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Iran: Protest geht weiter

 

Diese Aufnahmen stammen aus der Stadt Kermanshah und zeigen Proteste am 40. Tag nach dem Tod von Kianoosh Asa, einem jungen Unterstützer der Opposition, der während der Unruhen nach den Wahlen erschossen wurde. Die Aufnahmen sind nach der Auskunft des Bloggers Mehdi Saharkhiz am Donnerstag entstanden.

Und offenbar hat Mehdi Saharkhiz bei all den deprimierenden Nachrichten aus seinem Land nicht den Humor verloren. Hier ist seine „Beichte“:

0 Kommentare

  1.   Christoph Leusch

    Schön, Herr Lau, Sie wieder am Schreibtisch und vor den Monitoren die mittlerweile die Welt bedeuten, sitzend, vielleicht auch hin und her laufend zu wissen. Ich hoffe Sie hatten die notwendige und verdiente Erholung und ihre Angehörigen hatten etwas von Ihnen.

    Gut, dass Sie mit den „Schiffsmeldungen“ aus dem Iran nicht nachlassen. Da ist, seit der manipulierten Wahl nichts mehr so wie vorher, und wir blicken erstaunt und ein wenig sogar mit Eifersucht, auf eine Opposition die sich nicht klein kriegen lässt und so vielfältig, kreativ und entschieden auftritt, wie einst Oppositionen bei uns.

    Selbst die geistlichen Führer des Landes geraten in Streit miteinander, weil sich zwar Wahlergebnisse fälschen lassen und die Macht der Gewalt eine Zeit lang Mächtige sichert, aber auch muslimische Geistliche wissen, dass Mohammeds Koran sich nur dann als einer der wahrhaftigen monotheistischen Ringe erweist, wenn er den unglaublich vielen jungen Menschen im Iran ein lebbares, ein schönes, ein vielfältiges Leben bieten kann.

    Hoffnungslosigkeit und fehlende Zukunftsaussichten untergraben jedes System und entbinden sogar bisher loyale Verwalter und die Profiteure des Systems, die dann nur noch nach ihrem eigenen Vorteil suchen.
    Ich bin fest davon überzeugt, im Iran bahnt sich eine durchgreifende Änderung an und wir werden Beobachter sein können, wie Muslime mit Mut und Intelligenz ihren Staat zum Wohle Aller ändern.

    Grüße
    Christoph Leusch

  2.   marriex

    Sieh an, sieh an.

    Da hat einer seinen Lessing gelesen.

  3.   tati

    @Christoph Leusch

    dass Mohammeds Koran sich nur dann als einer der wahrhaftigen monotheistischen Ringe erweist, wenn er den unglaublich vielen jungen Menschen im Iran ein lebbares, ein schönes, ein vielfältiges Leben bieten kann.

    Was die Vielfalt der Lebensentwürfe betrifft: da ist der Koran denkbar ungeeignet.

    Ich bin fest davon überzeugt, im Iran bahnt sich eine durchgreifende Änderung an und wir werden Beobachter sein können, wie Muslime mit Mut und Intelligenz ihren Staat zum Wohle Aller ändern.

    Ersetzen Sie besser das Wort Muslime durch das Wort Menschen – sonst wird es nichts mit dem Wohle ALLER.
    Der Schlüssel für jede positive Veränderung im Hinblick auf die Menschenrechte ist die Gleichstellung (nicht zu verwechseln mit Gleichmachung) von Frau und Mann.
    Diesbezüglich haben die Muslime noch gewaltigen Nachholbedarf – nicht nur im Iran….

  4.   docaffi

    @Leusch

    Sie sagen es. Das Land und insbes. die Bereitschaft der Menschen zum Protest hat sich tatsächlich innerhalb von wenigen Monaten völlig geändert. Man redet plötzlich über viele Sachen, die über Jahre „Tabu“ waren. Die Menschen kommunizieren und tauschen ihre Erfahrungen aus. Das Regime hat das Volk völlig unterschätzt und steht zurzeit geschwächt wie noch nie da. Und mit jedem politischem Opfer werden die Proteste zunehmen.
    Ich habe ebenso eine große Hoffnung.

  5.   J.S.

    Das entscheidet sich alles auch im Irak!

    „Bei einem Selbstmordattentat auf eine schiitische Moschee in der nordirakischen Stadt Mossul sind 38 Gläubige und Passanten ums Leben gekommen“

    Leider ein weiterer Anschlag, der den iranischen Mullahs eine Ausrede zur Intervention im Irak geben könnte.

    Und falls die Mullahs es schaffen die irakischen Schiiten-Gebiete „anzuschliessen“ würde das ein Riesenerfolg in den Augen der meisten Iraner sein.

    http://www.zeit.de/irak-anschlag-moschee

    Hinzu kommt das demnächst mit Erfolgen der Mullahs beim Atomprogramm zu rechnen ist, was die meisten Iraner ebenfalls als Erfolg der Mullahs werten könnten.

    Jetzt könnte also die für lange Zeit letzte Gelegenheit der demokratischen Kräfte im Iran sein etwas zu verändern. Die Zeit spielt wohl eher den Mullahs in die Hände.

  6.   J.S.

    Obama will die Kampftruppen bis Ende 2010 abziehen. Wenn es bis dahin keine funktionierende irakische Armee gibt, hätten die iranischen Mullahs leichtes Spiel.

    Bei der irakischen Armee besteht immer noch die Wahrscheinlichkeit das sie in Schiiten, Sunniten und Kurden zerfällt. Obamas schneller Rückzug könnte also unabsehbare Folgen haben.

  7.   J.S.

    „Die Französin Clotilde Reiss ist am 1. Juli am Flughafen Teherans verhaftet worden, sie ist im Evin Gefängnis inhaftiert. Reiss hatte fünf Monate lang als Sprachlehrerin in Isfahan gearbeitet. Die Anklage wirft ihr Spionage vor.“

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,641240,00.html

  8.   Christoph Leusch

    ad Kommentar von J.S. | 08.08.2009 | 10:58

    Stimmt, die Iraker könnten untereinander sehr bösartig werden.Wir kennen das ja aus der jüngeren Geschichte vor unserer Nase, aus dem ehemaligen Jugoslawien und da gab es kein Öl!

    Aber die Iraner sind die Letzten, die trotz martialischen Gebarens dadurch auffielen in andere Länder einzufallen.
    Vor diesen Dingen hat übrigens, bei aller Härte, auch immer der verstorbene Revolutionsführer Chomeini gewarnt.

    Bei uns wurden ja in den letzten Jahren häufig Vergleiche der iranischen Staatsführung mit der Hitlerei populär. Ich halte das für einen ganz großer Denkfehler oder aber für ein Kalkül, einen absoluten Bösewicht erst zu konstruieren. Ich glaube, vielen Geistlichen in der Elite Irans sind die Gewalttätigkeiten und Exzesse der Regierung gegen das Volk kaum erträglich, denn das war nicht das Ziel der iranischen islamischen Revolution.

    Diese Leute hatten ja verinnerlicht, dass der schiitische Islam quasi aus einer inneren und glaubensmäßigen Evidenz heraus
    das Gute für die Menschen bewirkt. Sie erleben aber, dass der Machterhalt zur Gewalt gegen das eigene Volk zwingt und Profiteure das System ausnutzen. Einige tun das, weil sie im mörderischen Krieg gegen mit dem Irak als Überlebende
    elitäre Sonderrechte für sich beanspruchen und eine natürliche Vormacht als angemessene Belohnung ansehen, andere, weil sie den Kern der islamischen Revolution letztlich verachten und daraus nur eine Begründung ableiten, sich selbst zu bereichern.

    Das Ende eines Regimes naht, wenn selbst die treuen Diener in Zweifel geraten. Genau das können wir im Iran beobachten.

    Grüße
    Christoph Leusch

    Kommentar von tati | 07.08.2009 | 4:42

    Stimmt. Aber, hätten sie muslimischen Menschen, die im Schnitt 20 Jahre jünger sind als wir Europäer, so viel Mut, so viel Weitsicht und Vorsicht zugetraut? Bei uns, aber auch in Frankreich und in Italien, leben viele kommunistische und ehemals kommunistische Überlebende des Schah-Regimes und der ersten Jahre der iranischen Revolution. Die Leute, die es damals nicht außer Landes schafften, die wurden gnadenlos hingerichtet oder lange eingesperrt. Ich weiß nicht, ob diese Iraner, wäre ihnen nach der Abdankung des Schahs die Machtübernahme geglückt, nicht ebenso vorgegangen wären, ihre Gegner massenhaft und rücksichtslos zu liquidieren, vielleicht spricht ja hier im Forum mal jemand dazu, aber die Tatsache dass selbst das strenge Regime heute nicht einfach zu solchen Methoden greifen kann, spricht für Veränderungen.

    Meine Meinung ist, das hat mit der inneren Überzeugung vieler schiitischen Revolutionäre zu tun, die ja die Hoffnung hatten, nicht nur Blutbäder anrichten zu müssen um die Revolution zu erhalten, sondern es eben anders als der Schah machen zu können. Wenn solche Vorstellungen sich als Illusion erweisen, dann nagt der Selbstzweifel an den scheinbar festgefügten Positionen.

    Ich glaube daher, Frau Reiss wird bald frei kommen.

    Grüße
    Christoph Leusch

  9.   J.S.

    @Christoph Leusch

    „Mit dem Schlachtruf „Der Weg nach Jerusalem führt über Bagdad“ trieb Ajatollah Chomeini 100 000 Iraner in seinen „Heiligen Krieg“ gegen den Irak Saddam Husseins.“

    http://www.zeit.de/1982/31/Chomeinis-gehorsame-Kinder

    Oder die Variation mit Kerbela das genau in den besagten Schiitengebieten des Irak liegt.

    “ In der Khomeini-Ära verbreitete sich der Slogan: „Der Weg nach Jerusalem geht über Kerbela“ – über den im Irak gelegenen Begräbnisort des Prophetenenkels Hussein, des dritten Imam.“

    http://www.bpb.de/publikationen/4DMEOK,3,0,Der_Islam_in_der_Weltpolitik.html

    „Aber die Iraner sind die Letzten, die trotz martialischen Gebarens dadurch auffielen in andere Länder einzufallen.“

    Sehe ich nicht so! Hisbollah und vom Iran unterstützte Aufständische im Irak sprechen eine deutlich andere Sprache. Das es sich noch nicht um klassische Einmärsche handelt, liegt wohl eher an den bisher fehlenden militärischen Möglichkeiten.

 

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