‹ Alle Einträge

Wael Ghonims Tränen

 

Wael Ghonim ist eine der wichtigsten Figuren der Demokratiebewegung. Er ist ein Manager für Google im Nahen Osten und er gehört zu denjenigen, die die Jugend vernetzt und organisiert haben, die seit zwei Wochen den Tahrir-Platz besetzt.
Für 10 Tage war Ghonim verschwunden. Er war von den Sicherheitskräften des Regimes verhaftet worden. Gestern abend ging über Twitter die Nachricht herum, dass er freigelassen wurde. (Mehr hier.)
In Dream TV, einem Privatsender, gab er gestern ein Interview. Die Moderatorin konfrontiert ihn mit Bildern der ermordeten Demonstranten. Wael Ghonim bricht zusammen und entschuldigt sich bei den Eltern der jungen Leute: Es war nicht unsere Schuld, es ist die Schuld derjenigen, die ihre Ämter nicht verlassen wollen.
Ein bewegender Moment der ägyptischen Freiheitsbewegung. (Hier mit englischen Untertitel.)

42 Kommentare

  1.   Frl. Mensa

    Wenn deutsche Medien anfangen, die rührseligen Momente eines Konfliktes groß zu beleuchten, sollte das auch für den letzten Optimisten ein Zeichen sein, daß der Zug da längst abgefahren ist.

    Die junge hübsche Nela im Iran, der panzeraufhaltende Chinese, San Su Kji dirigiert ihre Anhänger vom Sterbebett ihrer Mutter, jetzt der weinende Googleägypter: All das wären im Erfolgsfall nur Fußnoten, aber im Angesicht der Niederlage ist das wohl für viele ein symbolischer Strohhalm. Man hat immerhin ästhetisch gewonnen und trauert wenigstens solidarisch mit. Was ja an sich nicht verwerflich ist und wäre — wenn einem nicht nur vorher dieselben Leute ihren Enthusiasmus als Analyse verkaufen wollen würden.

  2.   Jörg Lau

    @ mensa: Nicht zu vergessen diesen Kitsch über den Sohn von dem Zimmermann aus Nazareth, den sie hingerichtet haben und den seine rührseligen Anhänger für den Messias halten. Mein Gott, was für ein grandioser Kitsch, was für eine elende Verliererreligon. Was für eine hysterisch aufgeblasene, folgenlose Fussnote der Geschichte, in der die grössten Kanonen am Ende noch immer entscheidend waren.

  3.   Spirit of Çanakkale

    Ich schätze, der hat gesessen, yuahahahahaha.

  4.   Spirit of Çanakkale

    Da scheint sich der Sülo allmählich in Stellung zu bringen, wie? Der König ist tot, es lebe der König.


  5. „8 February
    Since Wael Ghonim’s release from custody and an interview on DreamTV, thousands of supporters joined a Facebook page created in his honour. „We authorise Wael Ghoneim to speak on behalf of the Egyptian revolution

    In one of the largest protests yet, over a million people gathered in and around Tahrir Square to demonstrate. … There was also a big protest in Alexandria, while Suez Canal workers also went on strike.“
    http://en.wikipedia.org/wiki/2011_Egyptian_protests

  6.   Frl. Mensa

    Das mit dem Zimmerman aus Nazareth ist schon etwas kurios, schließlich redete ich von deutschen Medienreaktionen, aber das ist Blog und in der Eile…

    Aber das hier: „Wael Ghonim anointed voice of the revolution by Tahrir Square faithful“ ist eine Seite-1-Überschrift im Guardian!!
    http://www.guardian.co.uk/world/2011/feb/08/wael-ghonim-tahrir-square

    „Gesalbt“? Von den „Gläubigen des Tahrir-Platzes“?

    Das hat schon keine religiösen Konnotationen mehr, das ist Boulevard-Messianismus unterster Kajüte. Und es ist pervers! Was wird da eigentlich in den armen Kerl hineinprojiziert, was will man dem da aufladen? Und morgen ist er dann ein falscher Prophet weil er das Rote Meer nicht ordentlich teilt, oder wie?

    Ich hoffe, diese angeblich eine Million Leute auf’m Tahrir nehmen ihm die Last etwas ab und zünden das Mogamma-Gebäude an. Die stehen da seit Tagen vor einem der ätzendsten, 1984-artigsten Regierungsmachtprojektions- und Korruptionsgebäude der Welt und das Ding steht noch? Dem im obigen Wikipedia-Artikel verlinkten Photo von gestern entnehme ich, daß nicht einmal der Rasen auf dem Vorplatz des Mogamma betreten wird. Entschuldigung, aber da muß ich schon an Lenin und seine Bahnsteigkarten zur Revolution denken. Aber schön, wenn andere Leute so berührt sind, wenn ein Fan von Obama auf „Dream TV“ weint; das funktioniert bestimmt besser als Lenins Methode.

    Scheiß Kitsch.


  7. 8. 2. 2011 – Tahrir Platz

  8.   M. Mustermann

    An officer just called me to tell me: I escaped from the service after ElAdly asked us to fire live bullets randomly on protesters. #Jan25

    http://twitter.com/Ghonim

  9.   Marin

    Frl. Mensa

    Ganz gleich ob nun fürs erste ein Teilsieg, Halbersieg oder totaler Sieg herauskommen mag. Die größte Veränderung hat sich im ägyptischen Bewusstsein vollzogen, dies wird nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Als vor einigen Tagen in Tunesien (el Kef) ein Polizeichef eine Frau schlug standen kurz darauf 1000 Tunesier vor der Polizeistation und fackelten diese ab und der einzige der festgenommen wurde war der Polizeichef. Wer die Macht über wem hat wurde damit eindrucksvoll bestätigt. Das ist eine reine Bewußtseinsveränderung mehr brauchte nie stattfinden. Selbst wenn die ägyptischen Machthaber all ihre verfügbaren Machmittel einsetzen würden, bzw das haben sie längst versucht, können sie das Volk nicht mehr unterdrücken. Ein unterdrückungsapparat ist wie Geld, er funktioniert nur wenn alle dran glauben, wenn aber der glaube bzw die Angst verfliegt fällt die ganze illusion ins sich zusammen, und genau das ist in Ägypten passiert und wird für tief greifende veränderungen sorgen.

  10.   Black

    Ich habe auch weinen müssen. Vor allem nach dieser Meldung:

    Das unabhängige amerikanische Meinungsforschungsinstitut “Pew Research ” hat im Mai vergangenen Jahres, acht Monate vor den Revolten, die Ägypter befragt. Steinigung als Strafe für Ehebruch finden 82 Prozent der Befragten richtig, die Todesstrafe bei Konversion vom Islam zu einer anderen Religion 84 Prozent, das Handabhacken bei Diebstahl ist für 77 Prozent ok.Dass der Islam eine große Rolle in der Politik spielen soll, befürworten 95 Prozent, die Hamas-Organisation mögen 49 Prozent, die Hisbollah 30 Prozent, Al Qaida immerhin noch 20 Prozent.

    Dass sie Steine werfen können, hat man bei den Demonstrationen ja gesehen. Und die „Millionen Demonstranten“ haben sich sicher aus der Masse der 16% gebildet, die Konvertiten zu anderen Religionen NICHT umbringen wollen.

    Schön auch das Burger-King-Logo rechts oben im Bild. Ich bin mir inzwischen sicher, daß die Moslems sehr viel vom Westen übernehmen, aber ganz sicher nicht Demokratie, Toleranz und Menschenrechte.

    Wer will kann sich natürlich Schmonzetten aller Art bis hin zum Dschungelcamp ansehen. Die Realität sieht leider anders aus.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren