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Grüne wollen Downloads erlauben

 

Die Grünen wollen den Tausch von Musikdateien legalisieren, jedenfalls bis zu einer bestimmten Grenze. Das hat jetzt der Hamburger Justizsenator und Grünen-Politiker Till Steffen bei der Konferenz der Justizminister von Bund und Ländern vorgeschlagen.

Schon früher sei der Austausch von Musik legal gewesen. Dafür sei auf den Verkauf von Leerkassetten eine Abgabe erhoben worden. „Ich halte nichts davon, mit der Staatsanwaltschaft in die Kinderzimmer einzumarschieren“, sagte Steffen. Er schlug daher vor, eine Bagatellgrenze einführen, unter der ein Dateientausch im Netz straffrei bleibe. Eine kommerzielle Nutzung von illegalen Kopien sowie ein gewerbliches Ausmaß der Aktivitäten sollen indes auch weiter juristisch verfolgt werden können.

Wenig verwunderlich: Die Musikindustrie lehnt diese Vorschläge ab. „Das ist etwa so, als ob jemand mit 3000 gestohlenen Singles aus einem Plattengeschäft gehen würde“, sagte Daniel Knöll, der Sprecher des Bundesverbands Musikindustrie.

Zwei kurze Bemerkungen dazu.

Wollen sich die Grünen da etwa mit einem Webthema profilieren? Immer zu! Die Netzgemeinde wird das freuen. Die Piratenpartei hat diese Themen nicht für sich gepachtet.

Auf der anderen Seite: Die Meinung, dass das Kopieren von Kassetten etwas qualitativ anderes ist als das massenhafte Tauschen von Musik im Netz, hat sich in den Köpfen inzwischen ziemlich festgesetzt. Wer auch immer daran rütteln will und ganz gleich aus welchen Motiven – er droht zu scheitern.

So muss jetzt eine Frau immerhin gut 2500 Euro an vier deutsche Musikkonzerne zahlen, wie ein Kölner Gericht urteilte. Und das, obwohl nicht sie selbst, sondern vermutlich ihre Kinder die fraglichen 964 Songs zum Herunterladen im Netz angeboten hatten.

Das tut weh, verglichen mit den Prozessen in anderen Ländern ist das aber immerhin noch verkraftbar. In den USA macht gerade ein Fall die Runde, in dem ein Downloader zu einer Strafe von 675.000 Dollar verurteilt wurde. Er hatte gerade einmal 30 Songs zum Download angeboten.

9 Kommentare

  1.   Tobias

    „Grüne wollen Downloads erlauben“? Downloads waren schon immer legal. Nur der Download von urheberrechtlich geschützten Material ohne Genehmigung des Urhebers ist verboten und das auch völlig zu Recht. Aber das wollen die Grünen auch nicht legalisieren. Sie wollen den Tausch (!) von Musik legalisieren.
    Wenn heute eine 13jährige einen Titel von Britney ihrer Freundin sendet begeht sie eine Straftat, genau das wollen die Grünen verhindern, indem sie den Tausch (!) von Musik in einem bestimmten Maße legalisieren wollen.

  2.   Matze

    Gut ist, dass die etablierten Parteien mal anfangen sich um die Belange der Netzbürger zu kümmern.
    Schlecht und das deutet der Autor schon an, ist dass sich die Grünen keine Gedanken um die quantitativen Ausmaße machen. Fakt ist, der massenhafte Austausch aller übers Internet tauschbarer Kulturgüter findet tagtäglich statt. Die Piratenpartei hat dies als einzige Partei als unabänderbar erkannt, und sucht nun nach einer Lösung, wie die Künstler doch zu einer Entlohnung kommen sollen – Stichwort Kulturflatrate. In den Überlegugnen, der Piratenpartei kommt die Musikindustrie allerdings nicht als Nutznieser vor, nur der Künstler selbst – die Vermarktung erledigt You Tube.


  3. „Wenig verwunderlich: Die Musikindustrie lehnt diese Vorschläge ab. „Das ist etwa so, als ob jemand mit 3000 gestohlenen Singles aus einem Plattengeschäft gehen würde“, sagte Daniel Knöll, der Sprecher des Bundesverbands Musikindustrie.“

    Ist es nicht. Die Singles wären immer noch in dem Plattengeschäft.

    „Auf der anderen Seite: Die Meinung, dass das Kopieren von Kassetten etwas qualitativ anderes ist als das massenhafte Tauschen von Musik im Netz, hat sich in den Köpfen inzwischen ziemlich festgesetzt. Wer auch immer daran rütteln will und ganz gleich aus welchen Motiven – er droht zu scheitern.“

    Ich behaupte mal, es ist eher umgekehrt. Die Musikindustrie rüttelt daran, dass sich in den Köpfen festgesetzt hat, dass man Musik unproblematisch tauschen kann. Hier wird versucht, eine Frage, die überhaupt noch gar keine normative Antwort hat, als schon beantwortet darzustellen.

  4.   aloa5

    Natürlich wollen sich die Grünen profilieren. Nur zu.

    Es ist dort jedoch in etwa so wie bei der FDP mit dem Datenschutz, SWIFT, VDS oder bei der SPD (und der FDP) mit den Nacktscannern usw. usw….. so lange man nichts zu melden hat(oder kurz vor Wahlen) kann man viel und lauthals brüllen. Hinterher kann man wie bei dem Laien-Stopp-Schild dagegen, wie bei dem Nacktscanner dafür oder wie bei SWIFT mal eben abwesend sein. Oder – wenn man Grün oder LINKE ist – tauscht man das gegen 25ct Dosenpfand, fünf Jahre weniger AKW-Laufzeit oder auch die Berliner Kältehilfe oder U-Bahn Überwachung ein. Ach so… das waren ja teilw. Gegenbeispiele. Entschuldigung.

    Grüße
    ALOA

  5.   Bonga

    Da kann ich nur zustimmen. Jeder der meint, dass Kassettenkopien etwas anderes als Kopien im Netz sind, der wird scheitern. Nicht so, wie hier im Artikel beschrieben ist. Es ist das gleiche, und der Bürger darf Kassetten kopieren, derjenige der versucht mir also die digitale Kopie wegnehmen wird, wird abgewählt und auf politischem Wege gegen ihn angekämpft.


  6. „Downloads erlauben“: Sachlich ist der Einwand natürlich richtig, und es gibt zugegeben klügere Überschriften. Zumal es ja noch nicht mal die Downloads, sondern die Uploads von urheberrechtlich geschützten Dateien sind, die von der Musikindustrie abgemahnt werden.
    Ich hoffe, man versteht’s trotzdem.
    Freundliche Grüße, Tina Klopp.

  7.   Julia09

    Wieder einmal machen sich die Grünen unglaubwürdig.

    Sie waren es, die unter Rot-Grün zahlreiche Lobbygesetze der Musikindustrie durchgewunken haben.

    Nun, in der Opposition werden sie plötzlich bürgerfreundlich.

    Sehr durchsichtig, das Manöver. Und vollkommen unglaubwürdig.


  8. „Die Meinung, dass das Kopieren von Kassetten etwas qualitativ anderes ist als das massenhafte Tauschen von Musik […], hat sich […] festgesetzt. Wer […] daran rütteln will und ganz gleich aus welchen Motiven – er droht zu scheitern.“

    @Autorin. Was ist hierbei die Meinung der Autorin und wer ist hier das „wir“ und der „er“? Ich bin für Ross und Reiter. Gibt es hier etwa irgendwo noch ein „ich“ oder ein „die“?

    @Julia09. Inhaltlich glaube ich es, aber geht es konkreter? Mir fallen gerade die Lobbygesetze nicht ein und so schnell finde ich jetzt auch nichts.

  9.   vopa

    @Tobias
    > Wenn heute eine 13jährige einen Titel von Britney
    > ihrer Freundin sendet begeht sie eine Straftat…
    Dem ist nicht so. Meines Wissens ist die Weitergabe von Kopien
    (die nicht von kopiergeschützten Medien gezogen wurden)
    an persönlich Bekannte erlaubt, oder wird zumindest nicht verfolgt.
    Auch wenn das über das Internet geschieht (etwa per Mail).
    Etwas anderes ist es, wenn eine urhberrechtlich geschützte Datei
    der ganzen Welt zum Download angeboten wird.

    Wie dem auch sei, sowohl das eine wie das andere wird massenhaft
    gemacht, auch wenn es illegal ist. Und das wird auch weiterhin
    so bleiben. Hier gibt es eine ziemliche Kluft zwischen
    dem Recht und der Moral der Bürger. Die lassen sich nämlich
    immer noch nicht weismachen, daß Kopieren gleichzusetzen sein soll
    mit Ladendiebstahl.

    Diese Kluft sollte man nicht weiter auseinandergehen lassen.
    Ein Gesetz, das an der täglichen Wirklichkeit vorbeigeht,
    verliert seine Glaubwürdigkeit, und gefährdet die Glaubwürdigkeit
    anderer Gesetze.
    Daher ist der Grünen-Vorschlag durchaus zu begrüßen.
    Ein begrenzter (nichtkommerzieller) Tausch wird geduldet werden
    müssen.

    Es gab mal ein Verbot des „amerikanischen“ Linksabbiegens
    auf Kreuzungen, aneinander vorbei. Stattdessen mußte man
    „umeinander herum“ fahren, was unpraktisch und an engen Stellen
    schlicht unmöglich war. Die Leute haben das Verbot massenhaft
    ignoriert und der Gesetzgeber mußte hat den de-facto-Zustand
    schließlich legalisiert. Ähnlich ging es in Amerika mit
    der Alkohol-Prohibition.
    Und ebenso wird es mit dem Urheberrecht gemacht werden müssen.
    In einer Demokratie wird das Gesetz der Moral der Bürger angepaßt,
    nicht umgekehrt.

 

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