders.

  3.   Joachim S.

    @ J.S.

    „Der Iran ist eben doch erheblich anders.“

    Keineswegs. Darf ich nochmals an die gefälschten Kommunalwahlen in der DDR im Mai 1989 erinnern?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wende_(DDR)#Sommer_1989_.E2.80.93_Wahlbetrug_und_zunehmender_Ausreisestrom

  4.   FreeSpeech

    Ich kann mir nicht helfen – wenn die Leute derart furchtlos auf die Strasse gehen, dann sind sich sehr viele Leute einig., sehr viele.

    Ein tatsächliches Stimmenverhältnis 4:1 oder 5:1 für Mussavi:Ahmadineshad wäre da nicht überraschend.

  5.   ali

    es geht nicht um ahmadinegad oder musawi.
    der islam muss in die moschee zurück.
    am besten ganz weg

  6.   Amir

    Ich moechte daran erinnern, dass es hier nicht mehr um den Wahlbertug geht. Die Iranische Regierung hat die rote Linie ueberschritten.

    Es sind viele Menschen in den letzten Tagen durch die Polizei und Basij Kraefte ermordet, ja auf der Strasse hingerichtet worden.

    Viel mehr geht es den Demontstranten darum die Verantwortlichen zu bestrafen. Dabei geht es hauptsaechlich um Ayatollah Khamenei, der als oberster Fuehrer die macht konzentriert in seiner Hand haelt.

    Ahmadi Nejad hat in seiner Siegesrede alle demokratishe regierungen in der Welt angegrifen und klar erklaert, dass seine Regierung die demokratie ablehnt.

    Diese Buergerbewegung ist nach 30 Jahren Unterdruckung im namen Islam der Anfang einer demokratishen Zukunft im Iran.

    Daher bitten wir alle Demokraten und Meschenrechtler in der Welt um unterstuetzung.

  7.   Joachim S.

    @ Amir

    Meine haben Sie.

  8.   Amir

    merci

    Da alle Journalisten inklusive auslaendische Reporter sich im Iran unter Hausarest befinden, ist die Berichterstattung nur noch auf Bilder basiert, die per Handy gesendet werden. Ich moechte alle bitten sich die amateur Bilder, die in BCC/persia veroeffentlich wurden, mal anzuschauen.

    Ich denke Bilder sagen alles und dabei spreche ich nicht von den gefaelschten (photoshopten) propaganda Bilder, die durch die Regierung veroeffentlicht sind.

    Es ist nur wirklich Schade, dass das Erreichen der Demokratie jedesmal so viele opfer fordert.

  9.   docaffi

    @Amir

    Meine Untersützung haben Sie auch. Diese Diktatur muss verschwinden. Die Iraner haben dieses Elend nicht verdient. Das Regime um Ahmadinejad hat sich aber so an die Macht festgebissen, dass es wahrscheinlich ohne Blutvergiessen nicht verschwinden wird.
    Es ist aber auch mittlerweile schwer ersehbar wie die Machtverteilung innerhalb des Regimes ist. Ich bekomme immer mehr das Gefühl, dass Ahmadinejad mittlerweile mehr das Sagen hat als Khamenei. Er entwickelt sich zu einem Diktator, wie es im Lehrbuch steht.

  10.   docaffi

    @Amir

    Meine Untersützung haben Sie auch. Diese Diktatur muss verschwinden. Die Iraner haben dieses Elend nicht verdient. Das Regime um Ahmadinejad hat sich aber so an die Macht festgebissen, dass es wahrscheinlich ohne Blutvergiessen nicht verschwinden wird.
    Es ist aber auch mittlerweile schwer ersehbar wie die Machtverteilung innerhalb des Regimes ist. Ich bekomme immer mehr das Gefühl, dass Ahmadinejad mittlerweile mehr das Sagen hat als Khamenei. Er entwickelt sich zu einem Diktator, wie es im Lehrbuch steht.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren