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Fünfzehn Jahre

 

Zugegeben, ich habe es später gesehen, als alle anderen, finde den Text von Kathrin Passig wider den Kulturpessimismus im Allgemeinen und die Internetzweiflerei im Besonderen aber so interessant, dass ich ihn natürlich trotzdem weiterverbreiten möchte.

Zitat gefällig? „Wer darauf besteht, zeitlebens an der in jungen Jahren gebildeten Vorstellung von der Welt festzuhalten, entwickelt das geistige Äquivalent zu einer Drüberkämmer-Frisur: Was für einen selbst noch fast genau wie früher aussieht, sind für die Umstehenden drei über die Glatze gelegte Haare.“

Und noch eins, weil’s so schön ist: „Es scheint derzeit etwa zehn bis fünfzehn Jahre zu dauern, bis eine Neuerung die vorhersehbare Kritik hinter sich gebracht hat. Die seit 1992 existierende SMS wird mittlerweile nur noch von extrem schlechtgelaunten Leserbriefschreibern für den Untergang der Sprache verantwortlich gemacht.“

Wir haben da also, was das Internet und seine Ausformungen angeht, noch ein paar Jahre Gemecker vor uns.

2 Kommentare


  1. Kulturpessimismus watschen ist immer recht leicht, gerade wenn ihn bei seiner oftmals aufgesetzten bürgerlich-liberalen-aber-doch-konservativ Gesinnung packt und ihm seine Wurzeln um die Ohren haut. Aber oftmals ist Technik-Kritik wichtig, besonders wenn sie fundiert ist und nicht auf „haben wir nicht, brauchen wird nicht“ Reflexe setzt.

    Frau Gaschke macht es in ihren guten und scharf beobachteten Einleitungen gut vor, auch wenn sie zum Ende hin meiner Meinung nach oft nicht die Kurve zu ihrem eigenen Text bekommt sondern eher etwas längst „erfühltes“ schreibt.

    Beispiel aus dem Text – Bibliotheken, also die Ort des gesammelten «Wissen» oder der Meinungen über die Zeiten sind immer ziemlich gefährdet und es ist gut wenn jemand darauf aufpasst. Unzeitgemäß ist hierbei egal, peinliche Bildungsbürgertum Floskeln des Feuilletons muss man hierbei ertragen. Ein kurzes „Orwell“ reicht ja momentan meistens noch, aber auch hier gibt es viele Begehrlichkeiten auf die aufgepasst werden muss.

    Kultur wie z. B. Theater ist auch wichtig, auch wenn oftmals «die Falschen» drin sitzen und ihnen die Bühne und das Stück schon lange nichts mehr anhaben können – ein paar junge triff es dann trotzdem immer noch…

    Als Warner und Zuspitzer helfen die Kulturpessimisten dabei das hoffentlich das schwärzeste Bild nicht gemalt wird. Das ist doch auch wichtig.


  2. Danke für den Hinweis – auf den speziellen Essay wie auf Kathrin Passig überhaupt (z. B. „Sie befinden sich hier“ oder „Militär und Dekadenz“).

 

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