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Dicke Bretter, dünne Bohrer

 

Eigentlich freut man sich ja immer über Reaktionen auf eigene Blogposts. Aber das hier ist dann doch leider ein zwiespältiges Vergnügen. Die jungen Wissenschaftler von der Frankfurter Uni, die sich in ihrem Forschungsprojekt mit den „transnationalen Eskalationsmechanismen gewaltsamer Dissidenz“ befassen, haben auf meinen Post über die Zarnajews (und auf Yassin Musharbashs Reaktion darauf in seinem Blog) reagiert.

In guter (deutscher) akademischer Manier beginnen die Kollegen mit einer Definition. Wovon ist überhaupt die Rede, „was ist Terrorismus“?

Wir folgen Daase/Schindler und definieren Terrorismus als „Situation in der ein nicht-staatlicher Akteur gezielt manifeste Gewalt gegen Zivilisten einsetzt, um Angst und Schrecken zu verbreiten und einen Staat zur Veränderung seiner Politik zu zwingen“. In diesem Sinne ist terroristische Gewalt eine variabel angewendete Form politischer Gewalt unter anderen, wenn auch eine besonders verwerfliche.

Eigentlich könnte man an dieser Stelle dann gleich die Debatte abbrechen. Was auch immer die Zarnajews mit ihrem Akt erreichen wollten, „einen Staat zur Veränderung seiner Politik zu zwingen“ ist nach meinen bisherigen Erkenntnissen nicht Top-Priorität. Selbst wenn sie das in einigen kolportierten Äußerungen so nahelegen – es stellt sich doch wohl die Frage, wie ernst diese Rationalisierungen in diesem Fall zu nehmen sind.  In anderen Worten: Wenn die obige Definition zugrunde gelegt wird, dann handelt es sich hier nicht um Terrorismus. Case closed?

Nein, die Enge der Definition ist das Problem. Sie betreibt erstens – in kritischer Absicht – die Rechtfertigung terroristischer Gewalt, weil sie Motivationsfaktoren ausblendet, die einer Deutung im Wege stehen, an deren Ende jeder Terrorismus „eine variabel angewendete Form politischer Gewalt unter anderen“ ist. Ich meine „irrationale“ Motivationsfaktoren wie Ressentiments, privates Unglück, Depressionen, religiös oder sonstwie verstärkten Gruppenhass, Gruppendruck etc. Bei der Rekrutierung /Selbstrekrutierung von Terroristen spielen diese Faktoren eine große, variable Rolle, je nach Umstand. Wer Terrorismus als immer „variabel angewendete Form politischer Gewalt“ verstehen will, blendet das gerne aus.

Es ist m.A. nach zu unterscheiden zwischen Formen des Terrorismus, die diese Definition erfüllen (bspw. Zionisten gegen  Britisches Mandat, teilweise auch die im Post erwähnten Anarchisten) – und anderen Formen von Terrorismus, die keine „politische“ Gewalt sind, sondern apokalyptische, eliminatorische Gewalt zur Beendigung, Durchkreuzung und Verunmöglichung von Politik (verstanden im Sinn von Vertrag, Kompromiss, Aushandeln).Sie richten sich nicht an einen Staat, sondern gegen Staatlichkeit per se. Selbstmordattentate z, B. haben die anti-hobbesianische Botschaft in sich, dass die Grundlage aller rationalen Politik, die Angst vor dem Tode und der Wunsch zur Selbsterhaltung, nicht mehr gilt. Sie richten sich gegen den Kern jedes Gesellschaftsvertrages, das macht sie zu einer so fürchterlichen Waffe. Die Barbarisierung der anderen Seite wird bewusst mit in Kauf genommen, es geht nicht nur darum, den Gegner in Angst und Schrecken zu versetzen, sondern um die Zerstörung jedes Vertrauens beim Gegner. Ziel ist seine Vertreibung, besser noch Elimination. (Siehe z. B. die Attentate auf schiitische Moscheen im Irak.)

Wenden sich die Zarnajews an den amerikanischen (oder russischen) Staat, den sie zur Veränderung seiner Politik zwingen wollen? Ich kann nicht sehen, wie das Marathon-Attentat damit erklärt werden kann. Sind die Medien nicht vielmehr der Adressat? Twitter, Facebook, CNN, und auch wir hier, die wir uns jetzt darüber beugen. Ist die Tat nicht vielmehr (auch!) einzuordnen in einer Celebrity-Kultur mit Versprechen von Instant-Ruhm? Der ältere Zarnajew hat, wie man heute weiß, von großem Ruhm durch sportliche Erfolge geträumt. Auch Rapper wollte er zeitweise werden. Der Zusammenbruch der Familie ist offenbar sehr bedeutsam für seine zunehmende Entgleisung. Wie dann die Politik – und welche Politik – ins Spiel kommt, um „das große Loch zu füllen, das man Seele nennt“ (R. Musil), das ist die interessante Frage. Was sagen die Frankfurter Forscher dazu?

Zu glauben, man könne hier „Psychologisierung“ von der „politischen Gewalt“ abtrennen, ist naiv. Es ist eine Gratis-Geste, Worte wie „Herrschaftsverhältnisse“ und „Machtverhältnisse“ in die Runde zu werfen: Was ist damit gemeint? Amerikas globale Dominanz? Der Finanzkapitalismus? Der „Krieg gegen den Terror“? Ein fragiles Patriarchat in tschetschenischen Familien? Die wahrgenommene Niederlage „des Islam“?

Ich habe den Eindruck, ohne dass die Autoren das aussprechen, es soll gezeigt werden, dass Terror wie der der Zarnajews eine irgendwie falsche Antwort auf die richtige Frage ist, eine  fehlgehende Reaktion auf Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Ich will nicht ausschließen, dass es terroristische Akte gibt, die man so deuten kann. Dieser gehört nicht dazu, glaube ich. Ist das „blinde Verteufelung“?

 

73 Kommentare

  1.   Thomas Holm

    „“einen Staat zur Veränderung seiner Politik zu zwingen” ist nach meinen bisherigen Erkenntnissen nicht Top-Priorität.“

    Da ist was dran; nur muss man bedenken, dass es in den Kulturkreisen, auf die von Täterseite rekurriert werden soll, ein etwas pathetisches Verständnis von „bestrafen“ geben könnte (oder von den Tätern nur gewähnt wird).

    Bei den Blasphemie-Protesten wurde öfters betont, dieser oder jener habe „sich nicht entschuldigt“ – und daher seien die Gewaltätigkeiten auch „kein Wunder“.

    „Ressentiments, privates Unglück, Depressionen, religiös oder sonstwie verstärkten Gruppenhass, Gruppendruck“ – damit wird aber auch viel „normale“ Politik gemacht und das würde den Terrorismus nicht besonders prägnant konturieren.

    „keine “politische” Gewalt sind, sondern apokalyptische, eliminatorische Gewalt zur Beendigung, Durchkreuzung und Verunmöglichung von Politik (verstanden im Sinn von Vertrag, Kompromiss, Aushandeln“

    Aber es gibt auch „Politik“, die in diesem Sinne auf „Durchkreuzung und Verunmöglichung von Politik“ setzt. Nach zwei Minuten Diskussion mit (nicht-quietistischen) „politischen“ Salafisten hat man doch da bereits einen Eindruck von.

    Nihilismus (mein bevorzugter Wortgebrauch) ein Verhalten, als sei man in einem „cosmic war“ (Reza Aslan) bzw. ein selbstzerstörerisches Agieren (Christopher Hitchens 2002 über Jihadismus) haben die Bühne des: Geschichtlichen erklommen, auch ohne „politisch“ im herkömmlichen Sinne zu sein.

    Streng genommen ist da vieles anti-politisch. Aber man hat sich nicht eben überschlagen, dieses auch mal so und als solches zu denunzieren.

    Warum wohl nicht ?

    „Ziel ist seine Vertreibung, besser noch Elimination.“ In Reyhanli hat das z.B. auch geklappt. Viele Flüchtlinge treten den Rückmarsch aus der Türkei nach Syrien an.

    Weil man sich unwillkommen fühlt, zumindest im AJE Interview.

    „sondern um die Zerstörung jedes Vertrauens beim Gegner“

    Das gibt es auch in pop-migrantischer „Wir sind aber hipp“ Laune:

    „Es leben hier Türken, Araber, Albaner, Kosovaren, Libanesen, Palästinenser, alles kampferprobte, terrorgeschädigte Zombies, die Wissen worauf es ankommt, sich dem zu erwehren, und falls man als Märtyrer in den Himmel aufsteigt, von 72 Jungfrauen oder Junggesellen empfangen zu werden. Die haben nichts zu verlieren.“

    http://www.turkishpress.de/de/news/13052013/die-islamkritiker-so-wuerde-es-enden/4968

    Widerspricht denen jemand (außer den „Haustürken“) ?

    Die dürfen mit dem Tottreten kokettieren; wird der Zusammenhang umgekehrt hergestellt, dann ist es Rassismus.

    „Wenden sich die Zarnajews an den amerikanischen (oder russischen) Staat, den sie zur Veränderung seiner Politik zwingen wollen?“

    Teilen der Familie und einer Unterstützergemeinde ist das Attentat recht, um den Westen der abenteuerlichsten Machenschaften zu bezichtigen, wie Sie ja auch schreiben. Und transportiert wird das über dieselben russischen Medien, die dem Westen heute vorhalten repressiv zu sein und morgen die russische Gangart empfehlen.

    Wir haben ein Klima, in dem völlig egal, was in die Luft fliegt: für einen Teil der Öffentlichkeit sind immer wir schuld sind; und sei es nur, weil wir es nicht verhindert haben.

    Der Nihilismus der Terroristen ist das Komplement zu unserer Dekadenz.

    Und auf staatlicher Ebene ist Spolier-Politik das Komplement zu unserer Dekadenz.

    Wir machen Nation-building, werden dabei dreimal über Ohr gehauen und ausgenommen und sind am Ende schuld an der Radikalisierung des Volkes.

    „Ich habe den Eindruck … es soll gezeigt werden, dass Terror wie der der Zarnajews eine irgendwie falsche Antwort auf die richtige Frage ist, eine fehlgehende Reaktion auf Ungerechtigkeit und Unterdrückung.“

    Nachdem wir zuvor für praktisch alle in betracht kommenden Ungerechtigkeiten und Unterdrückungszustände der letzten (gefühlten) 500 pauschal die Verantwortung übernommen haben. Namentlich gegenüber der Wiege der Zivilisation.

    „Ist das “blinde Verteufelung”?“

    Eine gute Frage, bei der sie da angelangt sind. Die blinde Verteufelung hat der Westen zuvor an sich selbst vorgenommen und nun bekommt er die Quittung.

    Die Lösung heißt übrigens nicht: Menschenrechte in Russland, oder so …

  2.   mrx

    So schnell wird man Rechtspopulist (!).

  3.   bellfrutta87

    Nachrichten aus dem „bunten“ Schweden.

    http://www.thelocal.se/48006/20130520/#.UZob6MouCCg

  4.   bellfrutta87

    „So schnell wird man Rechtspopulist (!).“

    Glaub ich fast nicht, ich rieche eher bei den Mitgliedern dieser Forschungsgruppe rechtspopulistische Tendenzen. Ich glaube die wollten mit ihrem Blogeintrag doch tatsächlich andeuten, dass nicht nur sozioökonomische Verlierergründe hinter der Motivation für diese Terroranschläge stecken könnten, sondern vielleicht sogar – politisch korrekt formuliert – „Islamismus“!

  5.   N. Neumann

    @ Jörg Lau

    Da ich selber eingehend zum Thema gearbeitet habe, muss auch ich sagen, dass ich den Artikel des Autoren-Kollektivs für wissenschaftlich unzulänglich halte. So bemühen die Autoren den (an sich richtigen) wissenschaftlichen Allgemeinplatz, dass es, wie ich es formulieren würde, keine belastbaren Hinweise darauf gibt, dass Terroristen, gemessen an gängigen psychiatrischen/psychologischen Maßstäben, häufiger psychisch gestört oder gar regelrecht krank sind, als der Bevölkerungsdurchschnitt. So weit, so gut – das ist (sinngemäß) der Befund, von der meiner Einschätzung nach die überwiegende Mehrheit der Terrorismusforscher ausgeht.

    Wenn man allerdings Psychologisierung bzw. Überpsychologisierung, an der man sich aus wissenschaftlicher Perspektive stört, an der Verwendung des Wortes „Befund“ fest macht, dann ist das ebenso dünn wie gekünstelt. Auch existiert kein guter Grund dafür, unter Inanspruchnahme von wissenschaftlicher Nüchternheit sowie Differenzierung mit dem Stichwort Psychologisierung gegen jede Bemerkung über die Psyche von Terroristen und/oder den soziokulturellen Hintergrund der Psyche von Terroristen zu Felde ziehen.

    Zusätzlich mutet das im gegebenen Fall merkwürdig an, weil Sie in Ihrem beanstandeten Blogeintrag zum Ausdruck bringen, dass Sie sich eher nicht für die Psyche oder sagen wir: die Individualität der Zarnajews interessieren und stattdessen zur Erklärung der Motive der Zarnajews deren soziokulturellen Hintergrund heranziehen. Und gerade das ist es, was die Autoren, die sich an Ihrem unverhohlen subjektiven Blogeintrag stoßen, stört. Allein – ein tatsächlich oder vermeintlich psychologiesierendes Deutungsmuster für die Erklärung von terroristischen Taten ist eben nicht identisch mit einem tatsächlich oder vermeintlich kulturalisierenden Deutungsmuster derselben. Sofern man sich jedoch mit den Motiven der Zarnajews auseinandersetzt, wird man wohl kaum völlig darum herumkommen, deren soziokulturellen (das kann auch heißen: religiösen) Hintergrund als einen Erklärungsfaktor für ihre Taten heranzuziehen.

    Offenbar wollen die Autoren diesen Erklärungsfaktor lieber in „asymmetrischen Herrschaftsverhältnissen“ (oder so ähnlich) auflösen. An denselben hatten sich schon die europäischen Linksterroristen in den 60ern, 70ern und 80ern gestört. Asymmetrische Herrschaftsverhältnisse an sich lassen sich nun vernünftigerweise nicht leugnen, weil Herrschaft unabhängig von der Bezugsgröße notwendig auf einem gewissen Maß an Asymmetrie beruht. Der Punkt ist: Es bedarf notwendigerweise eines mehr oder weniger großen Quantums an Ideologie, um auf dieser Basis Bostoner Nicht-Kombattanten in die Luft zu sprengen oder aber in der Bundesrepublik der 70er Polizeibeamte zu krypto-faschistischen Schweinen zu erklären und zum Abschuss freizugeben.

    Die conditio sine qua non für Terrorismus, die jeweilige Ideologie, muss man nicht zwingend mit einem hohen Maß an soziokulturellen Einflussfaktoren verstehend erklären, auf denen sie aufruht bzw. aufruhen kann oder aus denen sie herauswächst bzw. herauswachsen kann (das gilt übrigens auch für die deutsche RAF). Man kann nun die Tschetschenen im Allgemeinen als eine unterdrückte Minderheit und die Tsarnajew-Brüder im Besonderen als Mitglieder einer unterdrückten muslimischen Minderheit beschreiben – selbst dann, wenn die beiden sich in einem vergleichsweise luxurierenden Lebensumfeld befunden haben und dort zur Tat schritten. Denn der Umstand, dass sie Muslime und Tschetschenen sind, wird in den ideologiesierten Köpfen der beiden eine Rolle gespielt haben.

    Aber man kann den Faktor Kultur, und zwar auch dann, wenn man ihn in den Faktor Ideologie mit einbezieht, auch dann nicht völlig ausblenden, wenn man, wie bei den Tsarnajews, sagen kann, dass das Teil-Sein einer unterdrückten Minderheit nicht vollkommen abgeleitet ist. Sie lebten zwar in der vergleichsweise sehr kommoden Bostoner Diaspora, aber sie waren nicht zuletzt in ihrer Eigenschaft als tschetschenische Muslime dazu geneigt – egal wie widersinnig dies ist -, die russische Unterdrückung virtuell durch eine amerikanische zu ersetzen. So kämpft nahezu jeder Terrorist für eine unterdrückte Gruppe („das Volk von XY“, „die Arbeiterklasse“, „die Umma“) unabhängig davon, ob er de facto selber selber unterdrückt wurde, und unabhängig davon, ob an der Unterdrückung dieser Gruppe etwas dran ist* oder nicht und die Opfer ihrer Anschläge dazu in einem näheren Zusammenhang stehen oder nicht.

    Dennoch gibt es – Stichwort: asymmetrische Herrschaftsverhältnisse – diskriminierte Minderheiten, deren Diskriminierung nicht allein hoch ideologisch postuliert ist (also auch ein nennenswertes Substrat in der sozialen Wirklichkeit der Herrschaftsverhältnisse hat) und trotzdem keinen Terrorismus ausgeschwitzt haben oder ausschwitzen: So existieren z.B. keine tibetischen Terrorgruppen. Man muss wohl schon die chinesische Staatspropaganda bemühen, um Tibeter zu finden, die chinesische Zivilisten, weil sie Chinesen sind, unvermittelt ins Jenseits befördern. So existieren z.B. keine Ahmadiyya-Terrorgruppen oder auch nur Zellen, die landläufige Mitglieder der sunnitischen Mehrheit, von der sie schwer diskriminiert werden, weil sie Sunniten sind, zu hause oder in der Diaspora umbringen. So ließen sich Indien (wo es gleichwohl unterschiedliche Terrorgruppen gab bzw. gibt: sikhistische, muslimische, maoistische) diverse diskriminierte Minderheiten finden, deren Mitglieder keinen Terrorismus praktizieren.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Um den Umstand zu erklären, dass es „asymmetrischen Herrschaftsverhältnissen“ zum Trotz, ethnische und religiöse Minderheiten gibt, die dennoch keinen Terrorismus ausschwitzen, ist es nicht damit getan, einfach zu sagen, dass ihre frustrierten und/oder zornigen Mitglieder zufällig eben keinen spezifischen politischen Extremismus erfunden haben. Vielmehr lässt sich hier nicht völlig ausblenden, dass innerhalb dieser (ethnischen, religiösen, ethnisch-religiösen) Minderheiten kulturelle /soziokulturelle/sub-kulturelle Einflussfaktoren existieren, die die Entstehung von terroristischen Ideologien und Subjekten konterkarieren.

    * Was Leuten, die im Zusammenhang Terrorismus stark auf „politische und soziale Machtverhältnisse“ in der so geschilderten Form nicht in den Kram passt: Wenn „politische und soziale Machtverhältnisse“ (bzw. deren Asymmetrie, Diskriminierung, Unterdrückung) nicht stark subjektiv in den Köpfen von Terroristen konstruiert sind und als wichtiger äußerer Kausalfaktor herangezogen werden, dann sind Terrorgruppen wie die RAF oder die ETA mit Max Weber nicht mehr verstehend zu erklären.

  6.   N. Neumann

    Was Leuten, die im Zusammenhang Terrorismus stark auf “politische und soziale Machtverhältnisse” abstellen, in der so geschilderten Form nicht in den Kram passt

  7.   Thomas Holm

    Gerade reingekommen aus Dagestan:

    „Car bombs and suicide attacks are routine in Dagestan, centre of an insurgency rooted in two post-Soviet wars against separatist rebels in neighbouring Chechnya.“

    http://sports.yahoo.com/news/soccer-match-makhachkala-ahead-despite-deadly-blasts-141450097.html

    Das Qualitätsmerkmal einer politisch korrekten Zurechenbarkeit von Anschlägen ist in der betreffenden Region generell weitgehend abhanden gekommen.

    In Teilen der Fußballszene kommen auch Magnaten-Machtkämpfe in Betracht.

    Gegenüber einem Polit-Chaos, in dem ständig

    „Viele potenzielle Täter“

    anzutreffen sind; eine ordentliche Auflistung von Herrn Thumann findet sich bei:

    hxxp://www.zeit.de/politik/ausland/2013-05/Reyhanli-Anschlag-Ergebnis?commentstart=17#cid-2789435

    (zu Reyhanli)

    muss man sich nachgerade wundern, dass es überhaupt noch „Optimisten von Gewalt-Kommunikation“ gibt, die vor solchen Anschlägen nicht etwa unter dem Gesichtspunkt zurückschrecken, dass solch ein Anschlag sowieso nicht so verstanden werden könne, wie er gerade gemeint wird.

    Dem* „zu interessierenden Dritten“ (H. Münkler) wird nach solchen Anschlägen daher in der Regel durch geeignete Maßnahmen dann auch noch nachträglich zu verstehen gegeben, dass es (wirklich) gegen ihn geht.

    *Und jetzt kommt’s: Plural ! Die einen machen Stimmung gegen die Flüchtlinge und behaupten, dass denen eine Bombe auf dem Weg nach Syrien zu früh hoch gegangen sei und die anderen wollen aufräumen mit allen üblichen Verdächtigen als „Assad-Agenten“.

    Die Folge für die Region der Tendenz nach: Bürgerkrieg, und zwar ohne Ende.

    Daher habe ich bei dem Artikel kommentiert:

    „Oder ist ein solch „kommunikativ gewagter“ Terrorismus schon ein Vorbote eines Hobbes’schen:

    hxxp://de.wikipedia.org/wiki/Bellum_omnium_contra_omnes

    @ NN

    RAF und ETA hatten TAN-Nummern für ihre Anrufe bei den Sicherheitsbehörden in dem Spiel um die Vorwarn-Minuten. Beide wollten keine Trittbrettfahrer. Heute gibt es schneller Verschwörungstheorien als Trittbrettfahrer noch mitkommen können.

    Unsere supermodernen Perzeptionsverhältnisse, in denen es 1.) stets die anderen selbst waren, welche es aber auch 2.) zugleich verdient hätten, verwirren uns ein wenig.

    In den betroffenen Muslim-Konfliktregionen sind sie dagegen zuverlässige Mit-Garanten von Unversöhnlichkeit.

    Father Paolo:

    hxxp://en.wikipedia.org/wiki/Paolo_Dall’Oglio

    spricht von einer epidemischen Kultur von „denial“ als Mit-Garanten des Unheils.

    @ HJS

    Das klügste Wort, was ich von einem Christen seit Jahrzehnten gehört habe.

    Halten Sie sich mal ran !

    @ NN

    Wenn Sie es bis hierhin geschafft haben, dann haben Sie jetzt ein Recht auf eine ordentliche Pointe.

    Die blutigen Pop-Islamisten der Zarnajews sind auch ein Don Quixote Team von einer elend traurigen Gestalt ihres dreimal zerschossenen Ethno-Suprematismus.

    Sie haben Witze gemacht über die Rückständigkeit der Tschetschenen – den Willen gleichwohl: „die anderen“ leiden zu sehen (und sich nicht einfach von dem ganzen Blutrache-Klamauk des Kaukasus zu verabschieden) sehe ich allerdings durch das ethisch hochmögende Gefasel des Islam bedingt.

    Ohne -ismus.

    Denn „Islamistisch gewertet“ war der Anschlag eine Katastrophe, das sagen jedenfalls die „echten Jihadisten“.

    PS: wegen der Sikhs … wenn Indien grausam sein mag, dann werden sie gegenüber der neuen Pakistanischen Regierung darauf bestehen, dass es nicht die Sikhs waren. Der Kanada-Flieger damals …

  8.   Thomas Holm

    Das ist doch mal ein Wort: Eschatologischen Terrorismus !

    „Der „neue Terrorismus“ wird zunehmend auch unter anderen Rahmenbedingungen entstehen: Er wird in sozialen „Taschen“ entstehen, die, von der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung abgekoppelt, die Subkultur des

    „eschatologischen Terrorismus“

    entwickeln; in „Implosionsregionen“ der „Dritten Welt“, die soziale „Brückenköpfe“ in den modernen Industriegesellschaften entwickeln, und er wird im Gefolge von Fundamentalismen aller Art in immer stärkerem Gegensatz zum Rationalismus und Funktionalismus die „Erste Welt“ bedrohen.“

    http://www.hss.de/fileadmin/migration/downloads/TerorrismusAA11.pdf

    Seidelstiftung, 1998

    Gut, dass es unter all den „Implosionsregionen“ der „Dritten Welt“ doch nur eine gibt, die eine Subkultur von „eschatologischem Terrorismus“ hervorgebracht hat.

    @ HJS

    Christlich, aber nicht doof. Es geht, wie Sie sehen.

  9.   Thomas Holm

    „“Ich rate Ihnen, mich an ein Kreuz zu nageln und mich lebendig zu verbrennen. Mein brennender Körper wird eine Fackel sein, die meinem Volk auf dem Weg in die Freiheit leuchtet.“ …

    Unsere Geister werden durch Wien wandern
    Am Hofe umherirren, die sogenannten Herrschaften erschrecken“

    So sind unsere Aggro-Migranten auch drauf. Woher der Text ist – er ist von:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gavrilo_Princip

    der mit dem Attentat in Sarajewo das christliche Europa in einen Bürgerkrieg von 1914 bis 1945 schickte.

    Die paar Aggros, die sich bei uns noch in die Luft jagen werden, sind nicht so wichtig. Die muslimische Welt ist voller Gavrilo Princips:

    für die inner-muslimischen Erbfolge-Kriege um das Renommee der Orientalischen Hochkulturen und voller Bereitschaft ihnen zuzujubeln und sie zu verehren.

    Weil wir den Herrschaften nicht gut genug sind.

  10.   Thomas Holm

    „Der Terrorismus der radikalen Verlierer wird weitergehen, auch wenn der Krieg gegen ihn längst gewonnen ist. Er wird sich eines Tages totlaufen, wie die fürchterliche Welle des Anarchismus an der Wende zum 20. Jahrhundert.“

    hxxp://blog.zeit.de/joerglau/2013/04/24/die-grose-leere-im-herzen-des-terrors_5990/comment-page-228#comment-360663

    Aber worin lief er sich denn so alles tot ?

    „Schinas war ein Makedonier und Anarchist.

    Schinas tötete König Georg I. in der Nähe des Weißen Turms in Thessaloniki durch einen Schuss ins Herz. …

    Da Schinas’ Aussagen wenig ergiebig waren, schienen viele Fragen ungeklärt. Dies führte zu verschiedenen Theorien, denenzufolge er bulgarischer, deutscher oder türkischer Agent gewesen sein soll.“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Schinas

    Auch so ein Vor-Schuss auf den Weg in den Ersten Weltkrieg.

    Klingt doch wie Baniyas, Reyhanli, oder Pakistan at it’s best.

    So still und leise war das mit dem Totlaufen dann doch nicht.

    In den gefühlten 100 Jahren DER ZEIT: leider kein Wort zu dem Mann.

    Aber bescheid wissen, wie sich der Terrorismus der Anarchisten totgelaufen hat.

    Wie sich der türkische linksradikale Terrorismus „totläuft“ konnte man ja auch schon an ein paar Anschlägen sehen. Kurz bevor ein Terrorismus tot ist, kommt er noch mal ganz groß raus.

    „es geht nicht nur darum, den Gegner in Angst und Schrecken zu versetzen, sondern um die Zerstörung jedes Vertrauens beim Gegner“

    Den Herrschaften auf dem Weg in den Ersten Weltkrieg ist genau das auch wunderbar geglückt.

    „Unsere Geister werden durch Wien wandern … die sogenannten Herrschaften erschrecken“

    Klingt eher literarisch als politisch, hat aber Geschichte gemacht.

    Es hat Europa ein den Untergang gebombt; unterhalb davon läuft mache Biografie halt nicht.

    Und heute steht – nach den Worten von Hamed Abdel Samad: die islamische Welt zum Untergang an – im Zeichen des Hasses auf uns geht man dort aufeinander los.

    Man spielt halt gern über Bande.

 

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