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Warum Gewalt manchmal eben doch hilft

 

Ich habe hier die Kriege gegen die Hisbollah im Libanon und den Krieg gegen Hamas in Gaza heftig kritisiert.

Das ändert nichts an den Tatsachen, die Ethan Bronner in seiner Analyse für die New York Times feststellt: Dass Gewalt im Nahen Osten bisher mehr gebracht hat als Diplomatie. Und zwar für beide Seiten: Die PLO hätte nicht den Aufstieg zum respektierten Verhandlungspartner geschafft, wenn ees die Anschläge und die Intifada nicht gegeben hätte.

Und Israel hätte die Selbstmordattentate nicht abstellen können ohne Checkpoints, Mauern und Kommando-Aktionen.

Ein wichtiger Punkt ist die Frage der Legitimität Israels, die im Gefolge dieser Politik in weiten Teilen der Welt in Frage gestellt wird.

Und zweitens die Lektion, die man aus dem Erfolg durch Gewalt für die iranische Frage zieht – wiederum auf beiden Seiten:

Meanwhile for many Israelis, the past decade looks like a model of the primacy of military action over diplomacy.

Through relentless commando operations and numerous checkpoints, the Israeli Army ended suicide bombings and other terrorist acts from the West Bank; since its 2006 war with the Lebanese militia Hezbollah, widely dismissed as a failure at the time, the group has not fired one rocket at Israel; and Israel’s operation against Gaza last December has greatly curtailed years of Hamas rocket fire, returning a semblance of normality to the Israeli south.

Two years ago, Israeli fighter planes destroyed what Israel and the United States say was a budding Syrian nuclear reactor; and last year in Syria, Israeli agents assassinated Imad Mugniyah, the top military operative for Hezbollah and a crucial link to its Iranian sponsors, a severe blow to both Hezbollah and Iran.

Diplomatic efforts, whether the Oslo peace talks of the 1990s or the Turkish-mediated negotiations with Syria last year have, by contrast, produced little. Every Israeli military operation of recent years — including the December invasion of Gaza that was condemned Friday by the United Nations Human Rights Council by a vote of 25 to 6 and referred to the Security Council following a report by a committee led by Richard Goldstone — has come under international censure.

Today all are viewed here as having been judged prematurely and unfairly but having delivered the goods — keeping Israel safe through deterrence.

81 Kommentare

  1.   Stefanie

    1.
    „Ich habe hier die Kriege gegen die Hisbollah im Libanon und den Krieg gegen Hamas in Gaza heftig kritisiert.“
    „Das ändert nichts an den Tatsachen, die Ethan Bronner in seiner Analyse für die New York Times feststellt: Dass Gewalt im Nahen Osten bisher mehr gebracht hat als Diplomatie.“

    Ich denke wir sind uns einig, dass der israelische Staat für die Sicherheit seiner Bürger Sorge tragen muss und selbstverständlich auch das Recht dazu hat. Von daher würde ich gern wissen, wieso Sie den Einsatz des Militärs scharf kristisieren obwohl Sie zugestehen, dass dieser mehr für die Sicherheit der Israels brachte als Diplomatie.

    2. „Ein wichtiger Punkt ist die Frage der Legitimität Israels, die im Gefolge dieser Politik in weiten Teilen der Welt in Frage gestellt wird.“

    Der Satz ist für mich nicht ganz eindeutig. So wie ich Ihre Ansichten bisher aus vorherigen Beiträgen interpretiert habe, lese ich ihn in der Weise, dass das Existenzrecht Israels nicht antastbar ist, auch wenn einige meinen, dieses stünde zur Disposition. Habe ich das richtig interprtiert?

    Dennoch ist mir nicht ganz klar, wieso Sie aus den miltärischen Einsätzen eine Lektion bzgl. des Existenzrechtes ziehen, denn ihr Text liest sich wegen „Und zweitens die Lektion“ so, als sei eine erste Lektion zu ziehen, die etwas mit dem Existenzrecht Israel zu tun habe und eine zweite mit einer Übertragbarkeit auf den Iran.

    Gruß

  2.   PBUH

    >Die PLO hätte nicht den Aufstieg zum respektierten Verhandlungspartner geschafft, wenn ees die Anschläge und die Intifada nicht gegeben hätte.

    Naja, die PLO hatte wohl eher Glück auf eine Politikergeneration der Terrorversteher zu stossen.

    Und natürlich hätten die verrückten Palästinenser mit friedlichen Mitteln wesentlich mehr erreichen können.

    Gewalt ist in der arabischen/muslimischen Kultur aber nix Schlimmes, im Gegenteil, es wird als Zeichen von Stärke gesehen.

    Aus diesem Grund ist robustes Vorgehen, z.B. in Afghanistan auch sinnvoll.

  3.   PBUH

    @Stefanie

    >2. “Ein wichtiger Punkt ist die Frage der Legitimität Israels, die im Gefolge dieser Politik in weiten Teilen der Welt in Frage gestellt wird.”

    Der Blogmeister ist wohl der Meinung, israelischer Einsatz von Gewalt stellt (in den Augen der Weltöffentlichkeit) das Existenzrecht Israels infrage.

  4.   AM

    @ JL
    „Ich habe hier … den Krieg gegen Hamas in Gaza heftig kritisiert.
    Haben Sie uns eigentlich schon mal Ihre Meinung zum Goldstone-Bericht wissen lassen? War doch interessant, wie gleichgeschaltet hier mal wieder ein bequemes Feindbild geprügelt worden ist.

  5.   Jörg Lau

    @ PBUH: AAAH.
    @ Stefanie: Ich habe die Kriege kritisiert, weil ich a) nicht der Meinung war, dass sie mehr Sicherheit für Israel bringen und b) eine exzessive Gewaltausübung auch gegen Zivilisten am Werk sah, die sich nicht rechtfertigen läßt.
    Nun stehe ich vor dem Dilemma, dass sich a) möglicherweise revidieren muss, ohne bei b) Abstriche machen zu können. Denn den Goldstone-Bericht (@ AM) halte ich nicht für parteiisch.
    Das ist die vertrackte Lage, und sie zehrt an der Legitimität des Staates Israel. Es handelt sich bei beiden Kriegen nicht um Überlebenskriege, sondern um Abschreckungshandlungen, die auf lange Sicht den Gegner in Schach und klein halten sollen, der jetzt noch gar keine Chance hätte, Israel wirklich gefährlich zu werden.
    Hisbollah und Hamas können mit ihren Spielzeugraketen Israel bloss vorführen und provozieren, nicht lethal gefährden.
    Israel kam zu dem Schluss, dass es das nicht mit sich machen lassen dürfe und schlug zu. Zunächst einmal ist das erfolgreich. Kann es die Lösung auf Dauer sein? Um welchen Preis?
    Was die Mauer und die Selbstmordattentate angeht, ist es eine andere Sache. Das ist (wäre!) völlig legitim, weil (wenn!) es sich um eine reine Defensivmassnahme handelt(e). Hätte man das Ding nicht elegant zur Landnahme genutzt, wäre es überhaupt kein Problem in meinen Augen – sondern sogar eine wertvolle pädagogische Massnahme, um beide Seiten an das Leben mit- und nebeneinander zu gewöhnen.
    Das aber kann in einer Welt der Checkpoints und der alltäglichen Erniedrigungen nicht erreicht werden.
    Aber: Hatten die Isarelis ein Recht, sich gegen die Selbstmordattentate in Sicherheit zu bringen: You bet!


  6. @Jörg Lau

    „eine exzessive Gewaltausübung auch gegen Zivilisten …, die sich nicht rechtfertigen läßt.“

    Nun, dazu meinte Richard Kemp, ehemaliger Befehlshaber der britischen Truppen in Afghanistan, vor der UN: „Mr. President, based on my knowledge and experience, I can say this: During Operation Cast Lead, the Israeli Defence Forces did more to safeguard the rights of civilians in a combat zone than any other army in the history of warfare.“

    Quelle: http://www.unwatch.org/site/apps/nlnet/content2.aspx?c=bdKKISNqEmG&b=1313923&ct=7536409

    „Hisbollah und Hamas können mit ihren Spielzeugraketen Israel bloss vorführen und provozieren, nicht lethal gefährden.“

    Entschuldigen Sie bitte, mit diesen „Spielzeugraketen“ haben Hamas und Hisbollah schon etliche Israelis umgebracht. Ein Staat hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, seine Bürger vor so etwas zu schützen. Im Süden Israels hat die Hamas eine Kleinstadt namens Sderot acht jahre lang in Angst und Schrecken versetzt durch fast tägliche Raketenangriffe. Und ja, es gab auch Tote und Schwerverletzte. So ein „Regt euch nicht so auf, ist doch kaum was passiert“ schreibt sich vom sicheren Europa aus bequem hin, aber ich habe Freunde in Sderot, bin regelmäßig dort und kenne die Situation ein wenig. Da nehme ich solche Leichtfertigkeit schon ein ganz klein wenig persönlich.

  7.   bb

    Diese „Spielzeugraketen“ haben tatsächlich Menschen umgebracht. So eine Wortwahl ist krank, Herr Lau.

  8.   AM

    @ JL
    „Hätte man das Ding nicht elegant zur Landnahme genutzt, wäre es überhaupt kein Problem in meinen Augen.“
    Da gebe ich Ihnen völlig Recht, aber dann wäre es für Landnahmepolitiker auch viel weniger interessant gewesen.

    @ Ingo Way
    „Und ja, es gab auch Tote und Schwerverletzte.“
    Faktor 1/100 zu den zivilen Opfern von Gaza?

  9.   AM

    @ JL
    „Denn den Goldstone-Bericht (@ AM) halte ich nicht für parteiisch.“
    Nicht einmal parteiisch? Wie muss man sich dann solche Stimmen erklären, die Goldstone „und seine willigen Helfer“ (kaum zu glauben) in die Nähe von Völkermördern rücken?

  10.   N. Neumann

    Hisbollah und Hamas können mit ihren Spielzeugraketen Israel bloss vorführen und provozieren, nicht lethal gefährden.

    @ Jörg Lau

    Ihre Überspitzung in Ehren, aber anbetracht des Raketenarsenals der Hisbollah sollte sie ihr Ende finden. Die Hisbollah verfügt über mehr, größere und weiter reichende Raketen als die Hamas.

    Genauso gut bzw. genauso schlecht könnten sie sagen, dass es nicht weiter schlimm sei, wenn jemand, der drei Gewichtsklassen leichter ist als sie es sind, ihnen immer wieder voll in die Fresse haut, weil er sie ja nicht töten kann.

    Es kann jedenfalls als unwahrscheinlich gelten, dass die Hisbollah, wenn Israel 2005 nicht zurückgeschlagen hätte, von weiteren Angriffen auf Israel abgesehen hätte. Angriffe auf Israel haben für die Hisbollah nicht nur einen militärisch-taktischen Zweck, sondern auch einen Eigenwert. Eine Organisation, die so tickt, suspendiert ihre Angriffe nicht, wenn niemand massiv zurückschlägt. Die Hisbollah kann sich selbst und ihren Opfermut abfeiern, neue Offensivaktionen wird sie sich allerdings dreimal überlegen, weil sie so fast den ganzen Rest des Libanon gegen sich hätte. Selbst nicht-schiitische libanesische Israel-Hasser sind nach 2005 weniger scharf darauf, dass die Hauptvertretung einer Volksgruppe einen Krieg mit dem ungeliebten Nachbarn riskiert.

    Abgsehen davon sprechen weder die Hamas noch die Hisbollah sinngemäß von einem lethalen Schlag gegen Israel, der (die Tautalogie ist beabsichtigt) mit einem Mal erfolgt. Was denen auf einer militärisch-zweckrationalen Ebene mithin vorschwebt, ist eine Zermürbungstaktik die zunehmend Israelis aus Israel rausekeln soll. Den Rest sollen dann die Demografie bzw. eine Zuspitzung des Konflikts zwischen jüdischen Israelis und israelischen Arabern und „internationale Solidarität“ besorgen. Terrororganisationen denken und kalkuklieren nicht in den Maßstäben von Wahlperioden, sondern von erheblich längeren Zeiträumen.

 

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