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Ist ein schwuler Außenminister ein Problem (in der Türkei zum Beispiel)?

 

Wohl eher nicht, wie gestern die Milliyet berichtete:

„Der homosexuelle Freund und das diplomatische Protokoll. Was passiert, wenn der schwule Minister in die Türkei kommt?“, fragt sich die liberale Tageszeitung angesichts der Tatsache, dass der mögliche zukünftige deutsche Außenminister, Guido Westerwelle, seinen Lebensgefährten zu Staatsbesuchen mitnehmen werde. Ein Zuständiger aus dem türkischen Außenministerium habe dazu folgendes erklärt: „Wir haben noch nie eine derartige Erfahrung gemacht. Wir haben keine vorgefertigten Pläne, wie wir handeln würden. Weltweit gibt es keinen einheitlichen Umgang damit. Wenn Herr Westerwelle mit seinem Lebensgefährten kommt, werden wir einen Mittelweg finden und eine angemessene Behandlung dieses Umstands vornehmen“.

In anderen Worten: Das Protokoll wird stillschweigend so angepaßt, dass dann eben Michael Mronz ins Begleitprogramm des Staatsbesuchs integriert wird.

Es wird also überhaupt kein Problem sein. Westerwelle wird auch kein großes Thema daraus machen, möchte ich wetten. Warum sollte er auch?

Schwulsein ist nicht abendfüllend, wie der göttliche Max Goldt einmal gesagt hat. Es wird also auch keine „schwule Aussenpolitik“ geben, ebenso wie es unter Fischer keine grün-alternative gab. Es gibt nur eine deutsche Aussenpolitik.

Sollte irgendein Land signalisieren, dass es Probleme mit der sexuellen Orientierung des wahrscheinlichen deutschen Aussenministers hat, kann ihm das hierzulande nur nützen: Guido Westerwelle als Opfer von Diskriminierung – er würde endlich als Mensch wahrgenommen werden, nicht mehr nur als neoliberale Terminatormaschine, die sich bloss menschelnd umprogrammieren hat lassen.

Die bloße Tatsache allerdings, dass mit Westerwelle ein geouteter Schwuler unterwegs ist, der kein Aufhebens von seiner Orientierung macht, ohne sie aber zu verstecken, wird in vielen Ländern, besonders in den islamischen (aber auch z. B. in Schwarzafrika), eine kulturrevolutionäre Wirkung haben.

Es hat weltweit noch keinen offen schwulen Vizekanzler gegeben. Mich macht das ein bisschen stolz auf Deutschland, bei aller Skepsis gegenüber der Person. Das wird nolens volens eine stumme Menschenrechtspolitik werden.

(Und ich weiß genau, welche Mitblogger mir das nun wieder als „Obsession“ auslegen werden…)

28 Kommentare

  1.   PBUH

    Selbst Islamos sind flexibel, das zeigt ja der Umgang mit westlichen Politikerinnen.

  2.   Black

    Tansu Çiller war schon 1993 Ministerpräsidentin. Es gibt bedauerliche und erfreuliche Einzelfälle. Auf das Ganze soll man dabei nicht so schnell schließen.

    Für mich ist Schäuble viel „schwuler“ als Westerwelle, wenn man hier Schwulsein wie wohl intendiert als negativ hinstellen will.

  3.   Jörg Lau

    @ Black: Dunkel ist der Worte Sinn…

  4.   Black

    Dunkel ist der Worte Sinn…

    Über so einen Satz ist ein ganzes Buch geschrieben worden.

    „Der menschliche Makel“.

    Aufpassen, Herr Lau.

  5.   Hans Joachim Sauer

    @ JL

    Für Black ist jeder „schwul“, der sich mit Mossels an den Tisch setzt.

  6.   Zagreus

    Ha ja – sicherlich wird man sich anpassen.
    Hier geht es ja um verhandlungen ziwschen staaten.

    Sagt das irgendetwas aus darüber, ob sich nun der Umgang mit schwulen in der turkischen <gesellschaft (und wenn wo – istankbul ist nicht anatolien, berlin übrigens auch nicht niederbayern) ändert?
    Achmedinedschad hat im iran nun Ministerinnen – also frauen auf ministerposten gesetzt – ist damit die ungleichbehandlung vor gericht von Männern udn Frauen abgeschafft oder wird sie damit auch nur angegangen, kritisiert oder…

    Aber stimmt schon: ein kleiner Affront gegen gar zu verkrustete Strukturen in form eines schwulen Außenminsters und dessen gefährten tut doch ganz gut – überigens war auch merckel schon solch ein affront. Eine Frau als oberste Vertretung des (dt.) Staats – hehe ^^.

  7.   Antonio

    Auch ich freue mich darüber, dass Deutschland mittlerweile ein Land ist, in dem die sexuelle Orientierung eines Menschen kein Hindernis für eine politische Karriere ist. Aber muss es denn gleich Stolz sein? So weit ich mich erinnere, hat die Mehrheit der Bundesbürger angegeben, Herrn Westerwelle lieber als Finanzminister denn als Außenminister zu sehen. Wobei die Gründe hierfür wahrscheinlich unterschiedlich sind. Einige vermuten sicherlich, dass er in Finanzfragen kompetenter als in weltpolitischen Fragen ist. Ich habe aber auch viele Stimmen vernommen, die befürchten, dass seine Homosexualität hinsichtlich der Beziehungen zur arabischen Welt (wobei die Türkei sicherlich kein Problem darstellen wird) von Nachteil sein wird. Würde ein König Abdullah von Saudi-Arabien ihm wohl die Hand schütteln?
    Mir persönlich ist es allerdings völlig wurscht, ob irgendjemand ein Problem damit hat. Damit müssen die reaktionären Menschen in dieser Welt eben klarkommen. Basta!

  8.   lebowski

    @JL
    „Schwulsein ist nicht abendfüllend, wie der göttliche Max Goldt einmal gesagt hat…“

    Wie hieß denn noch mal das Buch, wo Goldt sich über das Schwulsein geäußert hat? Das war sehr witzig. Ich komme aber nicht mehr auf den Titel und habe keine Lust, alle durchzublättern.

    Übrigens: Hätte der den Nobelpreis gekriegt, hätte es einmal den Richtigen getroffen. Aber der schreibt unterhaltsam. Das hätte das Nobelpreiskomitee verwirrt. So etwas traut man Deutschen i.a. nicht zu.

  9.   emcee

    Noch hat die FDP den Koalitionsvertrag nicht unterzeichnet.

  10.   Outer

    Die eigentliche Frage lautet doch: Was meint Herr Mronz dazu, wenn Herr Westerwelle mit dem Sultan von Oman zu flirten anfängt?

 

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