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Übles Glutamat

 

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Der Brühwürfel oder aber Suppenpulver, das sind Alltagsartikel, über die man sich keine Gedanken mehr macht und bei denen man schon gar nicht das Kleingedruckte auf der Verpackung liest. Dort fände man oft die Chemiezutat Monosodiumglutamat, meist kurz Glutamat genannt.

Gluten sind was ganz anderes. Steht glutenfrei drauf, bedeutet das, dass kein Getreidekleber enthalten ist, Getreide-Eiweiße, gegen die mancher allergisch ist. Das hat nichts mit Glutamat zu tun, sondern dient manchmal nur dazu, von dieser Beigabe abzulenken.

Von Glutamat bekomme ich jedes Mal einen heißen Kopp, Wallungen, als wäre ich in den Wechseljahren. Gefäßkranke, Herz- und Kreislaufgeschädigte können sich davon noch üblere Reaktionen holen. Das Kleingedruckte auf Würzartikeln ist aber umfangreicher. Da steht etwa noch „natürliches Aroma“. Das bedeutet klipp und klar was anderes, nämlich: künstlich. Findet man in den klitzekleinen Texten den unverfänglich-tückischen Sammelbegriff „Suppenwürze“, dann verbirgt sich dahinter die Apotheke der Industrie.

Man begebe sich also in einen Bioladen, muss aber dort auch sehr genau aufs Etikett schauen. Bei den Produkten der Firma “Erntesegen” findet man keine verdächtigen Beimischungen und bei den Produkten von „Rapunzel“ ist auch alles o.k. Eine gute Bio-Gemüsebrühe bietet die Firma Bruno Fischer, in Würfel oder Pulverform nennt sich das „Würzl“ Auf der Verpackung steht aus oben genannten Gründen sogar ausdrücklich, dass Würzl keine Speisewürze enthält.

Es steht noch eine andere Botschaft drauf: Bleibt in meiner Liebe Joh. 5/9. Was sich anhört wie ein neuer Eurovisionsschlager ist nichts anderes als die pure Durchsage des wahren Meisters. Da fällt selbst der agnostische Rezensent in Kontemplation. Kurze Pause. Unter der Heilsbotschaft stand: Infotelefon 02243-81122. Ich rief an, keiner ging ran, Jesus war womöglich gerade selbst einkaufen.

Halt – es gibt noch ein anderes mir gut bekanntes und erprobtes Spitzenprodukt. Wer also Bibelsprüche nicht mag, ist dort gut und gleichwertig aufgehoben. Gehen Sie mal auf diese Website: www.raso.de

7 Kommentare

  1.   Dirk Esser

    Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,

    es ist recht einfach selber Brühpulver herzustellen.
    Dann weiß man was drin ist und kann den Geschmack varieren.

    unter folgendem Link gibt es das Rezept (ganz nach unten scrollen):

    http://www.culinaria-slow.de/?m=200806

    Mit genussfreundlichen Grüssen

    Dirk Esser

  2.   Stefan

    Hier kann ich mir einen Zitat des alten Paracelsus nicht verkneifen. „Alle Dinge sind Gift und nichts ohne Gift. Allein die Menge macht das Gift“ freie Glutaminsäure (auch Glutamat genannt) kommt in vielen Lebensmitteln ganz naturlich vor, besonders viel in Tomaten (vorallem getrocknet) getroknetem Fleisch, altem Käse, Sojasaucen, einigen Algen, einigen Hefen halt Hefe mal eben die Rapunzelverpakung ausgraben da Hefeextrakt! Zurück ins Internet wiki hilf – und da haben wir’s meiste Glutamat was heutzutage erzeugt wird, wird durch Fermentation erzeugt ist also immer ein Hefeextrakt.

    Was ist mit dem Chinarestaurantsyndrom, tja man weiss es nicht, gesundheitliche Folgen dito…. Allergien und Unverträglichkeiten scheint es zu geben, aber die gibt es gegen quasi alles sprich alles vermeiden was Allergien auslösen könnte wäre eine tödliche Diät.

    Also ich lass die Finger auch von künstlichen Geschmacksverstärkern (weitestgehend), es versaut einfach die Geschmacksnerven, man weiss nichtmehr wie natürliche Lebensmittel schmecken, man kann vermuten das sie den gesunden Appetit beeinflussen (die Vermutung ist stärker als die Chinarestaurantthese: man füttert Schweinen Geschmacksverstärker damit sie mehr fressen)

    Nun können sie sich fragen, wenn der Kerl das zeug ebenso wie die Pest meidet wie ich, warum schreibt er dann so einen langen Artikel dazu? Nun ja, das ist der Wissenschaftler (ich bin kein Chemiker das oben ist auch nur Laienwissen) in mir, der davon überzeugt ist, dass nur stichhaltige Argumente der guten Sache dienen Aberglauben und blinde Verteufelung halte ich eher für Kontraproduktiv.

  3.   Wolfgang

    Ich kann Stefan nur beipflichten:

    Glutamat ist grundsätzlich eine sowohl natürliche, als auch entscheidende Geschmackszutat.

    Viele traditionelle Küchentechniken zielen auch (vielleicht sogar insbesondere) darauf ab, Glutamat zu konzentrieren: Das Kochen von Fonds und Glaces, das Fermentieren asiatischer Fisch- oder Sojasaucen. Fleisch, Pilze, Hartkäse, Tomaten – sie alle enthalten hohe Glutamatkonzentrationen.

    Nun gibt es Menschen, die zwischen „gutem“, „natürlichem“ und „schlechtem“, „künstlichem“ Glutamat unterscheiden – ersteres vorliegend in den Grundnahrungsmitteln, zweiteres hergestellt „in der chemischen Industrie“.

    Diese Unterscheidung erscheint mir grotesk: In beiden Fällen handelt es sich um ein und dieselbe chemische Substanz, und auch im industriellen Herstellungsprozess wird diese auf biochemischem Wege (nämlich durch genau die Hefen, deren Extrakt die Bio-Brühpulver-Zutatenliste schmückt) gewonnen.

    Ich schreibe dies durchaus in der Gewissheit, dass ich in meiner Küche grundsätzlich keine zusätzlichen Glutamatgaben einsetze – dies allerdings nicht, weil ich sie für gesundheitlich bedenklich hielte, sondern weil sie den Geschmack durch eine allzu undifferenzierte „Keule“ vereinheitlichen und so versauen.

    Dennoch: Im Interesse einer fairen Diskussion (und um zu vermeiden, dass man sich als Kämpfer für den guten Geschmack allzu leicht als Polemiker, schlimmstenfalls Schwätzer diskreditiert) ärgern mich die aus wissenschaftlicher Sicht allzu unbeleckten Meinungen zum Thema Glutamat. Ausnahmsweise (!) auch bei Ihnen, Herr Klink.

    Grüße,
    Wolfgang

    PS: Ich werde meine Teigwaren auch weiterhin in großen Mengen Dihydrogenoxid unter Beigabe von einigen TL Natriumchlorid kochen.

  4.   Stefan

    Ok, was Sie schreiben stimmt. Der natürliche Gehalt an Glutamat ist jedoch auch bei den Lebensmitteln, die die Spitzenpositionen einnehmen (getrocknete Shitake-Pilze, Sojasoße, usw.) um mindestens eine Zehnerpotenz niedriger als bei einer typischen, zusätzlichen MNG-Gabe.

  5.   Wolfgang

    Hm, ich kenne keine Zahlen, wie groß eine typische Glutamatgabe ist 😉

    Aber wenn ich z.B. 100g Parmesan verzehre, was zu einem schönen Glas Wein ohne weiteres innerhalb einer Stunde passieren kann, dann habe ich mir laut Bundeslebensmittelschlüssel immerhin schon 6,5g Glutamat reingezogen – ein gehäufter Teelöffel des bösen Pulvers. Bislang erfreulicherweise ohne feststellbare Nebenwirkungen …

  6.   Badnerin in Berlin

    Lieber Vincent Klink,
    wie immer muß ich Ihnen beipflichten… Mein Mariahilf in der Küche ist auch schon seit langem das herrliche WÜRZL-Pulver.
    Kurz und bündig herzlich grüßend,
    die Badnerin in Berlin

  7.   Lotsa Green

    Die Verarbeitung macht das Gift…im natürlichen Verbund reagieren die Stoffe oft ganz anders als isoliert.

    Man kennt das sehr gut von Arzneimitteln wo ein Pflanzenextrakt weitaus schonender, wirksamer oder eben länger wirkt als der isolierte Wirkstoff was man von einigen Hermedikationen her kennt.

    Der isolierte Wirkstoff wirkt ungebremst von den sonstigen Stoffen, harsch, schnell, grob..auch Koffeein im Tee ist da ein schönes Beispiel.

    Koffein wie im Kaffee aber durch die Inhaltsstoffe wirkt es länger und sanfter.

    Kokablätter sind bei den Indios ein Heilmittel gegen Durchfall, werden wie bei uns Kaffee genossen um wach zu bleiben.

    Das isolieren der wirksamen Substanz machte das ganze zum Arzneimittel, aber auch zum Rauschgift.

    Glutamat im natürlichem Verbund, auch in Speisehefe, Parmesan, Pilzen ist völlig in Ordnung…isoliert als Reinsubstanz wird daraus ein Nervengift. Sicher wirkt es noch immer umamihaft lecker, aber dioe Nebenwirkungen will man nicht haben.

 

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