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19% Mehrwertsteuer für die Gastronomie!

 

Als Koch griff man sich schon immer an den Kopf: Lebensmittel werden für 7% eingekauft. Die Bedienung trägt sie an den Esstisch und dafür straft der Staat 19% ab. Verkauft man das Schnitzel außer Haus, sind es plötzlich wieder 7%.

Die breite Basis-Gastronomie schrammte schon immer an den roten Zahlen entlang. Wer nicht spart, kriegt die Kurve nicht. Durch Selbstausbeutung und Gemurkse halten sich 90% der Gastronomen am Überleben. Ein riesiger Wirtschaftsbereich mit Millionen Arbeitnehmern wird durch ungerechte Mehrwertsteuer am Boden gehalten. Haben unsere Nachbarländer einen niedrigeren Steuersatz, wird es im Grenzgebiet, z.B. in Baden, für die Wirte noch enger.

Deutschland ist Reiseweltmeister. Das ist volkswirtschaftlich deshalb verheerend, weil das Geld beispielsweise nach Mallorca getragen wird, und umgekehrt die Ausländer nicht in dem Maße unser Land aufsuchen. Wichtig wäre also, dass nicht Deutsche weniger dem puritanischen Klima hier fliehen, sondern dass die Heimat als Reiseland unterstützt wird.

In den letzten Jahren mehrten sich die positiven Trends, die kann man abwürgen oder fördern. Die Nachbarn (Frankreich) denken voraus. Bayern ist hierzulande Reiseland Nr. 1. Dort ahnt man auch, dass lebensfähige Gastronomie allen etwas bringt. In Deutschland ist sie deshalb so wichtig, da wir ständig unsicherem Wetter ausgesetzt sind und dieses am besten durch gute Gasthäuser kompensiert werden kann.

Vom blühenden Fremdenverkehr haben alle etwas. Der Staat bekommt unter anderem mehr Gewerbesteuer, die Branche investiert, das Land wird lebenswerter und Arbeitsplätze entstehen. Dadurch werden die errechneten 135 Millionen Steuerausfall garantiert kompensiert. Ich rede hier von mickrigen Millionen, dies in einer Zeit, in der die Politik Milliarden verteilt.
Ja, ja, wer fleißig ist, wird bestraft, und wer in großem Stil Mist baut, wird subventioniert.

32 Kommentare

  1.   bruddler

    Ich würde aber zwischen Gastronomie und Gastronomie noch unterscheiden: Den meisten Autobahnraststätten würde ich für ihren Fr… noch eine Strafsteuer auferlegen. Nehmen die Reisenden halt belegte Brote mit. Ich zahle der Bahn auch keine EUR 2,70 für den Pappbecher-Kaffee oder gehe gar ins Bord-Bistro und auf das Bord-Restaurant kann man mittlerweile auch verzichten. Da stehen die Preise in keinem Verhältnis zur Qualität.
    Zugegeben: Es kann mit der Mehrwertsteuer nicht geregelt werden.

    Aber: Die Gastronomen sind ja berechtigt, die Vorsteuer abzuziehen, von daher ist das nicht so schlimm. Die Steuerlast trägt eigentlich der zahlende Kunde. Und darum gehts. Wer Qualität und ordentlichen Service (das ist ja heute in Deutschland schon eine freundliche Begrüssung)
    anbietet, den lasse ich auch meine Steuerlast kassieren und an den Staat abführen. Die Bahn, Mc’s und Burgers und die schon erwähnten Autobahnraststätten werden noch lange auf steuerbaren Umsatz mit mir warten.

  2.   Fabian L.

    Was regen sich die Gastronomen immer über den erhöhten Steuersatz auf. ich glaube nicht, dass bei 12% weniger Steuer die Gäste mehr ins Restaurant gehen.

  3.   Klaus

    In dem Zusammenhang leuchtet doch der Aspekt des freundlichen Service ein. Ganz selten erlebe ich es hierzulande, dass man freundlich bedient wird, auch wenn man keine oder keine grossen Umsätze macht.
    Darüber hinaus erwarte ich auch in Gaststätten/Wirtschaften und einfachen Restaurants ein gewisses Mass an Sauberkeit. Die Brotkrümel des vorherigen Gastes haben auf dem Tisch nichts mehr zu suchen und es ist nachgerade peinlich, wenn sie erst vor den Augen des neuen Gastes entfernt werden.

    Manche Küchentüren sollten auch geschlossen bleiben, so dass der Gast nicht mit ansehen muss, wie der Lehrling den Kartoffelsalat „manuell“ aus einem grossen Eimer schöpft.

    Es geht viel Grundsätzliches verloren. Da müsste man sich auch in der Gastronomie mehr Mühe geben. Die vielen „Zum Ochsen“, „Zum Löwen“, „Ritter“ und wie sie alle hiessen, das sind nun alles „Rhodos“, „Athena“ und Pizzeria“ oder gar (sprachlich das Allerletzte) „Döneria.“ Ich habe sogar schon mal „Prosecceria“ gelesen.
    Kann man da nicht mal fragen, warum die „deutsche“ Gastronomie so unbedeutend geworden ist. Und bitte: Ich frage dies nicht aus nationaler Gesinnung. Ein Grund ist sicher der von Vincent Klink genannte: Es ist Schinderei, wenn man es gut machen will.

  4.   bruddler

    Völlig richtig, Fabian, das sehe ich auch so.
    Ich entscheide weniger am Preis, als vielmehr daran, wie ich mich wo fühle, wie ich bedient werde, wie die Qualität ist. Dafür gehe ich bevorzugt in ein „gutes“ Restaurant, aber vielleicht einmal weniger.

    Es ist schon richtig, dass deutsche Gastronomen (wenn man das Wort in dem Zusammenhang so gebrauchen kann) da einen immensen Nachholbedarf haben. Die Zeiten „hoher Preis für schlechte Qualität“ sind wohl vorbei. Ein angenehmeres Phänomen der Krise.

    Überleben werden die, die einen freundlichen Kontakt zu ihren Gästen haben, die sich „schinden“ und bei denen man sich wohl fühlt.

  5.   Mario

    Wer das MwSt.-Gefälle an der badischen Grenze als Wettbewerbsnachteil sieht, war noch nie im Elsass essen.
    Preislich liegen da Welten dazwischen.

  6.   bruddler

    Bei Licht erneut betrachtet, gilt der letzte Absatz meiner letzten Ausführung aber für alle Geschäftsleute.

  7.   T. Rop

    @Fabian L.
    Der Endkundenpreis würde sich bei einer Absenkung der MwSt nicht zwingend ändern, allein der Gastronom hätte einen höheren Deckungsbeitrag und nähert sich der „schwarzen Null“

  8.   bruddler

    Lieber T. Rop,
    die USt ist ja für den Gastronomen fast kostenneutral. Was solls also? Ihm kommts doch nur auf die Zahllast an und die ist marginal.

  9.   bruddler

    Und der „Endkundenpreis“ ändert sich schon. Mir ist es doch nicht egal, ob ich 11, 14, 17 oder 19 % USt bezahle?

  10.   Stefan

    Ein wenig irritiert bin ich schon über die hier teilweise gemachten Äußerungen. Gehe ich in einen Schmuddel-Laden um mir dort ein Hochglanz-Hardcore-Magazin zu kaufen bezahle ich, weil Zeitschrift, einen ermäßigten Mwst-Satz.
    Ich bin selbst Gastronom, mit Leib und Seele und noch nie ein Freund der Jammerei gewesen. Allerdings gibt es im Steuer und Paragraphen-Dschungel zuviel Ungerechtes, dazu gehört auch der volle Mwst-Satz in der Gastronomie.
    Der ermäßigte Mwst-Satz führt nicht gleich zu einer Reduzierung der Preise, aber es würden laut Umfrage des DEHOGA erforderliche Investitionen getätigt, gäbe Lohnerhöhung und zu guter letzt, könnte man sich als Gastronom auch etwas für schlechte Zeiten zurück legen und bedeutet einen ruhigeren Schlaf.

 

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