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Artgerechte Gänselebererzeugung

 

Die Italiener werden gerne unterschätzt, und wir Deutschen sind uns unserer Tatkraft und des Fleißes oft allzu sicher. Es gibt aber auch Vieles, was uns verbindet. Gänse dürfen nicht gestopft werden, und glaube ja niemand, die Carabinieri in Norditalien wären weniger scharf als deutsche Polizisten – im Gegenteil.

Jetzt kommt’s: Vor vielen Jahren bereiste ich immer wieder die Lomellina, das Reisanbaugebiet südwestlich von Mailand. So kam ich auch nach Mortara und dort hat man mit Reis gar nichts am Hut. Der ganze Ort kümmert sich um Gänse.

Salami, Schinken, Pasteten, Terrinen u.s.w., alles wird aus gemästeten Gänsen gefertigt. Frische Gänseleber wird dort auch hergestellt. Und was nirgends möglich ist, die Italiener kriegen’s hin: Artgerechte Gänselebererzeugung.
Die letzten sechs Wochen werden die Gänse mit Feigen gefüttert, sie bekommen, soviel sie wollen. Die Gans ist sehr verfressen und die Tiere hauen rein, dass die Leber etwas anschwillt und so viel köstlicher wird als die Quäl-Stopfleberprodukte aus Frankreich und Italien. Warum die Italiener das hinkriegen? Sie sind genauso verfressen wie die Gänse und sind bereit, je nach Geldbeutel, auf manchen Konsum zu verzichten und das gute Essen vornan zu stellen.

Klar, Gänseleber isst man nicht alle Tage und in Italien schon gar nicht. Da aber dort nicht jeden Tag ein Tierteil auf den Teller kommt, ist man, wenn es gilt, großzügig, achtet auf Qualität und zahlt dann auch dementsprechend. Sobald es wärmer wird, werde ich mich auf meine „Macchina“ schwingen und nach Mortara brausen, denn bevor ich etwas koche, will ich wissen, wie es beim Produzenten zugeht.

Übrigens, den Tipp habe ich von Heinrich Götzenberger, Executiv-Chef beim Feinkost Böhm in Stuttgart. Wer mal dort war, oder auch in der Markthalle, der bekommt tiefe Einblicke in die schwäbische Seele: „Mir möget alles, blos koin Gruscht!“

2 Kommentare

  1.   Lotsa Green

    Feigen?

    Das muss eine teure Angelegenheit sein.

    Ist aber auch lustig wie manche Stopfleberproduzenten ihr Produkt zu verteidigen versuchen indem sie z.B. sagen dass es normal wäre, das Gänse sich immer so eine fette Leber zulegen als Zugvogel.

    Nur ist die Leber dann nicht so fett wie gestopft, da wäre das Fliegen als Zugvogel unmöglich und da krankhaft verfettet und damit unfähig richtig zu arbeiten, wäre der Vogel genauso wie ein Gelbsuchtkranker nicht wirklich tauglich für das normale, harte Vogelleben.

    Oder das Stopfen, wo dann als Beispiel ein Kormoran genommen wird der einen Fisch im ganzen hinunterschlingt.

    Gäns sind keine Kormorane, Kormorane schlingen weil sie den Fisch nicht zerteilen können. Gänse verputzen aber weder Fisch als Hauptnahrung noch so riesige Brocken sondern güsseln den ganzen Tag umher..hier ein Bröckchen, da eins…und auch keinen Sojabrei sondern einen großen Anteil Gras und Kräuter, Körner, paar Insekten und selten mal ein sonstiges kleines Tier.

    Deswegen nimmt man auch Enten zum Schneckenvertilgen und Gäsen als Rasenmäher.

    Wenn eine Stopfleber so natürlich wäre, bräuchte es das Stopfen nicht und die Tiere müsste man zwecks der Bewegung auch nicht einsperren.

    Ich würde darüber gern mehr wissen, das mit den Feigen und wo und dergleichen.

    Leber die ohne Getreidepampf überfettet ist bis sie mehr Fett als Leber ist, schmeckt auch intensiver.
    Auch die Qualität des Fettes trägt zum Geschmack bei..im schlimmsten Falle aufbereitetes Industriefett bzw aus Pommesbuden, im besten das aus den Getreidekörnern selber…im allerbesten wohl die Gans von der Weide

  2.   Roland Adam

    Eine das Tier krank machende Haltung und Fütterung als artgerecht zu bezeichnen —-ich denke das kann man nur wenn man versucht Werbung zu machen für einen der damit sein Geld verdient –Leider wieder einmal BW kommt wohl aus Negativschlagzeilen nicht mehr heraus

 

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