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Der Mann der Sagen

 
© Joanna Nottebrock
© Joanna Nottebrock

Werwölfe an Bahnübergängen, Raubritter und pfiffige Pfarrer, Ungeheuer in Flüssen und ein Schweinehirte mit seiner treuen Sau Gerda: Im Ruhrgebiet war einiges los. Zumindest tauchen all diese Wesen und Gestalten in Sagen und Märchen aus der Region auf. Oft sind die Geschichten schon sehr alt. Doch so lustig wie von Hartmut El Kurdi wurden sie selten erzählt. In diesem Winter lest Ihr zehn seiner Geschichten hier bei uns. Zum Start hat er ein paar Fragen beantwortet

KinderZEIT: Hartmut El Kurdi ist ein ungewöhnlicher Name? Wo kommen Sie her?

Hartmut El Kurdi: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten: Geboren bin ich in Jordanien,  dann habe ich als Kind eine Weile in London gelebt. Richtig aufgewachsen bin ich in Kassel, in Nordhessen. Heute lebe ich in Hannover in Niedersachsen. Meine Mutter ist deutsch, mein Vater war Araber – und genauso klingt mein Name ja auch. Viele denken, es wäre ein Künstlername, aber ich heiße wirklich so. Ich schwöre!

KinderZEIT: Sie haben also nie im Ruhrgebiet gelebt. Woher kennen Sie die Region überhaupt?

Hartmut El Kurdi: Kennengelernt habe ich das Ruhrgebiet vor etlichen Jahren, als ich zum ersten Mal als Regisseur am Kinder- und Jugendtheater in Dortmund gearbeitet habe. Mein Freund Fritz Eckenga und sein Hund Gerda ließen mich in ihrem Haus wohnen, machten mich mit freundlichen Menschen bekannt und zeigten mir auch sonst, wie nett es dort sein kann. Seitdem komme ich immer wieder, oft zum Arbeiten, oft auch unter allerlei Vorwänden. Und ich fühle mich dort immer wohl und nie fremd.

KinderZEIT: Was mögen Sie am Ruhrpott? Und was nicht?

Hartmut El Kurdi: Vor allem scheinen mir viele Menschen im Ruhrgebiet ziemlich geradeaus und wenig schnöselig und etepetete zu sein. Das gefällt mir. Ich bin gern unter Leuten, die offen, aber nicht aufdringlich sind. Und für ihren oft staubtrockenen Humor und ihre deutliche, aber trotzdem sehr charmante Sprache haben die Bewohner des Ruhrgebiets sowieso längst einen Kollektiv-Orden verdient. Was ich nicht mag? Da fällt mir so spontan gar nichts ein, zumindest nichts, was es nicht woanders auch gäbe.

KinderZEIT: Wenn Sie die Sagen vorlesen, hört man, dass Sie den Dialekt recht gut sprechen. Hat Ihnen das jemand beigebracht?

Hartmut El Kurdi: Danke für die Blumen, aber ich finde, das stimmt nicht ganz. Aber ich gebe mir Mühe und versuche, gut hinzuhören und die Ruhrgebietssprache in den Geschichten hier und da anzudeuten. Und ich hoffe, dass mir das niemand übel nimmt. Ich mache es aber auch sehr, sehr sparsam. Ab und zu kommt eben, wo’s passt, ein bisschen Ruhrsound rein. Diese Stellen im Buch lasse ich aber auf alle Fälle noch mal von Leuten, die das wirklich können, gegenlesen.

KinderZEIT: Haben Sie ein Lieblingsruhrpott-Wort?

Hartmut El Kurdi: Nö, es ist mehr der gesamte Klang, der mir gefällt.

KinderZEIT: Welche der zehn Sagen ist Ihre Lieblingsgeschichte und warum?

Hartmut El Kurdi: Meine Lieblingsgeschichte ist ein Märchen aus der Gegend von Bochum: Warum die Hasen so lange Ohren haben. Darin kommt eine sehr sympathische Schnecke vor … (Anmerkung der Redaktion: Die Geschichte lest Ihr in der kommenden Woche.)

© Joanna Nottebrock
© Joanna Nottebrock

KinderZEIT: Sie schreiben auch Kinderbücher und machen Kindertheater. Was gefällt Ihnen daran, für Kinder zu arbeiten?

Hartmut El Kurdi: Bei Kindern geht es um die Sache an sich und nicht um das Drumherum: Ist die Geschichte gut? Ist sie spannend? Hat man wirklich etwas zu erzählen? Kinder merken sehr schnell, ob man es ernst meint oder nicht und sind als Publikum ziemlich ehrlich. Und das mag ich.

Interview: Katrin Hörnlein

Zur Homepage von Hartmut El Kurdi geht’s hier

 

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