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Missing Link – Was verbindet WikiLeaks und die Open Data Bewegung?

 

Wieder ein Buch. Gefühlt ist es in etwa das 1267 Buch zum Thema WikiLeaks, das innerhalb der letzten drei Monate erschien. Und es ist vermutlich nicht das letzte. Im Gegensatz jedoch zu den persönlichen Innenansichten der Leakingplattform, die WikiLeaks-Dissident Daniel Domscheit-Berg lieferte oder den Making-Of Texten der Spiegel-Autoren Marcel Rosenbach und Holger Stark, wählt WikiLeaks and the Age of Transparency von Micah L. Sifry einen anderen Ansatz. Es erzählt die Geschichte der digitalen Transparenzbewegung und sucht nach dem Missing Link zwischen Open-Data und WikiLeaks. In der Berliner Gazette veröffentlichte der Politikwissenschaftler Christoph Bieber gerade eine lesenswerte Rezension des Bandes. Im Gespräch mit dem Leaks-Blog erläutert er die Qualitäten des Buchs und seine Unzulänglichkeiten.

Die Eingangsfrage, ob nicht längst alle WikiLeaks-Bücher geschrieben sind, verneint Bieber, der bisher an der Universität Giessen arbeitete und in Kürze an die Universität Duisburg-Essen wechseln wird. Anders als die Berichte der diversen Mitwirkenden, gelinge es Micah L. Sifry aus größerer Distanz das Phänomen WikiLeaks zu analysieren, so Bieber weiter. Es handele sich bei WikiLeaks and the Age of Transparency eben nicht um die Erlebnisberichte derer, die auf der Seite der Akteure standen, ganz gleich ob als Mitarbeiter von WikiLeaks wie bei Domscheit-Berg oder als Journalisten, wie bei den Autoren des Spiegel.

Eher profitiere Sifrys Buch davon, sich nicht zu sehr mit den Details der WikiLeaks-Story und dessen umstrittenen Führungspersönlichkeit Julian Assange zu beschäftigen, sondern nach dem größeren Rahmen zu suchen. Und dieser größere Rahmen sei, folge man den Ausführungen Sifrys, die globale Open Data Bewegung.

Und das Buch wage eben, so Bieber, die Suche dem Missing Link zwischen Open-Data-Bewegung und WikiLeaks. Zwar gelinge diese Suche nicht immer, aber das Einrücken von WikiLeaks in diesen größeren Betrachtungsrahmen, sei der entscheidende Pluspunkt des Buchs. Es werde klar, das Leakingkultur und Transparenzbewegung, zwei Seiten einer Medaille sein könnten.

Was die Zukunft von Assange aber auch die Weiterentwicklung der Leakingkultur angeht, ist aus Sicht Biebers das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Assange sei für das Gelingen von WikiLeaks von enormer Bedeutung gewesen. Laut Bieber ist Assange geradezu die Idealausprägung eines Bewegungsintellektuellen. Hartnäckig, von großer Präsenz, streitbar, polarisierend, aber auch mobilisierend. Ob Leakingplattform zukünftig aber weiterhin auf herausragende Bewegungsintellektuelle angewiesen sein, ist laut Bieber nicht entschieden. Plattformen wie das Guttenplag-Wiki hätten bewiesen, dass Communitys auch ohne exponierte Führungspersönlichkeiten effektiv sein können. Auch sei es durchaus naheliegend, dass Leakingplattformen nicht nur global operieren, sondern regional oder themenspezifisch arbeiten. Und dann brauche es weder Führungsfigur, noch ein Netz weltweiter Medienpartner, sondern einfach nur relevante Materialien.

2 Kommentare


  1. Mitlerweile fühlen sich jede Menge Schreiberlinge berufen,über Wikileaks,vor allem aber über Julian Assange ein Buch zu verfassen.Die einen prahlen mit angeblichem Insiderwissen,die anderen lesen im Kaffeesatz.Jeder dieser Autoren möchte wohl irgendwie am Aufstieg oder Fall dieses aussergewöhnlichen Mannes beteiligt sein.Doch nicht die Person des Julian Assange steht im Mittelpunkt, sondern das was er aufgebaut hat hat:das Portal Wikileaks,eine Aufklärung der besonderen Art.Das mag dem Einen nicht geheuer sein, und der Andere wittert gleich Geheimnis-und Landesverrat.Und Julian Assange und auch Bradley Mannings müssen bitter am eigenen Leib erfahren,dass sie wohl in ein bösartiges Wespennest gestochen haben.Traurig finde ich allerdings,dass die Medien,denen ansonsten nur wenig heilig ist und die keine Möglichkeit ausser acht lassen um über große und kleine Sensationen ausgiebig bis ins letzte Detail zu berichten,keinerlei Anstalten machen,über die doch tlw.sehr brisanten Vorgänge zu berichten und denen das Schicksal der beiden Männer so gleichgültig scheint,dass sie nur ausnahmsweise kurz darüber berichten.Den Mut den Julian Assange und Bradley Mannings,sollte er der Informant sein,bewiesen haben,sollte all die Medienvertreter beschämen die zwar stolz auf Pressefreiheit hinweisen,und die doch nicht in der Lage sind diese umzusetzen.

  2.   Elzbieta

    Arabesk ist die Popmusik der Tfcrkei schlechthin. Arabesk, die Musik der anhcolistaen Landflfcchtlinge in den Ste4dten der Tfcrkei, wird seit ihrer Entstehung von den Eliten des Landes ignoriert – ja sogar verachtet: vor allem wegen ihrer als kitschig empfundenen Musik und ihren weinerlichen, schwerverherrlichenden Texte. Im Film abArabesk – Gossensound und Massenpopbb von Cem Kaya und Gf6khan Bulut werden diese durchaus politisierten Geschmacksfragen ganz genau diskutiert – unter anderem von Serhat Kf6ksal aka 2/5 BZ, der am Mittwoch 12.1 zur Arabesk Sound und Video-Performance in der Turnhalle im PROGR Bern einle4dt.

 

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