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Auf Wiedersehen liebe Eltern – jetzt geht es auf Klassenreise

 

Los geht's zur ersten Reise ohne Eltern/ © Getty Images

Eine Klassenreise ist mehr als ein Schulausflug und ganz anders als ein Urlaub mit den Eltern. Die Lehrer fürchten sich vor schlaflosen Nächten und wild tobenden Schülern, die Kinder freuen sich auf eine Woche mit ihren Freunden und haben ein wenig Angst vor dem nächtlichen Heimweh.

Der Termin für eine Klassenreise und das Ziel stehen schon weit im Voraus fest. Schließlich muss das Schullandheim gebucht, der Bus gemietet oder die Bahntickets gekauft werden. Ein spezieller Elternabend soll Euren Eltern dann noch einmal die Sorge nehmen, Euch eine Woche lang „loslassen“ zu müssen. Außerdem müssen die Eltern ganz genau wissen, was sie in Euren Rollkoffer oder die Reisetasche packen sollen. Geht die Klassenreise ans Meer oder an einen See, sind Gummistiefel ganz wichtig. Außerdem kleine Beutel für Muscheln, Steine und andere Schätze. Dazu ein Sonnenhut, Sonnencreme, vielleicht auch eine Becherlupe und ein Kescher.

Für die Abendstunden auf dem Zimmer darf eine Taschenlampe nicht fehlen, außerdem ein Buch und ein Kuscheltier, das den Geruch von zu Hause mit ins Ferienheim nimmt. Eine kleine Herausforderung ist es immer, vor allem für Grundschüler, selbst das Bett beziehen zu müssen. Denn oft wird dieser Service zu Hause vom Hotel Mama erledigt.
Während Ihr Euch auf die Reise freut, haben Eure Eltern noch viel zu tun: Alle Kleidungsstücke sollen mit Eurem Namen beschriftet werden, viele Lehrer verlangen sogar eine Packliste, die in die Tasche gelegt wird, auf der jedes Kind beim Einpacken vor der Abreise abhaken kann, was es alles zurück in die Tasche gepackt hat.
Wenn Ihr Kinder in den Bus oder die Bahn einsteigt, werden viele Eurer Eltern ganz wehmütig. Für viele ist es das erste Mal, ihr Kind eine Woche nicht zu sehen und auch nicht zu wissen, wie es ihm geht. Denn Handys sind von den meisten Lehrern verboten, Computer sowieso. Es gibt keinen Kontakt nach Hause, und das soll auch so sein, damit Ihr Euch auf der Reise so bewegen und benehmen könnt, wie Ihr möchtet, und Euch nicht von den Eltern kontrolliert fühlt.
Das heißt aber auch: Wenn sich Eure Lehrer während der Klassenreise bei den Eltern melden, wissen die, dass Euch entweder ein Unfall passiert ist oder ihr krank geworden seid, oder aber, dass Ihr früher nach Hause geschickt werden, weil Ihr Euch so schlecht benommen habt. (Das kommt aber sicher nur ganz, ganz selten vor.)
Ganz wichtig auf einer Klassenreise ist Post. Die Familie zu Hause fiebert dem Eintreffen der guten alten Postkarte mit dem Motiv des Ferienheims entgegen, und auch die reisenden Kinder hoffen bei der Postausgabe nach dem Mittagessen auf einen kleinen Gruß von der Familie zu Hause.
Die Tage zusammen mit der Klasse sind ausgefüllt. Museen, Wanderungen, Spiele am Strand, auf der Wiese oder im Wald, Nachtwanderungen, gemeinsames Grillen und Stockbrotbacken lassen keine Zeit für Heimweh. Das schleicht sich bei manchen abends, ganz heimlich, unter die Decke. Dieses Gefühl, dass die Bettdecke doch nicht so kuschelig ist wie zu Hause. Und Mama und Papa doch ganz schön weit weg sind.
Heimweh ist, wenn man sich auch im Kreise seiner Freunde ganz einsam fühlt und nach Hause möchte. Gute Rezepte gegen Heimweh gibt es nicht. Manchen von Euch hilft es, wenn die anderen Quatsch machen und Euch ablenken. Oder aber ihr kuschelt Euch zusammen in ein Bett und umarmt dabei Euer Kuscheltier ganz fest. Manchmal kann es auch helfen, wenn die Lehrerin oder der Lehrer trösten. Aber was Ihr nicht machen dürft: Kinder, die unter Heimweh leiden, damit zu ärgern. Denn für Heimweh kann man nichts, und man kann dieses Gefühl auch nicht auf Knopfdruck wieder ausschalten. Am nächsten Morgen ist der dicke Kloß im Hals meist wieder verschwunden und es beginnt ein neuer Tag voller Spaß und Abenteuer.
Wenn Ihr von einer Klassenreise zurück kommt, schaut mal ganz genau in die Gesichter Eurer Eltern, die Euch abholen. Bei manchen von Ihnen kullert dann auch einen kleine Freudenträne, weil sie Euch endlich wieder haben. Denn auch Eltern haben manchmal Heimweh nach ihren Kindern – nur andersrum.

 

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