Alte Sachen neu erzählt

Iconoscope: Star Wars als Piktogramm
Iconoscope: Star Wars als Piktogramm

Star Wars scheint das Material zu sein, an dem neue Darstellungskonzepte am liebsten getestet werden. Noch vor dem Herrn der Ringe. Hier ist wieder einer: Der Versuch, die komplexen Handlungsstränge der Saga allein mit Piktogrammen zu vermitteln.

All jenen, die das Original kennen, wird das ein Schmunzeln entlocken. Für die, die es nicht kennen (ja, die soll es geben), sind die Bilderfolgen aber wahrscheinlich eher sinnloses Gestempel. Dabei ist der Ansatz so untauglich nicht. Auch eine Mobiltelefon-App versucht, nur mit Piktogrammen zu arbeiten: als universaler Übersetzer, der unabhängig von Sprache funktioniert.

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Cablegame – Botschaftsdepeschen durchsuchen als Spiel

Cablegame - Verschlagwortung von Botschaftsdepeschen

Wie bekommt man Menschen dazu, langweilige und mühsame Dinge zu tun? Durch Wecken des Spieltriebs. In der Wissenschaft gibt es das schon, serious games heißt es, wenn Freiwillige Proteine falten oder Datenbestände durchforsten. Eine Abart davon, das social tagging, nutzt nun auch Wikileaks.

Denn das Projekt hat zwar 251.000 Botschaftsdokumente bekommen und einige davon bereits im Netz veröffentlicht. Doch wer sie durchsuchen will, bleibt schnell im Wirrwarr der vielen kryptischen Bezeichnungen hängen. Eine inhaltliche Suche ist derzeit kaum möglich (zwar gibt es externe, von Wikileaks selbst aber wird keine angeboten), lediglich der Ort der Veröffentlichung oder die militärischen Abkürzungen können zum Durchforsten benutzt werden.

Um einen Themenkatalog der „Cables“ zu erstellen, versucht es Wikileaks nun mit einem solchen Spiel, dem Cablegame. Wer mitmacht, liest sich eines der Schriftstücke durch und markiert in ihm möglicherweise interessante Begriffe, Ortsbezeichnungen oder Namen.

Anschließend können diese in eine von fünf vorgegebenen Schlagwortkategorien gespeichert werden und zwar: Name, Organisation, Ort, Vorkommnis oder Thema. Haben andere Leser die gewählte Kategorie für den gleichen Begriff schon einmal benutzt, gibt es Punkte.

Die Idee: Ein Name wie Brown wird dank dieses Systems sicher als Name zugeordnet, da viele verschiedene Nutzer ihn als solchen speichern. Ein Computer könnte das nicht, da er nie wüsste, ob in dem gegebenen Zusammenhang nicht doch die Farbe gemeint ist.

Damit sorgt das Cablegame nicht nur für eine inhaltliche Verschlagwortung. Es macht auch Darstellungen wie Tagclouds – Schlagwortwolken – möglich und zieht so eine ganz neue Ebene ein, um sich die Botschaftsdepeschen zu erschließen.

Update:
LeakySearch nachgetragen, mit Dank an @Karpfenpeter

 

Royal Mail veröffentlicht erste Augmented-Reality-Briefmarke

Die britische Post hat eine erste Serie mit Augmented-Reality-Briefmarken beziehungsweise sogenannten intelligent stamps herausgebracht. Anlass ist der 50. Geburtstag der letzten British-Rail-Dampflokomotive „Evening Star Royal“.

Mithilfe der Junaio-Software lässt sich beim Betrachten der Briefmarke durch die Kamera eines iPhones oder Android-Smartphones ein kleines Video aktivieren, in dem der Schauspieler Bernard Cribbins das Gedicht The Night Mail von W. H. Auden vorliest. Dafür muss man lediglich den Junaio-Channel Royal Mail abonnieren.

Auch das SZ-Magazin nutzte Junaio für sein erstes Augmented-Reality-Heft. Dort wurden die entsprechenden Stellen mit kleinen AR-Logos ausgezeichnet. Neu ist, dass für Augmented-Reality-Anwendungen ganz offenbar keine speziellen Logos mehr nötig sind, weil die Bilderkennung schon so fein ist, dass auch spezielle Fotos oder Bilder erkannt werden können. Allerdings reicht die schlechte Bildauflösung auf der Website der Royal Mail  nicht aus, um das ganze vor dem Bildschirm selbst auszuprobieren.

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P.S. Für die AR-Kritiker in den Kommentaren sei noch folgende neue iPhone-App nachgereicht, die sich ebenfalls an Bildmerkmalen orientiert und dabei das Bild selbst erweitert – diesmal keine Briefmarke, sondern ein Geldschein:

 

Bücher mit erweiterten Ansichten

Die Frankfurter Buchmesse naht und mit ihr schwillt wieder die Zahl der Veröffentlichung zu den neuesten Trends in der Buchbranche an. Vor allem im E-Book-Bereich tut sich einiges – Stichwörter sind hier „enhanced e-book“ oder „enriched e-book“. Darunter versteht man in der Regel E-Books, die nicht mehr aus PDFs bestehen, sondern mit multimedialen und interaktiven Elementen erweitert wurden.

Interessant ist das vor allem dann, wenn man keine schwarz-weißen E-Reader, sondern farbige Multifunktionsreader wie das iPad verwenden. Wie man sich das vorstellen darf, zeigte vor einiger Zeit bereits „Alice im Wunderland“:

Dass den Animationen keine Grenzen gesetzt sind, zeigt das Pop-Up-„Rumpelstilzchen“ von IdealBinary:

Man beachte hier: Der dunkle Hintergrund, der die Animation wirkungsvoll in Szene setzt – und die dramatische Musik. Das Buch als Handkino sozusagen.

Nicht an Pop-Ups, aber an den herkömmlichen CD-Rom-Umsetzungen von Kinderbüchern orientiert sich die „Die Burg in der Ritterzeit“:

Der neueste Trend ist aber „Augmented Reality“. Welche Bereiche bieten sich hier am ehesten an? Natürlich Wissensbücher für Kinder – am Besten mit einem gewissen Gruseleffekt:

 

A hunter … a bear

Gedauert hat es ja, aber nun wird endlich auch Werbung interaktiv (und kreativ):

Meine Lieblingsversionen bislang: paint, plays, kiss, shoots und vor allem moonwalk!

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Update: Auch wunderbar: eats, smokes und „a hunter ‚is‘ a bear!“

 

High-Tech aus Holz

Ein Spiegel aus Holz? Ja, dank High-Tech: ein Computer, eine Kamera und viele kleine Motoren. Die bewegen viele, viele Holzplättchen, sodass sie mal hell, mal dunkel scheinen. Schwarz und weiß, sozusagen. So lassen sich tatsächlich Bilder wiedergeben – mit einer Auflösung von 835 Pixeln. Die rattern dabei auch noch ganz herrlich.

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Reisender Blogger

Reiseblogs gibt es viele – kein Wunder, sind sie doch eine großartige Möglichkeit, online und offline zu verbinden. Tipps von Lesern, Tipps für Leser, Erfahrungsaustausch, Schlafgelegenheiten, all das lässt sich inzwischen durch und mit dem Netz finden.

Hier ein Reiseblog, bei dem gar Teile der Route in die Hände der Schwarmintelligenz gelegt werden: Leser können per Twtpoll abstimmen, wohin es gehen soll. Zurückgelegt wird der Weg dann per Anhalter, ein bloggender Tramp eben.

Blogtramper Johannes Kuhn

Und was ist die größte Hürde bei dem ganzen Projekt? Klingt wie ein Witz, aber es ist der Internetzugang. Um es in den Worten des reisenden Bloggers Johannes Kuhn zu sagen:

„Roaming ist Mist. Deshalb twittere ich per SMS und suche nach Wlans und Internet-Cafés (PrePaid-Karten in einzelnen Ländern lohnen sich nur, wenn ich wirklich länger dort bin, was ich nicht absehen kann). Das schwächt den Echtzeit-Faktor zumindest was das Bloggen betrifft etwas ab und schickt mich täglich auf die Suche nach einem Verbindungspunkt, ist aber die einzige Möglichkeit, das Projekt durchzuführen.“

So viel dazu, wie leicht sich online und offline im Zweifelsfall verknüpfen lassen. Noch ein Zitat von Johannes:

„Die trampenden Blogger in fünf Jahren werden sich wahrscheinlich kaputt über Roamingprobleme innerhalb der EU lachen, so wie wir uns heute über die BTX-Abrechnungstaktungen amüsieren.“

Offenlegung: Johannes Kuhn hat bis Herbst 2009 bei ZEIT ONLINE gearbeitet.

 

Mit Google und Pac-Man ein wenig Produktivität verdaddeln

Zum 30. Geburtstag hat Google Pac-Man, dem prominenten Old-School-Computerspiel mit dem Drops fressenden Köpfchen, ein kleines Revivial gesponsert.

Kaum eine Computerspielfigur ist so bekannt wie Pac-Man, eine ursprünglich japanische Erfindung, benannt nach dem lautmalerischen Ausdruck „Paku Paku“, was auf Deutsch in etwa heißt „wiederholt den Mund öffnen und schließen“. Von „Puck-Man“ wurde das Spiel für den amerikanischen Markt auf „Pac-Man“ umgetauft, weil man fürchtete, „Puck-Man“ würde sonst von zu vielen Spaßvögeln in „Fuck-Man“ verballhornt.

Auf der Startseite der Suchmaschine konnte man nun am vergangenen Wochenende nach Lust und Laune nach Drops und den fransigen Wischmop-Wesen jagen. Wer den Button „Insert Coin“ doppelt klickte, konnte gar „Misses Pac-Man“ aktivieren und sich zu zweit durchs Labyrinth mampfen. Googles Pac-Man war in einem solchen Maße eine getreue Nachbildung des Originals, dass auch der „Bug“ im 256. Level nicht fehlte – der letzte Level ist spielerisch nicht zu lösen, weil er aufgrund eines technischen Fehlers einen Split-Screen anzeigt: Auf der linken Seite ist das normale Labyrinth zu sehen, rechts jedoch nur Symbole.

Trotzdem hatte übrigens der damalige US-Präsident Ronald Reagan 1982 dem Achtjährigen Jeffrey R. Yee ein persönliches Glückwunschschreiben übersandt, nachdem dieser behauptet hatte, einen Punkteweltrekord von 6.131.940 erspielt zu haben. Was aber nur möglich gewesen wäre, hätte er den unlösbaren 256. Level ebenfalls bewältigt.

Ob die Präsidenten-Post nun erschlichen war oder nicht, offensichtlich motivierte Googles kleines Revival jede Menge Google-Nutzer, es dem Achtjährigen nachzutun und Stunden mit dem kleinen Spiel zu verbringen – man könnte auch sagen: zu verdaddeln. In den Medien tauchten in den Folgetagen Berichte darüber auf, wie viel Arbeitszeit und Produktivität Google mit seinem kleinen Spielchen wohl vernichtet hätte. Weil Google so groß sei, müsse es auch verantwortungsvoller mit seinen Nutzern umgehen, klagten einige. Andere rechneten gar mit Prozessen gegen den amerikanischen Konzern aufgrund entgangener Umsätze. Angeblich hätte das Spiel die Weltwirtschaft 120 Millionen Dollar gekostet, will man bei der PC-Welt berechnet haben.

Ganz schöner Quatsch. Und wenn es Google einem auch nicht immer einfach macht, uneingeschränkte Sympathie zu entwickeln, so ist das doch in diesem Fall definitiv geboten. Keine Behörde und kein Unternehmen der Welt käme auf die Idee, Geld in ein witziges, gänzlich unproduktives Revival zu stecken, und die Bevölkerung zu sinnfreiem Unsinn anzustiften. Den Nörglern und Spießern lässt sich nur entgegnen: Warum eigentlich nicht? Schließlich ist der Mensch nicht nur auf der Welt, um produktiv zu sein. Ist doch gut, gelegentlich daran zu erinnern. Und wer sich unhinterfragt die Argumentation seiner Arbeitgeber zu eigen macht, hat sowieso verloren.

Unter der Seite www.google.com/pacman ist das Spiel übrigens weiterhin erreichbar. Für diejenigen, die gerne noch ein bisschen Produktivität und Ernsthaftigkeit vernichten wollen.

 

Hört bloß auf, Frauen (so) ernst zu nehmen

Schon mit dem Titel stimmt irgendetwas nicht. „Die Dame im Spiel“ heißt der Vortrag von Joachim F. Meyer, Inhaber und Geschäftsführer von Caipirinha Games, den er auf den Games-Tagen in Berlin hält. Sein Unternehmen bastelt Computerspiele für Frauen und Mädchen, und dass er sie im Titel „Damen“ nennt, deutet schon darauf hin, dass er Schwierigkeiten hat, die Dinge beim Namen zu nennen.

Jedenfalls wiederholt dieser freundliche, schmale und etwas verklemmt wirkende Mann in den Vierzigern ständig, dass Frauen „auch ernst genommen werden wollen“. Als läge in diesem Satz ein Erkenntniswert. Wobei ernst nehmen für ihn vor allem bedeutet, man dürfe nicht ständig von ihnen verlangen, dass sie sich den Männerthemen anpassten, sondern müsse auf ihre eigenen Themenwünsche eingehen.

Und was sind für Meyer Frauenthemen? Er hat sie für sein Publikum auf einer Liste versammelt und jedem Gender-Theoretiker stehen ob dieser Liste die Haare zu Berge. Denn natürlich gehören dazu ausschließlich soziale und niedliche Dinge wie „Tiere“, „Helfen“, „Mode“, „Singen“ oder „Tanzen“. Da scheint selbst die Debatte in der Schwerindustrie schon weiter.

Meyers Firma hat zum Beispiel das Spiel zum Pferdecomic Wendy zu verantworten, oder Lauras Tierklinik. Und Meyer referiert darüber, dass es da um Fragen ginge wie: „was mache ich, wenn sich mein Hamster verlaufen hat?“ Und sagt, das „könnte man jetzt vielleicht als etwas albern empfinden, aber mir hat das auch Spaß gemacht, so ein Spiel zu entwickeln, weil das sehr positive Themen sind und die sich in der Öffentlichkeit auch gut darstellen lassen.“

Dabei jedoch schwingt in seinem Vortrag eindeutig eine zweite Bedeutungsebene mit und die lässt erahnen, wie das Team von Meyer redet, wenn die Öffentlichkeit nicht zuhört. Und auch, dass da schon mal der eine oder andere Witz gerissen wird, über die Mädchen und ihre Hamster.

Frauen wollen auch, sagt Meyer, dass man den Charakter der Spielfigur verändern kann. Er zeigt das an einem Spiel, das noch nicht fertig entwickelt wurde und daher noch keinen Namen trägt. In dem kann eine Latino-Frau mit der Oberweite von Pamela Anderson „verändert“ werden, „denn Frauen mögen Kreativität“. Es gibt also mehrere Buttons, die heißen dann „Nagellack“ oder „Frisur“ oder „Kajal“. Das Tolle, erzählt Meyer: „Auch während des Spiels kann die Frau jederzeit ins Bad gehen, um sich umzuziehen oder neu zu schminken.“

„Apropos Ernst genommen werden“, meldet sich eine junge Frau aus dem Publikum. „Ich fühle mich immer extrem verarscht davon, wie die Frauen im Spiel aussehen.“

In der Tat könnte man die Figur eigentlich ein bisschen mehr an die Realität anpassen, gibt Meyer zu. Aber für die üppigen Kurven hat Meyer eine Erklärung: Bei ihm arbeiten nur Männer. „Nein stimmt nicht“, korrigiert er sich, „in dem einen Studio ist die Sekretärin eine Frau.“ Außerdem müsse man als kleines Studio permanent bei den Verlagen um Aufträge buhlen und könne keine eigenen Sachen entwickeln. „Und da sitzen natürlich auch nur Männer, und die lassen sich davon im Zweifel eben mehr beeindrucken.“

Meyer sagt also: Der Markt will das so. Und übersieht das Henne-Ei-Problem. Schließlich reproduziert der Markt permanent die schlimmsten Stereotype. Das scheinheilige Reden vom „Bedürfnisse ernst nehmen“ wird daran kaum etwas ändern.

Zum Glück kann man auf die Mädchen und Frauen hoffen. Die zum einen lieber ein kluges, komplexes Spiel kaufen, als sich den Kopf über Nagellackfarben zu zerbrechen. Und die zum anderen damit leben können, wenn Frauen in Spielen wie Tomb Raider so sexy aussehen wie Lara Croft – schließlich macht sich ja auch keiner Sorgen um die armen Jungs, die von muskelbepackten Superhelden eingeschüchtert werden könnten.