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Kareem Amer: Meine Erlebnisse im Folterknast des ägyptischen Militärs

 

Kareem Amer, den ich hier vor einer Woche gefeiert habe, war unterdessen wieder fast eine Woche in Haft. Auf  „Daily Beast“ beschreibt er, was er und sein Freund mitgemacht haben – in den Händen des Militärs, das nun immer mehr zum entscheidenden Faktor in der Krise des Landes wird:

On February 7, a group of thugs attempted to confiscate his friend’s videotapes after they left Tahrir Square. The thugs handed the blogger and filmmaker over to military police for having violated the curfew. Amer spent one day in a local prison and was later shipped to an army jail in what he described as „the middle of the desert.“

I asked Kareem if the prison was similar to Borj Al Arab, the jail where he spent the last four years for having criticized the Egyptian dictator and „insulted“ Islam. „No way,“ he said. „This prison was like a trash-can. The cell was tiny and the bathroom was disgusting. They did not allow us to shower even once since we were arrested. People were treated harshly and severely tortured on a daily basis. They were tortured in front of our eyes–water-boarded, beaten with sticks, and electrocuted.

(…)

How could the Egyptian army commit such violations given that they claim to be neutral or even on the side of the people? „What neutrality?“ Amer responded angrily. „They are on the side of the regime. They are humiliating the people. You would not have believed what we saw in this short period in prison.“

On Friday, all the prisoners Kareem was with were suddenly and unexpectedly freed. „Thousands of prisoners were released, even those who had killed soldiers,“ Amer said. „They abandoned us in the middle of the night on a desert highway that connected Suez City with Cairo. We were stopped by a military tank that almost opened fire on us. But when they found out we had been in a military prison, they let us go. A truck was stopped and it took us to Cairo.“

Kareem and Samir’s experience is a microcosm of the brutality of the Egyptian regime. Thousands are being held in prison and torture is commonplace. Tens of journalists have been arrested by army intelligence and they are apparently targeting those who work with foreign and American media outlets.

While the army has gone to great lengths to protect the headquarters of state security, they failed to protect the people of Egypt as they were beaten and killed in the streets by thugs on horseback and camelback. (…)

51 Kommentare

  1.   Miriam G.

    How could the Egyptian army commit such violations given that they claim to be neutral or even on the side of the people?

    Good cop (bzw. soldier)/ bad cop. Zwei Rollen, ein Ziel?


  2. eine weitere von möglichen anderen Erklärungen (additiv oder alternativ zu Nr. 1 / Miriam G.): Verschiedene Offiziere akzentuieren möglicherweise in verschiedener Art und Weise ihre Agenda/die allgemeine Befehlslage, davon abhängig, in wieweit sie jeweils materiell an der bisher praktizierten Militär-Ökonomie beteiligt sind oder nicht und inwieweit sie so an einer Besitzstandswahrung jeweils mehr oder jeweils weniger interessiert sind.

  3.   marriex

    @ P

    in wieweit sie jeweils materiell an der bisher praktizierten Militär-Ökonomie beteiligt sind oder nicht und inwieweit sie so an einer Besitzstandswahrung jeweils mehr oder jeweils weniger interessiert sind.
    Oder wie sie die Möglichkeit zur dauerhaften Besitzstandswahrung auf diesem Wege beurteilen.

  4.   N. Neumann

    @ M,P,MR

    Paul Amar will wissen, dass ältere Offiziere eher pro Mubarak sind und jüngere eher anti Mubarak. Das ist aufgrund der Dauer der Bindung bzw. der Generationsgenossenschaft zumindest plausibel und widerspricht nicht unbedingt einer good cop- / bad cop-Taktik.

    Zudem wird die Armee, auch wenn sie die Armee und keine Bürgerwehr ist, wenigstens ein Stück weit berücksichtigen, dass unterhalb der höheren Ränge wohl eine große Mehrheit gegen Mubarak ist.


  5. @ M, MR, N:
    jeweils d’accord!
    [da ich denke, dass die jeweiligen Gründe, Überlegungen bzw. Optionen additiv oder – eher noch – integrativ zu sehen sind. Wobei dann das Erklärungsproblem die jeweiligen Akzentuierungen sind, die sich wohl erst im Nachhinein klären lassen. Eine vermutete Monokausalität halte ich angesichts derartig komplexer Sachverhalte für nicht erhellend.]


  6. absolute NEWS !!!

    4.03pm: There are huge cheers in Tahrir Square. President Mubarak has gone and the army has been entrusted with the republic, it has just been announced.

    4.02pm: Omar Suleiman is making a statement now. „President Hosni Mubarak has decided to waive the office of the republic.“

    http://www.guardian.co.uk/world/blog/2011/feb/11/egypt-hosni-mubarak-left-cairo


  7. PS:
    Mein bleibender Eindruck hinsichtlich der Diskussionen um Tunesien und Ägypten auf dem JL-Blog ist, dass die Blog-Diskutanten, also wir, mehr oder weniger mehrheitlich und im Wesentlichen sich/uns weniger mit ideologischen Glaubens- und Überzeugungsfragen belastet, beworfen und genötigt haben.
    Die Resultante aus der Diskussion der Sachlichkeit, letzteres Substantiv lässt sich wohl mit einigen Foristen assoziieren, war, dass man so einigermaßen, wenn nicht sehr, nahe an eine sachangemessene Aufklärung und Beurteilung hinsichtlich der real ablaufenden Prozesse und wirkenden Dynamismen geriet.
    [[,statt dass man sich gegenseitig mächtig-moralisch zwang, in irgendwelchen negativ-dystopischen oder positiv-utopischen Wunschwelten herumzuirren.]

  8.   Mete

    Es ist vollbracht!

    Nun heisst es für die Aegypter, weiter und den Folterknecht Suleiman auch aushebeln, sonst laeuft das gleiche Regime mit neuer Maske…

    Und was dieser Schritt jetzt für die anderen arabischsprachigen Staaten mit Despoten an der Macht bedeutet, das ist die entscheidende Frage.

    Je nachdem wie sich das Militaer jetzt verhaellt, wirds auf Algerien, Jordanien und eventuell Jemen sehr stark auswirken.

    Und Regime wie Marokko, Syrien, Saudi Arabien werden starkem Druck ausgesetzt werden Reformen voran zutreiben.

    Möge die Gerechtigkeit die Oberhand behalten.

  9.   M. Mustermann

    Ist vor der Revolution nach der Revolution? On avoiding a new pharao.
    Nicholas D. Kristof bringt es auf den Punkt:

    http://video.nytimes.com/video/2011/02/11/opinion/1248069630032/mubarak-steps-down.html?hp

  10.   M. Mustermann

    Korrektur: Ist nach der Revolution nach vor Revolution?

 

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