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Das Geheimnis der Allmende

 

Im Netz werden Gemeingüter (Commons) vor allem in Bezug auf freie Software, auf eine Wissensallmende oder Urheberrechtslizenzen wie der Creative Commons diskutiert. Offene technische Standards wie die Seitenbeschreibungssprache HTML haben als Gemeingüter im digitalen Raum das Internet zu dem gemacht, was es ist: Ein weltumspannendes, frei verfügbares Informationsnetzwerk.

Es gibt allerdings eine verbreitete volkswirtschaftliche Annahme, die unter dem Begriff „Tragik der Allmende“ bekannt ist: Wenn ein Allgemeingut von vielen geteilt wird, ist es bald nichts mehr wert. Klassisches Beispiel ist die „Wiese der Allmende“: Auf der Dorfwiese darf jeder seine Schafe weiden lassen. Theoretisch ist für jeden der Anreiz, möglichst viele Schafe auf der Wiese weiden zu lassen, groß. Denn dann steigt sein Erlös. Wenn jedoch alle Dorfbewohner so handeln, ist die Wiese bald überweidet.

Diese Annahme kritisierte die Politikwissenschaftlerin Elinor Ostrom, die den Nobelpreis für Wirtschaft für ihre Beschäftigung mit der Gemeingut-Theorie erhielt. Ihr zufolge handeln die Dorfbewohner auf eigene Initiative gemeinsam eine Lösung aus, so dass die Ressource „Dorfwiese“ erhalten bleibt. Der Mensch ist demnach für den Erhalt der Gemeingüter wichtig, nicht allein „der Markt“ oder die staatliche Fürsorge.

Die Frage der Gemeingüter ist spannend – denn es ist unklar, was passieren würde, wenn die Nutzung von Wissen und Kulturgütern generell frei wäre, oder wenn Grund und Boden als Gemeingüter begriffen würden. Man könnte daher weniger von der „Tragik“, eher von dem „Geheimnis der Allmende“ sprechen.

Eine schöne Einführung in das Thema gibt das folgende Video, an dem die Commons-Expertin Silke Helfrich mitwirkte:

4 Kommentare

  1.   anonym

    Auch bei digitalen Gütern gibt es eine natürliche Mengengrenze, die zur Ressourcenknappheit führt. Mit einer Software lässt sich die Menge X Geld verdienen. Diese Menge X ist begrenzt, da der Verkauf der Software einem beschränkten Wachstumskurve über Zeit und Geld darstellt. Da es nicht unendlich viele Menschen gibt und eine Software nicht zeitlich unbegrenzt verkauft werden kann, ist die Menge X begrenzt. Nicht alle Menschen werden die Software haben wollen und demnach auch nicht kaufen, die Menge der Kaufinteressierten ist also Y. Kopieren sich Z Menschen, die Software ohne dafür zu bezahlen so singt die Menge X, die mit dieser Software verdient werden kann und für die Entwicklung neuer oder Verbesserungen der alten investiert werden kann. Man erkennt der Verkauf von Software ist zeitlich und im seiner Menge beschränkt, auch die Herstellung ist zeitlich und durch entstehenden Kosten beschränkt. Zeit und Geld sind endliche begrenzte Ressourcen, die dadurch definierte Software ebenso. Trotzdem eine nette Legende …

  2.   hella

    Genau, Ressourcen sind nicht „knapp“, sondern endlich. Knappheit wird gemacht. Das zentrale Kriterium ist das der Rivalität. Endliche Ressourcen – wie Wasser, Wald und Wiesen – sind „rival“. Dh. wenn ich sie nutze, mindert das die Nutzungsmöglichkeiten der anderen. Das muss man bei der Erarbeitung von Regeln einfach berücksichtigen. Bei nicht rivalen Ressourcen (Code, Ideen und Wissen) gibt es das Problem nicht, deshalb ist „open access“ die einzig faire Regel.

  3.   Markwart

    Knappheit ist relativ. Verknappung geschieht durch „Einhegung“. Das ist in dem Video glänzend dargestellt.

  4.   gregoa

    ergaenzung: der unterschied zwischen physischen gütern („dorfwiese“) und digitalen ist, dass das zentrale kriterium „knappheit“ nur fuer erstere gilt.

 

Kommentare sind geschlossen.