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Keine Handvoll Dollar

 

61 Cent pro Stunde sind ein Hungerlohn. Ein Lohn, der die Frage nach globaler Gerechtigkeit klar beantwortet: Es gibt sie nicht. Auch wenn die Kaufkraft von 61 Cent in manchen Regionen der Erde stärker ist als in Deutschland, bleiben 61 Cent pro Stunde eine Demütigung für den, der davon leben soll. Diese 61 Cent pro Stunde sollten Näher in den haitianischen Fabriken der US-Textilhersteller Levi’s, Fruit of the Loom und Hanes erhalten. So jedenfalls die Absicht der dortigen Regierung.

Die US-Textilhersteller konnten erfolgreich intervenieren. Mit tatkräftiger Unterstützung der US-Regierung, die massiven Druck auf die Regierung in Port-au-Prince ausübte. Das berichten das US-amerikanische Magazin The Nation und die Zeitung Haïti Liberté. Beide beziehen sich auf Depeschen der US-Botschaft, die WikiLeaks seit Beginn der Woche gemeinsam mit der haitianischen Zeitung und dem US-Magazin veröffentlicht. Neben dem Thema Mindestlohn, geht es in den Haiti-Files unter anderem auch um die Beziehungen Haitis zu Venezuela und die diversen Wahlen im Karibikstaat.

Die Haiti-Files sind ein weiterer Beleg für die Relvanz von WikiLeaks. Was alle immer wussten, findet sich in den von WikiLeaks veröffentlichten Botschaftsdepeschen schwarz auf weiß. Illegale Interventionen, Wirtschaftsprotektionismus und ein gnadenloser Kampf um Wettbewerbsvorteile.

P.S.: Der Mindestlohn wurde übrigens nicht erhöht und beträgt weiterhin 24 Cent pro Stunde.

6 Kommentare

  1.   ThorHa

    Bevor ich mich Ihrer Kritik anschliesse – obwohl das natürlich am leichtesten wäre – hätte ich dann schon gerne zwei Fragen geklärt: Wie ist denn der Durschnittsverdienst von menschen, die auf ähnlichem Niveau Vollzeit arbeiten? Und wieviele Menschen müssten verhungern, hätten sie keine bezahlte Arbeit? Um die dritte gar nicht erst zu stellen – wie sind Grossbritannien, Deutschland und die USA eigentlich Industrienationen geworden? Mit Anfangslöhnen in der Industrie, die die 61 Cent (nach damaligem Preisniveau) deutlich überschritten? Ohne eine Antwort auf alle drei Fragen bin ich mit Kritik ziemlich zurückhaltend …

  2.   DrFuss

    Das past zur Regierung des Freidensnobelpreisträgers.
    Bush hätte es auch nicht anders gemacht.
    Obama ist für mich jetzt endgültig durch, von dem kann man nur noch das Schlimmste erwarten!

  3.   Torsten

    Laut US-Sender NPR lag der anvisierte (und verhinderte) Mindestlohn weit über dem Durchschnittseinkommen in Haiti:

    http://www.npr.org/blogs/money/2011/06/08/137064161/would-a-5-a-day-minimum-wage-make-life-better-in-haiti

  4.   ThorHa

    Danke für die Info. Das ist das Schlimme an diesen tränenreichen Artikeln über die Ausbeutung in der „Dritten Welt“ – sie kommen ohne Kontextinformation und ohne einen Blick auf die Alternativen. Ein schlechtes Gewissen alleine ist eben auch kein guter politischer Ratgeber …
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  5.   Markus Heidmeier

    Es mutet bizarr an, wenn Huingerlöhne mit dem Argument verteidigt werden, sie entsprächen nicht nur dem landesüblichen durchschnitt, sondern lägen sogar darüber. Das Ausgangsniveau in einem der ärmsten Länder der Welt deutet kaum auf eine adäquate Entlohnung hin! Selbstredend hilft es kurzfristig nicht weiter, wenn naiv Löhne auf europäischem Niveau gefordert würden. Aber davon war nicht die Rede.

  6.   ThorHa

    Mit Verlaub, Herr Heidmeier, aber Sie argumentieren hier strikt gesinnungsethisch: „Hungerlöhne sind nicht akzeptabel. Dewegen dürfen WIR uns nicht daran beteiligen, wenn sie irgendwo gezahlt werden.“ Das ist Ihr Argument. Für Sie persönlich unangreifbar. Moralisch allerdings wird es erst dann, wenn Sie hinter Ihr Argument noch schreiben könnten „Auch dann, wenn unsere Firma Y im Land X keine Hungerlöhne mehr zahlt, droht deshalb NICHT die Schliessung von Fertigungsstätten und mindestens alle existierenden Arbeitsplätze der Foirma Y im Land bleiben erhalten.“ Dann – und nur dann – ist Ihr Argument auch verantwortungsethisch haltbar. Ansonsten ist es der Ausweis Ihrer guten Gesinnung, bei der Umsetzung im Land allerdings mit verheerender Wirkung für die Menschen dieses Landes. Im übrigen sind viele Staaten mangels Alternativen mit „Hungerlöhnen“ in die Industrialisierung gestartet, die sich schon innerhalb einer Generation in deutlich bessere wandelten (Deutschland, Japan, USA, heute China) – und ich habe bis heute weder eine praktische Alternative gesehen noch von einer gelesen.
    Gruss,
    Thorsten Haupts
    Literaturhinweis: Landes, Wohlstand und Armut der Nationen

 

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