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Start der neuen Vorlesegeschichte: Zum Verlieben, äh, Verkloppen

 
Zwei Mädchen? Nee, nur eins. Links drückt Hedvig, rechts zerrt Olle/ © Fredrik Jurk
Zwei Mädchen? Nee, nur eins. Links drückt Hedvig, rechts zerrt Olle/ © Fredrik Jurk

»Ihh, Mädchen!« – »Bäh, Junge!« Hedvig und Olle sind die Helden unserer neuen (Vor-)Lesegeschichte, die wir ab dieser Woche regelmäßig in der gedruckten Ausgabe der ZEIT veröffentlichen. Die beiden kriegen sich ständig in die Haare. Warum das so ist und wie sie selbst als Kind war, verrät die schwedische Autorin Frida Nilsson im Interview mit Katrin Hörnlein

von Katrin Hörnlein

Wir nehmen Dich mit bis ans Ende der Welt. Eigentlich sogar noch weiter. Denn »Hedvig wohnt nicht einmal am Ende der Welt. Sie wohnt dahinter.« Hedvig, so heißt das Mädchen, deren Geschichte wir in elf Folgen auf unserer (Vor-)Leseseite abdrucken. Und lesend kannst Du mitreisen in Hedvigs Heimat – nach Schweden. Dort lebt die Neunjährige mit ihren Eltern und einem Haufen Tiere, sie »wohnt aber leider Nachbar mit niemand«. Einsam fühlt Hedvig sich manchmal auf dem Hof. Wie gut, dass es in der Schule in dem kleinen, kleinen Dorf Hardemo so lebhaft zugeht! Hier sind andere Kinder, hier sitzt Hedvig neben ihrer besten Freundin Linda, und hier taucht plötzlich eine Prinzessin auf …

Wer jetzt denkt: »Na toll, erst eine Hedvig und dann noch eine Prinzessin? Das ist ja voll die Mädchengeschichte!«, den können wir beruhigen: Die Prinzessin von Hardemo ist eine, sagen wir, etwas spezielle Prinzessin. Außerdem ist da noch der Junge Olle, der eine weitere Hauptrolle in dieser Geschichte spielt. Es ist eine Geschichte über Freundschaft und Mut, über Notlügen und Geduld, über Sportrekorde und nervige ältere Schüler.

Aber noch mal zurück zu Hedvig. Niemand kennt sie so gut wie Frida Nilsson. Die kommt nämlich auch aus Hardemo, ist 34 Jahre alt und hat die Hedvig-Bücher geschrieben. Wer könnte also besser Fragen zu dem wilden Mädchen und ihrem neuen Abenteuer beantworten?!

KinderZEIT: Frida, wie würdest Du Hedvig beschreiben?

Frida Nilsson: Hedvig tut, was ihr gerade einfällt. Sie ist jemand, der bestimmen will und gern selbst die Initiative ergreift. Und eigentlich versucht sie auch brav zu sein. Leider gelingt ihr das nicht immer.

KinderZEIT: Stimmt, Hedvig ist ziemlich wild und gerät immer wieder in Schwierigkeiten. Was war das Wagemutigste, was Du getan hast, als Du in Hedvigs Alter warst?

Frida Nilsson: Ich war frech, habe es gern mit den Jungen aufgenommen und mich mit älteren Schülern angelegt. Unser Schulrektor wohnte im Haus neben dem Schulhof, und es war absolut verboten, in seinen Garten zu gehen. Aber einmal habe ich zu meinen Klassenkameraden gesagt, dass ich mich traue, eine ganze Runde um das Haus unseres Rektors zu laufen und auch noch in die Fenster zu schauen. Und dann hab ich das gemacht. Zum Glück war er nicht zu Hause!

KinderZEIT: Musstest Du jemals zur Strafe ins Büro des Rektors, weil Du etwas angestellt hast?

Frida Nillson
Frida Nillson

Frida Nilsson: Haha, Gott sei Dank nicht. Die eine oder ande- re Standpauke habe ich sicher bekommen. Aber ich war ja nicht richtig böse, sondern eigentlich sogar ein recht ordentliches Kind. Ich liebte es jedenfalls, mich in der Klasse zu melden.

KinderZEIT: Neben Hedvig ist in dieser Geschichte Olle sehr wichtig. Wie bist Du auf die Idee gekommen, ihn wie ein Mädchen aussehen zu lassen?

Frida Nilsson: Vor langer Zeit hatte ich eine ganz normale Arbeit in einem Büro. Dort ging ich eines Tage zu einer Kollegin, um ein bisschen zu plaudern. Sie hatte ein Foto auf ihrem Schreibtisch, auf dem ein wunderbar süßes Mädchen mit langen, dunklen lockigen Haaren und einem feinen Strohhut auf dem Kopf zu sehen war. »Ach, was hast Du für eine süße Tochter!«, sagte ich. »Ja, danke schön«, antwortete die Kollegin, »aber das ist mein Sohn. Er heißt Olle.«

KinderZEIT: Hedvig findet Olle zunächst ganz toll, dann geraten die beiden aber nur noch aneinander. Ohne zu viel von der Geschichte zu verraten: Was ist das Problem zwischen den beiden? Warum ist Hedvig so ruppig?

Frida Nilsson: Es ist einfach nur Hedvigs Art, mit ihren Gefühlen Olle gegenüber umzugehen. Sie kann ihm nicht sagen, dass sie ihn mag. Dafür ist sie viel zu stolz. Und deshalb sagt sie ihm, dass sie ihn hasst. Olle fällt es eigentlich nicht so schwer, zuzugeben, was er fühlt. Aber weil Hedvig sich ihm gegenüber so verhält, wie sie es tut, bleibt ihm keine andere Wahl, als es ihr zurückzuzahlen.

KinderZEIT: Ist es also eigentlich eine Liebesgeschichte?

Frida Nilsson: Und ob das eine Liebesgeschichte ist! Ich habe sie übrigens geschrieben, als ich frisch verliebt war in den Mann, mit dem ich heute zusammenlebe und mit dem ich Kinder habe.

KinderZEIT: War es schwierig, eine Liebesgeschichte für und über Kinder zu schreiben? Du bist ja erwachsen …

Frida Nilsson: Ja, aber ich weiß noch genau, wie es war, als Siebenjährige verliebt zu sein. Deshalb fand ich es nicht schwierig, die Geschichte zu schreiben. Die Gefühle beim Verliebtsein sind ja dieselben.

KinderZEIT: Hedvig lebt bei Hardemo, so wie Du früher. Ist sie Dir ähnlich?

Frida Nilsson: Doch, Hedvig ist schon sehr so, wie ich war – und noch heute bin. Erfinderisch, mutig, eigensinnig … jemand, der gerne seinen eigenen Kopf durchsetzt und der eher schlecht darin ist, Kompromisse einzugehen. Und viele Dinge, von denen ich schreibe, sind mir selbst damals auch wirklich so passiert.

KinderZEIT: Es ist schon eine Weile her, seitdem Du in Hedvigs Alter warst. Was würdest Du deutschen Kindern sagen, warum sie eine Geschichte über ein schwedisches Mädchen vom Land lesen sollten, die vor mehr als 20 Jahren spielt?

Frida Nilsson: Ist das wirklich schon so lange her? Ja, ich werde wohl langsam alt. Aber das, wovon ich schreibe, fühlt sich an, als sei es erst gestern passiert. Außerdem versuche ich meine Geschichten so zeitlos wie möglich zu schreiben. Ich möchte, dass sie lange halten, dass man sie auch in vielen, vielen Jahren noch lesen kann. Dinge, mit denen Hedvig sich herumschlägt, können auch Kindern heute noch genauso passieren, glaube ich.

KinderZEIT: Hat Dir Hedvig etwas beigebracht? Hast Du etwas gelernt, als Du die Geschichten geschrieben hast?

Frida Nilsson: Ich habe gelernt, etwas zu wiederholen, so lange, bis es sitzt. Immer wenn ein Text nicht richtig gut ist, wirf ihn weg und fang von vorne an.

KinderZEIT: Dies ist das dritte Hedvig-Buch. Stimmt es, dass es das letzte ist?

Frida Nilsson: Man weiß nie … Aber ich glaube, dass es jetzt genug ist mit Hedvig. Wie viele aufregende Abenteuer kann man einer Kinderbuchheldin zumuten? Irgendwann bekommt sie ja einen Nervenzusammenbruch!

Bei der gedruckten KinderZEIT lest Ihr die neue Geschichte „Hedvig! Die Prinzessin von Hardemo“ lange bevor der dritte Band über die fröhliche schwedische Göre in der Buchhandlung ist. Denn das gebundene Buch erscheint erst im Januar 2014 im Gerstenberg Verlag.

 

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