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Hoder: Ein Jahr in Haft

 

Ich kann mir die großen Worte sparen zu diesem traurigen Anlass: Der Kollege Niklas Hofmann hat in der Süddeutschen Zeitung einen gründlich recherchierten Artikel zum Fall des inhaftierten iranischen Bloggers Hossein Derakhshan geschrieben. Ich werde darin ein paar Mal mit Einschätzungen zitiert. Die maßgebliche Arbeit aber hat Niklas Hofmann alleine getan. Er hat im Gespräch mit Freunden, mit der Familie Hosseins und auch mit seinen Gegnern das bisher komplexeste Bild des traurigen Falles gezeichnet:
Wie jemand, der sich vom reformerisch gesinnten Abweichler zum loyalen Systemfreund gewandelt hatte, dennoch von eben diesem System eingebuchtet wurde. Das ist nur eines der vielen iranischen Rätsel in diesem denkwürdigen Jahr.
(Hier meine zahlreichen Beiträge zum Thema.)

7 Kommentare

  1.   N. Neumann

    Möglich auch, dass Ahmadinedschads Leute an Hoders Positionen und ihrem Wechsel schlicht herzlich wenig Interesse hatten und – so geht jedenfalls eine Theorie in seinem Umfeld – nur eines wollten: sich beizeiten einen geeigneten „Spion“ als Belastungszeugen gegen die Reformer zu sichern.

    @ Jörg Lau

    Ein starker Wechsel von Positionen impliziert ein hohes Maß an Unberechenbarkeit und Inkonstistenz; wenn selbst der eigene Bruder nicht sagen kann, auf welcher Seite er sich bei den Protesten im Zuge der Präsidentenwahlen befunden hätte, macht ihn sein sprunghaftes Verhalten, auch dann, wenn er zuletzt deutlich in Richtung Regime neigte, gegenüber Ahmadineschads Leuten nicht immun.

    Noch jeder totalitäre Staat hat ihm zugeneigte Intellektuelle mindestestens aufs Abstellgleis geschoben, sofern sie sich einen Rest an Eigenständigkeit bewahrten und für absolute Linientreue nicht geeignet waren. Dabei kann Eigenständigkeit eben auch aus liberaldemokratischer Perspektive einen Haufen Unsinn bedeuten.

    Der Vergleich hinkt nicht zuletzt mit Blick auf die intellektuelle Kapazität, an der es Derakhshan deutlich mangelt, aber das Muster ist ähnlich: Man denke im Kontext der jüngeren deutschen Geschichte etwa an Egozentriker wie Carl Schmitt oder Wolfgang Abendroth, die von ihren Anhängern gerade deshalb abgefeiert wurden und werden, weil sie egozentrisch waren und somit besser als veritable Sachwalter der von ihnen verfochtenen fixen Staatsideen und Widerständigkeit gegen die liberale Demokratie taugten.

    Schmitt wurde, obwohl er Adolf Hitler staatsrechtlich den Steigbügel gehalten hatte, von den Nazis abserviert, weil er mit speziellen Ansichten nicht völlig hinterm Berg hielt und ihnen schon ein bisschen zeigen wollte, wo’s langgeht. Abendroth bekam früh mit, dass die DDR eine furchtbar spießige Veranstaltung werden würde und seilte sich in die Bundesrepublik ab, um hier einen Sozialismus nach seinem Geschmack zu befördern. Was ihn nicht daran hinderte, DDR-Offiziellen eine Lobeshymne zum Tode von Walter Ulbricht zu übersenden und sich im Rahmen der DKP zu engagieren.

  2.   docaffi

    Also Herr Lau, der Mann ist einfach Opfer seiner Naivität geworden oder wollte einfach verhaftet werden, um als Märtyrer zu enden.
    Ich als „nobody“ habe schon jedes Mal weiche Knie, wenn ich in Teheran lande, weil ich hier und dort mal was schreibe und oft meine Klappe aufreisse, obwohl ich nie in Israel war. Und Hoder als Regimekritischer Blogger, der sich einst stolz in Israel filmen ließ, erwartet politische Immunität seitens Mullahs. Da reichen beim besten Willen nicht ein paar Schmeicheleien Richtung Ahmadi & Co.

  3.   N. Neumann

    Ich als “nobody”

    @ Docaffi

    Der Mann leidet in mehrfacher Hinsicht unter Realitätsverlust, das ist schon etwas mehr als Naivität. Der wird sehr wahrscheinlich auch dadurch befördert worden sein, dass er schnell zu „Somebody“ geworden ist. Der realistische Kern seiner Hybris besteht möglicherweise auch darin, dass das Regime in Zeiten der Internetöffentlichkeit mit Somebodys meistens zumindest weniger rüde umspringt.

    So säße etwa Shirin Ebadi wahrscheinlich schon längst im Knast, wenn sie weniger bekannt wäre.

  4.   docaffi

    @Neumann
    Du sagst es, einfach Realitätsverlust!!

  5.   PBUH

    Die Hardliner im Iran sind eben nicht blöde und können gut kalkulieren.

    Hossein Derakhshan hat den Westen in der Vergangenheit eben zu oft angepinkelt um nun substanzielle Hilfe zu erhalten.

    Aus Sicht des Regimes ist Hoder also das ideale Mittel um die Opposition im Land einzuschüchtern und zu demotivieren.

  6.   christian aka tati

  7.   christian aka tati

    Call This Horror By Its Name: Islamist Terror

    Eine gnadenlose Abrechnung mit der political correctness in den USA angesichts des (100% islamisch begründeten) Terroranschlags in Fort Hood.

    http://exilestreet.com/?p=1298

 

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