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Scharia im Sudan: Stockschläge fürs Hosentragen?

 

Eine sudanesische Frau, die für die UN-Mission in Khartum gearbeitet hat, ist ebendort wegen „Verletzung des islamischen Dresscodes“ angeklagt worden. Ihr drohen vierzig Hiebe als Strafe. Das Verbrechen: Frau Hussein hatte eine Hose getragen.

Die New York Times berichtet, dass heute etwa 50 Frauen in Khartum vor dem Gericht demonstriert haben, teilweise selbst mit Hosen bekleidet, um gegen den Prozeß zu demonstrieren. Sie wurden von der Polizei mit Gewalt vertrieben. Sogar Tränengas wurde gegen die Frauen eingesetzt.

Diese Frauen sind bewundernswert. Ebenso der Mut der Angeklagten, die sich selber entschieden hat, es auf den Prozeß ankommen zu lassen. Sie war am 3. Juli zusammen mit 12 anderen Frauen in einem Café verhaftet worden. Zehn der Frauen wurden wegen Störung der „öffentlichen Ordnung“ von der Polizei ausgepeitscht und mit dem horrenden Bußgeld von umgerechnet 120 Dollar belegt.

Hussein aber machte ihren Fall öffentlich und ließ es auf einen Prozeß ankommen, um die barbarische Auslegung des islamischen Rechts anzuprangern, die das Regime des Völkermörders Al-Bashir (Darfur!) zugrundelegt. Sie hat freiwillig auf ihre diplomatisch Immunität als UN-Mitarbeiterin verzichtet, um diesen Prozeß zu bekommen.

Der UN-Generalsekretär hat bereits seiner „tiefen Sorge“ Ausdruck gegeben. Es ist zu hoffen, dass andere Regierungen ihre Möglichkeiten nutzen, damit Frau Hussein nicht alleine da steht.

p.s. Hier gibt es Video von der Demo.

35 Kommentare

  1.   Zagreus

    Hab den NY-Bericht noch dazu gelesen.
    Was soll man den dazu sagen schon – ist halt Religion & Staat – und war schon immer so bzw. exakter: sowas auf der Ebene kam schon des öfteren heraus bei diversen Religionen, wenn eine Gesellschaft/Gruppe von Menschen versucht besonders wahrhaftig ihre orthodoxen Glaubensvorstellungen zu leben.
    Es sei dabei an das Genf ‚unter‘ Calvin erinnert, das Florenz ‚unter‘ Savonarola oder die Puritaner in England zur nach Cromwell.
    Und ob das nun aus den heiligen Texten zu rechtfertigen sei oder nicht (‚unislamisch‘) ist wirklich wumpe – es ist erstens zu rechtfertigen, indem einfach ein entsprechender ‚Gelehrter‘ auf eine Stelle verweist und dies daraus heraus entwickelt, und zudem haben wir immer wieder auch Anschauungen/Ideen, die vielleicht so gar nichts auf den ersten Blick mit der lehre der jeweiligen ‚heiligen Texte‘ zu tun haben, aber die trotzdem als genuin ‚religiös‘ entwickelt und tradiert werden – es sei hier einfach an das Fegefeuer, den Kirchenschatz und den Ablass erinnert, die bis heute gültige allgemeinvertreitete Katholische und auch – beim Fegefeuer – teilweise evangelische Glaubensauffassungen sind.
    Es kommt nicht nur darauf an, was explizit in einem ‚heiligen Text‘ steht, sondern auch, was Menschen als Bestandteil ihres Glaubens eben für verbindlich erachten.

  2.   Joachim S.

    Irre – wenn man z.B. bedenkt, dass auf dem indischen Subkontinent gerade das Tragen von Hosen bzw. Shalwars als „islamisch“ gilt – im Gegensatz zu Saris, die typisch „hindu“ sind.

  3.   Samuel

    Andere Länder, andere Sitten. Bei uns im Westen werden Frauen belangt, wenn sie tittenfrei rumlaufen. Wo ist der Unterschied?

  4.   Zagreus

    3 @ Samuel
    Andere Länder, andere Sitten. Bei uns im Westen werden Frauen belangt, wenn sie tittenfrei rumlaufen. Wo ist der Unterschied?

    Es stimmt schon, bei uns werden Dinge als unanständig angesehen, die in anderen Ländern bzw. Kulturen völlig unproblematisch sind. Man denke da wirklich an Barbusigkeit oder sowas wie diese Penisverlängerung aus dem Hochland von Papua Neuguinea.
    Sind sie also der meinung, dass, wenn eine Gesellschaft einen Verstoß gegen den üblichen Dressscode als z. b. Beleidigung oder Unanständig ampfindet, diese auch das recht hat, dies in ihrem land zu verbieten und bei verstoß auch entsprechend zu ahnten, zu bestrafen?
    Also, dass im Sudan zumindest im falle hier nichts falsch lief, sondern im grunde die Frauen zu recht bestraft bestraft udn ermahnt wurden udn die UN-Frau hier unrecht tut?

  5.   Samuel

    @ Zagreus
    Nein, das war kulturrelativistische, antirassistische Ironie.

    „Sind sie also der meinung, dass,“

    Nein, ich bin der Meinung, die Moslem sollten sich einen hinter die Binde gießen, kiffen und ordentlich vögeln und uns endlich mit den Peinlichkeiten ihrer Religion in Ruhe lassen.

  6.   Miriam

    In Malaysien gibt es auch Peitschenhiebe fürs Biertrinken:

    KUALA LUMPUR- A MALAYSIAN woman sentenced to flogging for drinking beer has accepted the Islamic court’s order, saying she wants the punishment to be carried out soon, news reports said on Thursday.
    Kartika Sari Dewi Shukarno wants authorities to carry out the penalty quickly so that she can resume her life with her husband and two children.
    (..)
    Caning is usually reserved for men in various crimes ranging from rape to bribery. But several Islamic lawyers have insisted that the penalty for Kartika is fair, saying she will be whipped with a thin rattan cane that does not cause severe pain.

    http://www.straitstimes.com/Breaking%2BNews/SE%2BAsia/Story/STIStory_407021.html

    Nicht umsonst nennt Malaysia Tourism ihre Website:
    http://www.fascinatingmalaysia.com/

  7.   Sebastian Ryll

    @3.

    Quark Samuel, schau dir Photos von ner x-beliebigen Prideparade dieses Jahr an, blanke Frauenbrust ist wirklich IN.
    Oder geh einfach an den Strand.

    @Topic

    “ um die barbarische Auslegung des islamischen Rechts anzuprangern“

    Wirklich ziemlich barbarisch, dass die Frau nicht angehalten war, Burka zu tragen um vor den Sittenterror geschützt zu sein.

  8.   Sebastian Ryll

    *vor deM…

  9.   Zagreus

    5 @ samuel

    alles klar, sorry (bis aufs ordentlich vögeln – dad tun die dich, sogar sehr ausgiebig, wie die kinerzahlen zeigen [scheint sowieso unter fundamentalistisch/orthodoxen gläubigen weit verbreitet zu sein – und aus der fehlenden Pille allein nicht erklärbar – ob es was mit triebstau zu tun hat?])


  10. […] wird wird darüber berichtet, dass eine sudanesische UN-Mitarbeiterin, für Hosentragens mit einer Auspeitschung bestraft werden […]

 

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