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Wahre und gefühlte Größe

 

Wenn man die allgemeine Berichterstattung über die drei dominierenden Technikunternehmen Microsoft, Apple und Google liest, bekommt man schnell den Eindruck, dass Apple und Google prosperierende Konzerne mit einem gigantischen Wachstum sind, während es nur noch eine Frage der Zeit sein kann, bis beim untergehenden Stern Microsoft die Förderbänder still stehen werden.

Doch während gefühlte Temparaturen tatsächlich oft mehr über das Wetter aussagen als real gemessene, ist das bei der Berichterstattung anders. Trotzdem werden in letzter Zeit im Zusammenhang mit diesen Firmen oft mehr Gefühle als handfeste Fakten berichtet.

Microsoft selbst würde das offensichtlich gern ändern und liefert im jüngsten Blogeintrag von Frank X. Shaw einige handfeste Zahlen. Ja, Shaw ist stellvertretender Kommunikations-Chef von Microsoft, somit zuständig dafür, dass das Unternehmen in Berichten gut aussieht. Und er schreibt, er habe natürlich seine Lieblingszahlen ausgesucht. Die Microsoft natürlich zufällig in besonders glänzendem Licht erscheinen lassen.

Doch relativiert seine kleine vergleichende Liste trotz allem ein wenig das Bild der computerisierten Welt.

Ein paar Beispiele:

7.1 Millionen
Voraussichtliche Zahl der verkauften iPad im Jahr 2010.

58 Millionen
Voraussichtliche Zahl der verkauften Netbooks im Jahr 2010.

355 Millionen
Voraussichtliche Zahl der verkauften PCs im Jahr 2010.

unter 10 Prozent
Anteil der Netbooks, auf denen Windows läuft, im Jahr 2008

96%
Anteil der Netbooks, auf denen Windows läuft, im Jahr 2009.

24%
Marktanteil der Linux Server im Jahr 2005

33%
Im Jahr 2005 vorhergesagter Anteil der Linux Server für 2007

21.2%
tatsächlicher Anteil der Linuxxserver im 4. Quartal 2009.

$6.5 Milliarden

Googles Gewinn für das Geschäftsjahr, das im Dezember 2009 endete

$8.2 Milliarden

Apples Gewinn für das Geschäftsjahr, das im September 2009 endete (in Shaws Blog steht 5.7 Milliarden, doch in der Quelle, die er selbst angibt, 8.2)

$14.5 Milliarden

Microsofts Gewinn für das Geschäftsjahr, das im Juni 2009 endete.

Mehr Zahlen hier.

3 Kommentare

  1.   barbican

    Warum ermitteln sie nicht eigene Werte?
    Die Server-Zahlen stinken ja schon mal sowas von, warum schreibt MS nicht den Anteil SEINES OS? Statt dem von Linux, gibt ja auch noch andere, die Zahlen sollen suggerieren es gäbe wie auf dem Desktop-PC nichts anderes und MS hätte den Rest, also den größten Anteil. Und wie erhebt man die Linux-Zahlen, haben sie da vllt. nur die verkauften gezählt und nicht die frei herruntergeladenen…?
    Bei Netbooks der gleiche Mist, das kann sich nur um verkaufte handeln. Dann soll man aber nicht schreiben, dass auf denen auch Windows läuft. Gerade auf den Netbooks hat Linux mehr als 4% Verbreitung, auch auf solchen die mit Windows ausgeliefert wurden.
    Kurz: Die Zahlen sagen noch weniger, als die eines fanatischen Apple- oder Linux-Blogs, sie nur zum „gegenhalten“ zu verwenden macht das auch nicht besser.

  2.   Locke1

    Wieso kann ich keinen Titel mehr geben?

    Zustimmung Kommentar1!!!

    Ich bitte die Redaktion ebenfalls um eigene Recherche – insbesondere faende ich den Zusammenhang von Umsatz, Mitarbeiterzahl, Gewinn, usw. mit Boersennotierung auch sehr interessant. Das koennte man auch historisch betrachten: Wie sieht eigentlich die Korrelation zwischen Boersenwert und de facto Wert eines Unternehmens zum Zeitpunkt des jeweiligen Boersenwertes bzw. in der Zukunft aus? Was sagt das ueber unser Wirtschaftssystem?

  3.   maculatur

    Wenn MS sich zu Entwicklungen der Computer Industrie äußert, hat das immer einen marketingstrategischen Hintergrund. Meistens prescht Herr Ballmer in irgendeiner Form, manchmal auch hüpfend, auf die Bühne und verkündet uns (s)eine frohe Botschaft.
    Daß dies in diesem Fall einem Mitarbeiter in beschriebener Position überlassen wurde, mag vielleicht auch mit der Wirkung zusammen hängen, die der jetzige CEO (nicht) erzielt hat. War dies bei Apple vor einem Jahr noch dem damaligen Gesundheitszustand von Steve Jobs geschuldet, ist die Rekrutierung eines leitenden Mitarbeiters für derlei Verlautbarungen seitens MS wohl anderen Überlegungen geschuldet. Da es zudem in keinster Weise, auch nicht kurzfristig, Einfluss auf den momentanen Aktienwert hatte, sind mögliche andere Parallelen bei der Initiative zur Veröffentlichung dieser Zahlen schnell abgehandelt.
    Wer die Geschichte dieses Konzerns von Anfang an verfolgt und wer die Umstände die zu diesem Quasi-Monopol geführt haben immer im Auge behielt, wer die Kartellrechtsprozesse zum Ende der Ära Clinton verfolgt und die Einstellung dieser im Angesicht der Präsidentschaft Bush registrierte, wer die gerichtsverwerteten, internen E-Mails, die seitens Bill Gates zu den Fragen, wie mit Wettbewerb zu verfahren sei gelesen hat, konnte sich in all den Jahren einen Eindruck verschaffen, wie dieses Unternehmen tickt.
    Es ist nunmal nachgewiesener Weise so, daß es eine sehr clevere Entscheidung war, DOS an IBM (und später andere) zu lizensieren und nicht zu verkaufen. Es war (vielleicht) clever, WIN95 zu entwickeln und gleichzeitig von IBM Millionen Dollar für die Entwicklung von OS2 zu kassieren, daß sich mangels Anwendersoftware und M$ Knebelverträgen mit anderen Kunden als Totgeburt erweisen sollte. Gates hatte den richtigen Riecher als er sofort erkannte, daß der Netscape Browser praktisch ein Angriff auf die Basis seines Unternehmens war. Insofern war seine Reaktion, wiederum mit entsprechenden Hinweisen (manche sprachen von Drohungen), z. Bsp. AOL dazu zu bringen seinen IE (Internet Explorer) zu unterstützen, nur folgerichtig. Aber bei all der marktbeherrschenden Stellung wurde nie wirklich Neues hervorgebracht. Entweder wurde der Innovator aufgekauft oder plattgemacht. Und selbst das gelang nicht immer, wie z. Bsp. im Fall der Software „Quicken“. Bei Betrachtung dieser Vorgänge fällt auf, daß die schiere Größe des Unternehmens lange Zeit geholfen hat und wohl noch helfen wird, seinen Status zu erhalten. Wie sich allerdings herausstellt, bleibt die Entwicklung nicht stehen. Und was noch viel schmerzlicher im Erkenntnisprozess des Marktführers sein dürfte ist die Tatsache, daß ein OS (Operating System), gepaart mit ein bisschen Anwendersoftware schon länger nicht mehr der Weisheit letzter Schluss ist. Der potentielle Käufer verlangt nach Mehr. Und hier ist zweifelsfrei nicht damit gemeint, daß es ihm auf billig oder günstig ankäme und er dafür kein Geld ausgeben will. Wäre dem so, müssten Linux und Open Office einen Parforceritt der Triumphe feiern. Nein, der Anwender will maximale Nutzbarkeit, gepaart mit Nützlichkeit und, wenn möglich, ständiger Verfügbarkeit. Der von Bill Gates sicherlich richtig vorhergesehene PC in jedem Haushalt ist mobil geworden. Und zwar mitsamt Inhalt. Und das hat MS gründlich verschlafen. Da helfen keine iPod Imitate (Zune) die noch nicht einmal 10% der eigenen Mitarbeiter verwenden. Da ist ein eigenes OS für Mobil Telefone fast schon kontraproduktiv, ist doch die Geschichte von W3 bis W7 gepflastert mit Negativbeispielen, die nicht gerade zu freudiger Erwartung ermuntern. Selbst die vorgezogene Präsentation des mittlerweile von HP (Hewlett Packard) wieder eingestellten „Slate“ mangels Eignung von W7 zum Betrieb dieses, die Hintergründe des HP Zukaufes von Palm müssen abgewartet werden, war eine Verzweiflungstat ob des von Apple ausgelösten iPad Hypes. Alles in Allem wird dadurch der Eindruck verstärkt, daß die Company nicht wirklich Antworten auf zukünftige Markterfordernisse hat, geschweige den kreieren kann.
    Deshalb sind Aktionen wie diese leicht als der Versuch zu enttarnen, der versucht so zu tun, als ob man sich auf einem in voller Fahrt befindlichen Zug befindet, eigentlich aber noch an dem Bahnhof steht, von dem dieser abgefahren ist.
    Microsoft hat immer noch die größte Basis aller Betriebssysteme. Sie haben nahezu einen Verbreitungsgrad von 100% bei Maschinen, die einen sogenannten Industrierechner zur Visualisierung der Steuerung verwenden. Die Office Programme sind wahrscheinlich noch lange Marktführer, schon allein weil die vorherrschende Marktmacht noch länger nachwirkt. Aber das Unternehmen ist, zumindest gefühlt, nicht in der Lokomotive anwesend, die dank eigener Innovationen die Weichenstellungen der Zukunft auf diesem Sektor maßgeblich beeinflusst.
    Die Börse reflektiert diese Zukunftsprognose in augenscheinlicher Manier. Nur kurz unterbrochen von einem zwischenzeitlichen „W7 Hoch“, daß allein dem Gebaren von Spekulanten geschuldet war, ist die Aktie wieder dort, wo sie in den letzten Jahren immer war. Betrachtet man sich dagegen die zeitgleiche Entwicklung der Papiere von Google und Apple, springt der Unterschied förmlich ins Auge. Und das dies erstmal so bleibt, dafür wird seitens der Protagonisten gesorgt. Der Mac Hersteller hat mit dem iPhone (OS) 4 das aktuellste Eisen im Feuer. Googles Aktivitäten zielen in eine ähnliche Richtung.
    Der „Dickhäuter“ Microsoft ist angeschlagen. Mal abwarten, ob er in der Lage ist, mit seinem „Dickschiff“ wieder Fahrt aufzunehmen. Einstweilen muß er den Weg zum Friedhof nicht fürchten. Aber Trampelpfade werden von den Anderen schon angelegt.

 

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