‹ Alle Einträge

Die Wurzeln des iranischen Antisemitismus

 

Der Sprecher der „Liberalen Studenten des Iran“, Saeed Ghasseminejad, hat einen hilfreichen Artikel über die Quellen des modernen Antisemitismus im Iran geschrieben. Er beschreibt kurz und knapp, wie der deutsche und der französische Faschsimus, der russische Kommunismus, eine bestimmte Lektüre der koranischen Quellen über Mohammed und die Juden und zuletzt der Tiersmondisme zu der verhärteten antisemitischen Haltung des Regimes führten.

Wichtig scheint mir sein Hinweis, dass Antisemitismus – so sehr er nun zu Obsession der Herrschenden geworden ist – keine tiefen Wurzeln in der langen Geschichte des Iran hat. Und ich hoffe, dass Ghasseminejad (Jg. 1982) auch Recht damit hat, dass die jüngere Generation dieser Obsession befremdet gegenübersteht und sie nicht teilt. Ghasseminejad lebt nach den Exzessen des letzten Jahres gegen die Grüne Bewegung in Paris.

Zitat:

„Anti-Semitism in Iran is a new obsession. Literature is a mirror which reflects the thoughts of a nation during its history. In Persian literature the Jews are not the bad characters. To be more precise Persian literature does not really speak about the Jews as much. Anti-Semitic thoughts began to become popular in Iran some years before the Second World War. It can be said that anti-Semitism in Iran has four roots.

1   German and French Fascism:

Many students were sent to Europe, mostly Germany and France, a few years before the beginning of the Second World War. These students became the architects of new Iran. Unfortunately one of the things they brought back as a gift was anti-Semitism which was widespread in Germany and France then. Ahmad Fardid was a good example of such students. He went to France and came back a disciple of Heidegger, a fascist and an anti-Semite. After the Islamic revolution in 1979 he became the spiritual guide of Islamist and anti-Semite militia-intellectuals and tried to justify ayatollah Khomeini’s anti-Semitic and anti-liberal efforts by combining Islam and fascism…“

38 Kommentare

  1.   marriex

    Exzesse[n] des letzten Jahres gegen die Grüne Bewegung

    Schön, dass Sie wieder zur Vernunft kommen, aber wer hat’s gesagt:

    He should say his administration respects many of the guiding principles of the 1979 revolution — to establish a government that expresses the will of the people; a just government, based on the idea of Vilayet-i-faqih, that establishes the rule of law.

  2.   N. Neumann

    @ Jörg Lau

    Ich möchte die These, dass der Antisemitismus (gar) keine tiefen Wurzeln in der langen iranischen Geschichte hat, ein bisschen einschränken.

    In Bernard Lewis „Die Juden in der islamischen Welt“ finden sich Hinweise darauf, dass in einigen historischen Episoden des Iran der Neuzeit die Regeln speziell für jüdische Dimmis zumindest Züge der Judenverfolgung im Abendland aufwiesen, also über das für hierarchisch stratifizierte Gesellschaften normale Maß an faktischer und symbolischer Unterordnung von Minderheiten hinausgingen. Blöderweise geht Lewis – der an anderer Stelle sehr ähnlich argumentiert, wie Ghasseminejad unter 2. – nicht näher darauf ein. Gleichwohl fällt verglichen mit anderen islamischen Regionen und Epochen sowohl eine Häufung als auch ein größeres Ausmaß der gegen iranische Juden gerichteten Bestimmungen auf. So findet in diesem Zusammenhang bei Bernard Lewis auch der gelbe Kreis / gelbe Fleck Erwähnung, der nicht allein ein rein christlich-abendländisches Symbol war.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Gelber_Ring

    Insofern existieren zumindest ernstzunehmende Hinweise darauf, dass sich der Antisemitismus der orthodoxen, nicht-quietistischen iranischen Geistlichkeit nicht allein aus unislamischen modernen Quellen und einer damit verbundenen Bergung des Konflikts des Propheten mit jüdischen Stämmen in Folge der Gründung des Staates Israel speist. Waren islamistische Ideologen einerseits nie ganz frei von nicht-islamischen Einflüssen (z.B. Qutb und Maududi), so waren sie andererseits stets darum bemüht, ihre Bestrebungen in die Kette der islamischen Tradition zu stellen.

    Die Besonderheit des chomeinistischen Antisemitismus besteht zumal darin, dass es sich beim Iran eben um kein arabisches Land handelt, für das Israel eine vergleichsweise naheliegende kollektive Kränkung darstellt. Auf diesem Hintergrund erscheint der Umstand, dass Antisemitismus im Iran eine Angelegenheit des Regimes und seinen Anhängern ist, als umso plausibler – nicht jedoch die fast vollständige Ableitung des chomeineistischen Antisemitismus aus der islamistischen Anverwandlung nicht-islamischer Ideologeme.

  3.   marriex

    Israel beendet iranisch-russische Zusdammenarbeit.

  4.   N. Neumann

    @ MR

    Falls vom russischen Verzicht auf die Lieferung der S-300 nichts im Frontpagemag, Commentarymagazine oder Weekly Standard gestanden hat 😉

    http://www.tagesschau.de/ausland/iran1190.html

  5.   Bravoleser

    Was soll denn diese seltsame Märchenstunde?
    Der Judenhass ist und war immer integraler Bestandteil der isl. Kultur, allerdings war er nie herausragender Staatszweck.
    Diese „moderne“ Variante haben tatsächlich die Mullahs erst ab 1979 reingebracht.

    Seitdem befindet sich die isl. Welt tatsächlich einer Art irrem Wettlauf darum, wer der größte Judenhasser ist. Da die Mullahs Schiiten sind haben die Sunniten, finanziell befeuert von den Saudis,
    nachgezogen. Inzwischen sind sogar asiatische Staaten wie Indonesien,
    Malaysia etc mit im Rennen. Ich verweise hier nur auf die Rede von Mahatir Mohammed („Juden kontrollieren die Welt“).

    Natürlich kann man nicht ausschließen das die Europäer einen gewissen Einfluß darauf hatten, allerdings war der er ein Zusatz zu dem was ohnehin schon vorher da war.

  6.   marriex

    @ NN

    Doch, doch hab ich schon mitbekommen, hat aber mit Differenzen zwischen Medwedjew und Putin zu tun, nicht mit Obama. Buschehr ist ja immerhin ans Netz gegangen.

  7.   Samuel

    Die eigentliche Frage ist, warum Iraner, die aus Europa zurückkamen, ausgerechnet den Antisemitismus mitbrachten. Warum nicht Dessous, Brezeln und Rotwein?
    Anders gesagt: Eine totalitäre Ideologie ist nur dann sexy, wenn man ohnehin darauf steht.

  8.   FLH80

    Im Iran lebt die größte Zahl an Juden im Nahen und Mittleren Osten außerhalb Israels. Und das schon seit mehreren tausend Jahren. Und sie leben dort unbehelligt, sind fest verwurzelt im Bazar und in der lokalen Wirtschaft.
    Sollten „die Muslime“, allen voran die iranische Führung, wirklich das Interesse haben, die Juden als Glaubensgruppe anzugreifen, gar (persönlich oder als Gemeinschaft) zu „vernichten“, dann bräuchten sie gar keine Langstreckenwaffen, sondern könnten quasi vor ihrer Haustür damit anfangen…
    Die Attacken von Ahmadinejad richten sich nicht gegen Juden als solche, sondern gegen den Staat Israel. Und selbst wenn in Deutschland die (m.E. nicht zweifelsfreie) Auffassung vorherrscht, daß man nicht Anti-Zionist bzw. gegen den Staat Israel sein kann, ohne damit zugleich Anti-Semit zu sein, so sind das im Orient durchaus zwei verschiedene Themen.
    Ziel der Äußerungen von Herrn A. ist die „arabische Straße“, nicht die Angehörigen des jüdischen Glaubens. Übrigens ebensowenig wie die Angehörigen christlichen Glaubens, die ebenfalls zahlreich (Armenier, Assyrer, Chaldäer usw) im Iran leben.

  9.   N. Neumann

    Bravoleser: Der Judenhass ist und war immer integraler Bestandteil der isl. Kultur

    Nein, Juden waren für die islamische Kultur ziemlich unbedeutend.

  10.   docaffi

    @FLH80
    Dann frage ich mich, warum er so vehement den Holocaust leugnet und eine Holocaust-Leugner-Party in Teheran organisiert. Die Zahl der Juden im Iran ist von ca. 100000 (1979) auf ca. 30000 (heute) zurückgegangen; warum wohl?? Diskriminierung gegenüber religiösen Minderheiten findet im Iran (zwar nicht im großen Maße)sehr wohl statt.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren