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Hat Jesus sich verzählt?

 

Am Wochenende haben Christen in aller Welt einmal mehr Pfingsten gefeiert, das Kommen des Heiligen Geistes. Das Wort Pfingsten leitet sich aus dem Griechischen pentekoste ab und bedeutet einfach „50“. Gefeiert wird Pfingsten aber nicht 50 Tage, sondern genau 49 Tage nach Ostersonntag.

Hat sich hier jemand verzählt?

Nein.

Mathematisch betrachtet ist Zählen eine der simpelsten arithmetischen Tätigkeiten überhaupt. Es ist nichts weiter als die beständige Addition von plus eins. Daran gibt es eigentlich nichts, was irritieren sollte. Doch das stimmt nicht ganz.

Zur Zeit der Bibel wurde anders gezählt. Für unser modernes Zählen braucht man nämlich die Null. Die gab es aber damals noch nicht. Nach Europa zum Beispiel kam sie erst im 13. Jahrhundert. Vor der Null wurden zeitliche und räumliche Abläufe mit der Inklusiv-Zählung abgezählt. Demnach war von heute bis heute ein Tag, von heute bis morgen waren es schon zwei Tage, von heute bis übermorgen drei Tage und so weiter.

Das ist unter Historikern bekannt und hat dennoch schon für so manche Verwirrung gesorgt: Im Jahr 46 v. Chr. hat Julius Caesar den Kalender reformiert. Er hatte bestimmt, dass jedes vierte Jahr ein Schalttag eingefügt werden sollte. Ein Schaltjahr war 45 v. Chr. Im folgenden Jahr wurde Caesar ermordet. Dank eines Interpretationsfehlers fasste die Priesterschaft, die damals für Kalenderangelegenheiten zuständig war, Caesars Schaltregel aber gemäß der Inklusiv-Zählung auf. So gab es in den folgenden Jahrzehnten ein Schaltjahr nach unserer heutigen Zählung schon jedes 3. Jahr, und zwar 42 v. Chr., 39 v. Chr. usw. bis 9 v. Chr. Danach setze Kaiser Augustus die Schaltregel bis zum nächsten Schaltjahr 8 n. Chr. aus, um die Verschiebung des Kalenders gegenüber dem astronomischen Umlauf der Erde um die Sonne zu beseitigen. Das brachte ihm einen prominenten Platz in unserem Kalender ein: Der achte Monat ist nach ihm benannt.

Die Inklusiv-Zählung ist jetzt veraltet, doch auch in unserem modernen Leben finden sich noch Spuren von dieser Zählweise, etwa in der Formulierung „in acht Tagen“ womit eigentlich „in einer Woche“ gemeint ist, also „in sieben Tagen“. Auch in anderen Sprachen tritt dieses Phänomen auf. Das Französische quinze jours für „zwei Wochen“ bedeutet wörtlich übersetzt „fünfzehn Tage“. Und die Griechen bezeichnen die Olympiade, also das genau 4-jährige Intervall zwischen den Olympischen Spielen, mit pentaeteris (Fünfjahreszeitraum).

Auch in der Musik kommt die Inklusiv-Zählung vor, wenn zum Beispiel musikalische Intervalle bezeichnet werden sollen. Bei der Prime wird einfach derselbe Ton wiederholt. Und „Intervall“ kommt vom lateinischen intervallum, was so viel bedeutet wie „Zwischenraum“. Zwischen beiden Tönen der Prime liegen also Null Töne. Nach Inklusiv-Zählung ist das ein Zwischenraum von eins. Bei der Oktave beträgt der Zwischenraum nach moderner Zählung sieben Töne, doch der griechische Wortstamm weist auf acht hin.

Die Inklusiv-Zählung hilft auch dabei, andere Bibelstellen zu verstehen. Nach christlichem Glauben ist Jesus am dritten Tag auferstanden, gestorben Freitagnachmittag vor Sonnenuntergang und auferstanden zwischen Samstagnacht und Sonntagmorgen. Im Judentum wird die Samstagnacht zum Sonntag gerechnet. Und der Sonntag folgt zwei Tage nach dem Freitag, was nach der Inklusiv-Zählung der dritte Tag ist.

Eine andere Bibelstelle lässt sich aber nicht gänzlich mit der Inklusiv-Zählung aufklären. Laut Matthäus 12,40 hat Jesus gesagt: So wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Walfisches war, so werde er drei Tage und drei Nächte vor seiner Auferstehung im Grab liegen. Bei dieser Zeitangabe hätte Jesus zudem Gründe gehabt, sehr präzise zu sein. Denn die Schriftgelehrten hatten ihn nach einem Zeichen gefragt, woran sie erkennen könnten, dass er der Messias sei. Und das hatte er ihnen geantwortet. Selbst mit Inklusiv-Zählung kommt man aber nur auf drei Tage und zwei Nächte im Grab. Hat Jesus sich verzählt?

71 Kommentare


  1. […] Hat Jesus sich verzählt? – “Am Wochenende haben Christen in aller Welt einmal mehr Pfingsten gefeiert, das Kommen des Heiligen Geistes. Das Wort Pfingsten leitet sich aus dem Griechischen pentekoste ab und bedeutet einfach “50″. Gefeiert wird Pfingsten aber nicht 50 Tage, sondern genau 49 Tage nach Ostersonntag.” – Guter Artikel darüber, wie in der Bibel gezählt wird. […]

  2.   Bernd Philippsen

    Jesu Passion beginnt mit der durchwachten Nacht von Donnerstag auf Freitag in Gethsemane und endet am Sonntagmorgen. Also: Nacht von Do auf Fr, Nacht von Fr auf Sa, Nacht von Sa auf So = 3 Nächte. Erstaunlich der Chiasmus: „3 Tage und 3 Nächte“ steht in der Bibel, 3 Nächte und 3 Tage realiter.
    Der Chiasmus: Symbol des Kreuzes! Lieber Zeitgenosse: lies die Bibel entweder in kindlichem Vertrauen, oder lies sie mit Wissen und Verstand!


  3. Verwerflich ist nicht, dass die Ausführungen mit Mathematik nicht das
    Geringste zu tun haben.

    Dass aber unter Ausnutzung des von vielen empfundenen Respekts vor
    dieser Kunstform des Denkens (die ich im Übrigen selbst in bescheidenem Umfang ausübe und trotzdem CHRIST bin), unterschwellig atheistisch motivierte Verschwörungstheorien verbreitet werden, ist unerträglich.

    Spätestens in der Mittelstufe lernt jeder, dass die Bibel eine Überlieferung ist
    und deshalb insbesondere Zeitangaben mit Unschärfe behaftet sind.
    Ein Manipulator hätte übrigens genau das gleiche Interesse gehabt, eben
    diese Zeitangabe exakt einzufügen.

    Fast noch schwerer wiegt die Tatsache, dass Mathematik und Glauben NIEMALS in Konflikt treten KÖNNEN, auch wenn gewisse Leute, die ihre Bedeutung überschätzen, das gerne hätten: Mathematik erlaubt (auf sehr präzise und elgante Weise), das BEOBACHTBARE Phänomene zu beschreiben und aus diesen Beschreibungen Schlüsse zu ziehen, die man
    wohl durch „einfaches Nachdenken“ nicht ziehen könnte. Ist aber ein „Phänomen“ nicht beobachtbar (wie z.B. Gott), dann kann man auch mit Mathematik nicht weiter.

    In einem noch blöderen Artikel haben Sie schon die Wahrscheinlichkeitstheorie missbraucht, um Wunderheilungen zu diskreditieren…das ist der Gipfel, da eben diese Theorie verwendet wird, um über sehr komplexe und nicht herkömmlich erklärbare Phänomene noch so gut wie eben möglich Aussagen zu treffen. Daraus aber unterschwellig Rückschlüsse über die nicht erklärbare Ursache zu ziehen, ist arm:

    MAN KANN DIE EXISTENZ GOTTES NICHT MITTELS BERNOULLI-KETTEN WIDERLEGEN! KÜMMERN SIE SICH UM IHRE ARBEIT UND VERSCHONEN SIE ANDERE MIT IHRER HYBRIS!

  4.   rap

    @Atue

    tja, 2000 Jahre mehr oder weniger unbiblischer kirchliche Irrlehren… :(

    Die 2000 Jahre Funkstille gibt’s übrigens nicht wirklich.

    Abgesehen davon das ich die Wirksamkeit des „Naturgesetzes“ wie es in Jesaja 32,17 formuliert wird („wo Gerechtigkeit ist da ist Frieden, Ruhe und Sicherheit“; wo nicht eben nicht) täglich in der Zeitung nachlesen kann (meistens als Folge den üblichen Ungerechtigkeit) gibt die Bibel ziemlich viele Hinweise.

    Der größte heutige Nagel wurde mit der Erfüllung von Lukas 21,24 eingeschlagen.
    „Die Herrschaft der Heiden (Nichtjuden) in Jerusalem“ wurde beendet. Nach ca 1900 Jahren des 2. Exils (Jeremia 7 hat sich wortwörtlich wiederholt)

    Dazu befinden wir uns heute quasi an den „Fußnägeln“ in Daniel 2. Die den 10 Hörnern aus Daniel 7 entsprechen (die gleichen Weltreiche werden beschrieben, also alle! noch forgenden und üblicherweise auf Gewalt basierenden Weltreiche nach Nebukadnezar, incl seines eigenen).
    Das letzte auf Gewalt basierende Weltreich, die „500 jährige Kolonialherrschaft des weißen europäischen Mannes über die Welt“ (großer Dank an Peter Scholl-Latour für die Entfernung meines blinden diesbezüglichen Flecks, der auch verborgen hat warum wir hier, mit den USA als Derivat Europas, so vieeeel, leider nur materiell, reicher sind als der Rest der Welt, sogenannte „Entwicklungsländer“ sind ja quasi ehemalige europäische Kolonien), die Füße aus „Eisen mit Ton vermengt“, perfekt beschriebene Eigenschaften in Daniel 2,43, geht dem Ende entgegen. 9/11 war quasi das Ende des Anfangs vom Ende des allerletzten „weltlichen“ Weltreiches (bestehend aus 2 Füßen, Europa und USA, hervorgegangen aus den 2! Beinen, West- und Ostrom).
    Im direkten Kommen ist also die „unheilige Dreieinigkeit“.
    Anti-, zB in Antichrist bedeutet ja sowohl gegen wie auch anstelle von. Und letzteres ist ein Kopieversuch. Ok, auch längeres Thema.

    Das eigentliche Wesen der Bibel wird in Jesaja 55,11 beschrieben. Sie ist eine Botschaft! die eine bestimmte, lebensfördernde (-> gut), Wirkung! erzielen soll!

    Das die Bibel auch im christlichen? (man kann eigentlich nicht dem Leben/Gott und dem Geld gleichzeitig dienen) Abendland eher so unbekannt ist kommt wohl von dem schlechten Ruf den die Kirchen ihrem Autor eingebracht haben (die haben heute quasi die Rolle der Pharisäer übernommen :( )
    Hab selber 20 Jahre gebraucht um zu verstehen das der biblische Gott gut ist.
    Kam durch Hesekiel 33,11:
    „Doch ich, der Herr, schwöre, so wahr ich lebe: Ich habe keine Freude daran, dass der Gottlose sterben muss. Nein, ich freue mich, wenn er von seinen falschen Wegen umkehrt und am Leben bleibt. Kehrt um, verlasst die alten Wege! Ihr Israeliten, warum wollt ihr sterben?“ (kommt in Hesekiel 3 mal vor, ist also stark relevant).

    In Offenbarung 17 wird von der Vernichtung einer „Hure“ geschrieben die zB folgende Eigenschaften hat:
    ist weltweit verbreitet („sitzt an allen Wassern“)
    regiert von einer Stadt aus die auf 7 Hügeln erbaut ist
    trägt purpur- und scharlachrote Kleider
    trinkt aus eine goldenen Kelch (Abendmahlskelch?)
    trägt Juwelen und Perlen
    hat viele Heilige getötet (Häretiker und Ketzer?)

    Der eingesetzte Stellverteter Christ auf Erden ist übrigens der heilige Geist!
    Zu den Titeln des Papstes lasse ich mich hier lieber nicht genauer aus.

    Die Kennzeichen von Christen sind übrigens in den „Früchten des heiligen Geistes“ verbindlich festgelegt, Galater 5,22.
    Dazu noch Römer 13: die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses.
    Liebe wird in 1. Korinther 13 „definiert“. Alles was davon abweicht ist böse und wird „Sünde“/Schuld (auch Schulden kommen daher…) genannt. Letztere vernichtet auch unser eigenes Leben. Daher brauchen wir die Erlösung vom Bösen. Ok, extremste Kurzform… und leider eher „religiöse Sprache“ (mag ich sonst auch eher nicht)

    Der unsichtbare Gott (ist ja Geist, hat sich nur einmal wirklich gezeigt, 2. Mose 24,9-11, und natürlich in Jesus, dem vollkommenen, eben auch vollkommen guten [und gesunden, auf allen Ebenen], Menschen) sorgt für Gerechtigkeit.
    Interessanterweise sind in den USA in den letzten 20 Jahren etwa genauso viele Menschen ermordet worden wie sie Ausländer im Ausland getötet haben… sorgt da jemand Unsichtbares etwa für „Auge um Auge“? Angesichts von Ungerechtigkeit auf verschiedenen Ebenen (viel Geld zB bedeutet viel Macht und damit auch viel VERANTWORTUNG, für das Leben)

    Gott sei Dank ist „die gute Nachricht“ ja die das seine Liebe (leidenschaftlich), Gnade und Barmherzigkeit größer ist als seine Freude am Richten.

    Naja, da wären jetzt ein paar Bücher fällig…. ist zu schwierig hier.

    Übrigens steht in der Bibel gar nicht das Gott das (erstmal tote) Universum am ersten Tag (der beginnt erst mit Vers 3) geschaffen hat.
    Und zur Beurteilung der ersten Kapitel der Bibel muß man sagen das diese unsere bekannte real world erst mit dem Ende von 1. Mose kreuzt (Josef ist der erste der die gegebene Maximalaltersgrenze von 120 Jahren unterschreitet, er stirbt mit 110).

    Und das wir, die Menschheit, uns bei reinem Wissen noch voll im Bereich „glauben und raten“ befinden (also bei geschätzten 20 % Wissen, kann man aus dem Faktor „wieviele neue Fragen entstehen wenn man eine beantwortet hat-Faktor“ interpolieren, bei 50% Wissen ,dann wird dasselbe gerade erst relevant und potentiell zuverlässig, gäbe es bei jeder gelösten Frage nur noch eine neue, da sind wir noch weit von entfernt).
    Hab zB neulich einem Vortrag des CERN-Chefs beigewohnt.
    Fazit: nach dem Finden des letzten Bausteins des Standardmodells (das Higgsteilchen) ist dasselbe beliebig präzise bewiesen etc. Erklärt aber leider ca 95% des Universums nicht (was ist dunkel Materie, ca 25%, was ist dunkle Energie, 70%).

    Naja, hab erst neulich über die Wahrheit von Jesaja 45,18 gestaunt:
    Der Herr ist der einzige Gott. Er ist es, der den Himmel geschaffen hat. Er gab der Erde ihre Form und legte ihre Fundamente. ! Nicht als einsame Wüste hat er sie gebildet, sondern als Wohnraum für seine Geschöpfe !. Dieser Gott spricht: „Ich bin der Herr, außer mir gibt es keinen Gott.
    (der Rede- und Denkstil ist dem damaligen Zielpublikum, „Bronzezeit“, angepaßt, in der Bibel ist noch der „Kunde“ König ;) )

    Bei den „einsamen Wüsten“ hatte ich alle weiteren bekannten Planeten im Hinterkopf, und das Bild der aufgehenden blauen Murmel über dem Mond.
    Und das auch die Erde eine zB WasserWÜSTE wäre wenn nicht unwahrscheinlichste Vorgänge per Plattentektonik trockenes Land geschaffen hätten.
    Praktisch alles was für uns hier selbstverständlich ist ist im Universum die absolute Ausnahme (neben der notwenigen 3stelligen Anzahl von eher präzise eingehaltenen irdischen Faktoren auch die Eigenschaften unseres Sonnensystems etc, „rare earth“ Hypothese etc).
    Interessant und erfreulich das sowas vielfach tödliches wie das Restuniversum das Leben hier so supportet.
    „Das Universum“ mag uns scheinbar.

    Und was für ein Wunder das wir leben. Auch wenn wir nach wie vor kaum eine Ahnung haben warum… zumindest objektiv gesehen,

    PS die Antwort auf die Theodizeefrage ist eigentlich ziemlich einfach…
    Hat mit unserem freien Willen (angemessenes Gegenüber für einen Schöpfer der willensmäßig völlig frei ist, sogar von Kirchen :)) und der damit verbundenen Verantwortung! zu tun, damit das es nicht nur lebensfördernde Mächte gibt (ok, der Satan ist nur ein „Geschöpf“, wenn auch ein sehr mächtiges) und der Tatsache das Gott seine Allmacht am Punkt unseres freien Willens eingeschränkt hat (er zwingt uns keinen fremden Willen auf).
    Verantwortung zu übernehmen heißt auch sich an Stellen helfen zu lassen wo man es nicht kann… etc. Stolz ist tödlich.


  5. Der Wal ist kein Fisch.

  6.   Atue

    @32:
    Ich bin ein gläubiger Christ!

    Aber!

    Wir sehen ein Universum mit Milliarden Galaxien, viele dieser Galaxien haben Milliarden Sonnen, und in einem relativ unbedeutendem Seitenarm unser eigenen Milchstraße findet man dann unsere Sonne.

    Um diese Sonne kreisen einige Objekte – darunter auch unsere Erde mit dem Mond.

    Auf dieser Erde leben Milliarden und Abermilliarden Lebewesen – mit mehr oder weniger Bewußtsein. Auch der Mensch hat seinen Platz gefunden und erkämpft.

    Diese Menschheit hat sich selbst relativ willkürlich und vor allem aber nicht nur aufgrund familiärer Bande organisiert – die Masse der Menschheit lebt nicht in Israel!

    Und dennoch schnappt sich dieser eine Gott nicht irgendeine der Milliarden sonstiger Galaxien, er verpasst auch die Milliarden sonstiger Sonnensysteme, und er beschäftigt sich im Wesentlichen wohl mit unserem Planeten am Rande des relativ unbedeutenden Spiralarms unserer Galaxie….und sucht sich dort nicht alle Menschen, sondern zunächst mal ein paar wenige Hansel und sagt denen, dass er der Gott aller ist……

    Und dann haben wir 2000 Jahre Funkstille?

    Sorry – ich glaube an Gott, und ich glaube an einen Sinn im Universum! Soweit gehe ich locker mit. Auch und gerade deshalb, weil es wesentlich sinnvoller ist, an einen Sinn zu glauben, als diesen zu verneinen, und alles der Beliebigkeit preis zu geben.

    Nur – die Geschichte rund um Jesus mit einer hohen Wahrscheinlichkeit als bare Münze zu nehmen – das ist schlicht und einfach Quatsch! Wer die kulturellen Hintergründe kennt, die zu Lebnzeiten Jesus geherrscht haben, kann besser verstehen, was zu seinen Lebzeiten protokolliert wurde.
    Wer die Zeit um 400 n. Chr. ein wenig versteht, versteht auch genauer, was uns heute an Dokumentation erhalten geblieben ist. Wer die Geschichte kennt, kann auch das Judentum und seine Wurzeln besser einschätzen.

    Die Bibel ist voll von Bildsprache und vielem mehr – Ideologen holen da vieles raus, was einer kritischen Prüfung kaum Stand hält.

    Mir ist nicht einsichtig, wieso ein vernunftbegabtes höheres Wesen auf die Idee kommen sollte, dass einerseits der Mensch ausreichend frei in seiner Entscheidung ist, andererseits dieses Wesen permanent auf Gebete und mehr hört…..oder eben auch nicht.

    Hat Gott uns als freie Wesen erschaffen – dann ist doch eher wahrscheinlich, dass wir wenig von ihm zu Lebzeiten mitbekommen werden. Sind wir nicht frei – ist eh alles willkürlich…..

    Ein Gott, der den Menschen frei belässt, kann und wird sich nicht dauerhaft und permanent einmischen – welchen Sinn sollte das machen?

    Nehmen wir aber an, dass sogar dies Sinn macht – warum sagt uns dann Gott nicht permanent und zu allen passenden und unpassenden Gelegenheiten, was richtig und was falsch ist?

    Die Kernbotschaft der Bibel ist, „sei gut zu dir selbst und zu deinem Nachbarn!“ wobei mit Nachbar jeder Dritte gemeint ist, den es neben mir selbst und Gott noch gibt.

    Was soll ich gegen diese Botschaft sagen? Wer der Welt einen Sinn zuschreibt, wird häufig auf ähnliche Botschaften kommen – was meiner meinung nach auch der Grund dafür ist, dass die Kernbotschaften aller größerer Religionen doch sehr sehr ähnlich sind.

    Die Mathematik der Spieltheorie bringt es an den Tag! Es ist für den Menschen regelmäßig günstiger, an einen Gott zu glauben, als daran, dass alles willkürlich und damit auch beliebig ist.

    Die Idee, dass dieser Gott allein und nur ganz genau der typische christliche Gott ist, ist hingegen ziemlich unwahrscheinlich. Tatsächlich spricht vielmehr dafür, dass Gott unterschiedlichen Kulturkreisen auch einen unterschiedlcihen Zugang angeboten hat.

    Wenn aber die gängigen Weltreligionen in ihrer Lehre austauschbar sind – dann ist alles, was nicht austauschbar ist, wohl eher unwahrscheinlich.

    Zu diesen unwahrscheinlichen Dingen gehört beispielsweise das Zölibat, Oder auch der Vormachtsanspruch des Bischofs von Rom – aber auch die Idee, dass eine der Weltreligionen Gott verstanden hätte……

    Das alles hat scheinbar wenig mit Mathematik zu tun – wobei Wahrscheinlichkeiten schon ein sehr mathematisches Konzept sind!

    Es gibt gute Gründe, an einen Gott zu glauben, und zwar an EINEN – und wer das tut, der muss eigentlich Konseqzuenzen für sich und sein Leben einplanen. Darum geht es!

    Ob dieser Gott der christliche, der jüdische, der muslimische ist…..das ist aus mathematischer Sicht kaum entscheidbar.

    Menschen sind insofern nicht sonderlich schlecht aufgestellt, wenn sie nicht alles aus der Bibel wörtlich übernehmen!

  7.   rap

    OK, meine aktuellen Gedanken dazu (zu Antwort 64)

    70 „Jahrwochen“ sind also in Wirklichkeit 69 (70 minus Startwoche, inklusive Zählung)
    Heißt ein „von Gott Auserwählter“ (ist aber mehr, wohl auch der 12. Imam und der „Madhi“, letztere wenn er wiederkommt, er ist aber der Fürst des LEBENS) wird 68 Jahrwochen nach 444 v. Chr. hingerichtet.

    Also ca -444 +68*7 = 32 n. Chr.

  8.   rap

    Ein diesbezüglich sehr interessantes.. Zeiträtsel aus Daniel 9,20ff (am einfachsten bei bibleserver.com in der Übersetzung „HfA“ lesen):

    7 Jahr(Wochen, also 49? Jahre ) nach dem Befehl Jerusalem wieder aufzubauen (durch Artaxerxes, ca 444 v. Chr, Altar und dann später der Tempel standen schon siehe Nehemia 2) kommt ein von Gott erwählter Herrscher (weiß bisher nicht wer das ist).
    Nach weiteren 62 Jahrwochen (also 434? Jahre) wird in Jerusalem ein von Gott Auserwählter hingerichtet ohne irgendwo Hilfe zu finden (wer könnte das wohl sein, die Schriftgelehrten wußten eventuell wann der Messias/Jesus getötet wird).
    Danach zerstört das Heer eines fremden Machthabers die Stadt (Jerusalem) und den Tempel wie eine reißende Flut (wohl 70 n. Chr durch Titus, unter seinem Vater Vespasian als Kaiser).
    Bei erstem oberflächlichem Rechnen (ohne Inklusion etc) kommt man also bei 38 n. Chr. für Jesu Tod raus.

    Was meinen die Inklusionsexperten (auch unter dem Aspekt das die 70 wohl das elegante/heilige, die 7, das rechnerische Ziel sein sollte)?

  9.   Hans Joachim Schliep

    Zu Komm. 61:
    Danke für die positive Vermutung in der Sache!
    Zugleich bin ich einigermaßen erschrocken: Ich komme aus einer – wie man heute sagt: – „bildungsfernen“ Familie, damals sprach man vom „Proletariat“. Wenn das, was ich, freilich in Verknappung komplexer Zusammenhänge, geschrieben habe, „unverständlich“ ist, bleibt uns nur noch das sprachliche (und gedankliche) Niveau der BILD-Zeitung. Nicht zuletzt um diesem gerade nicht zu verfallen, lese ich seit mehr als 50 Jahren DIE ZEIT.
    Und: Zur deutschen Sprache gehören auch Nebensätze und Kommata!
    Doch nichts für ungut – Ihr Hans Joachim Schliep

  10.   Nanu

    @15 reniarr:
    Das Jahr begann zur Römerzeit im März, nicht wie Sie schreiben im April. Deshalb hat der letzte Monat jener Jahre, der Februar, auch nur 28 Tage abbekommen. Ihre Erklärung (September = 7. Monat, Oktober = 8. Monat etc.) ist auch nur mit dem März stimmig; denn April=1, Mai=2, Juni=3, Juli=4, Augist=5, September=6 führt leider nicht zum Ziel. Nichts für ungut.
    @52 Grails_Knight
    Don’t feed the troll ;-)

 

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