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Auf Frieden hoffen

 
Ein palästinensischer Junge steht vor einem israelischen Soldaten/ © Getty Images

Zwischen Israelis und Palästinensern gibt es seit Jahrzehnten Streit – und viel Gewalt. Nun wollen die Vertreter beider Seiten wieder miteinander reden

Von Gisela Dachs

Ihr hört ganz oft in den Fernsehnachrichten das Wort »Nahostkonflikt«, fast jeden Tag steht etwas darüber in der Zeitung. Wahrscheinlich ist Euch trotzdem nicht ganz klar, worum es sich dabei handelt. Das geht auch vielen Erwachsenen so (sie geben es nur ungern zu).

Fangen wir mit der Geografie an: Wo liegt der Nahe Osten, und was gehört dazu? Um dorthin zu gelangen, müsstet Ihr von Deutschland aus etwa vier Stunden lang in Richtung Südosten fliegen. Zum Nahen Osten gehören große arabische Länder wie Ägypten, der Irak, Syrien, Saudi- Arabien – und Israel, das ein bisschen anders ist.

Zunächst einmal in der Größe: Israel ist so klein, dass man seine schmalste Stelle locker in zehn Minuten mit dem Auto durchqueren könnte. Im ganzen Land wohnen gerade einmal doppelt so viele Menschen wie in Berlin. Ihr Leben ähnelt in vieler Hinsicht Eurem in Deutschland. In der Stadt Tel Aviv gehen die Mädchen am Strand im Bikini baden, und die Jungs üben Breakdance. Alle sitzen viel am Computer, chatten zum Beispiel auf Facebook oder mit ICQ (das übrigens in Israel erfunden wurde), sie besuchen Cafés und Discos. Nur sprechen sie Hebräisch und feiern das jüdische Lichterfest Chanukka statt Weihnachten.

Ganz anders als in Deutschland ist es, dass die Israelis daran gewöhnt sind, Feinde zu haben. Deshalb stehen vor Supermärkten und Kinos Sicherheitsleute, die aufpassen, dass niemand eine Bombe reinträgt. Und wenn auf einem Schulhof ein herrenloser Rucksack gefunden wird, kommt sofort die Polizei. Leider gab es auch immer wieder Kriege. Deshalb ist die Armee vielen Menschen sehr wichtig. Tragisch an dieser ganzen Sache ist, dass der Staat Israel 1948 eigens gegründet worden war, damit die Juden dort endlich in Ruhe leben konnten. Überall in Europa hatte man sie wie Fremde behandelt und nicht akzeptieren wollen, obwohl sie schon sehr lange dort gelebt hatten.

Der Wiener Journalist Theodor Herzl war bereits vor mehr als hundert Jahren auf die Idee gekommen, einen Staat für die Juden genau dort zu errichten, wo sie schon einmal früher, zu Bibelzeiten, gelebt haben: in Palästina. Und so kamen viele zu Beginn des 20. Jahrhunderts ins Land, legten Sümpfe trocken und bauten Gemeinschaftssiedlungen, die Kibbuzim heißen. Herzls Traum wurde aber erst verwirklicht, nachdem die deutschen Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) versucht hatten, alle Juden in Europa umzubringen. Diese grauenhafte Erfahrung prägt heute noch viele junge Israelis in ihrem Denken und Tun. Weil ihre Eltern und Großeltern so schlimm verfolgt wurden, sitzt eine Angst ganz tief in ihnen, und sie trauen niemandem außer der eigenen Armee.

© DIE ZEIT

Das führt manchmal dazu, dass sie sich bis heute selbst dann auf ihre Waffen verlassen, wenn andere Mittel vielleicht angebrachter wären. Auch in der neuen Heimat kam es zu viel Streit und Kampf. In Palästina lebten damals nämlich bereits Araber, heute nennt man sie Palästinenser. Und diese hatten überhaupt keine Lust, sich das Land mit den jüdischen Israelis zu teilen. 1967 kam es zu einem Krieg, nachdem arabische Staaten (wieder einmal) gedroht hatten, Israel zu zerstören. Aber innerhalb weniger Tage hatten die Israelis Gebiete der Palästinenser erobert, das Westjordanland und den Gaza-Streifen.

Seither gab es immer wieder Versuche, diese Besatzung zu beenden, aber nie konnten sich die beiden Seiten einigen, wie das gelingen könnte. Die Palästinenser haben kein leichtes Leben. Kinder in der Stadt Ramallah zum Beispiel müssen auf dem Schulweg oft durch israelische Kontrollen. Manchmal steigen auch Soldaten in den Bus um nach Sprengsätzen zu suchen – und die Kinder kommen an diesem Tag zu spät oder gar nicht mehr in die Schule.

Auf beiden Seiten gibt es Gruppen, die gegen eine Einigung kämpfen, weil sie glauben, dass nur ihnen allein das Land gehöre. Unter den Palästinensern gibt es verrückte Mörder, die sich selbst mit Bomben in die Luft sprengen und dabei viele andere Menschen verletzen oder töten. Unter den Israelis gibt es die sogenannten Siedler, die ihre Häuser um palästinensische Ortschaften herum bauen, sodass für die Palästinenser immer weniger Platz ist.

Die Palästinenser sind viel schwächer als die Israelis – aber die Israelis fürchten sich auch gar nicht so sehr vor den Palästinensern selbst. Sie haben viel mehr Angst vor all den anderen Kräften im Nahen Osten, die nur die Fanatiker unter der Palästinensern unterstützen. Viele dieser Leute tun nur so, als hätten sie Mitleid mit den Palästinensern. In Wirklichkeit geht es ihnen darum, den Hass auf Israel zu schüren. Die Palästinenser sind deshalb auch die Opfer ihrer arabischen Unterstützer.

Besteht gar keine Hoffnung? Vielleicht schon. Es gibt auch gute Beispiele: Die Länder Ägypten und Jordanien haben mit Israel Frieden geschlossen. Auch Deutschland ist heute mit Israel eng verbunden – trotz der schrecklichen Vergangenheit. Und viele Menschen überall in der Welt werden ein Treffen beobachten, das an diesem Donnerstag (2. September) stattfinden soll. Vertreter der Israelis und der Palästinenser wollen sich treffen, um darüber zu reden, wie sie Frieden schließen können. Vielleicht sollten sie sich israelische und palästinensische Kinder zum Vorbild nehmen: Wenn die sich dann doch einmal treffen, bei einem organisierten Fußballspiel zum Beispiel, dann sind sie ziemlich oft überrascht, wie gut man sich doch verstehen kann, wenn man den anderen als Mensch sieht und nicht als Feind.

1 Kommentar


  1. Als Israeli habe ich mit Freude diesen ausgewogenen Beitrag gelesen. Ich halte es aber für wichtig zu bemerken daß immer Juden im Land gelebt haben. Vor den Einwanderungswellen des späten 19ten und 20ten Jahrhunderts waren es zwar nur um die 50,000 Juden aber auch nicht viel mehr Palästinenser.
    Alle Achtung Gisela Dachs, ein wichtiger und schöner Beitrag

 

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