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Kein Mief in Napoli

 

Die Vorarbeiten zum nächsten Häuptling laufen schon auf Hochtouren. Nachdem der momentane Häuptling ( www.haeuptling-eigener-herd.de ) sich mit der Arabischen Küche beschäftigt, widmet sich der kommende dem Thema “Lärm und Gestank” und obendrein natürlich gewaltig der Küche Kampaniens.

Was also lag näher, als am vergangenen Wochenende nach Napoli zu fliegen und sich den Müll anzusehen und die Küche dort zu erforschen.

Es kam ganz anders: Ich war von der Stadt so angetan, dass ich einen Tag länger blieb, dienstags meine Köche anrief und erklärte: “Ich schwänze noch einen Tag”!

1. In Napoli stinkt es nicht, es duftet. Und eine müffelnde Fritteuse, wie ganzjährig auf dem Stuttgarter Schlossplatz, konnte ich nicht erschnüffeln.

2. Die Müllschlagzeilen waren ein Schock für die Stadt und die Italiener sind schnell im Handeln. Noch nie habe ich so viele Straßenkehrer gesehen wie in den Vormittagsstunden in Napoli.

3. Die Menschen sind rundum fröhlich und hilfsbereit. Bus und Bahn funktionieren auf die Sekunde. Meiner Frau wurde die Handtasche nicht entrissen, was ihr aber in Zürich und mal in Bern passiert ist.

4. Alles dreht sich um’s Essen, die Fischküche ist großartig, vor allem aber die Stimmung in den Restaurants. Mit der kulinarischen Perfektion nehmen es die Köchinnen und Köche am Vesuv nicht so genau, wobei der Einheimische wahrscheinlich besser bekocht wird als der Tourist. Eine große Ausnahme gibt es aber, nämlich Don Alfonso in Sant’ Agata sui due Golfi. Dort herrscht Sterneperfektion, aber nicht der Groove wie in der Altstadt von Napoli. Man kann nicht alles gleichzeitig haben.

costantinopoli-aussen-210.jpg

Nichts deutet darauf hin, dass hinter dem Tor ein Paradies beginnt (im Hintergrund schon wieder ein Straßenkehrer).

Wunderbares, kleines Hotel mit angemessenen Preisen, mitten in der Altstadt: www.costantinopoli104.com

costantinopoli-innen-210.jpg

PS: Mit den Taxifahrern ist es ein Kreuz. Am ersten Tag kostet alles doppelt soviel. Sie merken aber wenn man sich eingegroovt hat. Mit jedem Tag wird es billiger.

2 Kommentare

  1.   Christian

    Komisch. Meine Frau und ich waren vor einem Jahr in Neapel und haben uns überhaupt nicht wohl gefühlt. Zugegeben war es nur ein Tag auf der Rückreise von Capri und der Küste, was Neapels stand nicht verbessert hat. Aber gut zu wissen, dass es sich zum Besseren entwickelt hat.

  2.   Klaus

    Neapel ist nicht einfach. Im Gegenteil: Neapel stellt eine ziemlich hochkompexe urban-politische Struktur dar, die für Italiener schon schwierig ist. Für uns erst recht. Auch für mich, obwohl ich hier einiges an Informationen weitergeben möchte.
    Auslassen muss man zunächst historische Begebenheiten, also zB das Königreich Neapel, Napoleons I. Einfluss, das Entstehen eines italienischen Nationalstaates, der Übergang zur Republik und nicht zuletzt, die Zeit des Faschismus.
    So. Natürlich verfügt die Stadt, wie alle anderen modernen europäischen Grossstädte über eine notwendige Infrastruktur. Auch über eine Müllabfuhr.
    Schwierig wird es erst da, wo Einflüsse der neapolitanischen Camorra, der kalabrischen Ndrangheta und der apulischen (Sacra) Corona Unita zusammenkommen. Neapolitanische Familien stammen nicht alle aus Neapel, es gibt durchaus Vermischungen, ist ja wohl klar. Da gibt es auch alte Bindungen und Zugehörigkeiten. Man wechselt die auch nicht, wie hier eine Partei. Und man hat ein Heimatdorf: Auf Sardinien, in Kalabrien, in Sizilien….dort leben noch Verwandte!!!
    Die „Familien“ der genannten „Organisationen“ sind sich auch nicht alle grün, so dass es ständig interne, wie auch Auseinandersetzungen zwischen den „Organisationen“ gibt. Da zahle mal einer pünktlich, ordentlich und mit richtigem Betrag sein Schutzgeld an den richtigen „Laden“!!
    Hinzu kommt das Gerangel zwischen Carabinieri und Polizia di Stato (die Deutschen kennen deren Polizeichef als Questore, vor allem aber als Vice-Questore aus einschlägigen DEUTSCHEN TV-Sendungen minderer Qualität) bei der Bekämpfung der „Mafia“, um die „Organisationen“ mal beim Namen zu nennen.
    Wenn es kritisch wird, greift noch die AISI (Agenzia Informazioni e Sicurezza Interna – früher SISDE – eine Art iatlienischer Verfassungsschutz und BKA) ein, dann versteht keiner mehr was.
    So, alles verstanden?
    NEIN!?? Das geht den Neapolitanern genauso. Deshalb haben sie eine gute Küche entwickelt und lassen es sich schmecken!

 

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