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Netzfilm der Woche: „Internet Archive“

 

Die neue Bibliothek von Alexandria steht nicht in Ägypten, sondern in einer gutbürgerlichen Nachbarschaft San Franciscos. In der 300 Funston Avenue, um genau zu sein, einer ehemaligen Kirche mit neoklassizistischen Säulen und schweren Metalltüren. Im Inneren befinden sich karge Holzbänke, die aber nicht etwa auf einen Altar oder Kreuze ausgerichtet sind, sondern auf kleiderschrankgroße Gerätschaften, die hektisch blau blinken: das Internet Archive.

1996 von Brewster Kahle gegründet, hat das Archive inzwischen über 200 Mitarbeiter und offiziell den Status einer Bibliothek. Seit 17 Jahren sammelt die Wayback Machine Schnappschüsse des Internets, längst verloren geglaubte Websites lassen sich damit, jedenfalls teilweise, wiederbeleben. Und das ist nur ein Teil des Projekts. Inzwischen hat die gemeinnützige Organisation mehr als 1,6 Millionen Bücher aus der Public Domain gescannt und archiviert. Dazu kommen die Mitschnitte sämtlicher US-Nachrichtensendungen seit 2009, zigtausende Filme, Texte und Audioaufnahmen. Seit 2011 schlummern zudem 750.000 tatsächliche Bücher in riesigen, klimakontrollierten Containern in Oakland, noch einmal so viele sollen bald folgen.

Brewster Kahle und sein Team bezwecken mit dem Projekt nicht allein die Archivierung für die Ewigkeit, sondern auch den freien Zugriff auf Informationen, überall und jederzeit. Und im Gegensatz zu Google, das ebenfalls ein umstrittenes Archivprojekt betreibt, soll das Internet Archive keine finanziellen und politischen Interessen bedienen.

Das ist ambitioniert, manche sagen unmöglich. Doch wer Kahle in der kurzen Dokumentation Internet Archive und zahlreichen anderen Auftritten sieht, möchte ihm fast glauben. Der Informatiker, der in den frühen Neunzigern den Webanalyse-Dienst Alexa gründete und später für viele Millionen an Amazon verkaufte, ist ein charismatischer Nerd. Seine Sammelwut begründet er mit der Unsicherheit, der Informationen im Netz unterliegen. Sei es durch Regierungen, die Seiten sperren, durch Unternehmen, die Dienste offline nehmen oder der fehlerhaften Technik, die täglich zu Datenverlusten führt.

Kahle und sein Team wissen, dass sie eine Sisyphusarbeit betreiben, dass sie niemals das Internet in seiner Gänze archivieren können. Ihre Arbeit wird nicht bloß durch die Masse der Daten, sondern auch durch rechtliche und technische Probleme erschwert. Doch sie machen weiter, solange sie sich durch Spenden finanzieren können. Im Oktober knackte das Internet Archive die 10-Petabyte-Marke. Die Filmemacher von Deepspeed Media nahmen diesen Tag zum Anlass, einen Blick hinter die Kulissen des Projekts zu werfen.

3 Kommentare

  1.   Joe

    Super Sache nur die Nes Beiträge vom US Fernsehen? REALLY? Zumindest Fox kannste löschen…

 

Kommentare sind geschlossen.